Forum: Kultur
Nazi-Groteske "Er ist wieder da": Vorsicht, Witz mit Bart
Constantin Film

Borat in Braun: Im Stil einer Fakedoku irrt der böse Schnauzer in "Er ist wieder da" durchs Berlin von heute, wird fotografiert, umarmt und schließlich Fernsehstar. Will man die totale Satire? Lieber nicht.

Seite 1 von 12
coyote38 07.10.2015, 08:26
1. Ironie und Realität trennen

Ich habe das Buch gelesen ... und mich köstlich amüsiert. Mit gleich großem Vergnügen werde ich demzufolge auch den Film im Kino sehen. Darf man Hitler "veräppeln" ...? Ja natürlich. Die ganze Figur schreit geradezu danach, veräppelt zu werden. - Dennoch gibt es keinen Grund, mit der wohlfeilen Arroganz einer vermeintlich gefestigten Demokratie auf die Geschichte herabzublicken. Wenn sich die Politik - Abraham Lincoln hätte es "Government of the People, by the People and for the People" genannt - zu weit vom eigenen Volk entfernt, dann stärkt dies naturgemäß die nationalistischen Kräfte im politischen Spektrum. Und ich befürchte, dass es erst wieder eines "nationalistischen" Erweckungserlebnisses im Rahmen einer Wahl bedarf, bis unsere gegenwärtig Regierenden zu der Erkenntnis gelangen, dass man auch ein "schafsdoofes" Volk wie die Deutschen nicht permanent "gegen den Strich bürsten" kann.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Trondesson 07.10.2015, 08:28
2.

Na ja, "Lookalike" ist wohl ein wenig zu hoch gegriffen. Ich sehe da einen Mann mit lächerlichem Schnauzer, komischer Frisur und seltsamen Klamotten. Das kann man gar nicht als etwas anderes als Satire bzw. Comedy mit dem manchmal etwas merkwürdig anmutenden deutschen Humor auffassen.
Diese Sätze "Sind die Medien tatsächlich der Totalitarismus der Gegenwart? Bauen sie dem Zuschauer eine Scheinwelt aus Scheinargumenten, Scheindiskussionen, ja sogar Scheinironie?" liegen allerdings näher an der Realität, als es dem Autor offensichtlich bewußt war und lieb sein konnte, und auch der Spiegel bildet da mittlerweile keine Ausnahme mehr.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
vox veritas 07.10.2015, 08:33
3.

Zunächst mal: Faschismus und Nationalsozialismus sind zwei unterschiedliche Begriffe. Wäre schön, wenn das mal herausgearbeitet wird.

Zur Sartire: Diese zeigt eigentlich nur, daß die Person Hitler zu einer Figur der Geschichte geworden ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Na Sigoreng 07.10.2015, 08:34
4. Warum?

Warum hat man in Deutschland Angst vor Satire, die in anderen Ländern gang und gäbe ist?
Überall darf darüber gelacht werden, bei uns nicht!
Warum sind wir so ein verklemmtes Volk?
Wer glaubt ernsthaft, dass er morgen wieder aufsteht und uns regiert?
Man braucht doch bloß auf die Strasse zu gehen und freudig die fröhlichen Flüchtlingsströme zu begrüßen um zu sehen, dass Deutschland sich gewandelt hat!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
notorischernörgler 07.10.2015, 08:34
5. Schon das Buch...

Schon das Buch war überflüssig. Aber das sind "Big Brother", "DSDS" und "Dschungelcamp" eigentlich auch.
Wir haben eben einen Kultur - und Medienbetrieb dem weniger an Qualität als mehr an massenkompatibler Wertschöpfung gelegen ist. Und Ablachen geht immer, ob mit oder ohne Hirn ist Wurscht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Scriptmaster 07.10.2015, 08:37
6. Zu befürchten steht, ...

dass der Film denselben Fehler macht wie das Hörbuch: die entscheidenden Passagen wurden nämlich weggelassen. Das Hörbuch liefert NUR die Satire und das Lächerliche. Durchaus fragwürdig.
Das Interessante am Buch ist, dass sich die Satire-Szenen dauernd abwechseln mit Gedankengängen und Zukunftsplänen des "Führers", die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen und man sich selber fragt: Habe ich grade noch tatsächlich gelacht. Diese Berg-und Talfahrt, die einem das eigene Blindsein für das Monster angesichts der Groteske vor Augen führt, die das Buch liefert ist das Interessante.
Wie gesagt, das Hörbuch verzichtet auf diese wichtigen Szenen komplett und der Film wird das wohl auch tun um des Klamauks Willen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
BeatDaddy 07.10.2015, 08:46
7. Teile

meiner Famile waren auch im KZ und mussten vor dem Krieg und seinen Folgen flüchten. Mein Opa hat im Gegensatz zum eineiigen Hitler in zwei Weltkriegen gekämpft und gerade so überlebt. Und bei sämtlichen Familien-Begenungen wurde auch darüber gesprochen, so daß meinereinem schon klar ist, wie schlimm das alles war. Nur leider sind diese Menschen inzwischen alle tot und die Verbrechen dieses Mannes so weit weg und absurd, dass man diesen ganzen Mist durchaus mit Humor verarbeiten darf! Das aber von den Medien schon wieder herbeigeredet wird, dass die Deutschen so jemanden wieder an der Macht haben wollen, ist an den Haaren herbeigezogener Quatsch. Zudem sehe ich die heutigen Politiker eher dafür verantwortlich, dass sich manch einer wieder einen König, Kaiser oder sonstigen Autokraten in diesem Land wünscht.

Ich für meinen Teil habe Tränen gelacht, als ich mir das dazugehörige Hörbuch - gelesen von Rainer-Maria Herbst - "angetan" habe. Ich hoffe, der Film wird ähnlich witzig. Vor allem im Gegensatz zu diesem beknackten, diskriminierenden Borat-Dreck.

Zudem

Beitrag melden Antworten / Zitieren
!!!Fovea!!! 07.10.2015, 08:48
8. Der Film

überzeugt sicher durch optische Lacher.

Aber (wie immer) der Film wird sicher nicht an den feinsinnigen unterschwelligen Witz des Buches herankommen. Sondern nur in unfreiwilliger Situationskomik untergehen.

Meine Lieblingsstelle im Buch: Die GRÜNEN als rechte Partei, da sie sich als einzige Partei für den "deutschen Wald, deutsche Flüsse" einsetzt.

Im Allgemeinen sehe ich es aber als positiv an, dass endlich über A. H. gelacht wird, ohne gleich eine Betroffenheitsmimik aufzusetzen und ein schlechtes Gewissen zubekommen.

Sehr mutig und gut. Es wurde auch Zeit. Allerdings stimmt die im Buch angesprochene mediale Vermarktung sehr nachdenklich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Odde23 07.10.2015, 08:51
9. Geschmacklos

Ich finde es unerträglich, dass man eine Epoche, welche unzählige Menschen gewaltsam das Leben gekostet hat, ins Lächerliche zieht. Ein Massenmörder, wie es Hitler unzweifelhaft war, als Witzfigur darzustellen, ist ekelhaft. Ich kann nicht darüber lachen und ähnlich wird es wohl auch den Menschen gehen, die durch die NS-Diktatur Angehörige und Freunde verloren haben.

Fazit: völlig geschmacklos!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 12