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Netflix-Filmoffensive: Wie denn? Wo denn? Was denn?
Netflix

Sandra Bullocks neuer Film läuft nur auf Netflix, für einen mexikanischen Schwarz-Weiß-Film machen die Kinos dagegen eine Ausnahme: So kompliziert wie 2018 war das Verhältnis von Filmbranche und Streamingdienst noch nie.

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ersatzaccount 22.12.2018, 12:34
1.

Neben Blockbuster produziert Hollywood noch Horrorfilme fürs Kino auch Animationsfilme stehen hoch im Kurs. Nicht zu vergessen Komödien für Erwachsene und kleinere Filme mit hochkarätiger Besetzung wie z.B. "A Star is Born" und andere Oscarkandidaten.

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shardan 22.12.2018, 13:09
2. Selbstmord auf Raten

Im Grunde werfe ich - vielleicht nicht ganz korrekt - die Kinobranche und die Streamingdienste in einen Topf. Mag an meinem relativ geringen Interesse für das Gebotene liegen. Aber langfristig wage ich doch die Prognose, dass hier ein Selbstmord auf Raten sichtbar wird. Paradebeispiel Netflix: Disney geht weg, AT&T und Warner ebenfalls. Alle drei wollen eigene Dienste aufmachen. Der Markt bröselt in viele einzelne Anbieter auseinander. Jeder will sein Abo verkaufen. Abo heißt in aller Regel: Man bezahlt mindestens ein Jahr lang. Rechnen wir mal. Die Kleinen wollen Disney. Mutti will aber unbedingt einen Film, den es bei Warner gibt. Der pubertierende Sohnemann will unbedingt eine Serie auf Netflix. Ach ja, Kino dann und wann muss ja auch sein. Gab es das zusammen bei Netflix, sind nun drei, vier oder gar fünf Abo's fällig. Da wird die Finanzdecke dann doch bei einigen merklich dünner, da neben dem entsprechend "dicken" Internetanschluss noch mehrere Abo's dazu kommen (Schließlich will Papa ja auch noch Bunzelliga auf Sky sehen..). Rechnet man das durch, kommt man schnell auf vierstellige Beträge im Jahr. Das ist im Massenmarkt auf Dauer nicht haltbar. Man kann einen Kuchen nicht so in immer mehr Teile teilen, dass die Teile gleich groß bleiben. Es gibt drei Möglichkeiten aus dem Dilemma, die ich beide nicht toll finde. Entweder es gibt eine Marktkonsolidierung: Dienste sterben, immer weniger Anbieter teilen den Markt unter sich auf, es droht eine Oligopolisierung. Oder die Dienste reduzieren die Preise - real reduzieren, nicht auf Pakete (ein sehbarer Film + 99 Schrottfilme) verteilen. Das wird unmittelbar auf die Qualität durchschlagen. Last but not least wäre ein Pay per View-Modell denkbar. An sich eine gute Alternative, aber mit einem Haken: Die Blockbuster-Filme sind dann teuer während wenig abgerufene Filme über kurz oder lang aus dem Angebot verschwinden. Eine solche Konzentration auf Mainstream wäre eine wenig wünschenswerte kulturelle Verarmung. Letzten Endes kann man das drehen wie man will: Der Kunde zahlt erst mal drauf.

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martinm70 22.12.2018, 13:26
3. Würde zu meinen Sehgewohnheiten passen

Früher war ich jede Woche im Kino, inzwischen eigentlich kaum noch.

Die Bildqualität auf dem heimischen 4K TV ist, wenn nicht gerade das billigste Modell, gewöhnlich besser als das was man im Kino hat.

Und die Streamingdienste machen es sehr einfach sich Filme anzusehen. Problem ist eher der Überfluß, manchmal sitzt man Stunden vor Netflix um einen Film zu finden denn man ansehen will. Einzig als 3D Film Fan muß man halt doch noch in den Laden, würde ich aber auch dann noch machen, wenn der Film kostenlos auf Netflix wäre.

Das Kino wird deswegen nicht komplett verschwinden, ist ja auch eine Art soziales Event um gemeinsam was mit Freunden zu unternehmen. Es konkurriert da natürlich auch mit Restaurants oder sonstigen Veranstaltungen, wenn der Kosten/Nutzen/Unterhaltungsfaktor nicht mehr passt, geht man am Abend für 15€ essen statt ins Kino.

Die Exklusivität der Kinos ist wahrscheinlich der Faktor der letztendlich dafür sorgt das es noch nicht zu einer Nische verkommen ist. Den neuen Star Wars Film muß man natürlich möglichst früh sehen bevor alle anfangen zu spoilern.

Wahrscheinlich würden Kinos rasant anfangen zu sterben wenn das wegfällt. Und das weiß natürlich auch Netflix.

Dieser neue Sandra Bullock Film wird evtl. wieder 100.000 neue Kunden dazu bringen Netflix zu abonnieren und hat dann in 6 Monaten seine Kosten alleine dadurch doppelt reingespielt.

Netflix hat halt den großen Vorteil, sie können sehr einfach weiter wachsen, die Hürden sind gering. Irgendein TV, alle(!) haben inzwischen Netflix eingebaut. Den Internet Anschluss dafür hat eh schon jeder.

Kinos brauchen dagegen neue Sitzplätze oder sie erhöhen die Preise um noch mehr Geld zu machen.

Netflix könnte irgendwann so dermaßen viel mehr Geld zur Verfügung haben als Kinobetreiber alle zusammen aufbringen könnte daß sie einem Schauspieler eben auch soviel mehr zahlen können als das was man durchs Kino einnehmen könnte.

Möglicherweise ist 3D vielleicht tatsächlich noch das was aktuell das Kino am Leben erhält. Fernseher haben ja alle kein 3D mehr, wirkte darauf eh nie so beeindruckt, mehr wie ein "Puppenhaus", man braucht dafür eine große Leinwand und eine gute Qualität mit wenig Ghosting die viele 3D Fernseher leider nicht hatten.

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mitch72 22.12.2018, 13:40
4. Ganz unterhaltsam

Also, ich muss sagen, das Cloverfield Paradoxum war doch ein sehr interessanter Film, gestern habe ich Bird Box geschaut - tolle Schauspieler und interessante Handlung.

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wuppergnom2 22.12.2018, 13:47
5. Abo

Bei allen mir bekannten Streamingdiensten (Netflix, Maxdome, Sky Ticket) kann die Kündigung monatlich erfolgen. Jahresverträge sind out. Also kann die Familie in aller Ruhe mal 1-2 Monate Netflix abgrasen und dann zum nächsten Anbieter wechseln. Einfach so!

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Wusch 22.12.2018, 13:52
6. Netflix

Es finden sich in Netflix immer mehr ständige Neuanfänge von eigenproduzierten Serien. Sinnvoller wäre es die angefangenen Serien erst mal zu vervollständigen und thematisch zu Ende zu bringen. Es frustet einfach nur die erste Staffel einer unvollendeten Serie zu sehen wenn dann niemals oder monatelang keine weiteren Staffeln folgen. Das Ganze gipfelte dann sogar darin das Folgestaffeln einer Serie wieder herausgenommen wurden.

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Spon_Client 22.12.2018, 13:56
7. Birdbox, nein danke.

Habe Birdbox mit Sandra Bullock gerade so, bis zum Ende, durchgestanden. Der Film hat dabei leider auch meine Erwartung erfüllt, nein sogar übertroffen: Guckst du lieber nicht. Schade!

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Bueckstueck 22.12.2018, 15:55
8. Kino ist tot

Ich gehe schon länger nicht mehr ins Kino als Netflix erfolgreich ist und bin daher schon seit ein paar Jahren Netflix Abonnent. Zwischendurch leihe ich mir über Google Play Filme aus die gerade erst aus dem Kino geflogen sind, statt sie für einen vielfachen Betrag auf Scheibe zu kaufen, ohne zu wissen ob ich den Streifen auch mehrmals sehen möchte. Wenn ich das möchte, kaufe ich ihn dann wenn er noch 10-15 Steine kostet.

Es ist eine tolle Film-Konsum Welt die wir heute haben!

Das einzige was mich an Netflix stört, ist die unfassbar bescheuerte Menüführung der app. Und die Suchfunktion ist der letzte Dreck, weil sie mir statt das zu zeigen was ich suche, alles mögliche nicht relevante Beigemüse auftischt. Unfassbar, dass eine solche Firma diese grundlegenden Funktionen nicht mal halbwegs anständig hinbekommt.

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konterspieler 22.12.2018, 16:35
9. Ist das Kino erst ruiniert,

wird auch die Filmproduktion als solche eingestellt werden, denn sehr bald wird auch Netflix auffallen, das traditionelle Kinofilme ein zu kostenaufwändiges Produkt sind und dann den üblichen Einschaltquoten-Müll herstellen. (Ebenso ist es nach der Einführung des Privatfernsehens gelaufen.)
Das Kino war und ist ein demokratisches Medium, das Menschen zusammenbringt, der Netflix-Bildschirm ist - wie alle Bildschirmprogramme - ein Medium das den Einzelnen vereinzelt und ihn im verfettenden Sofa zuhause festbindet, also die Menschen noch weiter trennt, als es bereits der Fall ist.
Die Regisseure, die jetzt bei Netflix das Geld suchen, werden diejenigen sein, die später am lautesten jammern, wenn der Kinofilm als grosse Erzählform und das Kino als Spielstätte erst zerstört sind.
Sie sind Verräter an der eigenen Sache!

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