Forum: Kultur
Österreichische Verhältnisse: Die ungewollte Nation
Herbert Neubauer/ APA/ DPA

Österreich ist ein traumatisiertes Land, ein Rumpfstaat, übrig geblieben nach dem Ende der Doppelmonarchie. Die Kontroversen von damals wirken bis heute nach - es ist eine zerrissene Republik auf der Suche nach Identität.

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w.diverso 22.05.2019, 22:15
30. Also Österreicher

mit fast sieben Jahrzehnten Erfahrungen wie es sich in Österreich am Land und auch in Wien lebt, kann ich nur sagen, das war jetzt schon eine etwas verschwurbelte Beschreibung von Österreich. Meine Verwandtschaft und auch die Bekannten sehen uns alle als Österreicher ohne damit unzufrieden zu sein oder dem geplatzten Anschluss nachzutrauern. Reiche kommen und vergehen, das ist uns vielleicht klarer als den Deutschen. Da aber selbst die die den 2. Weltkrieg erlebt haben immer weniger werden, ist die Erinnerung an das große Österreich-Ungarn vielleicht nur noch bei Menschen wie dem Autoren dieses Artikels wirklich noch präsent. Der durchschnittliche Österreicher lebt einfach in der Jetztzeit ohne der Vergangenheit all zu sehr nachzutrauern.

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Aberlour A ' Bunadh 22.05.2019, 22:19
31. So ein Denken halte ich für höchst problematisch

Zitat von Kasob
Was hat den territoriale Größe mit staatlicher Größe zu tun? Um stolz auf seine Nation zu sein, muß sie doch nicht riesig in der Landfläche sein. Das sind Gedanken aus dem 19. Jahrhundert. Geht es hier um Macht die man auf andere ausüben kann, weil man riesig ist? So ein Denken halte ich für höchst problematisch und immer zu Konflikten und Krieg. Im 21 Jahrhundert sollte Zusammarbeit zwischen den Völker herrschen und nicht der Größte bestimmt über den kleinen.
Sehe ich ähnlich. Verlorene Größe, die "Traumata" (bei wem?) hervorruft, stammt aus einer Welt vor unserer Zeit, wo es für die Herrschenden darauf ankam, möglichst viele tributpflichtige Untertanen auf der Scholle zu haben, die bei Bedarf unter Waffen gesetzt werden können, wenn es hieß: "endlich wieder Krieg". So ähnlich ist es auch, wenn man sich die vielen historischen Dokumentationen im Fernsehen anschaut, die da in großer Zahl gedreht werden. Meistens geht es nur um Herrscher und/oder um Krieg. An einer "Peoples History" hat man überhaupt kein Interesse. Wahrscheinlich weil "Intrigen am Hofe" und Schlachten für höhere Einschaltquoten sorgen.

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Sokrates1939 22.05.2019, 22:22
32. Zusammenschluß

Die europäische Kleinstaaterei scheint mir heute noch unsinniger zu sein als früher. Im Zeichen des geeinten Europas fände ich es naheliegend, wenn die Bundesrepublik und Österreich sich wieder zusammenschlössen. An einem Einspruch der früheren Alliierten könnte das heute nicht mehr scheitern.

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Masch_Ring 22.05.2019, 22:42
33. Nicht alles ist stimmig

Der größte Fehler war nach dem 1.Weltkrieg die Zerschlagung des Habsburger Reiches - für Österreich wie auch Europa.
Das hat dem Nationalismus einen enormen Schub gegeben . Ein neues Phänomen trat auf - eine Nation , eine Sorache (Ungarn , Rumänien, Tschechien , Polen ....) . Und natürlich auch das heutige Österreich geprägt. Aber .... der Artikel verzerrt und problematisiert zu stark aus deutscher Sicht.

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luhmi 22.05.2019, 22:51
34. ...

...oberflächlich betrachtet ist auch dieser Text verständlich, doch lassen sich aus ihm die tagespolitischen Verwerfungen nicht herleiten (was nicht nur an der mittlerweile in zahlreichen Online-Medien vorzufindenden Tradition inkonsistenter Argumentation liegt)

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Schartin Mulz 22.05.2019, 22:54
35. Dass heute,

Zitat von Sokrates1939
Die europäische Kleinstaaterei scheint mir heute noch unsinniger zu sein als früher. Im Zeichen des geeinten Europas fände ich es naheliegend, wenn die Bundesrepublik und Österreich sich wieder zusammenschlössen. An einem Einspruch der früheren Alliierten könnte das heute nicht mehr scheitern.
über 80 Jahre nach dem letzten Anschluss des Nachbarlandes wieder Träume von Großdeutschland entstehen und das auch noch mit dem "geeinten Europa" begründet wird, ist ja schon Wahnsinn.
Abgesehen davon, dass die Österreicher überhaupt keine Lust haben, sich Deutschland anzuschließen, wollen die Deutschen auch Österreich nicht zurück haben. Wissen Sie, wie die Wahlergebnisse der Rechten aussehen würden, wenn AfD und FPÖ gemeinsam antreten?

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wernerz 22.05.2019, 22:59
36. Die Fakten zählen!

Es ist nach meiner Erkenntnis als deutscher Bürger nicht angebracht, von einem "noch halbwegs anständigen" österreichischen Rentenniveau zu reden. Es wäre für den deutschen Michel ein Leichtes, jeseits von irgendeinem Überlegenheitsdenken festzustellen, dass er im Gegensatz zu seinen österreichischen Altersgenossen hier leider die wesentlich schlechteren Karten besitzt

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WolfThieme 22.05.2019, 23:00
37. Zu weit ausgeholt

Österreich zeigt eine starke Demokratie im Kampf gegen die rechte Verwahrlosung, Bürger demonstrieren vor dem Kanzleramt gegen die Braunen, der Bundespräsident Österreichs hält bemerkenswerte Reden. Hoffenlich läuft das in einer Staatskrise bei uns genau so.

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bauermi3 22.05.2019, 23:28
38. Nicht Österreich wurde aus dem "Deutschen Reich" ausgeschlossen,

Zitat von guttifan
Übersehen wird oft, dass Österreich bis 1866 ein deutscher Staat war wie jeder andere (Preußen, Bayern, Baden, Sachsen) mit zusätzlich eben der Tatsache, dass das Herrscherhaus, die Habsburger, auch Herrscher waren über Ungarn, das heutige Tschechien, Kroatien, Bosnien und andere. Lange wurde darum gerungen, ob das sich abzeichnende neue deutsche Reich unter preußischer Führung unter diesen Bedingungen Österreich mit umfassen konnte (großdeutsche Lösung), oder eben ohne Österreich samt Anhängseln begründet werden sollte (kleindeutsche Lösung). Letztere setzte sich durch. Im Grunde haben viele der jetzigen Österreicher - das wird aus vielen Gesprächen deutlich - es immer noch nicht verdaut, dass sie dem großen deutschen Staat nicht beitreten durften. Damals wie heute war bzw. wäre aus Gründen des Gleichgewichts mit dem Einverständnis der übrigen Europäer nicht zu rechnen.
Sondern bereits 1806 löste sich das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation", zu dem bis dahin die österreichischen Länder und auch die (nachmalig) "deutschen" Länder gehörten, unter dem Einfluss Napoleons auf.
Daraus folgend wurde das Österreichische Kaiserreich gegründet, und der vormalige römisch-deutsche Kaiser Franz II wurde zum österreichischen Kaiser Franz I.
1867 folgte nach dem (verlorenen) Krieg gegen Preußen der Ausgleich zwischen Österreich und Ungarn und die formale Gründung der k.u.k. Monarchie. Damals gab es praktisch kein Interesse mehr am Eintritt in ein größeres Deutschland, die deutsche Mehrheitsbevölkerung sah das Land ohnehin als "deutsches" Land, und die Nichtdeutschen wären sehr dagegen gewesen.
1871 gründeten die deutschen Länder das deutsche Kaiserreich unter der Führung von Wilhelm I.

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bauermi3 22.05.2019, 23:34
39. Es geht um die "vererbten" gegenseitigen Aversionen

Zitat von bestrosi
Mich würde interessieren, wie sich diese "langen Tentakeln" denn über die Jahrzehnte weiter vererben (!). Schließlich leben heute keine Österreicher mehr, die die 20er, geschweige denn das KuK-Reich, bewusst erlebt haben. Ist es der Schulunterricht, sind es die Zeitungsberichte, ist es die familiäre Erzählung an Festtagen oder die Prachtbauten der Wiener Ringstraße? Welcher Österreicher sagt denn heute bewusst: "Ach ja, wir (!) waren ja mal ein großes Reich, da bin ich aber heute deprimiert"?
zwischen Sozialdemokraten und Konservativen.
Das ist in vielen Familien und ganzen Bevölkerungsgruppen zutiefst verwurzelt.
Und seit den 1990er Jahren, als die Sozialdemokraten geglaubt hatten, sie wären von den (vormals) Christlichsozialen der ÖVP endlich als gleichberechtigt anerkannt worden, wurde dieser überwunden geglaubte Gegensatz von den Konservativen wieder in Richtung Klassenkampf belebt, nachdem der von ihnen zähneknirschend anerkannte Kreisky lange genug weg war, und man die danach regierenden Personen aus der SPÖ nicht als "gleichwertig" betrachtete.
Gleichzeitig kam die FPÖ unter Haider auf, der die Wirtschaftskrise ab den 1980er Jahren und diverse Skandale nutzte, um der SPÖ diejenigen abzujagen, die sich als zu kurz gekommen betrachteten.
Quasi ein Vorreiter der AfD schon vor Jahrzehnten.

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