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Neu entdecktes Meisterwerk "Stoner": Eine lebenslange Niederlage
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Das falsche Fach studiert, die falsche Frau geheiratet - überhaupt das falsche Leben gelebt: In seinem 1965 erschienenen, aber erst jetzt als Meisterwerk gefeierten Roman "Stoner" erzählt John Williams das berührende Drama eines Uni-Professors, dem langsam schwant, dass er nie glücklich sein wird.

steuerberater-reimer 06.11.2013, 16:16
1. Erfülltes Leben

Nein, Stoner war kein gescheiterter Mann. Er hatte das ganz und gar Unwahrscheinliche erreicht, nämlich von einem armen Farmerjungen zu einem an einer Universität Literatur lehrenden Professor zu werden, die eigentliche Erfüllung, statt - wie von den Eltern vorgesehen - als studierter Farmer zu scheitern. Die schreckliche Ehefrau, die unerfüllte Liebe, das scheiternde Kind, die Intrigen, all das nahm er stoisch hin als das, was es für uns alle ist: das zu erfahrende Leben . Und das ist es, was der Autor auf eine ganz und gar großartige Art und Weise erzählt, man liest und versteht .

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Newspeak 06.11.2013, 22:03
2. ...

Hört sich wie der Lebenslauf eines ganz normalen Akademikers an. Den eigenen Idealen jahrelang sinnlos hinterhergehechelt, nur um dann festzustellen, daß sich die Träume, für die man lebte, nie erfüllen werden, um sich dann in sein Schicksal zu fügen.

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classwar! 06.11.2013, 23:38
3. Feuilleton?

selten einen so zartfülenden mist gelesen :-D aus allen ecken und enden bedient sich Thomas Andre, um seine rezension zusammenzuschrauben. ich empfehle da mal eine heftige dosis Joseph von Westphalen, der bereits in den 80ern das feuilleton und die literaturkritik auf's korn nahm ;-)

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mendorvaldez 06.11.2013, 23:47
4. Fragwürdige Interpretation

Die Lektüre dieser kleinen Rezension macht nachdenklich. Nicht wegen "Stoner", sondern wegen der Intention des Rezensenten.

Augenscheinlich wird diese in folgender Aussage: "Als ahnte er langsam, von Geburt an verdammt zu sein, nie glücklich werden zu können - das Schicksal jedes modernen, entwurzelten Menschen."

Also jeder moderne und entwurzelte - was immer das auch sein mag - Mensch sieht sich einem glücklosen Schicksal gegenüber? Das wage ich doch sehr zu bezweifeln! Und diese Aussage ist nicht nur falsch. Sie ist auch nicht fatalistisch, denn der Fatalismus beinhaltet in seiner Schicksalsergebenheit gerade jenes absurde, existenzialistische Glück. Nein, die Aussage ist schlicht defätistisch.

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bebbi107 09.02.2014, 00:09
5. Gezeichnete

Nebst Edith ist Kollege Lomax die Figur, die mit seinem unüberwindbaren Hass Stoner das Leben schwer macht. Warum? Er ist ein Krüppel, der sich durch Stoners Ablehnung des ebenfalls krüppligen Walker tiefst gekränkt fühlt. Stoner tritt voll ins sich anbahnende Verhängnis, weil ihm die wohl biblische Warnung: "Hütet euch vor den Gezeichneten" nicht im Instinkt festgeschrieben ist. Die unglaublich fein gestrickte Geschichte dieser Unverzeihlichkeit über jegliches Mitmenschliche hinaus ist gleichsam auch die Geschichte der Unausweichlichkeit schicksalhafter Konstellationen.

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