Forum: Kultur
Österreichische Verhältnisse: Die ungewollte Nation
Herbert Neubauer/ APA/ DPA

Österreich ist ein traumatisiertes Land, ein Rumpfstaat, übrig geblieben nach dem Ende der Doppelmonarchie. Die Kontroversen von damals wirken bis heute nach - es ist eine zerrissene Republik auf der Suche nach Identität.

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bauermi3 22.05.2019, 23:37
40. Auch wenn Sie es nicht glauben sollten,

Zitat von at.engel
Ich liebe Geschichte, und finde Vergleich auch immer wieder interessant, aber man sollte sie auch nicht überstrapazieren... Wenn man hier, 2019!, noch bei der Doppelmonarchie anfängt, wo soll man da bei Deutschland anfangen... den Ideen von 1914?!? Das hat so auf Dauer einfach keinen Sinn. Entscheidend ist heute sicher die neue geopolitische Lage, auch der unheimliche Kontrast Stadt/Land, auch sicher die jüngere Geschichte - aber man muss ja nicht gleich jedes Mal bis zur "Belagerung Wiens durch die Türken" zurück...
aber die Türkenbelagerungen sind immer noch ausführlicher Schulstoff, was mir seinerzeit (1970) gar nicht aufgefallen war, mir aber jetzt schon sehr skurril vorkommt

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Patrizier 22.05.2019, 23:50
41.

"Die einzige wirkliche Großstadt istWien, und auch die ist mit knapp zwei Millionen unter den kleineren Europas."

Als "wirkliche" Großstadt gelten gewöhnlich schon Städte ab 100.000 Einwohnern. Davon gibt es auch in Österreich noch ein paar mehr und in Europa sehr viele, die kleiner als Wien sind. Gemeint war wohl Metropole? Doch Österreich ist auch von der Fläche her kein Riesenland, Deutschland etwa hat bei deutlich größerer Fläche und Einwohnerzahl mit Berlin und Hamburg nur zwei größere Städte. Oder nehmen wir mal Frankreich: Nur Paris, dabei ist das Land noch größer als Deutschland.

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Smarty01 23.05.2019, 00:05
42. Der Bogen ist überspannt

Ich staune, zu welchen Erkenntnissen Herr Blom als in Wien lebender Autor kommt. Nationale Zerrissenheit? Trauma aus dem Untergang des KuK-Reichs? Ich kenne beruflich wie privat Dutzende Österreicher - mir ist nie zu Ohren gekommen, dass einer schwer an der Vergangenheit trägt. Dafür ist das alles doch viel zu lange her. Die Österreicher sind genauso zufrieden wie wir Deutschen, dass der Laden halbwegs gut läuft, im schlimmsten Fall macht man noch Witze übereinander. Also bitte die Kirche im Dorf lassen und nicht mehr hineindichten, um hier die Zeilen zu füllen.

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spi-on 23.05.2019, 00:17
43. Danke.

Danke. Für einen interessanten, ruhigen, sachlichen, erklärenden und nachdenklich machenden Beitrag, der nicht bis wenig wertet. Das ist so selten geworden heutzutage, auch im Journalismus, daß man es extra erwähnen muß.

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fvaderno 23.05.2019, 00:57
44. Seltsame Sicht auf die Bevölkerung Österreichs

Da frage ich mich, welch selektionierten Umgand der Hamburger während seines Aufenthalts und Studium in Österreich hatte. Es ist auch möglich, dass Blom seine 'Erkenntnisse' einfach so zurechtbog, wie er sich den größtmöglichen Verkaufserfolg bei seinen Büchern vorstellt. Der Leser sollte sich aber nicht einbilden, mit dem Buch ein realistisches Bild des des Alpenlandes zu zu bekommen.

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wanniii 23.05.2019, 02:28
45. Tradition vs. Moderne

Österreich lebt, wie viele Kommentatoren im Forum auch, lieber im ‚was wäre wenn’ als im ‚was haben wir’. Unsere Nachbarn fiebern jährlich dem Opernball nach, wohl wissend, daß dieser nur eine Veranstaltung für diejenigen sind, die die Monarchie wieder aufleben und nicht loslassen wollen. Niki Lauda als sinnorientierter Österreicher hat sich mit seiner Fluggesellschaft bewußt gegen die allmächtige Austrian Airlines aufgelehnt. Ds staatliche Unternehmen drangsalierte und zwang ihn letztendlich, wieder in der Formel 1 zurückzukehren, um dort finanziell auf die Beine zu kommen.
Österreich könnte sich wie Belgien der EU annähern und als Verbinder zwischen Ost- und Westeuropa anbieten, doch mit Populismus, Arroganz und Nostalgie kann man solche Rollen weder annehmen noch ausfüllen.
Die nächsten Wahlen werden bei fehlender Indentiät wieder ein fauler Kompromiss zwischen Nostalgie, der Gegenwart und Zukunft sein - der nächste Regierungsstreit ist schon vorprogrammiert.

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wanniii 23.05.2019, 02:36
46. Briten und die EU

Zitat von Smarty01
Nationale Zerrissenheit? Trauma aus dem Untergang des KuK-Reichs? Ich kenne beruflich wie privat Dutzende Österreicher - mir ist nie zu Ohren gekommen, dass einer schwer an der Vergangenheit trägt. Dafür ist das alles doch viel zu lange her.
auch die Briten würden Ihnen nie erklären, daß der Austritt aus der EU auch mit der eigenen Monarchie und dem vergangenen britischen Empire zu tun hat, das ehemals die Welt umspannte. Fragen Sie mal einen Australier, wie sich die Briten noch heute dort aufführen. Schauen Sie sich in Österreich den Opernball an, der ziemlich genau demonstriert, wie gerne unsere Nachbarn an das KuK-Reich zurückdenken...

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harald441 23.05.2019, 16:47
47. Sie vergessen, daß

Zitat von bauermi3
aber die Türkenbelagerungen sind immer noch ausführlicher Schulstoff, was mir seinerzeit (1970) gar nicht aufgefallen war, mir aber jetzt schon sehr skurril vorkommt
nach den drei erfolgreich abgewehrten Belagerungen durch die Türken des Osmanischen Reiches vor Wien deren Vordringen nach Mitteleuropa gestoppt wurde, und daß erst danach die Habsburgermonarchie zur Schutzmacht der von den Osmanen besetzten Balkanvölker wurde, die ihr Überleben dem Prinzen Eugen und dem Hause Habsburg verdankten, so daß sie im 19. Jahrhundert wieder zur völkischen Einheit - na ja, einigermaßen - zurückfinden konnten.
Lesen Sie das Buch "Der Kampf zwischen Kaiser und Kalifen", dann werden Sie mehr wissen.

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PeterMüller 23.05.2019, 17:52
48. @46 wanniii

Nun ja, nur weil man schöne Traditionen wie den Opernball aufrecht erhält, heißt das noch lange nicht, dass man der kuk-Monarchie nachtrauert. Ich habe Österreich(er) bisher so erlebt, dass sie nie EIN Reich mit den anderen des Habsburger Reiches waren, sondern ein Vielvölkerstaat. Nun sind sie halt ein Ein-Volk-Staat. Sie sind damit nicht zerrissen, aber haben sich sicher gefreut, dass nach der Wende das Hinterland für Wien genauso wieder da war wie für Hamburg das Hinterland im Bereich der DDR. Im Grunde ist Österreich ein Land mit einer Gesellschaft, geboren als Teilstaat der großdeutschen Nation, inzwischen diesem gemeinsamen Erbe zwar verbunden, aber zu einer eigenständigen Nation erwachsen. So what? Wichtiger ist doch, wie wir uns in Europa gemeinsam verhalten können, miteinander leben können, um unsere Enkel einst zu hören: Ich bin Europäer von Nation, mit der Heimat in Deutschland, Österreich, Spanien etc. An dieser europäischen Identität und damit Nation zu arbeiten, das ist der Auftrag unserer Generation. Leider ist das mühselig und schwer, aber doch machbar. Die USA sind heute in sich viel zerstrittener als wir Europäer, der RustBelt gegen den BibleBelt, RedNecks gegen Urban Citizens. Das besser zu machen als auf der anderen Seite des großen Teichs, das wäre doch ein Knaller. Dazu bräuchten wir zwei Dinge zuerst: Ein EU-Parlament, dass entscheidet und eine knackig-kurze EU-Verfassung, die dieses Parlament bindet.

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Aberlour A ' Bunadh 23.05.2019, 22:19
49. Wichtiger ist doch, wie wir uns in Europa gemeinsam verhalten können

Zitat von PeterMüller
Nun ja, nur weil man schöne Traditionen wie den Opernball aufrecht erhält, heißt das noch lange nicht, dass man der kuk-Monarchie nachtrauert. Ich habe Österreich(er) bisher so erlebt, dass sie nie EIN Reich mit den anderen des Habsburger Reiches waren, sondern ein Vielvölkerstaat. Nun sind sie halt ein Ein-Volk-Staat. Sie sind damit nicht zerrissen, aber haben sich sicher gefreut, dass nach der Wende das Hinterland für Wien genauso wieder da war wie für Hamburg das Hinterland im Bereich der DDR. Im Grunde ist Österreich ein Land mit einer Gesellschaft, geboren als Teilstaat der großdeutschen Nation, inzwischen diesem gemeinsamen Erbe zwar verbunden, aber zu einer eigenständigen Nation erwachsen. So what? Wichtiger ist doch, wie wir uns in Europa gemeinsam verhalten können, miteinander leben können, um unsere Enkel einst zu hören: Ich bin Europäer von Nation, mit der Heimat in Deutschland, Österreich, Spanien etc. An dieser europäischen Identität und damit Nation zu arbeiten, das ist der Auftrag unserer Generation. Leider ist das mühselig und schwer, aber doch machbar. Die USA sind heute in sich viel zerstrittener als wir Europäer, der RustBelt gegen den BibleBelt, RedNecks gegen Urban Citizens. Das besser zu machen als auf der anderen Seite des großen Teichs, das wäre doch ein Knaller. Dazu bräuchten wir zwei Dinge zuerst: Ein EU-Parlament, dass entscheidet und eine knackig-kurze EU-Verfassung, die dieses Parlament bindet.
Sehe ich ähnlich. Nationen-Bildung hat nun aber heute jeden Glanz verloren. ZUM GLÜCK. Den Leuten geht es eher um Heimat. Ein geographisch viel regionalisierter Begriff.

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