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Neustart gescheitert: Was Idioten aus der Welt gemacht haben
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Die sogenannten Abgehängten haben gegen die Eliten gewählt - und es hat sich nichts geändert. Außer, dass wir jetzt lernen müssen, mit dem ganzen Hass und Ekel umzugehen, der plötzlich in der Welt ist.

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opinio... 06.05.2017, 10:20
1. Beschreibung

Könnte passen, aber wie machen wir die Welt besser? Weniger Menschen, weniger Macht für Menschen, mehr Vernunft? Aber woher die nehmen(

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syracusa 06.05.2017, 10:22
2. einzige Lösung: Gemeinsinn und Allmende

Liebe Frau Berg, ich stimme Ihnen in allen Punkten zu. Aber ich vermisse ein wenig konkrete Vorschläge dafür, wie wir die Gesellschaft wieder zusammen bringen können. Ich habe da aber einige Ideen.

Früher hatten wir Religionen und religiöse Rituale, die die Gesellschaften zusammen gehalten haben. Die Menschen sind heute aber viel mobiler, und die Gesellschaften werden heterogener. Religion dient heute nicht mehr dem Zusammenhalt, sondern ist eine weitere Ursache der Spaltung. Wir müssen uns also neue Instrumente überlegen, die über soziale Grenzen hinaus Zusammenhalt schaffen können.

Dazu kann grundsätzlich jede Form der Allmende dienen, also von gemeinschaftlich betriebenen und gemeinschaltlich genutzten Gütern. Entgegen der Propaganda der Marktliberalen dienen diese Allmendegüter der Mehrung der Freiheit und nicht deren Minderung, weil sie die Bürger von existentiellen Ängsten befreien und damit deren Handlungsspielräume erweitern. Das sind bei uns schon seit jeher die Bildung und die Verkehrsinfrastruktur, auch wenn diese in den letzten Jahrzehnten durch marktradikale Ideologen mehr und mehr der Allmende entzogen und privatisiert werden. In Deutschland haben sich die Gründen und Teile der SPD die steuerfinanzierte Bürgerversicherung zum Ziel gesetzt. Eine vom Einkommen unabhängige und für alle garantierte Gesundheits- und Alterssicherung würde die individuelle Freiheit und den allgemeinen Wohlstand stark mehren und den Bürgern die wichtigsten existentiellen Ängste nehmen. Das bedingungslose Grundeinkommen wäre auch so eine freiheitsschaffende Allmende, aber die halte ich nur für eine ferne Utopie, die schon gar nicht auf nationaler Ebene eingeführt werden kann. Gehen wir also langsam voran: Bürgerversicherung, Rekommunalisierung der Stromversorgung, kommunale Cafés, und neue Rituale. Das schafft Gemeinsinn.

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diavolinetto 06.05.2017, 10:23
3. Wer ist denn der Idiot?

Was will uns der Künstler denn sagen? Dass er/sie auch keinen Durchblick hat? Das ist angekommen, hilft aber auch nicht weiter. Dass eine Unterschicht aus verschiedenen Gründen irrational handelt, ist eine erwartbare Größe. Aber wer macht wen zur Unterschicht? Und nimmt die Reaktion billigend in Kauf?
Und wer zwingt uns denn dazu, die vermeintlichen 50% der vermeintlichen Gegenseite gleich als Idioten und "Arschlöcher" zu betrachten?
Sind das vielleicht ein und dieselben?

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allessuper 06.05.2017, 10:27
4. DANKE, Frau Sibylle

inzwischen halte ich die Nase zu und die Luft an, und zwar bis zu Ihrer nächsten Kolumne. Dazwischen ist es zu schlimm! Ich hoffe, Sie werden vielfach übersetzt, damit unsere Nachbarn wissen, dass wir hier nicht nur Idioten haben. Danke, danke, danke.

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jojack 06.05.2017, 10:28
5. Populismus entsteht nicht aus dem Nichts

Populismus hat Ursachen, die über Hasspostings auf Facebook, Breitbart News und russische Hacks hinausgehen. Der Brexit war konkret das Ergebnis von zwei Ursachen: erstens, eine verschleppte Demokratisierung der EU, die immer wieder angekündigt wurde, aber immer wieder nur zu mehr Bürokratie und Zentralismus geführt hat. Und zweitens, der Flüchtlingskrise von 2015, welche die EU anstatt mit konsequenter Grenzsicherung lieber mit Umverteilungsdrohungen beantwortet hat.

Menschen sind wie sie sind. Sich über Idioten aufzuregen oder Populisten, die diese Idiotie ausnutzen, ist Zeitverschwendung. Was hilft, ist konkrete Gründe für Unzufriedenheit anzugehen. Wo blieben denn die Reformen der EU?

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zeichenkette 06.05.2017, 10:32
6. Dieses ewige Relativieren hilft uns auch nicht weiter

Nicht alles ist relativ. Nicht jede Revolution bringt Glück und Fortschritt. Nicht alles ist schon besser, nur weil es einfacher ist. Nicht jede Wut ist begründet und schon gar nicht ist notwendigerweise das falsch, auf dass sie sich nur deshalb richtet, weil es sich anbietet. Und man muss sich auch nicht mit jedem Preis mit jedem vertragen, manche liegen wirklich falsch. Vielen geht es auch einfach zu gut, so gut dass sie Langeweile haben und nach einem großen Sinn suchen, auch mit Gewalt.

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hornochse 06.05.2017, 10:33
7. Wo haben sie

die letzten Jahrzehnte gelebt Frau Berg das ihnen diese von Ihnen beschriebenen Punkte erst jetzt ausfallen?

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Weddinger 06.05.2017, 10:34
8. Im Grunde war es so schon immer

Es gab schon immer zumeist bösartige Sprüche, Witze über Schwule, Frauen und behinderte Menschen, die Ablehnung von denen da oben, gerade auch in der DDR, an die Sie sich bitte erinnern mögen. Nur ist es inzwischen so, dass das 'Schlechte' eigentlich sehr menschelnde Verhalten im Dorf in der verbindlichen Gemeinschaft aufgefangen, unterdrückt wurde und zum Teil Bestrafungen der Mitmenschen nach sich zog. Und manipuliert wurden die 'Untertanen' auch. Sie merkten es nur so wie heute, in einer Zeit, in der weniger Herrschaftswissen da ist und sogenannte Eliten demokratischer, freier Staaten auch nur Menschen, nämlich sich selbst am nächsten, kleinmütig, Perspektivplan sind, immer weniger puffern können. Hilft da nicht Mut zum Hinnehmen von Menschelei und zu Zielen und Entscheidungen?

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qoderrat 06.05.2017, 10:37
9.

Das war mit Abstand einer der abwegigsten Artikeln den ich seit langem hier gelesen habe. Natürlich hat sich an der Situation der Verlierer nichts geändert. Dazu sind die Gewinner immer noch zu zahlreich. Auf Dauer wird sich die Grenze aber weiter von unten nach oben verschieben. Nach Globalisierung wird die Digitalisierung der nächste Antrieb für diese Entwicklung sein, und die wird noch viel schwerer aufzuhalten sein und noch viel mehr Verlierer erzeugen.

Nein, die wenigsten haben eine Verbesserung ihrer Situation erwartet bei ihrer Wahlentscheidung. Sie haben sich gerächt, nicht für ihre eigene Situation gewählt, sondern gegen die Situation der Gewinner. Sie selbst sehen für sich keine Zukunft mehr, egal wer an der Macht ist, also wählen sie die, die der anderen Seite am meisten weh tut. Der anderen Seite, falls es noch nicht aufgefallen ist, wir haben unsere Gesellschaft inzwischen erfolgreich in Gewinner und Verlierer aufgeteilt, der Kleber, die Mittelschicht, wird immer dünner.

Und dass das bestens funktioniert, sieht man am Artikel von Fr. Berg. Immerhin hat sie die Verlierer jetzt einmal wahrgenommen und schreibt ihren Frust raus. Genau den Frust, den die Verlierer schon seit Jahren schieben und für den sich kein Mensch bisher interessiert hat, und den sie jetzt den Gewinnern auch mal vermittelt haben.

Nein, dass sich nichts geändert hat kann man wirklich nicht sagen. Es ist halt etwas schade, dass es sich sehr stark zum Schlechteren ändern musste, damit sich einige Teile der Gesellschaft Gehör verschaffen konnten. Auch wenn das bitter ist, offensichtlich schaffen die Rechten das sehr viel effizienter, aber eben unter dem falschen Vorzeichen. Als Gesellschaft können wir jetzt erkennen, dass nur eine gerechtere Verteilung des Wohlstands auch für die Verlierer diese Spaltung überbrücken kann. Wir können aber auch so weitermachen wie bisher, und dann wird die Situation eben weiter eskalieren, mit entsetzlichen politischen Konsequenzen. Diese Wahlrunde konnte das Schlimmste noch vermieden werden, bei der nächsten wird es kritisch werden.

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