Forum: Kultur
Mürrische deutsche Leitkultur: Meister der Pampigkeit
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Zu unserer Kultur zählt der Grobianismus. Das bisschen Höflichkeit, das wir an den Tag legen, haben vermutlich die Ausländer mitgebracht. Wir brauchen dringend mehr davon.

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heiko09 20.10.2018, 19:20
140. Die Deutschen lassen sich halt ungern den Spiegel vorhalten

Beruflich bedingt lebe ich jetzt fast 2 Jahre in einem anderen europäischen Land.
Es hat eine Weile gedauert, aber dann habe ich in den Spiegel sehen können.
Frau Ataman hat nicht nur ein wenig recht.
Der deutsche Ureinwohner, der nur selten raus kam, sieht das halt anders.
Soll er doch...

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irobot 20.10.2018, 19:33
141.

Zitat von Mehrleser
Ja, im ÖPNV ist es rüpeliger geworden. Quelle sind oft Gruppen junger Südländer. Haben wohl ihren daheim anerzogenen Anstand in diesem schlimmen Deutschland aufgeben müssen.
Da muss ich leider widersprechen. Die rüpeligsten Teilnehmer im ÖVPN sind (zumindest in Köln) zum größten Teil Deutsche, genauer gesagt deutsche Rentner. Die benehmen sich teilweise so, als wären sie die einzigen Menschen auf der Welt.

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IngoLechner 20.10.2018, 19:49
142. Selten gut und perfekt formuliert...

...und ein Vergnügen, den Kommentar von Frau Ataman zu lesen.
Die Frage ist nur, ob der Kommentar auch die Wirklichkeit abbildet.
Als ÖSI, der direkt an der deutschen Grenze wohnt (und schwäbische Vorfahren hat - 25%) ist mir natürlich auch die Direktheit der Alemannen (Ostschweizer, Westösterreicher und Süddeutsche) bekannt.
Dies sollte aber nicht mit Pampigkeit verwechselt werden.
Es ist tatsächlich ein spröder Charme, der sich sehr oft selbst auf die Schaufel nimmt.
Und Ansagen wie "Ich hätte dann gern mal" haben ja eher etwas mit der Kinderstube zu tun - und weniger mit der Nationalität.
Und gerade, als jemand, der öfter in Berlin ist, muß ich die Herzlichkeit, Zuvorkommenheit und Hilfsbereitschaft der Menschen in der deutschen Bundeshauptstadt hervorheben. Und ich gebe zu - es sind meist mittlere bis ältere "Semester", die sich in dieser Herzlichkeit üben. Wenn ich "hilflos" an einer Bushaltestelle stehe und mich orientieren will, ist es mir schon des öfteren passiert, dass ich von Berlinerinnen und Berlinern angesprochen worden, ob sie helfen können.
Das nennt man dann wohl "Schnauze mit Herz" und dafür liebe ich unsere Nachbarn.
Dass die Schnauze in jedem Bundesland anders klingt ist klar - aber es ist doch immer auch Herz dabei.
So habe ich das bis jetzt erlebt.

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ManRai 20.10.2018, 21:38
143. völlige Zustimmung

11 Jahre Singapore, wo auch fuer Freundlichkeit geworben wurde, zurück nach Deutschland, wurde vor Lidl beschimpft weil ich zufällig einer Frau in den Weg lief "Nazischwein" usw, habe kurz gelacht (bin rote Socke), das Verhalten vieler Leute kotzt mich einfach an, grob, unfreundlich, "beschissen" usw. Nach den 11 Jahren habe ich eine mehr als deutliche Verrohung des Umgangstones bemerkt, des gibt mehr als erfreuliche Ausnahmen aber die werden immer seltener - LEUTE WACHT MAL AUF

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Spiegelleser2018 20.10.2018, 22:19
144.

Vielleicht hilft auch hier einfach etwas mehr Toleranz. Finnen ticken anders wie Spanier, Engländer anders wie Franzosen und Deutsche anders wie Türken. Was ist denn da jetzt bitte schlimm dran?

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Mastermason 20.10.2018, 22:29
145.

Sorry, liebe Autorin, aber der letzte Absatz ist Unsinn. Knigge hat nie einen Benimmratgeber geschrieben. „Der Umgang mit dem Menschen“ ist ein Schlüsselwerk der Aufklärung. Der „Benimmteil“ wurde erst später durch den Verlag hinzugefügt. Aber, und in diesem Punkt haben Sie recht, die Deutschen haben die Höflichkeit nicht erfunden. Ich wundere mich jeden Mittag über meine Landleute, wenn ich in einer Metzgerei meinen Mittagstisch hole. Statt „Guten Tag, ich hätte gerne...“ müssen die Verkäuferinnen sich „einmal Mittagstisch“ ohne Gruß, ohne Dank anhören. Diese Szenne beobachte ich jedes Mal, ob dort, beim Lidl an der Kasse, im EDEKA... Unhöflichkeit, Rüpelhaftigkeit, Desinteresse am Mitmenschen. Da könnten wir gerade von den derzeit viel gescholtenen Briten eine Menge lernen.

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Kurbelradio 20.10.2018, 22:39
146.

so sind Deutsche nun mal. Ich lebte einige Jahre in der Türkei. Andere Länder, andere Sitten. Mir gingen die ganzen höflichkeitsredereien dort ziemlich auf den Senkel, weil es nicht ernst gemeint ist. Und das auch oft unverhohlen. Das sogenannte höfliche Gerede, klingt oft hingenuschelt, bzw. man merkt sofort, dass es einfach nur sehr sehr oberflächlich ist. Da frage ich mich: Für was? Warum? ist das höflicher? habe ich nicht so empfunden. Eher lästiger. Ich habe gerne dort gewohnt, nur das ist eine Eigenart, die mir hier wirklich nicht fehlt. Mir ist Direktheit lieber. Da weiß ich, woran ich bin. Auch wenn es ruppig klingt, aber dafür ehrlich.

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sa27 20.10.2018, 23:27
147. geht's noch?

Ich bin Migrantin und ich finde , es ist eine Frechheit, was Fr. Ataman hier schreibt.

1. Warum denkt sie, dass sie für alle Deutschen schreiben kann? Seit wann ist sie zur Vertreterin aller Deutschen geworden? "Uns" ? "Wir"? Ich finde es lächerlich, besonders wenn man ihre, offensichtlich, türkische Würzeln berücksichtigt.
2. Fr. Ataman meint anscheinlich auch, dass sie die Höfflichkeit aller Deutschen anhand von ein Paar Erfahrungen beurteilen kann. Was für ein Blödsinn. Ich dürfte unterschiedliche Städte in Deutschland besuchen und jede Menge unterschiedliche Menschen getroffen, höfflich und unhöfflich, nett und auch nicht so nett. Ich habe auch jede Menge deutsche Freunde (zur Info, es gibt immer mehr als nur Tee und Kuchen). Ausserdem, nicht jeder, der nett zu Dir ist, meint es auch. Mir ist da die Wahrheit lieber als die Verlogenheit.

Deutschen brauchen keine Anleitung zur Höfflichkeit/Nettigkeit oder Sonstiges. Wenn Fr. Ataman die Höfflichkeit und "Gastfreundshcaft" von Deutschen so sehr stört, dann ist sie herzlich willkommen dorthin umzuziehen, wo die gewünschte "Höfflichkeit" vorhanden ist. Ah, moment, da sind wir wieder beim Thema, dass man gerne nach Deutschland umzieht, um dort von "bösen" Deutschen Geld abzukassieren, will aber nicht die Kultur/Traditionen/Gesetze dieses Landes akzeptierend und versucht sie, mit Beleidigungen/Gewalt etc. zu ändern.
Hat Fr. Ataman nicht Werbung für die Kopftücher gemacht, während Frauen in Egypten für Nicht-Tragen des Kopftuchs schwer bestarft wurden? Einfach übel.

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geando 20.10.2018, 23:37
148. Vorurteile

Es sind sehr plumpe Vorurteile, die Frau Ataman dort zum besten gibt. Das ganze versucht sie mit unseren Nachbarn, den Schweizern, zu untermauern: Zit. "Aber offenbar hatten die Eidgenossen die Schnauze voll den hordenweise einfallenden, manierlosen Deutschen, die das freundliche Miteinander kaputt machen. Gegen den drohenden Sittenverfall plakatierten sie eine Aufforderung zu mehr Höflichkeit. Mit Recht"- Soso. Im verlinkten Artikel steht in keinem Wort, das die Schweizer das Gefühl hätten die Deutschen würden in "Horden einfallen" und sie hätten mit Recht "die Schnauze voll". Das ist nichts weiter als das Vokabular von Frau Ataman, die versucht, die deutsche Umgangsart als "schroff" und unmenschlich abzustempeln. Das ist aber nicht wahr. Ich lebe seit mehr als zehn Jahren als Deutscher in der Schweiz. Ich kenne keinen Deutschen, der im Restaurant nicht höflich "Bitte" und "Danke" sagt. Im übrigen kenne ich viele türkischstämmige Menschen, die sehr forsch und fordernd auftreten, völlig entgegen dem was Frau Ataman hier behauptet. Insofern scheint diese Deutung wohl eher im Auge des Betrachters zu liegen. Die eine Betrachterin bekommt allerdings die Chance ihre Deutungsweise auf einem Massenmedium zu veröffentlichen, die anderen dürfen höchstens im Forum kommentieren, etwas Asymetrisch. Vielleicht erbarmt sich ja noch Herr Fleischhauer einer weitreichenderen Kritik dieser reinen Behauptungen?

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a_priori 21.10.2018, 00:04
149. Aphorismen zur Lebensweisheit

Zitat von ichwarsnicht
Früher gab es die mal und man bekam manche Lebensweisheit reingeschrieben, u.a. diese: "Höflichkeit ist wie einLuftkissen. Es mag zwar nur Luft drin sein, aber es mildert die Stöße des Lebens!" Sozialer Airbag ;)
Dieser Aphorismus stammt übrigens von Arthur Schopenhauer. Wie man weiß, das Paradebeispiel deutscher Höflichkeit und Empathie.

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