Forum: Kultur
Nazi-Groteske "Er ist wieder da": Vorsicht, Witz mit Bart
Constantin Film

Borat in Braun: Im Stil einer Fakedoku irrt der böse Schnauzer in "Er ist wieder da" durchs Berlin von heute, wird fotografiert, umarmt und schließlich Fernsehstar. Will man die totale Satire? Lieber nicht.

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dafe 07.10.2015, 21:15
90. Habe den Wnendt dazu

heute morgen im SWR2 gehört, very jet-setty im Mobilfunk-Interview. Der junge Mann wirkte wie ein Klischeegeschichtslehrer: trieläugige Betroffenheit über den selbstgebastelten Befund des pauschalen Radikalismusverdachts der dt. Allgemeinheit, Besoldung nach A 14, Stufe 10 und von der Realität der Verteilungskämpfe weder betroffen noch informiert.
Guter Handwerker und karriereorientierter Opportunist.

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jake2907 07.10.2015, 21:55
91. am Thema vorbei

Leider ist diese "Bewertung" am Thema vorbei gegangen. es geht in "er ist wieder da" eher darum zu zeigen, wie einfach Menschen auch im 21. Jahrhundert zu beeinflussen sind, weniger um Satire an sich. Es geht in verschiedenen Situationen sehr komisch zu, siehe Besuch in der NPD Zentrale oder der Umgang Hitlers mit dem Kioskbesitzer, oder eben dem Yilmaz. Die Frage ist, ob man das versteht, oder akzeptieren kann und entsprechend seine Erwartungen an den Film umstellen kann. Es geht eben nicht darum, sich über Hitler kaputt zu lachen, sondern zu sehen, wie die Menschen darauf reagieren, das Hitler "wieder da ist". warum sonst hat man einem vergleichsweise unbekannten Schauspieler mit dieser Rolle gegeben? immerhin ist der Film sonst ja exzellent besetzt.

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derfranzderkanns 08.10.2015, 00:48
92. Er ist wieder da ...

Buch: nicht wirklich lustig. Film: dementsprechend überflüssig! Thema: extrem schwierig; Satire: darf (nicht) alles! Humor: ist wenn man trotzdem lacht (Quatsch mit brauner Sauce), Ironie: s.a. "Thema"; Nazis: verpisst euch! Fazit: s.a. "Nazis"

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Miere 08.10.2015, 05:07
93. Dolfi

Worauf ich wirklich noch warte ist ja die Komödie, in der Frl Braun ihren Lover die ganze Zeit "Dolfimausi" nennt oder so.

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münchen1975 08.10.2015, 09:08
94.

Zitat von Attila2009
Oh nein, der Gröfaz war kein armes Würstchen oder Suppenkasper. Der hatte schon unheimliche strategische Fähigkeiten, weniger als Feldherr aber umso mehr als Diktator,Redner und Machtmensch. Sonst wäre er nie so weit gekommen. Ein Trottel war der sicher nicht, wenn dann vielleicht solche Typen wie Göring. (...) Ich würde solchen Menschen überhaupt keinen Platz in den Medien geben.Nicht dadurch nachträglich als Komiker aufwerten. Am Ende haben wir noch Mitleid mit dem weil er vehohnepipelt wird? Über Al Capone oder Pol Pot lacht doch auch keiner, warum nicht?
Daß Hitler unbestreitbar große Fähigkeiten als Redner und Machtmensch hatte, schließt doch nicht aus, daß er zugleich ein armes Würstchen war.

Was hätte der aus seinen Fähigkeiten alles machen können, wäre er nicht - durch falsche Erziehung oder was auch immer - derart seelisch verbogen und krankhaft haßerfüllt gewesen! Solch ein verbiestertes Leben voller Haß und Lüge, wie es Hitler geführt hat, ist für normal Veranlagte doch überhaupt nicht erstrebenswert. Also: Im tiefsten Grunde eben doch ein armes Würstchen.

Zur Mitleidsdebatte: Gähn ... die hatten wir im Übermaß doch schon vor zehn Jahren beim ebenfalls dauerparodierten "Der Untergang"! Damals erklärte der Komiker Mel Brooks, der es ja wohl wissen muß, Stichwort "The Producers":

"Die Lehrer sollten ihren Schülern den Film 'Der Untergang' zeigen", schlägt Brooks vor. Denn darin sei zu sehen, wie Hitler sich selbst demontiere, wie er im Angesicht der Niederlage zerfalle."

Hitler wollte schließlich immer bewundert werden - und nicht bemitleidet.

Mel Brooks weiter: "Das ist die umgekehrte Machtergreifung", sagt Brooks. "Man muss ihn ständig spielen, um ihn so klein wie möglich zu machen."

Die beiden Brooks-Zitate stammen aus einem SPIEGEL-Interview von 2006. Unbedingt lesen, darin findet sich viel Denkwürdiges zum Thema "Lachen über Adolf": http://www.spiegel.de/kultur/kino/filmkomiker-mel-brooks-steppen-unterm-hakenkreuz-a-406376.html

Zu Al Capone und Pol Pot: Daß es hierzulande kaum Parodien auf diese Herren gibt, könnte daran liegen, daß die beiden mit Deutschland relativ wenig zu tun haben. Das heißt aber noch lange nicht, daß über die nicht anderswo gelacht wird.

Napoleon kommt als Lachnummer ja auch eher in französischen Komödien vor. Al Capone ist ebenso in US-Mafiakomödien zu sehen. Und wer weiß schon, über wen und was kambodschanische Komödianten ihre Witze reißen ...

Im Übrigen sind die Kims aus Nordkorea schon seit Jahren dankbare Steilvorlagen für mehr oder weniger gelungene Scherze. Ebenso Saddam Hussein (Hot Shots 1 & 2) und viele andere Despoten. Also ...

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h.hass 08.10.2015, 09:28
95.

Zitat von Attila2009
Oh nein, der Gröfaz war kein armes Würstchen oder Suppenkasper. Der hatte schon unheimliche strategische Fähigkeiten, weniger als Feldherr aber umso mehr als Diktator,Redner und Machtmensch.
Er konnte offensichtlich Massen für sich einnehmen - aber mit welchen Mitteln? Wenn man sich heute seine Reden ansieht oder -hört, hat man doch den Eindruck, dass der Typ in eine Klapse gehört. Die Art seines Auftretens, die ganze Mimik und Gestik sind im Grunde genommen grotesk und lächerlich. Diesen Habitus hat ja schon Chaplin in genialer Weise parodiert.

Nein, nein, der Führer bleibt ein lächerlicher Hanswurst und ein pathologischer Fall.

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universalinfidel 08.10.2015, 10:05
96. Lachen über Grossmäuler

Das ist ein gutes Zeichen dass man über jemanden lacht über den man nicht lachen durfte.

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münchen1975 08.10.2015, 10:09
97. Adolf Hitler Superstar

"Ebenso einfältig: die Medienkritik in dem Film. (...) Sind die Medien tatsächlich der Totalitarismus der Gegenwart? Bauen sie dem Zuschauer eine Scheinwelt aus Scheinargumenten, Scheindiskussionen, ja sogar Scheinironie? Da ist dieser pädagogische Unterhaltungsfilm näher bei den Pegida-Demonstranten und ihren Lügenpressewahrheiten, als den Filmemachern lieb sein kann."


Nun ja - so weit hergeholt ist das nun allerdings auch nicht. Man muß sich nur mal ansehen, wie die deutschen und internationalen Medien, von BILD bis eben leider auch dem SPIEGEL, Hitler immer und immer wieder aufs Titelblatt hieven - so als ob es nichts wichtigeres in der Welt gäbe.

Die gefälschten Hitler-Tagebücher, auf die der STERN einst in einem Anfall grassierender "Hitleritis" hereinfiel, sind da nur das bekannteste Beispiel. Man hat nicht den Eindruck, daß man seitdem wirklich etwas daraus gelernt hat.

Siehe diese Meldung hier vom selben Tag wie obiger Artikel: http://www.spiegel.de/kultur/tv/adolf-hitlers-angebliche-flucht-us-doku-greift-geruechte-auf-a-1056564.html

Ja, das wäre wohl die Nachricht des Jahrtausends: Wenn Hitler irgendwo in Südamerika im gesegneten Alter von 126 Jahren noch immer am Leben wäre. Wen interessieren da noch Grexit, Abgasskandal und Flüchtlingskrise ...?

Und selbst wenn der "Führer" aufs Titelblatt gehievt wird, gerade WEIL sonst nichts Wichtiges in der Welt passiert: Es zeugt auch nicht gerade von einem verantwortungsbewußten Umgang der Redaktionen mit dem Thema, wenn Hitler immer wieder als bewährter Lückenfüller fürs Sommerloch herhalten muß, weil der Gröfaz halt immer für Aufmerksamkeit sorgt.

Übrigens, BILDblog hat heute einen extrem lesenswerten Artikel zu diesem Phänomen verlinkt: http://www.zebrabutter.net/groepaz-warum-adolf-hitler-der-groesste-popstar-der-welt-ist-aber-sich-keiner-traut-es-zu-sagen.html

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asentreu 09.10.2015, 07:44
98. Leider nicht sehenswert

Ich habe ihn gestern Abend gesehen.

Der Film wurde im Vergleich zum Buch stark umgeschrieben bzw. erweitert. Wie schade, denn dafür hat man die fälschen Leute engagiert.

Aus einem bissig- furchterregendem Buch wurde so leider politisch- korrektes Gesinnungskino wie es auch in Peking nicht linientreuer hätte sein können. Ein Film der dem stets korrektem Tätervolk- Deutschen genau die Ladung Schuld gibt, die er braucht wie sein täglich Vitamin C.

Die Grundintention des Buches wurde verfehlt und unnötig mit dem Ballast des erhobenen Zeigefingers beschwert, mit Szenen wie der dementen Oma Krömeier die Hitler erkennt und mit Furor "tut etwas" und "die haben uns alle umgegebracht" brüllt. Da saß ich im Kino- Sessel und dachte mir: "Meine Güte, das hat es jetzt aber wirklich gebraucht, damit nicht einige sich ihren Spaß am Film übel nehmen und sich noch heute Abend aus schlechtem Gewissen etwas antun".

Ein lesenswertes Buch über die Macht der Medien und die Verführung der Macht, der Film hingegen ist nur etwas für Menschen mit wenig Mut und noch weniger Intellekt.

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altebanane 09.10.2015, 10:36
99.

War gestern Abend drin und der Film ist sehr gut. Weil er alles hat, was man von einem Stück Abendunterhaltung erwartet. Teilweise konnte man nicht aufhören, zu lachen, manchmal wollte man weinen oder sich übergeben, und wäre der Film nicht gerade so aktuell hätte man einen perfekten Kinoabend gehabt.

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