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Neubau-Architektur: Viele bauen hässliche Häuser, das ist fatal
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Fertighäuser sind praktisch und günstig - aber sind sie auch schön? Obwohl Menschen ästhetische Vielfalt brauchen, wohnen wir immer banaler, sagt der Architekturphilosoph Christian Illies.

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Stäffelesrutscher 26.08.2018, 17:00
30.

Das Lied zum normierten Fertighaus:

Little boxes on the hillside,
Little boxes made of ticky tacky,
Little boxes on the hillside,
Little boxes all the same.
There's a green one and a pink one
And a blue one and a yellow one,
And they're all made out of ticky tacky
And they all look just the same.

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kritischergeist 26.08.2018, 17:06
31. Bezahlbar bauen, geht das noch?

In aller Regel sind Bauherren klamm. Ihr Fokus liegt auf dem Bezahlbaren und nicht auf der Schönheit und das bestimmt letztlich wie gebaut wird. Reihenhäuser mit vorgegebener Raumaufteilung die nur einmal geplant, aber vielfach gebaut werden können, sind preiswerter. Zudem hat der Staat und die Kommunen dem individuellen bauen Grenzen gesetzt, wie Heizsystem, Wärmedämmung, Erker, Dachgauben, Dachneigung, Ziegelfarbe usw. In diesem Korsett müssen sich viele Bauherren bewegen. Da bleibt oft nur Schönheit für den Garten. Schönheit ist etwas für Leute die das notwendige Kleingeld haben ein schmuckes Domizil von einem renommierten Architekten planen zu lassen, wobei Architekten oft die größten Bausünden zu verantworten haben. Müssten Architekten in den Objekten die sie planen und dann realisieren, 10 Jahre wohnen, sähe manches Objekt anders aus. Wer Schönheit haben will findet sie oft beim Kauf eines Altbaus aus der Gründerzeit. Diese Häuser haben Stil und Charakter weil bauen damals preiswerter war und mehr Raum für Schönheit lies.

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**Kiki** 26.08.2018, 17:07
32. In Schönheit sterben.

Zitat von
Aber die Massenarchitektur hat unterschätzt, dass zu den elementaren Bedürfnissen des Menschen auch die Schönheit gehört.
Ein Luxusproblem von Architekten. Der Mensch sitzt lieber auch im häßlichsten Haus am Ofen als unter der ästhetisch befriedigendsten Brücke zu erfrieren.

Daneben ist Schönheit viel zu sehr dem Zeitgeschmack unterworfen, um eine akzeptable Kategorie zu sein. In den ersten zwei bis drei Nachkriegsjahrzehnten wendete man sich beispielsweise in Grausen vor denselben Jugendstilgebäuden, die heute so heiß geliebt werden. Ich wohne in so einem Haus - und ich wohne gerne hier -, aber nie im Leben käme ich auf die Idee, zu behaupten, der Grundriß wäre auch nur annähernd so gelungen wie in dem langweiligen Fünfziger-Jahre-Bau, in dem ich zuvor gewohnt hatte. So langweilig das Haus auch aussah, es hatte eindeutig auch seine Qualitäten.

Abgesehen davon sind gleichförmige Siedlungen aus lauter gleichen Häusern immer nur zu Beginn gleich. In Stuttgart-Sommerrain hat es so eine Siedlung, knuffige würfelförmige Häuser, die ursprünglich alle mal gleich waren. Das ist aber schon fast hundert Jahre her. Inzwischen wurden sie mehrmals renoviert, und nun besteht der Reiz der Siedlung darin, wozu dieselbe Grundform verschiedene Eigentümer inspiriert hat.

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Papazaca 26.08.2018, 17:11
33. Flair 08/15: Bezahlbar, Praktisch, akzeptierte Modernität

Jetzt sollten die Forumsteilnehmer auf den Plan treten, die was gegen bekannte moderne Architekten haben.
Die haben doch die schweigende Mehrheit hinter sich: Stichwort Flair 113. Dann ist doch alles gut. Das gleiche gilt übrigens für das momentane Autodesign, mit wenigen Ausnahmen. Da dominiert auch ein Einheitsdesign.

Übrigens, die Kommentatoren, die auf die Architekten - auch bei öffentlichen Bauten - los gehen: Die Bauherren bestimmen, was gespielt wird. Die Architekten sind oft nur Ausführende und müssen oft "Sachen" bauen, die ihnen nicht gefallen.

Aber wenn man ehrlich ist, auch wenn es sich arrogant anhört: Die meisten Dinge, Häuser, Autos etc. sind mittelmäßig. Das ist nicht bösartig sondern die statistische Wahrheit der Mittelmäßigkeit. Wer mehr will, hat es schwerer. Das gilt für vieles. Also: Nichts neues.

Nur hat jemand hier diese Mittelmäßigkeit als häßlich denunziert. Viele leben aber diese Mittelmäßigkeit und fühlen sich darin wohl. Ich habe zwar eine andere Idee vom Leben, bin aber demokratisch, wenn andere sich in so einem Haus wohlfühlen.

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tadano 26.08.2018, 17:24
34.

Ich empfehle hier jedem selbsternannten Architekturkritiker ein Architekturstudium mit anschließender Verwirklichung der eigenen Ambitionen.

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Papazaca 26.08.2018, 17:38
35. Ein Beispiel: Es geht auch anders

Nur als Beispiel: Für seine Mutter hat Robert Venturi ein bekanntes Haus gebaut. Es ist nicht superteuer aber alle mal besser, als das statistische Mittelmaß. Wer wirklich an einem Haus interessiert ist, kann sich ein Architektenhaus in allen Größen und Preisklassen nachbauen lassen. Das bedeutet aber Recherche. Aber die Wahrheit ist: Sicher ist das teurer als das Glück von der Stange. Aber dann kommt Convenience ins Spiel. Die meisten wollen es eben einfach haben. TKK läßt grüßen. Klar ist ein Hausbau teuer, kompliziert und langwierig. Aber wenn man mehr haben will, wird alles schwieriger. Und dann entscheiden sich viele eben für die einfacherer Lösung. Und das ist oft die simple Wahrheit.

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sierra_hotel 26.08.2018, 17:40
36. Besser hässlich als gar kein Haus

Der Professor hat sicher Recht mit allem was er sagt. Aber der Artikel geht komplett an dem vorbei was die breite Maase bewegt und ist deswegen gewissermaßen überflüssig: Knappheit von Baugrund und unbezahlbare Grundstückspreise sind Probleme, die noch weit vor solchen Ästhetik Diskissionen gelöst werden müssen.....

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charlybird 26.08.2018, 17:49
37. Ist das jetzt

Zitat von tadano
Ich empfehle hier jedem selbsternannten Architekturkritiker ein Architekturstudium mit anschließender Verwirklichung der eigenen Ambitionen.
eine inoffizielle Aufforderung Architektur nicht kritisieren zu dürfen, wenn man kein Architekt ist ?
Da empfehle ich Ihnen doch glatt einmal das Gedicht von Christian Morgenstern mit dem wunderschönen Titel:
Der Lattenzaun.
Falls Sie es nicht schon kennen. Es soll durchaus einige Architekten
inspiriert haben.
Nebenbei, glauben sie das Theaterkritiker Schauspieler sind, Musikredakteure Musiker, Literaturkritiker Autoren, usw. ?
Ganz bestimmt eher selten.

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rennix 26.08.2018, 17:50
38. Ral 7016

Die Lieblingsfarbe der Deutschen ist nun mal RAL 7016. Anthrazitgrau matt. Findet man an jedem Haus in jedem Neubaugebiet. Wir haben unser Haus in gedecktem Sonnenblumengelb streichen lassen und wurden daraufhin von Nachbarn gefragt ob wir Hippies sind.

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grmblfix 26.08.2018, 18:07
39.

"Nicht alles, was jemand schön findet, ist schön." Nur, was der Herr Professor schön findet!

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