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Mitbestimmung: Was wollt ihr eigentlich?
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Wer gefragt wird, was in seinem direkten Umfeld geschehen soll, ist glücklicher. Trotzdem geschieht das noch immer sehr selten. Teilhabe scheint Angst zu machen.

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kuestenvogel 08.10.2017, 10:11
20. Rückzug

Wenn man feststellt, dass das Bürgerengagement von den Politikern nicht ernst genommen wird, zieht man sich zurück... oder sagt sich: Jetzt erst recht.

Persönlich sitze ich zwischen beiden Stühlen und bin somit gelähmt, nicht nur mir ergeht es mittlerweile so, aber ich schätze die Menschen, die sich aktiv in Entscheidungsprozesse einbringen, sehr wert.

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fuffel 08.10.2017, 10:29
21. na dann

Zitat von Friend of freedom
... Denn wenn Sie das ultimative demokratische System haben wollen, in dem jeder abstimmen darf, welche Dinge umgesetzt werden und welche nicht, dann gibt es das schon: Es heißt Marktwirtschaft! Jede Person kann mit seinen Euros abstimmen, welche Güter/Services er oder sie gut findet. ...
laufen ja die "Abstimmungen" über die Abholzung des Regenwaldes, die Spekulationen mit Lebensmitteln und die generelle Ausbeutung ganz gut, oder?
Die haben einfach mehr "Stimmen" bekommen und wählen ganz demokratisch für "die Dinge, die sie umsetzen wollen".

Gut, es gibt Einzelpersonen die mehr Wahlscheine haben als ganz Afrika zusammen - aber nennen wir es einfach mal Demokratie :)

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dirk.resuehr 08.10.2017, 10:39
22. Sinn und Mitbestimmung

Aha, Mitbestimmung macht glücklich.Besonders in Sachen, von denen man nun gar nichts versteht. Das kann nur im Umfeld von Sachkenntnis und persönlicher Betroffenheit gelten. Im Bereich Politik sehr kritisch, wir habennämlich eine repräsentative Demokrate, keine direkte, jedenfalls auf Bundesebene.Wollen Sie denn jeden Murks von 60 Millionen Wählern erfragen, mit welchem Quorum, welchen Kosten? Wahlbeteiligung über den Wassersfenchelschierling 7%? Das geht kaum und ist unsinnig. Theater als Beispiel. Wieviel permanente Theatergänger gibt es? 3%, 4 oder gar 6%??Da wird Mitbestimmung zur Farce. Der Mehrzahl ists wurscht, die Minderheit regt sich immer auf, weil sie es besser zu wissen glaubt, ist ja bekannt. Also, nicht vorschnell aus der Hüfte argumentieren, kann von Haus aus nicht richtig sein, subtile Kenntnisse nötig, meist nicht vorhanden, aber jede Menge "BAUCHGEFÜHL"!

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kleinsteminderheit 08.10.2017, 10:46
23. Nein, Frau Berg

Baustellenbesetzung ist keine sinnvolle Form der Mitbestimmung. Jedem großen öffentlichen Bauvorhaben geht eine ewig lange Planungsphase voraus. Pläne werden öffentlich diskutiert, Bürger können sich bei Offenlegungen äußern.
Alles wird veröffentlicht. In Amtsblättern und dem Lokalteil der örtlichen Presse. Einer Theatrschließung gehen öffentliche Sitzungen voraus.
Wenn dann Baustellen besetzt werden, ist das nicht die Folge von geheimer Hinterzimmerpolitik. So was passiert, weil sich die meisten Bürger für die langweilige Kommunalpolitik nicht interessieren und dann aus allen Wolken fallen, wenn sich in ihrem Umfeld "plötzlich" etwas ändert.
Mitbestimmen kann jeder. Niemand muss sich dafür in der Kommunalpolitik seine Feierabende um die Ohren schlagen. Es reicht, wenn man sich kontinuierlich informiert und in der Planungsphase aktiv wird.

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Maria-Galeria 08.10.2017, 11:21
24. Die Idee mit den Euros

der Meinungssteuerungs durch das Geld einzelnen Personen, dem Fluss wohin und daraus resultierenden Entscheidungen finde ich ganz passabel, aber Fakt ist, dass sehr viele Personen in unserem Land auch mit ihren Euros keine Steuerungsmöglichkeit mehr haben, da einfach in sehr vielen Geldbeuteln nicht genug vorhanden ist. Bei relativ vielen beläuft sich diese Euromacht darauf, kann ich meine Miete noch bezahlen, wo bekomme ich noch einigermaßen günstige Kleidung, kann ich mir noch ein Auto leisten, wie bezahle ich meine sonstigen Rechnungen wie Versicherungen, Strom, Öl zum Heizen usw.. Das heißt für mich, sehr viele sind damit beschäftigt einfach sich, möglicherweise die Familie über die Runden zu bringen und nebenbei werden sie zu beschallt mit, Deutschland geht es so gut, die Regierung hat ein Ausgabenproblem, weiß nicht wohin mit dem Geld aber die persönliche Erfahrung beweist einem für sich, da stimmt etwas nicht, mir geht es nicht so, mir reicht es nicht. Da der Solidaritätsgedanke flöten geht, die Schieflage immer größer, die Politiker diese Schieflage ignorieren, vermutlich einfach auf dem Euroeinfluß, frei fließende Marktwirtschaft, bauen, selbst keinen Mangel erfahren haben, tun sie einfach das was ihnen in ihren Augen am meisten Prestige einbringt bei ihren Anhängern. Würde sagen indirekte Demokratie war bisher nicht schlecht, vermutlich auch in Zukunft nicht schlecht, aber wenn inkompetente Entscheidungsträger an der Macht sind und die Zeichen der Zeit missdeuten, umgeben sind von ihren Jasagern, kann in Zukunft nichts positives für alle heraus kommen. Auch bei einer direkten Demokratie wird es immer eine Menge Menschen geben, die nicht mit Entscheidungen einverstanden sind, es wird direkt nur schwieriger da unsere Gesellschaft immer mehr überwiegend aus Egomanen, erzwungener Weise, besteht und der Kurs dadurch auch immer mehr vom Europagedanken abweichen wird. Die Schieflage bei uns entstand durch die ungerechte Verteilung der Moneten der frei fließenden Marktwirtschaft, dort ist ein Korrektiv notwendig durch eine Politik die alle Menschen im Blick hat. Was bringt es den Menschen wenn sie durch direkte Mitbestimmung den Erhalt eines Theater erreichen, wenn sie dann später die Eintrittskarte nicht bezahlen können. Es reicht nicht dem Volk ein kleines Zuckerl hinzuwerfen und sich selbst nur Luxuspralinen zu gönnen, siehe Erhöhung der Diäten der Politiker und super Überversorgung der Beamten bis zur Gruft.

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e.pudles 08.10.2017, 11:29
25. Da ist wirklich die Frage

warum sich die meisten Länder eine direkte Demokratie verwehren. Haben die Politiker Angst vor dem Verlust ihrer hart erkämpften Macht? Oder befürchten sie, dass ihre Vorschläge und Lösungen die falschen sind? Ich als Schweizer kann diese Verwehrung nicht ganz verstehen. Natürlich bei uns wird kommunal teilweise auch über den grössten Unsinn abgestimmt. Aber auf nationaler Ebene wird das Resultat (meistens problemlos) von den Verlierern akzeptiert. Manchmal wird ein zweites mal über das gleiche abgestimmt, jedoch wurde der Vorschlag überarbeitet und entspricht dann eher dem sogenannten Volkswillen. Und überhaupt, bevor abgestimmt wird, wird im Parlament des langen und des breiten über das Thema diskutiert und man findet dort schon Kompromisse, so dass sich Abstimmungen erübrigen. Kurz eine direkte Beteiligung, also direkte Demokratie hat seine guten Seiten, genau so wie die schlechten. Doch die Guten überwiegen.

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Peter Meyer01 08.10.2017, 11:40
26. Ein Vorschlag

Viele der Mechanismen, die zu einer Beteiligung der Bürger führen sollen, sind total verstaubt und von Bürokraten designed. Da muss man das Amtsblatt lesen, den Bundesanzeiger, oder die Aushänge im Glaskasten des Rathauses (Foyer hinten links hinter der Palme und der alten gelben Sitzgruppe, das wird auch bei Ihnen so sein). Das macht eben keiner. Und wenn er es macht, ist es immer noch schwer die Dinge zu finden und zu begreifen, die mich hier konkret betreffen würden. Da wird in Bürokratensprech erläutert die Stadt führt Vorschriften für die "Anleiterbarkeit bei Neubauvorhaben im Bestandsgebiet" ein. Und? Sofort verstanden? In Normalmenschendeutsch: "Ab jetzt müssen neue Häuser mit der Feuerwehrleiter erreichbar sein." Hinzu kommt, dass man nur selten eben wählen kann, und dort kaum Kommunikation stattfindet. Ich kann ja oder nein stimmen, für den oder für jene. Wie soll ich denn da kommunizieren "Also der alte Bürgermeister hat die Finanzen gut saniert, das mochte ich. Aber der Kindergartenneubau war voll in den Sand gesetzt und wir alle leiden unter dem Brückenneubauquark. Die neue Tante will ich deshalb haben, lehen aber ihre Idee ab hier eine große Fahrradfabrik mit Subventionen aufzuziehen." Das geht halt nicht.

So ist der übliche Empörungsmechanismus, dass für viele Leute Entscheidungen der Ämter und der Politik "vom Himmel" fallen. Gutes Beispiel war die versuchte EU-Verfassung. Eines Tages ist plötzlich eine Doppelseite in der Zeitung mit bemüht euphorischen Meinungen drumrum wie toll das ist. Und hier ist eine neue Verfassung, die die deutsche die sie kennen ersetzen wird. Is jetzt so. Da vergisst man erstmal, sein Brötchen weiter zu kauen. Wie? Jetzt einfach so? Wo kann ich da abstimmen? Gar nicht ?!?!

Von daher schlage ich vor frühzeitig konkret vor Ort zu kommunizieren, was gemacht werden soll: Hat die Stadt im Amt entschieden mit einem Projekt zur Neupflasterung des Marktplatzes zu beginnen, sollte man ein paar öffentliche Notizen ebendort am Platz anschlagen mit Erklärung in normalem Deutsch: "Wir überlegen, den Platz neu zu pflastern. Einwände, Ideen etc bitte in folgendem Webforum beitragen". Das läuft ein bisschen, man kriegt vermutlich auch gute Ideen der Bürger die man selbst nicht hatte (Wenn wir das Pflaster schon aufreißen, dann gleich Leerrohre für zukünftige Glasfaserkabel drunter legen). Und wenn sich große Lager für Variante A oder B rauskristallisieren, könnte man mittels einer Handyapp recht fix abstimmen, ob das Städtchen Pflaster A oder PFlaster B haben will.

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upalatus 08.10.2017, 11:53
27.

Zitat von keine Zensur nötig
Das Engagemant bringt dem Einzelnen nur Unglück, da sich der Staat samt Politik längst verselbstständigt haben. Da kann das Leben schnell zur Hölle werden, wenn sich die Ämter an einem austoben. Dass die Politeliten kein Interesse am Bürger haben und dessen Probleme glatt ignorieren - tscha, siehe die Blauen denen auch ihre Machtspiele nicht schadeten. Letztendlich stehen wir am Ende unseres System, weil einfach keiner mehr mitmacht.
Der Mitmachwunsch des normalen Bürgers war und ist zwar ziemlich gut vorhanden; gehts aber ans echte reelle Mitwirken, lichten sie die Personenreihen sehr schnell und nahezu vollständig.

Übersetzt: dort droben am höheren Hügel wärs doch so schön, Sonne, Ruhe, Weite. Sehnsucht, Freude. Ach, da möcht ich auch hin. Aber leider so steil, wo weit, Regentropfen, Schwitz, null Ausdauer/Orientierungssinn, bleib ich halt stinkend hocken, wünsche vor mich hin und verstänkere in Bitterniss alles andere im Umfeld. Man verweigert das Mitrollen des eigenen Rädchens am großen Karren, und erschrickt dann (über sicher selber), wenn man die zahlreichen anderen, besonders die Lasttragenderen, unverdrossen weiterrollen sieht.

Ob es sich um politische, soziale oder gemeinschaftliche Dinge handelt, ist dabei ziemlich egal. Ein 'Unglück/Hölle durch Ämter' könnte man dabei nur mit einem höchst ungeduldigen Kopf und zuviel Verfolgungswahn emfpinden.

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moritz27 08.10.2017, 11:56
28. Liebe Frau Berg,

fast jeder führende Kommunalpolitiker möchte für sein Wirken ein wirkungsvolle Denkmal für die Ewigkeit (und schielt dabei auf seine Wiederwahl und den Erfolg seiner Partei bei den nächsten Wahlen). Die Bürgermeister meiner Kleinstadt haben es nacheinander geschafft, ein Hallenbad, ein Wellenfreibad und Eisstadion bauen zu lassen. Der Region geht es gut, alles ist nach wie vor im Betrieb, auch dank umfangreicher Ansiedlung von neuen Firmen durch Ausweitung von Gewerbeflächen. Sämtliche erforderlichen Einkaufsmöglichkeiten sind vorhanden. Trotzdem wird jetzt der aktuelle Bürgermeister die Bürger mit "seinem" Denkmal beglücken: Ein überdimensioniertes Einkaufszentrum auf der grünen Wiese, Bauzeit 2 Jahre. Buisness as usual.

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Aberlour A ' Bunadh 08.10.2017, 12:20
29. Happiness in Ökonomie und Gesellschaft?

Ein schöner Beitrag, Frau Berg. Ich fürchte nur, er verhallt ungehört. Wenn mal wieder ein Genehmigungsverfahren zu lange dauert - weil zu viel diskutiert wurde, weil zu viele "Stakeholder" mit ins Boot geholt werden sollen - Sie wissen schon: "Konsenssoße" - spätestens dann wird der "Wirtschaftsstandort Deutschland" ins Spiel gebracht. Wo man sich das alles nicht leisten kann. Schnelles Durchregieren aus der Zentrale, am besten, wenn die Verbandsvertreter in den Ministerien die Gesetze gleich selber schreiben. Das relativiert auch ein wenig Ihr Bild vom Politiker. Der Ökonom Friedrich August von Hayek hat einmal einen interessanten Beitrag über die Wissensteilung in der Gesellschaft geschrieben. Tenor: In der Allokation von Entscheidungsrechten sollen Entscheidungen dort getroffen werden, wo "Wissen" generiert wird. Und wie wird "Wissen" generiert? In dem man in einer möglichst dezentralisierten Ordnung - analog zur Arbeitsteilung - diejenigen entscheiden lässt, die sich damit "auskennen". Das sind natürlich die von einer Allokation direkt Betroffenen. So weit, so schön. Wenn man sich jetzt aber im Umkehrschluss fragt, warum weder von Hayek, noch irgendein anderer Vertreter der sogenannten "österreichischen Schule der Ökonomie", auch nur ansatzweise ein Theorie der Unternehmung auf die Reihe gekriegt haben, wird sofort klar, warum. Eine solche Wissens- und die dazugehörige Entscheidungsteilung würde sofort die Notwendigkeit einer partizipativen Unternehmung auf den Plan rufen. Man bewegt sich also sofort auf sehr dünnem (kapitalistischem) Eis. Partizipation macht Angst. Denn eine partizipative Unternehmung, mithin eine partizipative Gesellschaft, bedeutet natürlich sofort das Ende des Kapitalismus wie wir ihn kannten. Da können wir die Leute stattdessen lieber ruhig über "einen Hundeauslauf" entscheiden lassen. Wenn daran anschließend dann "glückliche Menschen tanzen", sind auch alle wieder beruhigt.

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