Forum: Kultur
Mürrische deutsche Leitkultur: Meister der Pampigkeit
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Zu unserer Kultur zählt der Grobianismus. Das bisschen Höflichkeit, das wir an den Tag legen, haben vermutlich die Ausländer mitgebracht. Wir brauchen dringend mehr davon.

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x+n 21.10.2018, 00:26
150.

Zitat von Tacheles El Dorado
Das Dumme ist nur das es den meisten Deutschen erst auffällst wenn sie mal im Ausland gelebt haben(Mich eingeschlossen). Obendrauf kommt noch, dass wir Deutschen diese Direktheit als Tugend betrachten. Im Ausland ist sie einfach nur extrem unhöflich. Diese Tugend der Direktheit wurde überrings 19. Jahrhundert im Kulturkampf gegen Frankreich entwickelt, um sich von diesen abzusetzen und zu unterscheiden. Man wird in Deutschland geradezu dazu erzogen möglichst direkt zu sein, ganz im Gegenteil zum Rest der Welt. Diese Art miteinander Umzugehen ist also nicht durch Zufall entstanden. Außerdem war und ist Deutschland immer noch, sehr stark sprachlich durch das Militär geprägt worden, auch wenn das ganz langsam etwas nachlässt. Am extremsten merkt man den Befehlston noch immer auf Ämtern und Behörden. Da ist man dan wieder Untertan und kein Bürger mehr. Ganz anders als fast überall im Europäischen Ausland. Schöner Artikel.
Die Direktheit ist eine Tugend. Das ist Effizienz.
Der Rest ist einfach Unsinn. Und gerade auf Ämtern und Behörden ist man trotz Effizienz (verglichen mit dem Ausland) immer nett und hilfsbereit. Ein Befehlston ist mir da noch nie begegnet.
Vielleicht ist es bei Ihnen das alte Sprichwort " wie man in den Wald ruft so schallt es heraus"?

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AndreasBL 21.10.2018, 01:30
151. Was soll's...

Also ich kann die Aufregung nicht verstehen. So dick, wie Frau Ataman aufgetragen hat, kann es ja gar nicht ernst gemeint sein. Das haben Kolumnen so an sich, wenn das Stilmittel der Überspitzung zur Maxime wird. Dann aber auch den Spagat hinzubekommen, neben einer unterhaltenden auch noch eine journalistische Komponente einzubauen, das kriegen nur wenige hin. Frau Ataman beweist diesbezüglich enormes Verbesserungspotenzial.

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tororosoba 21.10.2018, 03:31
152. och jo

Die Russen lächeln nie. Die Japaner dafür immer. Die Franzosen ignorieren einen, wenn man nicht französisch spricht, und ihre Freundlichkeit hängt von der Tagesform ab. Die Amerikaner sind abrupt und tragen modisch zweifelhafte Hemden. Die Norweger sagen gar nichts. Die Italiener reden dauernd, und auch noch mit Händen und Füßen. Die Chinesen sind ungehobelt und laut. Die Kanadier entschuldigen sich dauernd, wie auch übrigens die Japaner. Hat halt jeder so seine Eigenarten. Und Frau Ataman ist anscheinend diese Woche nichts rechtes eingefallen, über das sie sich empören könnte.

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Bananenschale 21.10.2018, 05:49
153. Verwirrspiele

Worauf Motzkop gar nicht steht, sind Verwirrspiele. Man lädt jemanden nur ein, wenn man auch wirklich seinen Besuch wünscht. Höflichkeitsfloskeln, wo etwas ausgesagt wird, was nicht stimmt, sind "verboten!" oder höflicher "nicht erwünscht". Dererlei unnötigen Beklopptheiten verursacht nämlich Streß.

Tatsächlich können und haben wir Dt. etwas von der orientalischen Gastfreundlichkeit abzugucken. Aber bitte keine Übertreibungen. Ok, typisch dt.

Grundsätzlich sind Hinweisschilder so zu halten, daß ihr Sinngehalt so schnell als möglich erfaßt werden kann. Statt "Bitte nicht Rauchen!" oder "Rauchen verboten!" ( was der Wahrheit am nächsten kommt, weil man im Falle eines Verstoßes eine Ordnungsstrafe zu vergegenwärtigen hat ) geht natürlich "Nicht rauchen!" und das System-Wissen, daß, wenn dem zuwider handelt, man abschmücken muß - so man erwischt wird.

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harald65 21.10.2018, 07:37
154. Aus dem Herzen gesprochen

Zugegeben, ich bin kein großer Fan von Frau Ataman. Aber bei dem Titel bin ich neugierig geworden und habe gelesen.

Herausgekommen ist ein Artikel, den ich einfach nur Klasse finde- Denn er spricht mir aus dem Herzen, genau so ist es! In meinem Alltag, in der Firma, beim Einkaufen, bei Freunden - immer wieder erlebe ich, dass Freundlichkeit offensichtlich für viele als ein Zeichen von Schwäche gedeutet wird, als "ineffizient" und "unehrlich".

Gehts noch?

Was ist dabei, die Verkäuferin anzulächeln und einen "Guten Morgen" zu wünschen? Hat das was mit mangelnder Effizienz zu tun, weil dann der Verkaufsvorgang um unnötige 0,7 Sekunden verlängert wird? Oder ist es so schlimm, jemanden anzulächeln, obwohl man gerade nicht auf Wolke 7 schwebt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Freundlichkeit sehr häufig auch Gegenfreundlichkeit erzeugt, dass die mürrische Kollegin plötzlich aufhört, mürrisch zu sein.

Umso überraschter (entsetzter?) bin ich, als ich die Kommentare hierzu las, in der die Unfreundlichkeit allen Ernstes auch noch verteidigt wird, in der Beleidigungen und Unfreundlichkeit auch noch als "Zeichen von Ehrlichkeit" gelobt werden und der Effizienzgedanke so gewaltsam hochgehalten wird - meist von denjenigen, die dann aufgrund ihrer gnadenlosen Effizienz für den Abend noch 2 weitere Stunden herausgeschlagen haben, die sie dann vor dem Fernseher verbringen können. Bei vielen habe ich aber auch den Eindruck, dass sie sich ihrer Unfreundlichkeit gar nicht bewusst sind.
Als jemand, Hamburg und Frankfurt kennt, bin ich aber auch sehr überrascht, dass ausgerechnet diese beiden Städte als Ausnahme genannt werden. In Sachen Freundlichkeit sind Städte wie Köln und München meilenweit voraus.

Bin ich in dem Artikel zu unfreundlich? Möglicherweise habe ich die Rolle getauscht und bin gnadenlos ehrlich. Aber es muss sein.

An Frau Ataman: Wenn Sie weiterhin SOLCHE Artikel schreiben - dann werde ich womöglich noch ein großer Fan von Ihnen.

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geilundgemein 21.10.2018, 07:54
155. Das Leben ist schon hart

Also so richtig kann ich den Beitrag nicht nachvollziehen. Aber das kann daran liegen, dass ich aus Hamburg komme und in Frankfurt lebe. Andererseits lebte ich auch in Baden, und so schlimm wars da auch wieder nicht. Vielleicht ist es eine Verallgemeinerung der Gebräuche in Nürnberg?

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im_ernst_56 21.10.2018, 08:19
156.

Was mich mehr stört als fehlende Höflichkeit ist die fehlende Rücksichtnahme auf Gesundheit und Leben des Anderen. Und Respekt vor der Polizei und dem Lehrer, die offenbar jeder wie Deppen behandeln kann. Und da behaupte ich mal, dass sich Herkunftsdeutsche und Einwanderer nichts nehmen. Jedenfalls was junge Männer angeht. Der Umgangston ist insgesamt rauer geworden und dass dies durch die Einwanderer abmildert würde, kann ich jedenfalls hier in Berlin nicht feststellen.

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apeface 21.10.2018, 08:32
157. Höflichkeit

Ist primär eine Frage des Respekts anderen Menschen gegenüber. Immer und überall. Ich bin auch viel im Ausland unterwegs und habe auch über kulturelle Grenzen hinweg die Erfahrung gemacht, dass es so zurückschallt, wie man in den Wald reinruft. Ich kann mich sehr gut auf "low context" und auch auf "high context" einstellen. Damit muss man halt umgehen lernen. "Low context" alleine garantiert noch keine Effizienz. Dazu braucht es mehr. Effizienz zeigt sich im Erreichen des gewünschten Ergebnisses. Effizienz selbst ist kein Wert an sich. Das Ergebnis zählt. Ist vielleicht nicht typisch deutsch, aber meiner Erfahrung nach gibt es viele Menschen, die sehr effizient sind, aber dennoch nichts erreichen. Weil sie die Frage nicht verstanden haben und auf das falsche Ergebnis abzielen.

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im_ernst_56 21.10.2018, 08:32
158. Wer ist "wir"?

Zitat von sa27
Ich bin Migrantin und ich finde , es ist eine Frechheit, was Fr. Ataman hier schreibt. 1. Warum denkt sie, dass sie für alle Deutschen schreiben kann? Seit wann ist sie zur Vertreterin aller Deutschen geworden? "Uns" ? "Wir"? Ich finde es lächerlich, besonders wenn man ihre, offensichtlich, türkische Würzeln berücksichtigt.
Viele SPON-Kolumnisten und Kolumnistinnen benutzen gern das Wort "wir". Es wird in mindestens jeder zweiten Kolumne verwendet. Wer ist damit gemeint? Alle, die so denken wie der Kolumnist bzw. die Kolumnistin. Verbunden mit der Hoffnung, dass es möglichst viele sein mögen. Ich für meinen Teil fühle mich eher selten angesprochen, wenn in einer Kolumne von "wir" die Rede ist.

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heutemalich 21.10.2018, 08:34
159. lieber dann nicht einladen

Ich halte persönlich gar nichts von einer Einladung, die nicht ernst gemeint ist. Im Gegenteil halte ich das für eine überaus schlechte Angewohnheit. In anderen Punkten hat der Beitrag aber nicht ganz unrecht - auch wenn der Schwabe und auch Franke durchaus auch loben kann (ich weiß das, denn ich bin selbst Schwabe).

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