Forum: Kultur
Obama auf Abschiedstournee: Der Feel-good-Präsident
AFP

Er verwandelt Politik in Comedy: US-Präsident Barack Obama ist immer für einen Gag gut. Nicht so witzig dürfte das Resümee seiner Amtszeit ausfallen. Dazu hat er zu viele Hoffnungen enttäuscht.

Seite 6 von 6
vera gehlkiel 09.05.2016, 16:29
50.

Im Bezug auf Libyen ging es, wenn ich es damals richtig wahrgenommen habe, genau darum, einen abgewirtschafteten Diktator daran zu hindern, seinen unvermeidlich gewordenen politischen Abgang mit einem Massenmord an der eigenen Bevölkerung zu prolongieren. Um nichts mehr, nichts weniger. Die Destabilisierung der Region wurde nicht, wie im Irak seitens der Bush-Administration, billigend inkauf genommen, um einen missliebig gewordenen Diktator zu beseitigen. Dass sich dort "Daesh" durchsetzen würde, konnte man nicht wissen. Heute dahingehend Versäumnisse anzumahnen, ist etwas wohlfeil. Wenn man Obama wahlweise (Drohnenkrieg) das Auftreten als Weltpolizist negativ ankreidet, oder aber ihm genau umgekehrt (Libyen und andere) vorhält, nicht mehr Weltpolizist sein zu wollen, vereinfacht man die Problemlagen ziemlich. Dass die Dinge so kompliziert sind, ist aber nicht Obamas Schuld. Sein bleibendes Verdienst besteht für mich darin, dass er, anders als einige seiner Vorgänger, und auch anders als Trump natürlich, die Differenziertheit sämtlicher Problemlagen keinesfalls leugnete, und erst recht nicht populistisch glattzubügeln versuchte. Ein zu einem Heilsbringer "ernannter" Mann, der sich ans Rednerpult stellt, und eindringlich und ausführlich davor warnt, in ihm einen Heilsbringer wahrzunehmen: der Kontrast zu Leuten wie Trump (aber auch einigen hier bei uns), die es geradewegs andersherum machen, könnte kaum grösser sein. Obama hat bewiesen, dass Intelligenz und Vernunft immer noch die Basis für Popularität sein können. Dass Ideale auch dann etwas wert sind, und auch dann in unsere Realität einfliessen, wenn sie nur verkündigt, nicht umgesetzt werden können. Seine weniger aggressive Aussenpolitik hat weltweit die gemässigten, ausgleichenden Kräfte ermutigt.

Beitrag melden
nemster 09.05.2016, 16:31
51.

Dietz, Dietz, Dietz...tztztz...sie wissen aber schon, dass man außenpolitisch eine komplette Antileuchte sein muss, um den Irandeal als Niederlage darzustellen. Vielleicht sollten sie sich - nach der desaströs gescheiterten - Biller-Verteidigung erstmal um ihren Ruf als Literaturkritiker kümmern (der sitzt ja auch zur Zeit im Keller und ernährt sich von alten Kartoffelschalen) und außenpolitische Kommentare denen überlassen, die etwas davon verstehen.

Beitrag melden
zoon.politicon 09.05.2016, 16:52
52. Wer ist denn an den

Obama hat sich gewiss ernsthaft um Reformen bemüht. Man macht es sich leicht, ihn dafür verantwortlich zu machen, dass vieles, was angekündigt wurde, nicht umgesetzt wurde.
Verantwortlich dafür, dass Vieles nicht erreicht wurde, sind doch in erster Linie diejenigen, die sie mit allen Mitteln verhindert(/abgeschwächt) haben.
So grenzt es an Schizophrenie, wenn mächtige Lobby-Gruppen (Republikaner) in den USA, einerseits Reformen blockieren, andererseits pauschal ein Nicht-Zustandekommen von Reformen Obama vorhalten.

Beitrag melden
vera gehlkiel 09.05.2016, 17:13
53.

Zitat von Bondurant
Enttäuschung vieler Wähler, dass sie von ihm nicht das bekommen haben, was sie sich erhofft hatten Ach echt jetzt? Diez und Seinesgleichen leben in einer Parallelwelt. Sie glauben wirklich, irgendwelche finsteren Mächte hinderten "das Gute" am Durchbruch. Und es könnte einer kommen, der den Durchbruch herbeiführt. Und dann sind sie enttäuscht, wenn alles beim Alten bleibt, im wesentlichen. Diez sei die gute alte Platte "Eve of destruction" (1965) aufgelegt: Ah, you may leave here for four days in space But when you return it's the same old place Vielleicht begreifen wir das alle mal.
Ich glaube zuweilen, hier gibt es ebenfalls eine Parallelwelt: die des endlosen Paraphrasierens über die geheimen Befindlichkeiten von Mitarbeiter/innen des Spiegel nämlich. Nichts für ungut, ich will sie auch gar nicht daran hindern, und sowieso an garnichts hindern; wollte nur mal kurz mitgeteilt haben, dass es mir auffällt, welch ein Drang zum durchgreifend belehrenden, die ganze Person von ihrer frühesten Entwickliung an mit einbeziehendem Statement sich in Diskursen wieder Raum verschafft. Früher zog man sich so etwas halt rein, wenn man zu dem alten Arzt ging, den die Eltern schon frequentiert hatten, oder, noch auf der Schule, zum pensionsreifen Oberstudienrat musste. Man fand es beinahe niedlich und dachte, das wäre im Aussterben begriffen. Tja, man kann sich eben täuschen!

Beitrag melden
Seite 6 von 6
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!