Forum: Kultur
Nordrhein-Westfalen: Mama wählt nicht
DPA

Nichtwähler werden gern als "Abgehängte" oder gar "Hartz-IV-Nazis" bezeichnet. Auf die Mutter unserer Autorin trifft das alles nicht zu - trotzdem wird sie bei der Wahl in NRW zu Hause bleiben.

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mm-1203076813810 14.05.2017, 09:00
1. Danke!

Vielen Dank für diesen schonungslos, ehrlichen und intimen Kommentar. Ich kann mich selten daran erinnern im
Spiegel einen solch treffende und auf den Punkt gebrachten Kommentar gelesen zu haben.

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nexus32 14.05.2017, 09:04
2. Sinnlos?

Naja, zumindest hat die Politik, egal welche Partei dafür federführend war, die Rahmenbedingungen geschaffen, dass Fr. Mayr, trotz ungünstiger sozialer Verhältnisse in denen sie aufwuchs, studieren könnte um sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Ich finde dass das schon ein Grund ist wählen zu gehen.

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andreas.s 14.05.2017, 09:07
3. Wenn es niemanden gibt,

den man wählen kann, dann wählt man halt auch niemanden. Das geht aber nur in dem man seinen Wahlzettel ungültig macht. Nichtwählen ist nämlich irgendwie doch Allewählen.

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rollthethirdeye 14.05.2017, 09:08
4. Schöner Text

Fühl mich verpflichtet ein Lob auszusprechen. Scheinbar hat die Mama, trotz Tattoo, in ihrer Pflicht als Mutter alles richtig gemacht und ihre Tochter zu einem querdenkenden, klischee-verneinden und gefühlvollen Mitmenschen erzogen. Vielleicht sollten solche Leute in die Politik gehen wenn die Erziehungsphase vorbei ist...

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96alteliebe 14.05.2017, 09:11
5.

Danke Frau Mayr. Das war einer der besten Artikel, die ich hier je gelesen habe und ich bin Glücklich, dass es noch Menschen gibt, die "Links" nicht mit "Gerecht" gleichsetzen. Unter einer Linken Regierung wird es nie Gleichberechtigung geben und Gerechtigkeit nur für einzelne Personengruppen. Zu einer Demokratie gehört auch, dass man Meinungen respektiert, die einem vielleicht nicht passen.

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nikiname 14.05.2017, 09:15
6. Bitte unbedingt trotzdem gehen

Wählen kann auch sein: die Partei, die mir am wenigsten gegen den Strich geht. Die Partei, die trotz allem die meisten meiner Ansichten vertritt / zu vertreten vorgibt. Wählen ist das höchste Gut der Demokratie. Ich möchte nicht, dass das irgendwelchen Radikalen nützt, also wähle ich gemäßigt - wenigstens das sollte für Deine Mutter doch drin sein. Wie schief Wahlen gehen können, wenn zu viele nicht wählen, kann man doch schön in den USA, der Türkei und in Frankreich sehen. Frankreich? Ja, Glück (!) gehabt, dass trotz der miesen Wahlbeteiligung nur 34% (ein Drittel!) rechts wählten.

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Heisenberg 14.05.2017, 09:16
7. Texte verändern nichts?

Meine Liebe, Texte verändern alles. Weil es wichtig ist, nicht nur Gutes zu tun, sondern auch darüber zu reden. Nicht eine schweigende "abgehängte Klasse" zu sein, sondern eine laute. Ideen nicht nur zu haben, sondern sie auch zu verbreiten. Dann können sie zur Lawine werden, der nichts standhält.
Das kostet unheimlich Kraft, wenn man (wie Ihre Mutte) wirklich genug Ärger damit hat, sich und die Familie durchzuschlagen. Vielleicht hat sie diese Kraft nicht. Aber Sie haben sie. Bitte weiter in die Richtung, denn Texte verändern alles.

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peter_aaa 14.05.2017, 09:17
8. Nicht wählen kann sinnvoll sein

und das liegt auch an den deutschen Medien.
Wenn man sich von keiner der zur Wahl stehenden Parteien annähernd vertreten fühlt, wie die Mutter der Autorin, ist es auf jeden Fall sinnvoller, nicht zur Wahl zu gehen, als eine ungültige Stimme abzugeben.
Am Wahlergebnis ändert eine ungültige Stimme nichts, da für die Sitzverteilung nur die gültigen Stimmen zählen und die Zahl der ungültigen Stimmen wird in den deutschen Medien idR nicht thematisiert wird. Die Wahlbeteiligung ist aber immer Thema und bei einer niedrigen Wahlbeteiligung fällt das auf alle zur Wahl stehenden Parteien direkt zurück.
Eine ungültige Stimme zählt nicht zur Sitzverteilung, gaukelt aber eine hohe Wahlbeteiligung vor.(Wahlbeteiligung = abgegebene gültige und ungültige Stimmen, Sitzverteilung=abgegeben gültige Stimmen)

Wenn 100 Leute wählen dürfen und auch 100 Leute zur Wahl gehen liegt die Wahlbeteiligung bei 100%, wenn davon aber 50 eine ungültige Stimme abgeben und 30 Partei A (gültig) wählen, hat Partei A am Ende die absolute Mehrheit der Sitze, bei 100% Wahlbeteiligung... klingt super, weil eben die Zahl der ungültigen Stimmen nicht thematisiert wird.
Gehen die 50 Leute aber nicht zur Wahl, hat Partei A am Ende zwar immer noch die absolute Mehrheit (weil eben nur die gültigen Stimmen zählen), sie muss sich aber die Frage gefallen lassen, warum offenbar nur die Hälfte der Wahlberechtigten zur Wahl gegangen ist und offenbar von den Parteien die Hälfte der Menschen nicht mehr erreicht wird.

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furanku 14.05.2017, 09:23
9. Mehr offene Fragen als beantwortete

Danke für die Einblicke, wirklich. Meine Kritik soll auch nicht verletzend sein, angesichts das jemand da den Mut aufgebracht hat in die eigenen persönlichen familiären Verhältnisse blicken zu lassen. Trotzdem mag ich den Text nicht. Es ist wohl das mitschwingende Selbstmitleid, dass mich da stört. "Ihre Probleme interessieren niemanden" scheint mir die Kernthese zu sein. Stimmt denn das? Schwer zu sagen, da der Text nicht wirklich verrät, was denn ihre Probleme nun wirklich sind. Da wird die Mutter einerseits als gesellschaftlich und sozial wach geschildert, auf Gerechtigkeit achtend um sie dann gleich im nächsten Absatz als geradezu politisch apathisch zu schildern. Warum engagiert sie sich denn nicht z.B. ehrenamtlich in einer wohltätigen Organisation, die ganz konkret hilft? Da hat schon so mancher Hartz IV-Empfänger sein Selbstwertgefühl wiederentdeckt -- und spätestens wenn es um die Mittel für dieses Projekt geht ist der Ausgang der nächsten Wahl nicht mehr egal und abstrakt. Vielleicht ist es auch das, was mich an dem Text stört: Eine Apologie für die Apathie und das Übersehen der Widersprüche, die sich daraus ergeben. Natürlich, wenn es um die eigene Mutter geht sind das mindestens schwierige Themen, aber so bleibt der Text IMHO einfach unbefriedigend. Er stellt eher mehr Fragen als er beantwortet und wenn er einfach nur einen Zustand schildern soll, hat er mir zumindet nicht geholfen diesen wenigstens nachzuvollziehen.

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