Forum: Kultur
Nazi-Groteske "Er ist wieder da": Vorsicht, Witz mit Bart
Constantin Film

Borat in Braun: Im Stil einer Fakedoku irrt der böse Schnauzer in "Er ist wieder da" durchs Berlin von heute, wird fotografiert, umarmt und schließlich Fernsehstar. Will man die totale Satire? Lieber nicht.

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melibea 07.10.2015, 14:20
70. Respekt- und geschmacklos

Warum glauben so viele Menschen, man müsse über den brutalsten und grausamsten Massenmörder unserer Geschichte lachen? Weiß keiner mehr, welches unermessliche Leid dieser Mensch und seine willfährigen Helfer angerichtet haben? Das als Satire zu begreifen, ist eine unglaubliche Dummheit und Respektlosigkeit gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen. Unvorstellbar, dass einige behaupten, es sei an der Zeit, endlich "darüber" zu lachen. Worüber? Würden dieselben Leute, die hier lachen müssen, gern eine Satire sehen über den Kindermörder Hamann, der sicherlich noch vielen im Gedächtnis ist, aktuell über Syrien, IS, Guantanamo etc. etc. und sich darüber "köstlich amüsieren"? Wohl kaum. Warum also ausgerechnet Hitler? Ich begreife es nicht. Wie tief sind wir gesunken...

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Olaf 07.10.2015, 14:39
71.

Klar das die Medienkritik in Buch den Medien nicht gefällt. Wahrscheinlich weil sie so gut trifft.

Als Hitler in einer seiner "Satiresendungen" seine Judenhetze als Kritik an Israel und deren Palastinapolitik tarnt, stößt er bei vielen, eigentlich Linken, Medien auf Wohlgefallen. Ausgerechnet die BILD Zeitung hält als einzige dagegen.

Das ist dann so ein Moment, wo man denkt, "Das könnte tatsächlich so funktionieren"

Genau das aber, stößt vielen im Medienzirkus gewaltig auf. Es geht eben nicht um das Versagen der "Massen", sondern der Medien und der Politiker.

Hitler hat nämlich auch noch Renate Künast als Interview Gast in seiner Show, soviel sei verraten. Ich glaube aber kaum, dass dieses Interview im Film auftaucht.

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Llares 07.10.2015, 15:10
72.

Zitat von Attila2009
Ich kann dennoch nicht darüber lachen weil die Gräultaten dieses Mannes noch zu frisch in Erinnerung sind und noch bis heute die politische Folgen durch die Teilung Europas nachwirken. Im Gegensatz zu denen von Ihnen angezeigten historischen Ereignissse besuchen viele Menschen noch Gräber in denen Angehörige......
Schlechtes Beispiel. Würde ich mich über die Bombenopfer in Hiroshima lustig machen? Nein! Über Truman? Sehr wohl!
Über die Opfer von Agent Orange? Nein! Über Nixon oder unfähige Kommandanten und Soldaten? Aber sowas von!
Würde ich mich über die Bombenopfer von Selbstmordattentätern lustig machen? Nein! Über die Selbstmordattentäter? Das sollte sogar Pflicht sein!

Sie sehen, man kann die Opfer ein respektieren und sich trotzdem über die Täter lustig machen. Sollte man sogar, um ihnen sie lächerlich zu machen, um sie als Trottel und Idioten hin zu stellen, um ihre kranken Hirne irgendwie verstehen zu können.

Das schließt in keinster Weise aus, dass man sich auch ernsthaft mit den Tätern auseinander setzen sollte. Aber nochmal, es geht bei dem Buch nicht um Hitler. Er ist nur Mittel zu Zweck. Es geht um die Medien und darum ihnen einen Spiegel vorzuhalten, was ja auch klappt, wie man an der platten Kritik im Artikel ja sieht.

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misterknowitall 07.10.2015, 15:15
73. Falscher Blickwinkel

Zitat von Attila2009
Ich kann dennoch nicht darüber lachen weil die Gräultaten dieses Mannes noch zu frisch in Erinnerung sind und noch bis heute die politische Folgen durch die Teilung Europas nachwirken. Im Gegensatz zu denen von Ihnen angezeigten historischen Ereignissse besuchen viele Menschen noch Gräber in denen Angehörige ,......
Sie haben ja Recht, aber sie verwechseln Parodie mit Satire. Das Buch/der Film ist keine Parodie über Hitler, es gibt auch keinen Anlass im Buch über Hitler oder seine Taten zu lachen. Die Satire zielt auf uns und die Medien. Zielsicher zeigt das Buch auf, dass es nicht viel braucht und ein Hetzer wie Hitler findet wieder Gehör und die Medien springen, wie selbstverständlich, auf den Zug auf und puschen den Hetzer damit sogar noch. Das ganze Buch ist ein erhobener Zeigefinger; seid wachsam, es bedarf nicht viel um uns wieder zu gedankenlosen Mitläufern zu machen.

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misterknowitall 07.10.2015, 15:20
74. Buch gelesen?

Zitat von melibea
Warum glauben so viele Menschen, man müsse über den brutalsten und grausamsten Massenmörder unserer Geschichte lachen? Weiß keiner mehr, welches unermessliche Leid dieser Mensch und seine willfährigen Helfer angerichtet haben? Das ........
Es geht nicht um Hitler und dessen Taten. Die Satire bezieht sich auf uns und unsere Medien. Haben Sie das Buch gelesen? Man lacht nicht über Hitler oder dessen Taten, sondern wie wir heute auf so einen Menschen reagieren würden und dabei ist das Buch so gut, das einem oft der Lacher im Halse stecken bleibt.

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gapun 07.10.2015, 15:45
75.

Hmmm... irgendwie habe ich das Buch wohl falsch verstanden?

Ja, ich habe über einige Situationen gelacht.
Nein, ich habe nicht das Gefühl gehabt, dass man sich über Hitler und seine Taten Lustig macht oder diese verharmlost.
Es hielt eher den Spiegel vor unserer heutigen Gesellschaft und hat mich am Ende eher mit einem mulmigen Gefühl zurück gelassen und mit der Einsicht, das man noch genauer hinschauen muss was da manchmal vor einem passiert oder von den Medien vorgespielt wird.

Im Nachhinein was so manches Lachen aus Scham, Hilflosigkeit, etwas Schadenfreude und der Einsicht, dass einiges wahrscheinlich genau so passieren könnte.

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kimba_2014 07.10.2015, 15:52
76. überflüssig

Wenn die Macher dieses Streifens wirklich einen Bogen von Hitler zu Pegida gesponnen haben, spricht das weniger gegen Pegida als viel mehr gegen die Macher dieses Films.
Aber noch wähnt man sich ja im linken Filmbusiness auf der "moralisch richtigen" Seite. Dabei hat sich gerade dieses Business schon immer - wie auch die Kirchen - den gerade Herrschenden auf hündische Weise angedient.
Fazit: Ein Film, den niemand braucht.

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outsider-realist 07.10.2015, 15:59
77.

Zitat von !!!Fovea!!!
Geschmacklos ist auch: -Pyramiden/Abu simbel anzuschauen, wie viele tausende Arbeiter sind da zu Tode gekommen um einer Person einen Tempel zu bauen. -sich das Kolosseum in Rom anzuschauen, in dem der Mob belustigt wurde, indem sich x-Menschen gegenseitig auf Befehl abschlachteten. -nach ......
Na ja...ihre Beispiele sind aber schon ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Sie vergleichen Äpfel mit Bananen.

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ichmichauch 07.10.2015, 16:04
78. Zu dumm auch...

War ja wieder klar, dass vom Spiegel eine negative Kritik heruntergeleiert werden muss. Schade, wirklich schade... Da kommt nach Jahren flacher Witze und sinnloser Blödelei endlich mal ein brillant umgesetzter Film ins deutsche Kino und er wird verkannt.
Dabei müsste sich in meinen Augen jeder Deutsche diese Geschichte zu Gemüte führen und am Ende noch für ein oder zwei Gedenkminuten länger sitzen bleiben um sich zu fragen, was denn damit gemeint sein könnte. Es handelt sich nämlich nicht um eine Fake-Doku, sondern um reale Interview-Situationen mit realen Menschen, die in diesem Moment mit ihrer Meinung unter uns leben und vielleicht sogar wählen gehen - genial verwoben mit einer von den Schauspielern gut umgesetzten Geschichte, die keineswegs unrealistisch ist (von der Aufersteheung Hiltlers einmal abgesehen). Scheinbar nur zu gut verwoben, als dass der Otto-Normalverbraucher versteht, was er da gerade sieht. Über den Humor kann man sich streiten, der eine hat ihn, der andere nicht, wer diesen Film jedoch als dumm bezeichnet, der hat ihn wohl einfach nicht verstanden...wirklich zu dumm...

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schlaufon 07.10.2015, 16:21
79. Satire? Lachen?

Vorab: den Film habe ich (noch) nicht gesehen, also erspare ich mir Mutmaßungen über ihn.

Das Hörbuch habe ich 2x gehört, das Buch mittlerweile 3mal gelesen.

Mich stört an solchen Debatten, dass sich immer die am lautesten melden, die a) weder das Buch gelesen b) wenn gelesen, nicht verstanden haben c) TV-Sendungen zum Thema inhaliert haben und die Plattitüden [''..Charlie Chaplin hat das schon gemacht..', 'Hitler ist eine Witzfigur', 'der Holocaust wird verharmlost, man darf sich nicht über die Opfer lustig machen..'], die dort brav aufgesagt werden, dann in Foren (wie diesem) populistisch als ihre 'eigene' Meinung verkaufen (wollen?)

Ein Blick in den Duden:
....''Satire, die
Wortart: Substantiv, feminin
Bedeutungsübersicht
1.Kunstgattung (Literatur, Karikatur, Film), die durch Übertreibung, Ironie und [beißenden] Spott an Personen, Ereignissen Kritik übt, sie der Lächerlichkeit preisgibt, Zustände anprangert, mit scharfem Witz geißelt ........''
[Quelle: http://www.duden.de/rechtschreibung/Satire]

Ich bin NICHT der Meinung, dass es sich bei dem Buch um eine Satire handelt. Trotzdem trifft die o.g. Definition es dann doch besser, als z.B. 'Polit-Comedy', 'Switch-reloaded-Verschnitt' usw.

Den Eindruck den das Buch bei mir hinterlässt ist vielmehr sehr vielschichtig, und so ist es auch geschrieben und lässt sich auch nicht in eine Schublade reinschieben. Allein deshalb ragt Vermes Buch heraus.

Selten habe ich während des Lesens eines Buches und Nachdenkens über ein Buch (nachdenken sollte man tun und aber auch können) soviel geschmunzelt, gelacht, mich geschämt, mich erschrocken, um dann doch zu dem Schluss zu kommen, dass ersetzte man Hitler heute durch einen gleich fähigen skrupellosen 'Verführer' der Jetztzeit, dann 'Gnade uns Gott'.

Hier liegt der berühmte 'Hase im Pfeffer'. A.H. ist und war nie eine 'Witzfigur'. Er wurde unterschätzt. Das war der Kardinalfehler einer Generation, die sich damit abfand, dass es außer Hitler keine andere (bessere?) Lösung gab. Wer waren denn dann die Witzfiguren? Hitler oder die v.Papens, Brünings, Hindenburgs usw.?

Wer heute A.H. auslacht und ihn als eine solche Gestalt sehen möchte (angeheizt durch Sendungen 'Obersalzberg, Stromberg usw.) macht genau denselben Fehler wieder.
Das Buch macht es genau anders herum. Vermes nimmt Hitler ernst und betreibt einen Rundumschlag gegen heutige Politiker, Medien und unsere 'Freizeitgesellschaft' (Quelle: Zitat von Helmut K.)
Dadurch warnt! Vermes und macht einen Fehler nicht, nämlich Hitler lächerlich zu machen.
Hitler wäre ohne Zustimmung in Presse, Bevölkerung und bei politischen Entscheidungsträgern (spätestens ab 1927) als 'Föhrer' D'lands undenkbar gewesen.
Doch diese Unterstützung gab es.

Vermes Buch ist vielmehr eine Kritik an uns (auch Lesern).

Von Lachen ÜBER Hitler kann also gar keine Rede sein. War ja auch nicht beabsichtigt.

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