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Nahrungsmittel-Skandale: Hauptsache, was mit Fleisch

Der eigentliche Skandal ist nicht, dass jemand Pferd als Rind ausgibt, sondern dass der Verbraucher Betrügereien der Industrie geradezu fördert. Weil er erwartet, dass in einen Großteil der Lebensmittel Fleisch drin ist, das aber nichts kosten darf.

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susa_bdx 20.02.2013, 08:05
550. man macht es sich gerne einfach

Zitat von carlo02
blöder kommentar. solange man sehen muß, wie man mit seinem geld zurecht kommen muß, wird halt auf den preis geschaut. für die standards, was angeboten wird, is die politik verantwortlich.
Irgendwo ist eine natürliche Grenze erreicht, wo selbst Mindeststandards kein vernünftiges Lebensmittel mehr garantieren können. Man kann es drehen und wenden wie man will, am Ende ist jeder, auch der, der auf's Geld schauen muss, letzten Endes selber für sich und sein Leben verantwortlich.

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consumere 20.02.2013, 09:26
551. Der Verbraucher ist Schuld?

Liebe Frau Burmester, Sie machen es sich hier ein wenig zu einfach! Solange ein funktionierender Wettbewerb (im LEH) um Kunden über den Preis buhlt, wird sich für die Landwirte, die Geld für Neuinvestitionen in Tierschutz erst einmal verdienen müssen (siehe Verbot der Käfighaltung und Rückgang der Selbstversorgung und Anstieg der Import!) nichts ändern.
Warum der tägliche Verzehr tierischer Protein Schuld an der Misere sein soll, kann ich nicht nachvollziehen: auch der Anbau der Ökomöhre für den Veganer funktioniert ohne Tierhaltung nicht. Deshalb schreiben deutsche Bioverbände die Tierhaltung zwingend vor. Noch schlimmer sind Vegetarier: Milch und Käse ja, aber bitte nicht das Fleisch! Und das in Zeiten, in denen wir uns über Lebensmittelverschwendung echauffieren. Lächerlich!

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larako 20.02.2013, 17:50
552. Selber Kochen ist die Devise

Ich rege mich ganz und gar nicht auf, ich finde es schrecklich dass sich alle so aufregen. Die Menschen sind selbst schuld, wie der Artikel es ja schon andeuted. Wenn man selbst mal das Kochen lernen würde und bei regionalen Schlachter/Supermärkten etc. regional Produkte kaufen würde, würde es gar nicht dazu kommen, dass so etwas passiert! Wer sich jetzt aufregt ist zu geizig und zu faul und ist selber Schuld, wenn er solche Produkte zu sich genommen hat!

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grauzoner 22.02.2013, 00:07
553. Hervorragend..

..finde ich den Ansatz, minderwertigeres Rindfleisch durch qualitativ hochwertigeres Pferdefleisch zu ersetzen.
Ein Pferd ist wählerisch was seine Ernährung betrifft, frisst nicht alles was man ihm vorsetzt und trägt in der Regel recht mageres Fleisch mit sich herum.
Ich verstehe diesen "Skandal" also nicht, denn der Ernährung mancher Marzahner Speckis, die wirklich alles in sich reinstopfen was heiß und fettig ist, kommt dies eigentlich zugute.
Klar muss es dann auch auf der Packung stehen.. und mit der richtigen Kampagne (ein fescher Slogan wie "fit durch Pferdefleisch" oder mit einem netten giveaway wie einem bunten Pony in jeder 5. Packung) hätte man dies auch dezent hinbiegen können, anstatt es dann durch Verschweigen und die allgegenwärtige Sensationsgeilheit als Skandal zu verteufeln
(mein Gott - es gibt Menschen, die arbeiten für DHL-Tochterfirmen, denen es schlechter geht als Tieren in Massenhaltung.. neben sehr viel größeren Defiziten von Menschen im Ausland.. Kindersoldaten und das ganze Gedöns - oh nein, wir haben gutes Fleisch, SKANDAL!).
Lebewesen sind Lebewesen, egal ob Pflanze oder Tier.
Andere Lebensformen zu verspeisen ist Teil unserer Existenz und Identität. Moral ist da teilweise echt ein wenig deplatziert.
Massentierhaltung ist heutzutage notwendig, könnte aber reduziert werden, wenn sich jeder vernünftig ernährt - so könnte man zumindest die Umstände für einige Tiere ändern.. wenn man das möchte.
Ich koche eigentlich lieber selbst (und esse recht wenig Fleisch), doch jetzt würde auch ich zur Tiefkühllasagne greifen, dank Pferdefleisch.
In einer Stadt wie Berlin kann auch einfach nicht jeder zu den lokalen Erzeugern gehen.. das gibt die Stadt nunmal nicht her.
Was ich allerdings WIRKLICH als Skandal sehe ist, dass es allen egal ist, dass man den tollen Ökobioknoblauch aus Südamerika importiert.. sehr umweltfreundlich - das ist zumindest ein Faktor, der vollkommen unnötig ist.

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konsum ist keine lösung 23.02.2013, 11:13
554.

Zitat von sysop
Der eigentliche Skandal ist nicht, dass jemand Pferd als Rind ausgibt, sondern dass der Verbraucher Betrügereien der Industrie geradezu fördert. Weil er erwartet, dass in einen Großteil der Lebensmittel Fleisch drin ist, das aber nichts kosten darf.

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konsum ist keine lösung 23.02.2013, 11:57
555. teuer ist gut!

Zitat von sysop
Der eigentliche Skandal ist nicht, dass jemand Pferd als Rind ausgibt, sondern dass der Verbraucher Betrügereien der Industrie geradezu fördert. Weil er erwartet, dass in einen Großteil der Lebensmittel Fleisch drin ist, das aber nichts kosten darf.
Was soll man nach der Lektüre dieses Geschreibsels eigentlich denken?
Die Verfasserin meint es ja vielleicht zynisch - ist selbst Vegetariern und findet es gut 1€ pro Brötchen zu zahlen, wenn nur Bio draufsteht - egal, ob der Bäcker den Kehrich aus der Backstube in den Teig mischt. Teuer ist gut - es muß nicht drin sein, was draufsteht und wer arm ist hat selber schuld.

Die Verfasserin hat offensichtlich Mitleid mit der armen Industrie, die da gehetzt und gejagt wird vom bösen Verbraucher. Die einen nennen es "Geiz-ist-geil" Mentalität, die anderen nennen es Preisbewußtsein.

Und die naive Verfasserin scheint der Meinung, dass ein Preisbewußter Verbraucher keinen Anspruch hat, wenigstens das zu bekommen, was auf der Verpackung steht - hat die Verfasserin diesen Gedanken wirklich mal zuende Gedacht?
Rabatt beim Neuwagenkauf - erwartet sie wirklich auch funktionierende Bremsen?
Niedrige Löhne - darf der Mitarbeiter dann klauen?

Hauptsache teuer, dann bekommt man Qualität?! Dieser Logig folgend sollte der Spiegel endlich aufhören Autoren der Qualität "Lasagne mit Rind für 1,49€" zu beschäftigen ...

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Licinius 22.06.2013, 10:40
556. Fleisch schmeckt lecker :)

Also ich will mal ganz ehrlich sein. Ich esse sehr gern und viel Fleisch. In allen Variationen zubereitet. Gekocht, gebrachten, gebacken usw. Und so lang das "gut" verarbeitete Fleisch bis zu 20 Euro das Kilo kostet, werde ich sicher von dem günstigen gequälten Tieren absehen. Der Bericht klingt wie von einem Vegetarier geschrieben, der die Fleischesser verabscheut. xD Sry, aber so was ist absolut schwachsinnig.
Wenn es die Möglichkeit gibt zu ordentlichen Preisen "ordentliches" Fleisch zu kaufen, wäre ich auch dafür, dass man diese "Minderwertige" Produktion nicht weiter unterstützt.

Was die Pferdefleischgeschichte angeht, so habe ich davon wenig mitbekommen. Ich besitze weder ein VerblödungsTV noch höre ich irgendeinen Radiosender.

Und ich muss zugeben Pferdefleisch ist seeehr lecker. Wer keine Ahnung hat, klappe halten!

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Barbara52 22.06.2013, 13:13
557. Fleisch Teil I.

Nach derzeitigen Wissenschaftlichen Erkenntnissen ist der Mensch seit ca. 2,5Mio. Jahren(der Frühzeit des Homo sapiens) ein Fleischesser. Bis heute hat es ihm nicht geschadet welches genießbare Fleisch er zu sich nimmt. Im Verlauf der Geschichte hat man in Zeiten größter Not nicht lange gefackelt und hat die letzte Ratte noch aus ihrer Behausung gelockt oder Katzen wurden zu Weihnachten als Hasen angepriesen. Nachdem der Mensch das Nomadenleben aufgab, hat er zumindest die Tiere domestiziert, die er zur Nahrungsaufnahme benötigte um sein und das Überleben seiner Nachkommen zu sichern, die Menschen waren robust und nur die stärksten überlebten. Erst jetzt hatte man Getreide und später auch Gemüse und Obst angebaut. Mutterkornmassenvergiftungen selektierten nun noch einmal die Menschheit, die ihr Essverhalten änderten und auch Getreide zu sich nahmen. Die Seidenstraße, Da Gama, Columbus, die Hanse u.v.a. erweiterten noch einmal den Speiseplan der Menschen.
Als die Kartoffel hinzukam starben allerdings einige Leute aus den Oberschichten, die glaubten das Kraut sei genießbar und die Knolle überließ man den armen Bauern. Was sagt uns das? Pflanzen waren schon immer eine ernsthafte Bedrohung für den Menschen. ;-)
Asiatische und Orientalische Gewürze, Salz und Pfeffer waren teuer und wertvoll. Unserer Weihnachtsbäckerei mit den sinnlichen Düften nach Zimt, Anis und Muskat haben wir den Seefahrern zu verdanken, die im Frühjahr ausliefen und im Herbst zurückkamen. Deswegen und auch nur weil es ein kostbares Gut war, kam es- zumindest in den unteren Schichten -nur zu Weihnachten auf den Tisch.

Der späte moderne Mensch entwickelte immer neue Strategien um das Mutterkorn zu eliminieren und die Kartoffel nun endlich genießbar zu verarbeiten und um seine Nutztiere zu mehr Ertrag zu züchten. Die Sterblichkeitsrate der Menschen nahm ab und medizinische Forschung tat noch einmal ihr Übriges. Nun hätte eigentlich alles wunderbar und paradiesisch sein können.

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Barbara52 22.06.2013, 13:15
558. Fleisch Teil II.

Wenn … ja wenn da nicht die Gier der Menschen nach immer mehr … immer exotischer … und immer skrupelloser gewesen wäre. Die Industrialisierung machte es möglich. Es wurden Fleischsorten gezüchtet, die minimal an Aufwand ein Maximum an Ertrag brachten. Die Landwirte drückte man immer mehr an Abnahmepreisen für ihre Produkte. Denn nun wollten auch die Zwischenhändler und Vermarkter ihren Anteil haben. Das BIP(Bruttoinlandsprodukt) stieg und das Wirtschaftswunder konnte beginnen. Landwirtschaft wurde subventioniert und die Landwirte produzierten ohne Unterlass, da nun die Masse den Erlös zum monatlichen Überleben brachte. Die Butterberge stiegen, Milch und Gemüse wurde tonnenweise vernichtet um Preise stabil zu halten. Aber das BIP stieg. Einem Level auf einer Scala in Konkurrenz mit der Weltwirtschaft haben wir zu verdanken, was wir heute an Ernährung zu bieten bekommen. Den Aufschrei der Landwirte unterdrückte man mit der EWG und importierte nun Lebensmittel aus dem Europäischen Ausland, das trotz Transport immer noch günstiger war. Oder hatte man die auch subventioniert? Strenge Auflagen der Lebensmittelhygiene für deutsche Landwirte übersieht man beflissentlich bei den Importeuren.

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Barbara52 22.06.2013, 13:15
559. Fleisch Teil III.

Das Sterben der deutschen Bauernhöfe begann, nachdem jahrelang versucht wurde mit Nebenerwerb seinen Hof zu halten. Massenviehhaltung, qualvolle Viehtransporte, Pestizide, Herbizide, Fungizide und was nicht noch an schädlichen bis giftigen Substanzen aus den benachbarten Ländern bereichern heute unseren Speiseplan. Diese minderwertigen Lebensmittel müssen wir heute teuer bezahlen. Auch ich habe ca. 9 Monate versucht vegetarisch zu leben. Nicht aus Überzeugung sondern weil ich keine Schuld in mir tragen wollte, dass Schlachtvieh so bestialisch gequält transportiert wird. Somit ist der Pferdefleischskandal an mir vorübergegangen. Ich landete allerdings wg. einer Herzerkrankung in der Notaufnahme der Kardiologie. Ich musste es aufgeben. Doch habe ich meinen Fleischkonsum eingeschränkt und kaufe, das Fleisch nur noch bei deutschen Landwirten in meiner Umgebung, die sich auf Hofläden spezialisiert haben. Ich lebe alleine und kann meine Werte so umverteilen, dass sie mir alleine von Nutzen sind. Öko halte ich für Betrug. Denn Öko ist weder ein geschützter Name noch eine Anbaupraktik die konventionelle Landwirte nicht auch betreiben. Eine Vegetarische Ernährung bei Kindern halte ich für Fragwürdig.
Was ich nicht richtig finde ist folgendes:
Aus Ihrem Bericht Fr. Burmester liest man weniger Kritik an den Praktiken der Lebensmittelindustrie und derer die dafür Sorge tragen, dass immer mehr Menschen verarmen, sondern vielmehr an dem Konsumenten der breiten Masse. Sein Kaufverhalten soll maßgeblich die Qualität der Lebensmittel verbessern indem er Vegetarier wird oder auf vieles verzichtet. Das halte ich nicht für angemessen. Erst wenn auch der letzte Einwohner in Deutschland einen Arbeitsplatz findet, der sich und seiner Familie eine sichere Zukunft aufbauen kann ohne im Billiglohnsektor, wie Zeitarbeit und ein Euro Job beschäftigt zu sein und erst, wenn Großbanken nicht mehr mit Lebensmitteln an Börsen handeln wird man sich auf ein solches Niveau herablassen können und dem Verbraucher eine Schuld zuzuweisen.
Nein Pferdefleisch ist nicht bedenklich, doch es ist heutzutage genauso ethisch höchst unmoralisch, wie Hunde und Katzenfleisch.

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