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Neues Buch über Kraftwerk: Die Robotergötter from Germany
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In Deutschland werden sie bis heute oft nur als wunderliche Pop-Schaufensterpuppen bestaunt, im Ausland begriff man die Bedeutung von Kraftwerk als Pioniere besser und schneller. Zum Beispiel die Briten, wie eine neue Biografie der Düsseldorfer Elektroniker beweist.

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trafozsatsfm 05.01.2014, 19:15
20.

Zitat von sysop
Das wäre ungefähr so, als hielten die Engländer Showaddywaddy für bedeutsamer als Joy Division. Undenkbar.
Ob Buckley wirklich glaubt, dass die durchschnittliche englische Hausfrau Joy Division eher kennt (oder für künstlerisch bedeutender hält) als Showaddywaddy? So sehr ich David Buckley auch schätze - wenn er sich da mal nicht irrt...

Wenn der Bekanntheitsgrad etwas mit Qualität zu tun hätte, dann müsste die Mehrheit der Deutschen auf die Frage nach einem gewissen blonden Sänger mit der Gegenfrage "Dieter... wer?" reagieren. Allerdings sind die Engländer da kein bisschen besser. Erinnert sich noch wer an Samantha Fox? Wetten, dass die noch heute mehr Engländern ein Begriff ist als Kraftwerk oder eben... Joy Division? ;)

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tetaro 05.01.2014, 19:16
21.

Zitat von tramann
Ich glaube, diese Aussagen des britischen Autors, David Buckley, zum "Kunstgeschmack" des "Otto-Normal"-Deutschen bringt sehr gut den in Deutschland doch überwiegend beim Publikum vorherrschenden kulturellen Analphabetismus in Fragen der Musik, des Films und der sonstigen bildenden Künsten sehr gut auf den Punkt.
Gut zu erkennen ist das auch anhand der interessanten englischsprachigen Bücher, die es überhaupt schaffen, einen deutschen Übersetzer zu finden. Beim Büchereinkauf schaue ich seit einiger Zeit gleich in die englischsprachigen Titel, weil die Suche in den deutschsprachigen fast nutzlos ist.
Man hat den Eindruck, in einem Volk von Kleingärtnern zu leben (nichts gegen Kleingärtner, es geht um die alleinige Beschränkung auf diese Lebensweise).

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Stäffelesrutscher 05.01.2014, 19:21
22.

Zitat von sysop
In einer ZDF-Abstimmung kamen 2003 Herbert Grönemeyer, Campino und Nicole unter die 200 bekanntesten Deutschen, aber nicht ein Mitglied von Kraftwerk.
Das dürfte auch daran liegen, dass die Jungs hinter ihr Produkt zurückgetreten sind. Man musste nicht wissen, wie die mit Namen hießen, und konnte trotzdem was mit "Kraftwerk" anfangen.

Übrigens ging es offiziell nicht um die "bekanntesten", sondern um die "größten Deutschen". Auf Platz 15 landete ein gewisser Daniel Küblböck.

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Stäffelesrutscher 05.01.2014, 19:27
23.

Zitat von sysop
Das wäre ungefähr so, als hielten die Engländer Showaddywaddy für bedeutsamer als Joy Division. Undenkbar.
Nun, im Jahre 2002 ließ die BBC die »100 Greatest Britons« küren. Da taucht kein einziges Mitglied von »Joy Division« auf. Pech, Mr. Buckley.

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LapOfGods 05.01.2014, 19:31
24. Plastikmusik

Zitat von hattrick73
Tja, die eigene Wahrnehmung weicht von der tatsächlichen Wahrnehmung ganz schön ab. Ist ja richtig putzig der 2. Absatz, wenn man nur bis zwei zählen kann.
In dem Fall reicht 2 völlig.

Aber mit der tatsächlichen Wahrnehmung meinen Sie wahrscheinlich Ihre höchst eigene?

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Monsterkuh 05.01.2014, 19:32
25. @ steulich

:-) nee, kein Edgar Froese vor Ort. In einen Topf werfen ist nicht möglich, da haben Sie Recht. Alleine schon aus dem einem einen Grund, weil TD in den 70ern schon komplexe Stücke geschrieben hat, während KW das Drehen von Reglern ausprobiert hat und die entstandenen Geräusche veröffentlicht hat. Wenn ich mir alleine das Jahr 1975 anschaue: Nehmen Sie sich von TD die Alben Ricochet und Rubikon vor, gerne auch die Konzerte in der Croydon Fairfield Hall und in London. Und dann hören Sie im Vergleich das Album Radio-Aktivität von KW an.... Richtig, ich werde einen Teufel tun, diese beiden Bands in einen Topf zu schmeißen. :-)

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Monsterkuh 05.01.2014, 19:42
26. nochmals @ steulich

und selbst Klaus Schulze mit seinem Wahnfried war 1975 schon weiter in Sachen elektronischer Klangerzeugung und Aneinanderreihung von Tönen. Aber in einem war Kraftwerk weit vorne: Das Produkt steht im Vordergrund nicht die Musiker.

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telltaleheart 05.01.2014, 19:42
27. Bildungscanon?

Zitat von steulich
Mich wundert es auch immer wieder, dass die meisten Krauts keine Ahnung haben welch Pionierie die Teutonen vorgebracht haben. Auch in der Aufzählung des Redakteurs fehlen Namen wie CLUSTER oder HARMONIA. CLUSTER um Hans Joachim Roedelius werkelten schon mit elektronischer Musik, als Kraftwerk noch.....
Nichts gegen Kraftwerk (die ich schon fast vergessen hatte bis die Coens ihnen in "The Big Lebowski" ein so schönes Denkmal gesetzt haben). Aber "keine Ahnung haben", weil man sie nciht kennt oder dufte findet? Ist es nicht auch schon wieder sehr deutsch ständig vorschreiben zu wollen was alle kennen und gut finden müssen?

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digitalesradiergummi 05.01.2014, 20:02
28. Im Anglo/angloamerikanischem Raum

Zitat von LapOfGods
Zum Glück sind auch in der seit 1975 eingetretenen Zukunft richtige E-Gitarren und Schlagzeuge nicht ausgestorben. Im Gegenteil. Kraftwerk war ein netter Gag, aber ich habe das Elektro-Gefiepe nie gebraucht. Und auch all ihre ach so wichtigen Nachfolger waren für kaum mal mehr als für 1-2 gute Stücke gut. Genau wie Showaddywaddy.
hatten sie grosse Bedeutung.
Sie haben auch alles auf Englisch gesungen.

Fun,Fun,Fun on the Autobahn

She is a model and she is looking good,
I'll take her home this night, I wish I could.

I'm the operator of my pocket calculator.

Das (und mehr) kenne ich von kalifornischen
(EX)Kollegen, die konnten das alles auswendig.

Ich hatte auch mal 'ne Freundin in den Niederlanden,
die hatte alle Platten von denen.

Und die Franzosen gaben bei Ihnen
die Hymne zur ihrem Nationalheiligzum Tour de France
in Auftrag.

Einer von Kraftwerk war ja auch aus
Mönchengladbach/Rheydt (Goebbelstown),
und das war erstes Ziel der Englischen Bomberangriffe
in WK II, als Vergeltung auf Deutschlands Überfall
auf die neutralen Niederlande.

Also, die Sieger halten Kraftwerk für bedeutngsvoll,
die Verlierer und bösen Buben dazu
halten sie für einen netten Gag.

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crunchy_frog 05.01.2014, 20:09
29.

Zitat von trafozsatsfm
Ob Buckley wirklich glaubt, dass die durchschnittliche englische Hausfrau Joy Division eher kennt (oder für künstlerisch bedeutender hält) als Showaddywaddy? So sehr ich David Buckley auch schätze - wenn er sich da mal nicht irrt... Wenn der Bekanntheitsgrad etwas mit Qualität zu tun hätte, dann müsste die Mehrheit der Deutschen auf die Frage nach einem gewissen blonden Sänger mit der Gegenfrage "Dieter... wer?" reagieren. Allerdings sind die Engländer da kein bisschen besser. Erinnert sich noch wer an Samantha Fox? Wetten, dass die noch heute mehr Engländern ein Begriff ist als Kraftwerk oder eben... Joy Division? ;)
Da muss man aber einwerfen, dass die Engländer grundsätzlich schon eher musikinteressiert sind als wohl alle anderen Nationen. Bei denen ist (Pop-)Musik ein Nationalheiligtum, was auch die für dieses eher kleine Land gewaltige Anzahl an weltbekannten Künstlern in diesem Bereich erklärt. Es ist dort vielleicht ein bischen so wie bei uns Autos: während der durchschnittliche Deutsche sonstwas drauf einbildet, dass in seinem Land das Auto erfunden und bis heute sie (in eigener Wahrnehmung) besten gebaut werden und als Konsequenz daraus noch bei jedem Audi korrekt Typ und Modelljahr auswendig bestimmen kann, ist der gemeine Engländer der von Beatles und Stones geschaffenen Tradition verpflichtet und interessiert sich doch ein wenig mehr für diese Dinge als der normale Festländer Europas.

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