Forum: Kultur
Nazi-Raubkunst: Den Deutschen auf die Finger schauen
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Tut Deutschland genug, um von Nazis geraubte Kunst an die Erben der Beraubten zurück zu geben? Längst nicht, meint Ronald S. Lauder, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses. Er fordert ein Restitutions-Gesetz - und sorgte mit seinen Thesen bei einem Auftritt in Berlin für wenig Begeisterung.

raber 31.01.2014, 17:04
1. Nazi-Raubkunst durch deutsche Gesetze geschützt?

Wenn die rechtmässige Rückgabe der Raubkunst "sich nicht in deutsches Recht umzusetzen liessen.", dann müssten eben die Gesetze geändert werden. Gerade weil so viele interessierte Diebe, Hehler und andere Kriminelle diese Kunstwerke an sich gerissen haben, wollen sie auch die sie beschützenden Gesetze beibehalten. Zu viele Nazis und Nazi-Sympathisanten sind die 20 Jahre nach dem 2. Weltkrieg noch in den Behörden geblieben, und teilweise in einflussreichen Posten, sodass Kunsträube und Immobilien in ihrem Besitz (oder Verwandschaft) geblieben sind oder zu Spottpreisen an sie weitergegeben wurden. Es ist schon richtig wenn das Ausland da reinguckt wenn die deutschen Behörden sich blind, stumm und taub stellen.

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fridericus1 31.01.2014, 17:06
2. Mich würde mal interessieren...

... wie der Louvre, das Britische Museum oder andere nicht in Deutschland gelegene Räuberhöhlen mit dem Thema "Restitution" so umgehen. Mir persönlich geht es gegen den Strich, unter dem Deckmantel der Wiedergutmachung gierige Anwälte, Auktionshäuser und reiche Sammler zu füttern, damit die Kunstwerke danach im Tresor verschwinden. Und die Welt ist nicht so einfach, wie der Herr Lauder es offenbar gern hätte: nicht jedes Kunstwerk, das ein Jude nach 1933 verkaufte, wurde ihm mit vorgehaltener Pistole abgepresst.

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matbhmx 31.01.2014, 18:01
3. Sollen die USA ...

... erstmal die von Ihnen weltweit (zuletzt im Irak, aber auch in Deutschland hat man kräftig abgesahnt) geraubten Kunstwerke zurückgeben!

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UCL 31.01.2014, 22:59
4. 'Entartete Kunst' im Kontext Raubkunst : das Inventar

Wie die BBC heute morgen meldete, wird das V&A (Victoria & Albert Museum, London UK) das einzige erhaltene bekannte komplette Inventar von ‘Entartete Kunst’ vollständig Online publizieren (wie auch hier kommentiert).

Dann wird für viele Interessierte endlich möglich sein, unmittelbar an der Quelle sich zu informieren, was da alles im widerwärtigen Markt umgesetzt wurde.
Sodann sollte es ohne zwischengeschaltete, wild interpretierende Kunsthistoriker und Juristen und Journalisten auch für uns möglich sein, eine bessere Grundlage für unsere weiteren persönlichen und nicht notwendigerwiese professionellen Einschätzungen im Kontext aller hier gestellten Fragen zu bekommen, ist doch sehr deutlich geworden, wie viel immer noch nicht bearbeitet wurde.
Ein Trauerspiel. Nicht nur für alle Opfer, alle zu Entschädigenden, sondern für uns als Gesellschaft, als sog. Kulturnation.

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bernd.lind 01.02.2014, 08:37
5.

Welcher Beweise bedarf es denn noch, die der Welt signalisieren den Deutschen auf die Finger zu schauen? Gurlitt & Konsorten, NSU & Konsorten, Justiz + Polizei & Nazis...
Immer hat man den Eindruck, dass dahinter noch etwas am Machen ist das nicht ans Licht der Öffentlichkeit soll. Lauder hat mehr recht als ihm das vermutlich bewußt ist!

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micha-oj 01.02.2014, 11:00
6. Bauchschmerzen

Ich habe da manchmal Bauchschmerzen. Einerseits verstehe ich, dass die damaligen Eigentümer entschädigt werden müssen. Andererseits sind die Werte um die es geht extrem hoch, auf jeden Fall weit höher, als sie zur Zeit des Raubs waren. Erhält der ursprüngliche Besitzer das Objekt zurück, so erhält er auch diesen Wertzuwachs. Dabei ist gar nicht sicher, ob er - 70 Jahre sind eine lange Zeit - heute noch im Besitz dieser Objekte wäre. Ich empfinde daher die bestehende Ja/Nein Lösung als bedenklich. Besser fände ich eine andere Form: z.B. Heutiger und früherer Besitzer schliessen eine Vergleich. Ist dies nicht erfolgreich, so entscheidet eine Schiedskommission. Da könnte man Faustformeln entwickeln (z.B. 20% vom heutigen Schätzpreis, ein schwieriger Wert - ich weiß) oder eine andere Kompromißformel suchen. Gerecht? Nein, ich glaube in dieser Sache kann es keine Gerechtigkeit geben - dafür war das Verbrechen zu groß. Fair? vielleicht, aber mehr können wir doch nicht.

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thomasschöffel 03.02.2014, 11:09
7. .

Nehmen wir mal, wir hätten 1933. Der Nachbar, Jude, kommt zu uns, ob wir ihm helfen können. Er hat in Deutschland immer mehr Schwierigkeiten und wüßte nun nicht mehr, wie er die schönen Bilder seines Onkels retten könnte. Verkaufen darf er sie nicht, von wegen entartete Kunst und als Jude schon gleich gar nicht. Ob wir ihm nicht seine Bilder abkaufen könnten, denn dann wären sie in Sicherheit, er hätte dann auch Geld um seine Flucht zu finanzieren und nach dem Krieg könne man sich ja wieder treffen, falls er überlebe. Gesagt getan, man hilft dem netten Nachbarn, von dem man nie wieder etwas hört. Und nun kommen, einundachtzig Jahr später (!), irgendwelche Anwälte und behaupten, ich hätte was geklaut, was weggenommen, bzw. mich an Verfolgten des Naziregimes bereichert ? Ich würde platzen vor Wut.

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rahelmutmayr 06.02.2014, 20:38
8. Staatliches Unrecht privatisieren

Bei der ganzen Diskussion in allen Medien wurde nicht bemerkt, dass die Erbin des NS-Regimes die BRD ist. Cornelius Gurlitt ist der Erbe des Vierteljuden Hildebrand Gurlitt und hat mit den NS-Verbrechen genau soviel zu tun, wie ich.

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