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Mode-Knigge: Ein Lobgesang auf die Jogginghose
DPA

Der unlängst verstorbene Modezar Lagerfeld hatte das Tragen einer Jogginghose mit Kontrollverlust gleichgesetzt. Nun hat eine Schulleiterin das bequeme Kleidungsstück verboten. Ganz schlechte Idee.

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Schartin Mulz 11.04.2019, 13:44
260. Schön,

wie Sie meine Worte verdrehen.
"Linksliberal bedeutet also, dass man Jogginghosen ok finden sollte. "
Wo bitte habe ich das geschrieben?
"Liberal bedeutet für mich, andere Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind - auch wenn sie eine andere Meinung der Philosophie als ich vertreten - so lange sie niemanden damit in ihrem Tun einschränken."
Das akzeptiere ich so. Und trifft den Kern meiner Aussage besser als Ihrer Verdrehung oben.
Jetzt frage ich Sie, inwiefern Jogginghosen andere in ihrem Tun einschränken.
Erinnert man sich noch daran, als die Grünen in die Parlamente einzogen? Die Ministervereidigung mit Turnschuhen war ja noch der geringste Eklat. Wie hat sich die Welt seitdem geändert. Damasl schäumten die Konservativen. Heute sind es die vermeintlich linksliberalen, die das alte Spießertum wiederbeleben.

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pck2 11.04.2019, 14:09
261. @260

Was in dieser Debatte zu oft ignoriert wird, ist, daß der fragliche Beschluß ein lokaler ist, also der einer klar abgrenzbaren Gemeinschaft. Der Fall läge anders, wenn man einen Anspruch auf Universalität erhoben hätte, also Jogginghosenverbot für ganz Deutschland.

"Heute sind es die vermeintlich linksliberalen, die das alte Spießertum wiederbeleben."

Es sind sowohl Rechts- wie Linksidentitäre, also die Vertreter von kindlichen ich-lass-mir-gar-nichts-befehlen Attitüden (Schlagworte rechts: "Meinungsfreiheit", "Andersdenkende"; links: "gegen den Hass", etc.), die Gemeinschaft immer schwerer und schwerer machen. Am Ende zerfleischt man sich dann untereinander. Linksidentitäre sind dafür meist sogar noch anfälliger als die Rechten. (Einer der Hauptgründe, warum linke Politik so wirkungslos geworden ist.) Gerade in der Printausgabe des Spiegels gelesen: Der Schauspieler Dev Patel wurde von den üblichen "social justice" Verdächtigen kritisiert, er solle "echten Indern" nicht "die Rollen wegnehmen". Grotesk.

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ondrana 11.04.2019, 14:16
262.

Zitat von MatthiasPetersbach
Mir fällt jetzt tatsächlich schwer, in der ART einer Hose dieselbe eventuelle Störungsquelle/Ablenkung im Unterricht zu sehen wie Butterbroteessen. Wären wir damals begeistert gewesen, wenn wir keine Jeans anziehen hätten dürfen? Und die war - zumindest in den 60/70ern durchaus Ausdruck von Ablehnung der gesellschaftlichen Zwänge. Was ne Jogginghose wohl nicht ist - im Gegenteil. Und wie kommt man dazu, das, was man selbst damals als unverschämt gefunden hätte, heute gerne den Kids zumutet? Weil das ANDERS ist? Weil Hiphop nicht Stones sind, weil ne Jogging keine Jeans ist und die Cap kein Afro? Das ist doch lächerlich.
Nein lächerlich ist, den Schulgemeinschaften (und da sind Schülerschaft und Elternschaft beteiligt) die demokratische Entscheidung über Regeln des Zusammenlebens zu überlassen und dann dagegen zu schießen, wenn man mit diesen Regeln nicht einverstanden ist.

Heißt: Demokratische Entscheidungen sind nur dann gut, wenn ICH sie begrüße ... und wenn nicht, dann bezeichne ich das als lächerlich und aus der Zeit gefallen, obwohl ich selbst nicht an dieser Schule bin und die Gründe und den Diskussionsverlauf nicht kenne.

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Schartin Mulz 11.04.2019, 14:19
263. Das

Zitat von pck2
Was in dieser Debatte zu oft ignoriert wird, ist, daß der fragliche Beschluß ein lokaler ist, also der einer klar abgrenzbaren Gemeinschaft. Der Fall läge anders, wenn man einen Anspruch auf Universalität erhoben hätte, also Jogginghosenverbot für ganz Deutschland. "Heute sind es die vermeintlich linksliberalen, die das alte Spießertum wiederbeleben." Es sind sowohl Rechts- wie Linksidentitäre, also die Vertreter von kindlichen ich-lass-mir-gar-nichts-befehlen Attitüden (Schlagworte rechts: "Meinungsfreiheit", "Andersdenkende"; links: "gegen den Hass", etc.), die Gemeinschaft immer schwerer und schwerer machen. Am Ende zerfleischt man sich dann untereinander. Linksidentitäre sind dafür meist sogar noch anfälliger als die Rechten. (Einer der Hauptgründe, warum linke Politik so wirkungslos geworden ist.) Gerade in der Printausgabe des Spiegels gelesen: Der Schauspieler Dev Patel wurde von den üblichen "social justice" Verdächtigen kritisiert, er solle "echten Indern" nicht "die Rollen wegnehmen". Grotesk.
spielt nur eine untergeordnete Rolle.
Es geht hier um ein Prinzip. Und da ist es egal, ob das lokal oder global ist. Wenn ein Verbot von Jogginghosen sinnvoll ist, dann ist es das auch Deutschland-weit. Oder darüber hinaus.
Und es geht um die erstaunliche Zustimmung zu dieser Einschränkung der persönlichen Freiheit.
Ich habe es schon mehrfach geschrieben: Nicht einmal die spießigen, reaktionären Lehrer mit ihren Anzügen und Krawatten, die ich als Schüler Anfang der Siebziger noch erleben durfte, wären auf die Idee gekommen, uns unseren Gammel-Look zu verbieten.
Da muss man sich doch schon fragen, was in unserer Gesellschaft eigentlich aktuell los ist.

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Cogitatio33 11.04.2019, 14:28
264. Nicht anders zu erwarten.

Zitat von Schartin Mulz
wie Sie meine Worte verdrehen. "Linksliberal bedeutet also, dass man Jogginghosen ok finden sollte. " Wo bitte habe ich das geschrieben? "Liberal bedeutet für mich, andere Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind - auch wenn sie eine andere Meinung der Philosophie als ich vertreten - so lange sie niemanden damit in ihrem Tun einschränken." Das akzeptiere ich so. Und trifft den Kern meiner Aussage besser als Ihrer Verdrehung oben. Jetzt frage ich Sie, inwiefern Jogginghosen andere in ihrem Tun einschränken. Erinnert man sich noch daran, als die Grünen in die Parlamente einzogen? Die Ministervereidigung mit Turnschuhen war ja noch der geringste Eklat. Wie hat sich die Welt seitdem geändert. Damasl schäumten die Konservativen. Heute sind es die vermeintlich linksliberalen, die das alte Spießertum wiederbeleben.
Nur einen Teil des geschriebenen nehmen und den anderen Teil völlig ausblenden ist so dermaßen Stokowski. Und dann nur auf den einen Teil ein Argument aufbauen und das dann als Fakt darstellen. Das ist die Wahrheit für Linksliberale - Rechtsaussen und all die, die einfach nur Recht haben wollen, obwohl sie wissen, dass sie in ihrer Argumentation wichtige Details fallen lassen.
Die Grünen damals - die ich übrigens gewählt habe - fand ich zwar im Auftreten deplaziert...aber auch gleichzeitig lustig, weil es eine Art Protest war, der in der Öffentlichkeit ausgetragen wurde.
Das jetzt in Einklang mit Schülern bringen, die Jogginghosen tragen ist nicht nur weit hergeholt, sondern schlichtweg - und wieder mal - im falschen Kontext benutzt. Aber wenn es der Argumentation hilft, dann ist jedes Mittel recht.

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Jenz P. Eter 11.04.2019, 14:31
265. Yes

Zitat von coyote38
"Wer Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren." Jetzt wird mir allerdings auch die eine oder andere Kolumne von Frau Stokowski verständlich ...^^
Genauso muss man diesen Beitrag von der stokowski verstehen.
You made my day

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nobody_incognito 11.04.2019, 14:34
266.

Zitat von Schartin Mulz
wie Sie meine Worte verdrehen. "Linksliberal bedeutet also, dass man Jogginghosen ok finden sollte. " Wo bitte habe ich das geschrieben? "Liberal bedeutet für mich, andere Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind - auch wenn sie eine andere Meinung der Philosophie als ich vertreten - so lange sie niemanden damit in ihrem Tun einschränken." Das akzeptiere ich so. Und trifft den Kern meiner Aussage besser als Ihrer Verdrehung oben. Jetzt frage ich Sie, inwiefern Jogginghosen andere in ihrem Tun einschränken. Erinnert man sich noch daran, als die Grünen in die Parlamente einzogen? Die Ministervereidigung mit Turnschuhen war ja noch der geringste Eklat. Wie hat sich die Welt seitdem geändert. Damasl schäumten die Konservativen. Heute sind es die vermeintlich linksliberalen, die das alte Spießertum wiederbeleben.
Da könnte man schon auch eine Philosophie daraus entwickeln. Zumindest psychologisch ist es interessant was Bekleidung so "meint". In jedem Fall sollen wir nicht nackt rumlaufen, da sind sich alle Kulturen einig, sonst wären es keine. ;-)
"Kultur" kommt ja von "Kultivierung" und das hat damit zu tun, dass wir etwas darstellen was wir eigentlich nicht sind. Da wird's dann philosophisch mit der "Einsicht", d.h. je mehr man sich dem nähert wie man sein sollte, um so weniger sieht man ein sich an Bekleidungsvorschriften halten zu müssen. Ist halt dann die Frage wer "weiß" wie wir sein sollten - man kann zumindest ausschließen was unmöglich sein kann. Und es kann unmöglich sein, dass einem mündigen Menschen andere vorschreiben wie er sich zu kleiden hat, bzw. welche Bedeutung er dem beimessen soll.

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pck2 11.04.2019, 14:35
267. @260 Man könnte es doch langsam mal verstehen

"Jetzt frage ich Sie, inwiefern Jogginghosen andere in ihrem Tun einschränken."

Es sind nicht die Hosen per se. Es ist das, wofür sie stehen und die Atmosphäre, zu der sie beitragen. Die Badehose in der Oper schränkt auch niemanden in seinem Tun ein. Es nervt trotzdem. Warum? Weil es gegen den Geist der Veranstaltung geht, auf den sich die meisten Opernbesucher freuen. Die Badehosenfans müssen sich zugunsten der Gemeinschaft dann halt mal ein winziges bisschen einschränken. Nur so funktioniert das.

Ebenso geht eine permanente Zurschaustellung von scheiss-drauf und null-Bock Mentalität gegen den Geist der Bildungsinstitution Schule, die beitragen soll, aus Jugendlichen Erwachsene zu machen. Gammel- und Durchhängattitüden stören die Ansprüche der Bildungs- und Reifewilligen. Man kann nun durchaus geteilter Meinung darüber sein, ob Jogginghosen den Bildungsgeist bereits hinreichend stören, um ein Verbot zu rechtfertigen. *Eine* Schulgemeinschaft hat nun entschieden, daß sie das so sieht. Das ist ihr gutes Recht. Deswegen die Freiheitsapokalypse oder den Sieg konservativer ewig Gestriger auszurufen ist lächerlich.

Man kann auch die Gegenfrage stellen: Wie schmerzhaft ist ein Jogginghosenverbot für die (nun ehemaligen) Träger? Wessen Rechte und Ansprüche überwiegen hier? Eine klare Antwort darauf gibt es nicht, deswegen ist eine mehrheitliche lokale Entscheidung durchaus angemessen.

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Jenz P. Eter 11.04.2019, 14:40
268. Jogginghose hin oder her

Zitat von h.pylori
Im Zusammenhang mit dem Lehrerfoto ist die Forderung nach einem Verbot von Jogginghose eine Zumutung: Ich bin modisch wirklich nicht versiert, aber ich sehe in der Kleidung der Lehrer kein Argument, was ein Verbot von Jogginghosen rechtfertigt. Vielleicht erstmal anfangen, selbst ein Vorbild zu sein, liebe Lehrer.
Wenn es jemand wagt, sich über Äußerlichkeiten von Frauen zu äußern, wird er (zur Not auch sie) von der Autorin persönlich am nächsten Baum aufgehängt.

Wenn die Stokowski ein Pamphlet für die Jogginghose (oder für oder gegen irgend etwas anderes) schreibt, darf sie sich natürlich über Äußerlichkeiten anderer Menschen lustig machen.

Diese Bigotterie ist fest mit dem Namen Stokowski verbunden, regelmäßig bei Themen rund um Emanzipation und Feminismus, jetzt hat sie auch das Thema Jogginghose für sich entdeckt.

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pck2 11.04.2019, 14:47
269. @263 Meine Prinzipien, deine Prinzipien

"Es geht hier um ein Prinzip. Und da ist es egal, ob das lokal oder global ist."

Das ist eben nicht egal. Lokale und globale Prinzipien haben beide ihre Anwendungen und Existenzberechtigungen. Sie sind nicht beliebig austauschbar, jedenfalls nicht ohne Konsequenzen.

"Wenn ein Verbot von Jogginghosen sinnvoll ist, dann ist es das auch Deutschland-weit."

Das ist die Einstellung von Ideologen und Prinzipienreitern, also genau von der Sorte Leuten, die Sie kritisieren. Diese Attitüde führt zu nichts weiter als zu sinnlosen Grabenkämpfen.

"Nicht einmal die spießigen, reaktionären Lehrer mit ihren Anzügen und Krawatten, die ich als Schüler Anfang der Siebziger noch erleben durfte, wären auf die Idee gekommen, uns unseren Gammel-Look zu verbieten. Da muss man sich doch schon fragen, was in unserer Gesellschaft eigentlich aktuell los ist."

Was los ist, ist, daß es zunehmend junge und auch nicht mehr ganz so junge Leute gibt, die nicht mal das simpelste Formular einer Behörde ausfüllen können. Was los ist, ist, daß unsere Gesellschaft von der Richtungslosigkeit der Moderne massiv überfordert ist. Und deswegen ist es eben nicht der "Gammel-Look" allein, um den es hier geht. Die Jogginghose repräsentiert etwas, und es ist dieses etwas, dem die Beteiligten der fraglichen Schulgemeinschaft entgegenwirken wollen. Wenn es tatsächlich nur um die Hose (also den Modegeschmack) ginge, hätten Sie recht.

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