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Nach dem Brexit-Votum: Mit Neugier das Alte anzweifeln
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Vergesst das Gerede von lügenden Politikern und Königsmorden, nach der Brexit-Abstimmung müssen wir uns auf etwas viel Wichtigeres konzentrieren: Wir müssen Demokratie von Grund auf neu denken.

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it--fachmann 03.07.2016, 10:53
1. Demokratie per Losverfahren

Keine schlechte Idee! Nein ich meine das ernst. Bei Abstimmungsverfahren kommen ja meistens die besten Demagogen zum Zuge, auch wenn das abstimmende Volk es später bitterst zu bereuen hat. Bei einem Losverfahren kämen auch politische Kräfte zum Zuge, die aufgrund der Wirkung der Demagogen nicht populär sind, aber für die Zukunft des Staates die viel besseren Lösungen parat haben. Und hat denn ein Referendum mit 51% gegen 49% nicht auch schon etwas vom Charakter eines Lotteriespiels?

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huebif 03.07.2016, 11:05
2. Endlich mal kein Schwarz / Weiß. ..

aber leider ziemlich unausgewogen. ...
Also ersten Schritt könnte man Wahlrecht für die Kinder einführen, ausgeübt durch die Eltern. Dann haben die "Alten" nicht mehr die Mehrheit. .. und die Eltern denken sicher an die Zukunft ihrer Kinder. ...

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dulcineadeltoboso 03.07.2016, 11:13
3. Beautiful loosers

Ich verstehe Leonhard Cohen eher so (und ich bin ein wirklicher Experte!), dass er uns das Schöne im Scheitern beschreibt. "There is a crack in everything, that's how the light gets in" bedeutet ja wohl, dass das Schöne, das Licht, erst durch den Bruch sichtbar wird. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass er Leute beschimpft oder irgendwelche abstrusen "Verbesserungsvorschläge" bringt, a la "die Mehrheit ist so dumm, dass man besser lost als abstimmt". Ich habe nichts dagegen, dass man eine solche Meinung vertritt. Man sollte aber Leonhard Cohen nicht als Zeugen dafür anführen.

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rolli 03.07.2016, 11:14
4. Diktatur

Wenn der Vordenker des Neoliberalismus, Hayek, davon sprach, dass er lieber eine Diktatur als eine Demokratie haben wollte, und wenn der Neoliberalismus als politische Staatsreligion in den Köpfen der Eliten verankert ist, und wenn eines der wichtigsten faschistischen Merkmale, die Gleichschaltung von Politik und Wirtschaft ist, ist Ihr Gedankengang, Herr Diez, wichtig, aber wohl nie verwirklichbar. Wenn er verwirklicht würde, müsste die gesamte Politikerriege von rechts bis links abtreten, müssten sich Professoren an den (wirtschaftshörigen ) Universitäten aufs Altenteil zurückziehen, und es müssten Volksabstimmungen möglich sein, und müssten Wirtschaftsführer zurücktreten und die Wirtschaft wieder auf eigenen Füssen stehen. Glauben Sie, dass das möglich wäre?
Nein, es geht weiter so wie bisher, weil Schäuble es so will, und Merkel ahnungslos ist, und die SPD eine Ansammlung von Glaubenskriegern des Neoliberalismus darstellt.

rolli

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haresu 03.07.2016, 11:23
5. Ergänzendes Losen ist so schlecht nicht

Es sollten ruhig mal Leute Macht bekommen die das gar nicht wollen. Charakter ist ohnehin wichtiger als Kompetenz und das Geflecht von Abhängigkeiten das Berufspolitiker mit sich rumschleppen fehlt bei den Gelosten. Die haben andere Prioritäten und ein anderes Denken. Vielleicht kann so auch der Einfluss des großen Geld etwas verringert werden. Man stelle sich vor im Bundestag säßen 20 Prozent Hinzugeloste als eine Art Korrektur zu der weiterhin von den Parteien gebildeten Regierung. Sehr viele Gesetzesvorhaben würden fast automatisch zu reinen Sachentscheidungen, ein Fraktionszwang und Absprachen wären schwerer durchzuhalten. Die Parteien sind heutzutage ohnehin nur eine Institution von vielen in denen politische Meinungsbildung stattfindet und könnten ruhig ein bisschen von ihrer Macht abgeben. Ungelernte Politiker sind auch kein Problem. Die Piraten- Partei hat zum Beispiel bei allem Chaos etliche Talente sowie frischen Wind und neue und konstruktive Ideen mitgebracht. Die Politik braucht dringend weniger Ja- Sager und neue Perspektiven.

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Blindleistungsträger 03.07.2016, 11:29
6. Au Backe

Wie wäre es, wenn wir mal die Dummheit abschaffen. Eine Herkulesaufgabe, ich weiß. Aber es lohnt sich. Die demokratische Wahl durch das Zufallsprinzip zu ersetzen ist ja noch dümmer als das, was der Autor in seinem Artikel aufzählt. Das demokratische Wahlverfahren funktioniert - so wie alle Systeme - nur unter bestimmten Rahmenbedingungen. Wenn diese Bedingungen nicht mehr gegeben sind, wird das Wahlverfahren dysfunktional. Wenn man nun das Wahlverfahren durch den Zufall ersetzt, dann ergibt man sich seiner Ohnmacht aufgrund der eigenen Überforderung. Leute, die überfordert sind, sollten sich beim Definieren neuer Methoden zurückhalten. Und entscheiden sollten solche Leute erstmal nichts mehr. Der sinnvolle Weg besteht darin, sich die notwendigen Rahmenbedingungen bewusst zu machen und diese wiederherzustellen. Dann funktionieren Wahlen auch wieder.

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begeka 03.07.2016, 11:30
7. Ungewohnte Sanftmut

Woher kommt die ungewohnte Sanftmut dieses Artikels, der sich auch in der nunmehr einigermaßen kohärenten Schreibweise ausdrückt? Sollte man meinen, dass die verbal ausgesprochene Einsicht dahinter steht, dass hergebrachte Ansätze der Problemlösung, so die Beschimpfung von Politikern, fehl gehen? Diese Beschimpfung als untaugliche Methode wird zwar offensichtlich anderen zugeschrieben, aber bei einem so offenkundig zur Projektion neigenden Seelenhaushalt wie dem Diez'schen ist das ja vielleicht doch ein entwicklungsfähiger Keim der Selbsterkenntnis. Also auch ein persönliches Misserfolgserlebnis von Diez? Doch gilt das wirklich auch für die Beschimpfung des Volkes? Da hat Diez seine Pfoten mit Mehl bestäubt und kritisiert (nur!) die Methode mit Namen Demokratie, dem Volkswillen wenigstens partiell zum Ausdruck zu verhelfen. Mal sehen, wie es auf dieser Spur weitergeht, beispielsweise such hinsichtlich des Begriffes Populismus. Auch er sei ja der Wirklichkeit nicht angemessen. Neugierig bin ich, ob Diez selbst künftig auf die denunziatorische Potenz dieses Begriffs zugunsten des Sacharguments zu verzichten bereit ist.

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BettyB. 03.07.2016, 11:36
8. Losverfahren?

Was ist los? Losverfahren? Demoskopie als Demokratie? Und das noch ohne Versuch Streufehler zu vermeiden? Schon toll, was Menschen einfällt, die keine Ahnung haben, zumal sie sich wahrscheinlich nie beschweren würden, wenn die Lose ihrer Meinung nach nur falsch gestreut wurden.

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luny 03.07.2016, 12:08
9. Warum nicht?

Hallo Herr Diez,

das von Ihnen vorgeschlagene Losverfahren finde ich
gut.

In Deutschland ist das Hauptproblem, daß der geneigte
Wähler die Kaste der Berufspolitiker nicht ABWÄHLEN
kann, weil sie sich immer ganz oben auf den Parteien-
listen befindet. Das geht nur, wenn eine Partei die
5%-Hürde nicht schafft, siehe FDP.

Einen weiteren Vorteil sehe ich darin, daß die Bundes-
tagsabgeordneten sich nicht mehr mehrheitlich aus
Beamten/Juristen rekrutieren würden. Nichts gegen
Beamten/Juristen, aber sie sind eindeutig überre-
präsentiert.

Außerdem entfiele der unsägliche Fraktionszwang.

Nachteile eines Losverfahrens kann ich spontan nicht
erkennen, vorausgesetzt, jeder, der gelost wird, muß
tatsächlich in den Bundestag und kann außer aus
schwerwiegenden Gründen nicht ablehnen.

LUNY

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