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Münchner Kunstfund: Diese Bilder entdeckten die Fahnder
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Courbet, Dix, Chagall: Die Liste der Kunstwerke, die in einer Münchner Wohnung sichergestellt wurden, liest sich wie das Inventar eines Museums der klassischen Moderne. Doch auch deutlich ältere Arbeiten von Dürer und Canaletto sind dabei - und werfen neue Fragen auf.

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zinhh 05.11.2013, 19:55
60. Kunst gehört der Allgemeinheit?

Wer das ernsthaft vertritt, vertritt auch die Auffassung, dass kein Künstler mehr etwas an eine Privatperson verkaufen darf. Das ist das Ende der allermeisten künstlerischen Existenzen.

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norfair 05.11.2013, 19:58
61. Dann bitte zumindest auch zurückerstatten

was die Nazis damals gezahlt haben. Inflationsbedingt sind das heute Millionen.
Wenn ein Bild damals umgerechnet 60 TSD Euro wert war und die Besitzer es zum halben Preis unter Zwang verkaufen mussten, müssen sie dann zumindest die nun rund 2 Millionen Euro zurückzahlen.
Der unvorteilhafte und erzwungene Kauf wird dann rückabgewickelt - sofern auch alle Unterlagen vollständig erhalten sind. Behaupten kann man bekanntlich alles.

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dr.w 05.11.2013, 21:06
62. Gott,....

geht das bunt durcheinander!
Sohn Gurlitt hätte direkt von seinem Vater erben können, wenn das Testament dieses vorgesehen hätte. Das Pflichtteil muss vom Berechtigten (hier die Mutter!) geltend gemacht werden und verjährt nach drei Jahren nach Kenntnis des Erbfalls.
Sollte der Sohn Gurlitt enterben worden sein, ist das unerheblich für das Eigentum an den Bildern, da das Pflichtteil nur auf Geld, nicht auf die verschiedenen Gemälde gerichtet ist (auch wenn der Geldanspruch auch durch die Übereignung, d.h. Eigentumsverschaffung, an den Bildern erfüllte werden kann.
Die Erbschaftssteuer aus dem Jahr 1956 ist lange verjährt - auch strafrechtlich.
Sohn Gurlitt ist laut wikipedia um 1934 geboren, war also bei Kriegsende etwa elf Jahre. Sollte er nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1956 geerbt haben, so hat die Bilder wohl gem. §§937ff BGB das Eigentum jedenfalls ersessen, da man auf Grund seines Alters davon ausgehen kann, dass er gutgläubig war. Diese Regelungen sind seid Anfang an im BGB, also seid 1900, sind damit keine nationalsozialistische Vorschriften.
Gleiches gilt, wenn erst die Ehefrau Gurlitt die Bilder von ihrem Mann geerbt hatte, denn auch diese wird im Zweifel gutgläubig gewesen sein wird. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn die Mutter Gurlitt tatsächlich über die Vernichtung der Bilder gelogen haben sollte. Das betrifft allenfalls die geschuldete Erbschaftssteuer, nicht aber das Eigentum. Durch Lüge über das Vorhandensein eines Gegenstandes hat nicht den Verlust des Eigentumes zur Folge.
Sollte kein Testament beim Tode des Vater Gurlitts vorhanden gewesen sein sollte, so träte gesetzliche Erbfolge ein, und Mutter und Sohn hätten in einem bestimmten Verhältnis zueinander geerbt (nach heutigen Regelgüterstand der Zugewinngemeinschaft zu je 1/2, auf Grund der damaligen gesetzlichen Regelung könnte das Verhältnis anderes gewesen sein).
Somit ist das Eigentum m.E. nach beim Sohn Gurlitt, und zwar rechtmäßig.
Und da Vater Gurlitt laut Wikipedia nicht nur nicht arisch war, sondern sich auch für die sog. entartete Kunst eingesetzt hatte und deswegen auch das Entnazifizierungsverfahren bestanden hat.
Ob Sohn Gurlitt nach dem Tode seiner Mutter Steuern hinterzogen hat, kann ich nicht beurteilen.
Ich weiß, dass jetzt viele mit moralischen Frage kommen und über das Recht und die Moral streiten, dass ist aber nicht Thema meines Beitrages, sondern nur die zivilrechtliche Zuordnungsmöglichkeiten.
Auch will ich mich nicht darüber auslassen, dass dier deutsche Staat sich, wie nach der Wiedervereinigung, erneut als Hehler betätigen wird, unabhängig von der Eigentumsfrage und sicherlich auch unabhängig von Moral.

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konrad.m 06.11.2013, 01:38
63. Enteignung im 21. Jahrhunder?

Woher nehmen sich diese Staatsdiener das Recht, denn älteren Herrn zu enteignen? Wenn Bilder dabei sind, die während der NS-Zeit damals verfolgen Leuten entwendet wurden, dann ist es verständlich, dass diese Bilder entsprechend geprüft werden. Doch wird es kaum so sein, dass alle Bilder aus Enteignungen stammen oder gar vom älteren Herrn gestohlen wurden. Deshalb ist es schon etwas fragwürdig, den Herrn zu enteignen, was doch ein wenig an die NS-Zeit und deren Enteignungen erinnert.

Entschädigung für Enteignungen? Wenn ein ehemaliger Ostpreuße oder dessen Kinder es wagen, von Entschädigung zu sprechen, weil ihm einst das Haus, das Grundstück, der Hof, die gesamte Lebensgrundlage entrissen wurde. schreien alle "Pssst...!" Ich bestreite nicht, dass viele Menschen damals Opfer des NS-Regimes waren. Es gab aber auch deutsche Opfer, die all zu gerne unter den Teppich gekehrt werden. Das ist aber ein anderes Thema.

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storystory 06.11.2013, 04:39
64. Unrecht bleibt Unrecht

Man müsste nun wohl jedes Bild einzeln prüfen und das dürfte wohl sicher 10 oder mehr Jahre dauern. Wenn man zwischen den Zeilen liest, dass sogar Bilder in den grossen Sammlungen mit hoher Wahrscheinlichkeit doch nach 33 "veräussert" oder beschlagnahmt wurden, ist ein Ende eh nicht absehbar. Bis dahin sollte man in München mal ein grosses Museum auf Staatskosten bauen und dort die 1408 Werke unterbringen. Aus dem Erlös kann man ja zum einen das Museum instandhalten und zum anderen die Gläubiger befriedigen. So könnte wenigstens die Deutsche Kulturgeschichte wieder etwas ins richtige Licht gerückt werden. Wichtig wäre auch, soweit bekannt, die Schicksale der Voreigentümer neben jedem Bild aufzuzeigen, schliesslich waren all diese Menschen ja einmal wichtige Träger der Deutschen Kultur und hätten es verdient als solche auch zur Kenntnis genommen zu werden.

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leoonii 06.11.2013, 08:17
65. Erben?

Mich würde sehr interessieren wem Herr Gurlitt die Bilder nach seinem Tod vermachen wird? Vielleicht regelt sich ja alles von selber.

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biobayer 07.11.2013, 22:51
66.

Zitat von rainer.hain
Herr Gurlitt hat Bilder, die ihm nie gehörten 60 Jahre lang sowohl den ursprünglichen Eigentümern wie auch der Öffentlichkeit vorenthalten. Wo da sein Verdienst sein soll, möchte ich dann gerne mal wissen.
Herr G. hat niemandem etwas vorenthalten, denn er ist der Eigentümer der Bilder.

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