Forum: Kultur
Misslungener Brecht-Zweiteiler: Dichter, Denker, Schwein
WDR/ Nik Konietzny

Brecht und MeToo: Heinrich Breloers Zweiteiler sollte das große Porträt eines großen Intellektuellen werden - herausgekommen ist ein wackliges TV-Stück über einen eitlen Geck und ewiggeilen Dichterfürsten.

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desitka 21.03.2019, 10:07
1.

Man kann sich des Eindrucks kaum erweheren, daß hier Autor Höbel einfach Schwierigkeiten damit hat, dasß Breloer Brecht von seinem mamorsockle genommen und als "Mensch" dargestellt hat. Brecht selbst hätte dafür vermutlich erheblich mehr Sympathie.
Der verriß wird jedenfalls die Anzahl der Zuschauer nach oben treibe. Schon allein deshalb: Glückwunsch Herr Breloer! ich werds mir ansehen. Bisher stand Breloer für ausgezeichnete Unterhaltung mit historischem Wert.

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doktor-nötigenfalls 21.03.2019, 10:35
2.

Kann mich meinem Vorredner nur anschließen. Breloers Ansinnen war es sicherlich nicht, ein zerstrittenes Grüppchen von Brechtexperten zu bedienen. Es geht Breloer, wie beispielsweise schon in seiner Arbeit über die Manns, immer auch um ein Stück Unterhaltung. Und das ist ihm bisher ohne Ausnahme bestens gelungen.
Also: Ein SPON-Veriss ist (wie übrigens auch beim letzten Münster-Tatort) das beste Indiz für einen gelungenen TV-Abend. Ich freu mich!

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bosworth 21.03.2019, 11:12
3.

Anschauen werde ich's mir, schon wegen Burkhart Klaußner und Adele Neuhauser.
Und weil Herr Breloer am Sonntag im HR-Talk verlauten ließ, es ginge ihm um 'die Wahrheit' über Brecht. Das scheint mir ein reichlich vermessener Anspruch.
Wenn überhaupt, dann kann es nur um die subjektive Wahrheit des Regisseurs gehen - und um die mit meiner Sicht auf den armen BB abzugleichen und wegen der Zeitzeugen - da dürften sich die Stunden vor der Glotze hoffentlich lohnen. Und falls nicht, dann lese ich halt endlich wieder mal Brechts hinreißend schöne frühe Gedichte. Alleine für 'Vom Schwimmen in Seen und Flüßen' darf der Bertolt ruhig auf einem Sockel stehen. Was interessieren mich da seine Weibergeschichten.

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House_of_Sobryansky 21.03.2019, 11:41
4. Gnadengesuch

Die Ödnis der Signature. Der Gegenstand ist ohne Bedeutung. Alles dreht sich um die sich bis in alle Ewigkeit repetierende Formel eines einstigen Erfolgs. Ein veritables Gnadengesuch am Hof der Öffentlich-Rechtlichen. Da bleibt man doch lieber gleich bei Doris Day.

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Newspeak 21.03.2019, 11:59
5. ....

Brecht ist der Grossdichter der Studienräte. Und die werden Breloers Film sicher gut finden. Es ist der Abglanz all dessen, was sie nicht sind, den sie lieben.

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ackermart 21.03.2019, 12:07
6. Leben und Werk ....

liegen oft eben sehr weit neben einander, sind also nicht zu einen an der Idee eines "Gesamtkunstwerkes" wie es erst die Popkultur für Leute erfand, die alten Käse an der Wand zu von dessen Stunk abgewandter Kunst verklärten. Wer sich B.B. wirklich erschließen will, muss die Mühen der Ebene beim ihn sich erlesen durchschreiten. Und da ist weit mehr Erlesenes zu finden als je auf die Bretter jener Bühne kam, die man da wohl nur in einer kleinen Ensemblewelt für weltbedeutend hielt. Nur die Tribünen von Tribunen können die Welt erschüttern, was sich lehrstückhaft erst heute wieder – wie bei Nero mit unfreiwilliger Komik verbunden - wiederholt. Brecht hätte dabei wohl auch heute über jene gelacht, die er damit an fremde Herrscher etwa hätte denken gemacht. In jedem Falle hätte das dialektische Schandmaul aber auch uns fremde, zumindest aber befremdende Herrschaften - innen - mit erweiterten Sinnen für der Welt ganz große Bühne gemeint.

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xcelsis 21.03.2019, 12:30
7. Diese Kritik

ist ein gutes Beispiel dafür, was so viele Spiegel-Leser erzürnt: das ständige Kritisieren, Bewerten, Benoten. Ich denke, einige der Journalisten, wie z.B. Herr Höbel hätten besser Lehrer werden sollen. Da hätten sie noch mehr Gelegenheit, ihrer Passion nachzugehen. Warum kann man nicht einen Spielfilm einfach nur beschreiben? Nein, da muss Stimmung her. Folglich sind Mutmaßungen "erzpeinlich", Musik ist "vollgejauchzt" (was ist das?) und "zugedudelt", "allerbanalste Illustrationsbilder" werden entworfen. Es scheint so, dass man ohne Verriss nicht auskommen kann/möchte/soll. Und das mit einer Anmaßung und Zweifellosigkeit, die der Autor nicht als persönlich deklariert, sondern als allgemeingültig präsentiert. Positiv ist, dass man als Konsument davon ausgehen kann, dass eine schlechte Bepunktung (2/10) wie beim letzten Münsteraner Tatort, meist ein guter Grund ist, erst recht einzuschalten.

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Friedrich der Streitbare 21.03.2019, 13:43
8. Ein Kontraindikator

Zitat von doktor-nötigenfalls
.. Also: Ein SPON-Veriss ist (wie übrigens auch beim letzten Münster-Tatort) das beste Indiz für einen gelungenen TV-Abend. Ich freu mich!
ist halt genauso nützlich wie ein Indikator.

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.patou 21.03.2019, 13:46
9.

Zitat von xcelsis
Diese Kritik ist ein gutes Beispiel dafür, was so viele Spiegel-Leser erzürnt: das ständige Kritisieren, Bewerten, Benoten. Ich denke, einige der Journalisten, wie z.B. Herr Höbel hätten besser Lehrer werden sollen. Da hätten sie noch mehr Gelegenheit, ihrer Passion nachzugehen. Warum kann man nicht einen Spielfilm einfach nur beschreiben?
Nichts anderes als eine subjektive Einschätzung erwarte ich von einer Filmkritik. Ansonsten hätte sie diesen Namen nicht verdient. Für eine bloße "Beschreibung" muss ich doch keinen Film-, Theater- oder Musikkritiker konsultieren. Ob man die Bewertung teilt, ist ja noch mal eine andere Sache. Tue ich auch oft nicht, aber deshalb muss man dem Rezensenten ja nicht vorwerfen, dass er seinen Job macht.

Dass hier nur negative Kritiken veröffentlich werden, stimmt im Übrigen nicht (diese Woche zum Beispiel die Serie "Andere Eltern" oder der Roman von Jaroslav Rudis). Wenn aber bspw. eine positive Tatort-Kritik erscheint, wird die auch gleich niedergebrüllt. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass gerade die Münster-Fans ziemlich unentspannt sind und Kritik ausgesprochen persönlich nehmen. Als sei es völlig selbstverständlich, dass jeder diese Art von Humor schätzt, dem jede Subtilität abgeht.

Bild 4 zeigt Brecht übrigens in den 20er Jahren, nicht "Ende der Fünfzigerjahre". Da war er nämlich schon tot.

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