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Neues von "Shades of Grey"-Autorin James: Perfekt fürs Sexklischee-Bingo
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Ohne Sadomaso, dafür wieder mit Unterwerfungs-Sex: E.L. James hat ein neues Buch geschrieben. Keine Überraschung: "The Mister" ist ein Ausbeutungsporno. Wir liefern eine Runde Aufklärung.

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telarien 29.04.2019, 20:17
1. Männer?

Gut, ich habe weder dieses Buch gelesen, noch etwas aus dem Shades-Universum. Hier schreibt offenbar eine Frau für Frauen, trotzdem kommt mir beim Lesen der Kritik das Gefühl, da müssen doch Männer schuld sein. Was unfair ist.
Ich werfe mal die Highland-Saga von Diana Gabaldon in den Ring. Hier wird die Protagonistin in die schottischen Highlands des 18. Jahrhunderts versetzt, dort verliebt sie sich und bekommt auch mal den Hintern versohlt, was sie nicht ganz falsch fand.
Die Reaktionen in meinem Bekanntenkreis waren interessant. Meine Frau lehnte die Saga darauf ab. Ihre Schwester und andere Frauen standen drauf. Mir war es völlig egal, da nicht wichtig für den Kern der Geschichte.

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abc_bis_z 29.04.2019, 20:23
2. eine Frage, Frau Haeming

vorweg: ich halte die Bücher von E.L. James auch für Schund (wobei ich ehrlicherweise dazu sagen muss, dass ich keins ihrer Bücher gelesen hab und mich in meinem Urteil auf die Rezensionen verlasse). Aber gestatten Sie mir eine Frage, Frau Haeming bzw. die Frage, die bei alldem am interessantesten wäre und die weder Sie noch andere Fahnenträgerinnen der Empörungs-Feminismus bisher gestellt haben: warum verkaufen sich diese Bücher so unfassbar gut? Meines Wissens ist die überwältigende Leserschaft dieser Bücher weiblich. Warum also kaufen, lesen und lieben unzählige Frauen diese Bücher? Haben viele Frauen eine Affinität zu Schundliteratur? Oder ist der reine Inhalt (Unterwerfung unter einen gut situierten Mann) der besondere Reuz für die weibliche Leserschaft? Und wenn ja, warum? Und warum hat ein Buch über einen arbeitslosen Hartz4 Empfänger aus Castrop-Rauxel, der Frauen auspeitscht, keinen Erfolg? Hat der Erfolg der Shades of Grey Bücher auch damit zu tun, dass der Protagonist Milliardär ist? Wie aber kann das sein? Ich (und viele andere Männer meiner Generation) hab von Kindesbeinen an eingetrichtert bekommen: Frauen stehen auf innere Werte, Männer (nur) auf äußere Merkmale. Der Erfolg dieser E.L. James Bücher bringt man ganzes, erlerntes Weltbild ins Wanken.

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Newspeak 29.04.2019, 20:23
3. ...

Waere die zweite Buchbesprechung nicht gewesen, haette man dem Anliegen der ersten noch folgen koennen. So zeigt sich nur, dass Frauen nicht wissen, was sie wollen. Mich wuerde mal interessieren, wieviele Maenner diese Buecher kaufen, ich glaube es sind nicht sehr viele, die sich dafuer begeistern koennen. Also sind es in der Mehrheit die Frauen, die von Frauen geschriebene Literatur kaufen, in der Frauen unterdrueckt werden, worueber Frauen dann wieder boese Verrisse schreiben. Ja, meine Guete, kommt doch mal mit der Welt klar, und lasst es sein. Oder gesteht euch ein, dass ihr mitschuldig an dem Schlamassel sein, mitschuldig an der Verlogenheit der Welt, mitschuldig am System, weil ihr es naemlich mit eurem Verhalten auch tragt, weil ihr eure Geschlechtsgenossinnen, die abweichen, naemlich auch mit unterdrueckt, immer so, wie es gerade passt, und damit keinen Deut besser, als die maennliche Seite.

Nebenbei, Unterwerfungsphantasien gibt es auch unter Schwulen. Es scheint eine normale Spielart der menschlichen Sexualitaet zu sein. Rein empirisch. Vielleicht sollte man die Fakten akzeptieren, anstatt sich medial unschoen ueber Literatur auszulassen. Oder man sollte wenigstens so konsequent sein, auch die Buecherverbrennung zu fordern, denn das ist dieselbe Denke, die sich hinter solchen "Rezensionen" verbirgt.

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christine.rudi 29.04.2019, 20:35
4. Ich glaube, es gibt genausoviel männliche, wie weibliche "Subs" und ..

genausoviel weibliche, wie männliche Doms. Wollen Sie uns erklären, daß Sader-Masoch eine Frau war ? Kopfschüttelnde Grüße R.

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mike_virgil 29.04.2019, 20:42
5. Na, prima...

Hier schön über den Text herziehen und unterirdisch finden, aber zugleich damit kostenlose Werbung machen, inklusive gleich 2 Links, schön mit Abbildung, direkt zum Bestellvorgang. Damit ja nix schief geht. - Ja, was denn nun?

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Schattenriss 29.04.2019, 21:06
6. @ #2

Punkt 1. Punkt 2: Die Phantasie geht über die eigene Welt hinaus. Die Phantasie als Kunst überschreitet die Grenzen des sittlichen und sozialen Willens. Kunst ist ein bevorzugtes Terrain jener mächtig bleibenden Möglichkeiten, für die sich das sittliche, dem sozialen Willen sich unterwerfende Individuum *nicht* entschieden hat. Die Phantasie ist Ausschaltung der auf das Realitätsprinzip ausgerichteten Kontrollen und Konventionen. Sie beharrt auf der Schönheit des vom Mainstream oder vom Paradigma für deviant Erklärten. Daß wir es in der Phantasie wie in der Kunst genießen, uns Dingen auszusetzen, die wir in der Realität meiden würden, ist eine sehr alte Erkenntnis und keine, die wir auch noch drangeben sollten in den wildgewordenen Metzeleien, die sich gegenwärtig "Debatte" nennen.

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barbierossa 29.04.2019, 21:10
7. Für wen...

... ist diese "Rezension"? Üblicherweise hat man doch als Autorin - und wenn man nur eine Rezensions-Autorin ist - eine vage Vorstellung vom Zielpublikum. Wem soll was gesagt werden? Was gibt es Sinnvolles zu sagen? Um mal Wittgenstein zu paraphrasieren: "Wovon man nicht sinnvoll schreiben kann, darüber muß man das Schreiben unterlassen."

Hielte sich die Rezensentin daran, unterliefen ihr nicht floskeline Peinlichkeiten wie: "Das hier ist echt, das andere nicht mal Simulation."
Ech - hahaha! Authentisch vermutlich auch noch. Weil fehlende Authentizität freilich das literarische K.O.-Kriterium ist.

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alleghieri 29.04.2019, 21:34
8. Arztroman

Ich glaube Ihnen sofort, dass dieser Roman "Mister", genau so wie sein Vorgänger mit den Graustufen, der letzte Schwachsinn ist, aber die eigentlich interessante Frage ist, warum er sich so unverschämt gut verkauft. Meine Vermutung ist, dass diese Art von Büchern die zeitgemäße Fortsetzung der Arzt-Romane ist: Kitsch und statt dem langersehnten Kuss mit dem angehimmelten gut aussehende Arzt geht es heute halt härter zur Sache. Künstlerinnen, die mit einem Strap-on Galeristen befriedigen, sind da keine echte Konkurrenz.

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Schattenriss 29.04.2019, 21:36
9.

Und Punkt 3: So notwendig der feministische oder einfach nur humane Kampf, so verblendet die Hoffnung, es sei auch nur ein Vorurteil, daß es masochistische Neigungen und die Lust, zu unterliegen, bei Frauen gibt. Es gibt sie. Genau wie bei Männern. Genauso, wie es sadistische Neigungen in Frauen und masochistische Neigungen in Männern gibt.

Es spricht viel dafür, in dem Verlangen, die Gewalt einer die eigenen Grenzen überschreitenden Macht zu fühlen, eine masochistisch zu nennende Grundneigung in uns allen zu sehen. Die SM-Subkultur legt Wert darauf, daß Realsadisten nicht toleriert werden. Von "Realmasochisten" ist nicht die Rede. Möglicherweise, weil ohnehin jeder, in gewissem Sinne, Realmasochist ist.

Was im Diskurs meistens nicht mehr auftaucht, ist die Vorstellung, daß im Masochismus nicht ein Selbstvernichtungswunsch o.ä. prävalent ist, sondern im Gegenteil das Verlangen, Leben zu steigern, die eigene Lebenserfahrung zu intensivieren. Dies ist der Punkt, an dem wir alle Realmasochisten sind. Masochismus in diesem Sinne ist die freiwillige Öffnung für Zufügungen, die ins Extreme gesteigerte, erotisierte und mit äußerster Bewußtheit ausgestaltete Erfahrung dessen, was ohnehin immer geschieht, eine Erfahrung, mit der das Empfinden für die eigene Existenz intensiviert wird.

Buddha bezeichnete als Nirvana das Erlöschen aller auf die Existenz einströmenden Faktoren. Das heißt, die in das Nirvana eingetretene individuelle Existenz erleidet nichts mehr, ihr widerfährt keine Zufügung mehr. Wenn der Buddhismus sagt: Dasein ist Leiden, will das sagen: Erleiden. Alles im Leben ist Widerfahrnis. Jede Aktivität ist illusorisch; Leben heißt, im Strom der Widerfahrnisse sein, die Passivität ist apriorisch. (Insofern ist das buddhistische Ziel, das Nirvana anzustreben, die einzig mögliche Aktivität). Dies ist in der Tat der weiteste Sinn von Zufügung. In der Leere gibt es kein Leiden, kein Erleiden von Welt, keine Zufügung mehr. Und dies ist der weiteste Sinn von Leben: Lust am Erleiden von Zufügung. Kein Einzeller wäre weit gekommen ohne diese Lust. Denn die Zufügung in diesem Sinne ist auch Hinzufügung.

Dann müßte man auch noch auf den Inszenierungscharakter des SM-Geschehens zu sprechen kommen, das zumindest mit "Ausbeutung" nichts zu tun hat, aber...

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