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Mode-Knigge: Ein Lobgesang auf die Jogginghose
DPA

Der unlängst verstorbene Modezar Lagerfeld hatte das Tragen einer Jogginghose mit Kontrollverlust gleichgesetzt. Nun hat eine Schulleiterin das bequeme Kleidungsstück verboten. Ganz schlechte Idee.

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rugall70 09.04.2019, 19:09
80. Konventionen halten eine Gesellschaft zusammen

Zitat von emil7685
Ich möchte anmerken dass jemand, der sich Jahrzehnte lang irgendwelchen Dresscodes beugt und gegen seinen Willen tagaus tagein mit Anzug und Schlips (oder als Frau im Businessoutfit mit Stöckelschuhen) ins Büro geht genauso die Kontrolle über sein Leben verloren hat. Zusätzlich zur Selbstachtung.
Im Prinzip ist das ein guter Punkt und durchaus nachvollziehbar. Ja, man könnte das so sehen: Wer sich einer Kleiderordnung beugt, hat irgendwie auch die Kontrolle über sein Leben verloren.

Genauso wie alle, die rechts fahren oder bei Rot anhalten. Und all jene, die sich auch sonst an Gesetze und Konventionen halten. Wir gehen gewisse Kompromisse ein, wenn wir in Gesellschaften leben. Und wir passen uns an. Das hält eine Gesellschaft aber auch zusammen und macht das Zusammenleben erträglich.

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JungUndFrei 09.04.2019, 19:15
81.

Zitat von g_bec
Sie meinen solche Verknüpfungen und Erfahrungen wie "Nieten in Nietenhosen" und "so lang die Haare, so kurz der Verstand"? Und dass Schülern beigebracht werden solle, auf Äußerlichkeiten zu achten, halte ich für problematischer als das Ertragen von Jogginghosen im Schulalltag. Im Übrigen: Von welchen "gesellschaftlichen Konventionen" reden Sie in diesem Zusammenhang? Hier geht es nur um Schule und Bekleidung.
Für mich sind lange Haare ein Ausdruck von "politisch eher links" sonst nix. Meiner Erfahrung nach drücken die meisten Menschen sich in vielen Dimensionen über ihre Kleidung aus. Genauso wie es Dialekte (regional bezogen), Soziolekte ("Schicht" bezogen) und politisch bezogene Ausdrücke (z.B. Klassenkampf vs. Volkskörper) gibt, gibt es Kleidung die auf politische Einstellung, Herkunft oder Milieu Zugehörigkeit hindeutet. Natürlich sind diese Indizien keine 100% Aussagen und man darf nie vergessen, dass wir am Ende eben doch Individuen sind. Leider haben wir im (beruflichen) Alltag nicht immer die Zeit, das Individuum kennen zu lernen. Deshalb setzen wir, um Zeit zu sparen, auf ungenauere, aber schneller Mittel um unseren Gegenüber einzuordnen. An sich stimme ich Ihnen zu, dass in der Schule die Kleidung keine Rolle spielen sollte, es ist aber eine wichtige Lektion, dass wir auch mit unserem Äußeren kommunizieren, ob wir wollen oder nicht. Die passende Kleidung (was auch immer das in einer Situation ist), ist für mich letztendlich auch nur eine gesellschaftliche Konvention, die sicherlich nicht statisch ist.

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webjag 09.04.2019, 19:20
82. kommt immer darauf an...

wer die Jogginghose trägt und wie die geschnitten ist. Kann gut aussehen, aber auch recht beschissen. Grundsätzlich sollte jeder/ jede soviel Kritikfähigkeit haben, um zu entscheiden, ob er/sie sie (die Jogginghose) tragen kann. Ansonsten hat jeder das Recht, Scheisse auszusehen.

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prime 09.04.2019, 19:26
83. Tja, damals, als die Welt noch "in Ordnung" war

wurde dieses Gammlervolk spätestens bei der Bundeswehr oder als Zivildienstleistender "Erwachsen". Heute gehen diese "Gammler" aus der Berufsschule in H4 und finden das totaaal normaal. Kleidung spiegelt auch eine Lebenseinstellung wider. Ich gehe als Gammler, also bin ich auch nur ein Gammler. Zeig mir deine Kleider und ich zeige dir wer du bist. Bei uns läuft keiner so in der Schule rum, das ist wohl nur in NRW so? Gammlerbundesland eben.

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StefanXX 09.04.2019, 19:35
84. Eine zivilisierte Gesellschaft braucht nun mal Regeln

Zitat von emil7685
Ich möchte anmerken dass jemand, der sich Jahrzehnte lang irgendwelchen Dresscodes beugt und gegen seinen Willen tagaus tagein mit Anzug und Schlips (oder als Frau im Businessoutfit mit Stöckelschuhen) ins Büro geht genauso die Kontrolle über sein Leben verloren hat. Zusätzlich zur Selbstachtung.
Mit Ihrem Argument müsste es ja auch völlig ok sein, wenn jemand nackt zur Arbeit kommt. Und um Ihr Beispiel aufzugreifen: Wenn sich jemand Jahrzehnte lang zu einer Arbeit schleppt, bei der er gegen seinen Willen jeden Tag Anzug und Krawatte tragen muss, dann sollte er sich vielleicht lieber mal Gedanken machen ob er nicht einfach den falschen Job hat. Zumal Anzug und Krawatte zumeist gute Gründe haben. Wenn sie als Berater in einem Workshop sitzen, wirken sie nun mal einfach seriöser und glaubwürdiger wenn sie dort mit Anzug und Krawatte sitzen als wenn sie dort mit Muscle-Shirt und Jogginghose sitzen. Eine zivilisierte Gesellschaft braucht nun mal Regeln, und die meisten gibt es aus gutem Grund.

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Sendungsverfolger 09.04.2019, 19:37
85. Bedingt richtig

Zitat von rugall70
Ich bin nicht ganz ihrer Ansicht. Es müsste schon etwas zwischen Uniform und "Anything goes" geben. Das ist aber in der Tat nicht ganz einfach zu begründen; und noch schwieriger umzusetzen. Denn Sie haben natürlich recht, wenn Sie darauf verweisen, dass die Geschmäcker verschieden sind. Der Konsens über angemessene Kleidung ist uns etwas verloren gegangen. Im vorliegenden Fall waren sich offenbar Eltern und Lehrer (also die Erwachsenen) einig. Die Schüler (männlich) waren eher gegen ein Joggingverbot. Die Schülerinnen teils dafür. Aber im Prinzip funktioniert Erziehung genau so: Die Eltern oder die Erwachsenen zwingen die Kinder dazu, bestimmten Konventionen zu beachten.
Sie haben selbstverständlich Recht, soweit es Ihre Meinung zu Erziehung angeht. Bloß hat die Schule keinen Erziehungsauftrag, sondern einen Bildungsauftrag. Erzogen werden muss zuhause. Und wenn _da_ die Eltern Ihren _eigenen_ Kindern verbieten, so zur Schule zu gehen, dann ist es eben so. Kann richtig sein oder auch nicht, je nach Sichtweise.

Es aber _allen_ Kindern auf der Schule vorzuschreiben, greift dann in die Erziehung der Eltern ein, denen es zumindest egal ist, was Ihre Kinder tragen. Und das geht wohl deutlich über den Bildungsauftrag hinaus. Um es mal überspitzt zu formulieren: Der Staat gibt den Eltern das uneingeschränkte Recht, sein Kind zum Religionsfanatiker zu erziehen, dementsprechend kann er ihnen nicht das Recht entziehen, über die Kleidung ihrer Kinder zu bestimmen, soweit es nicht gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstößt.

Und über Ihren eigenen Satz "Der Konsens über angemessene Kleidung ist uns etwas verloren gegangen. " sollten Sie nochmals nachdenken. ... Wer ist "uns" und was ist "angemessen"?

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interessierter Laie 09.04.2019, 19:39
86. noch ein Versuch...

die Jogginghose an sich ist nicht das Problem. Sie wird aber von den meisten nicht getragen, weil sich damit herrlich entspannt lernen lässt, sondern ist oft Ausdruck von Ablehnung und Respektlosigkeit gegenüber Schule und Lehrern. Dieselben Kids haben überhaupt kein Problem, sich Konventionen zu unterwerfen. In eine Disko lässt man sie so nämlich auch nicht und da unterwerfen sie sich gerne dem Dresscode. Diese Einstellung nervt die Lehrer und verringert auch die späteren Berufschancen.

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schmidt-post 09.04.2019, 19:57
87.

Zitat von prime
wurde dieses Gammlervolk spätestens bei der Bundeswehr oder als Zivildienstleistender "Erwachsen". Heute gehen diese "Gammler" aus der Berufsschule in H4 und finden das totaaal normaal. Kleidung spiegelt auch eine Lebenseinstellung wider. Ich gehe als Gammler, also bin ich auch nur ein Gammler. Zeig mir deine Kleider und ich zeige dir wer du bist. Bei uns läuft keiner so in der Schule rum, das ist wohl nur in NRW so? Gammlerbundesland eben.
Wo sind Sie denn entsprungen??
Leider haben Sie keine Ahnung... Berufsschule in H4? Au Backe...
Ja, aber früher herrschte noch Zucht und Ordnung!

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Sendungsverfolger 09.04.2019, 19:59
88. Tja nu...

Zitat von prime
Tja, damals, als die Welt noch "in Ordnung" war, wurde dieses Gammlervolk spätestens bei der Bundeswehr oder als Zivildienstleistender "Erwachsen". Heute gehen diese "Gammler" aus der Berufsschule in H4 und finden das totaaal normaal. Kleidung spiegelt auch eine Lebenseinstellung wider. Ich gehe als Gammler, also bin ich auch nur ein Gammler. Zeig mir deine Kleider und ich zeige dir wer du bist. Bei uns läuft keiner so in der Schule rum, das ist wohl nur in NRW so? Gammlerbundesland eben.
Bei "uns" wurde keiner dieser "Gammler" durch den Bund bzw. als Verweigerer "erwachsen". Die sind alle von alleine erwachsen geworden, meistens im Studium oder danach. Und könnten jetzt Ihre Vorgesetzten sein ... klappt also nicht immer so mit der "Kleider-Ein-Ordnung" als Lebenseinstellung.

Und wo ist eigentlich für Sie "bei uns"? Dort, wo Professoren sich mit dem Spruch "Das Internet ist nicht Umsonst, aber Wertlos" ins digitale Nirvana schießen? Oder dort, wo weibliche Minister als "alte Fregatten" bezeichnet werden? Ich denke, Sie erkennen Ihre eigenen Äußerungen wieder.

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donschmidto 09.04.2019, 20:03
89. Klassenunterschiede

Frau Stokowski bespielt wie üblich die gesellschaftliche und intellektuelle Unterschicht. Und ausnahmsweise bin ich mit der Autorin einer Meinung: Lasst in Jogginghosen in der Öffentlichkeit herumlaufen, wen auch immer dessen Eltern nicht davor bewahren. So bleiben Klassenunterschiede weiterhin sofort erkennbar, was es für alle Beteiligten einfacher macht.

Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass der Anteil an Sympathisanten für Radikal-Feminismus à la Stokowski unter Jogginghosenträgern geringer ist als im gesellschaftlichen Durchschnitt. DAS wäre mal eine Untersuchung wert :-)

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