Forum: Kultur
Offener Brief an die Bundesregierung: Theaterchef fordert Soli-Zuschlag für Kultur
DPA

Steuermilliarden für die Oper statt für Ostdeutschland? Zum Jahrestreffen deutscher Bühnenchefs fordert der Leiter des Mannheimer Theaters in einem Offenen Brief, den Solidaritätszuschlag umzuwidmen: in eine Kulturabgabe.

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sfb 12.06.2014, 12:01
270.

Zitat von cato.
Brechts politische Positionierung überlagerte sein künstlerisches Schaffen und viele seine Werke insbesondere einzelner Lieder kann man nunmal nur als propagandistischen Müll abtun. Dem Leben des Galilei mag ich voreingenommen gegenübsterstehen, auf Grund meines Deutsch Unterrichts, aber Werke wie der gute Mensch von Sezuan sind mit Sicherheit keine Hochkultur. Und Brecht sollte man entsprechend auch nicht mit den Großen Deutschen Dichtern in eine Reihe stellen.
Sagen wir es mal so: Das, was an seinem Werk politisch war, war nicht gut, und das Gute war nicht politisch.
Und das gilt für alle Kunst.

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sfb 12.06.2014, 12:05
271.

Zitat von Helga-B-
Es macht mich sehr sehr wütend, daß alle den Soli für ihre eigenen Interessen haben wollen und überhaupt keinen Gedanken daran verschwenden, daß wir Bürger diesen nicht mehr länger zahlen wollen. Aber wir Bürger werden ja nicht gefragt.
Sie sollten nicht Bürger schreiben, sondern Nettosteuerzahler. Davon haben wir ca. 26 Millionen. Daher die Mehrheitsverhältnisse.

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robwe 12.06.2014, 12:07
272.

Zitat von dr.u.
... Aber die (zahlenden) Besucher, die sich das von Ihnen Beschriebene Martyrium antun, die machen das freiwillig und auf eigne Kosten. Und was die vielen HAndwerker, etc. angeht, die Sie dem THeater zugute halten: entweder haben große Tourneen, wie die der Stones, eine änhlichen Bedarf, oder sie zeigen eindrucksvoll, dass es auch effizienter, mit weniger Personal-Wasserkopf geht...
Was allerdings sehr gerne vergessen wird ist der Umstand, dass auch die sich angeblich selbst tragende Unterhaltungsindustrie massiv von staatlichen sowie kommunalen Sponsoring profitiert. So verursacht z.B. der Rock-Festival-Zirkus den Kommunen deutlich höhere Kosten, als sie durch die Geländeverpachtung oder Gewinnteilung einnehmen (Stichwort "Rock am Ring"). Im Unterschied zum sogenannten Hochkulturbetrieb (schreckliches Wort) agieren die kommerziellen Konzertveranstalter hier allerdings ansatzweise (vergleichbar dem Finanzsektor) nach dem Motto "Gewinne privatisieren, Kosten aber nach Kräften auf die Allgemeinheit abwälzen". Im direkten Personalvergleich agieren kommerzielle Konzertveranstalter tatäschlich effizienter als z.B. staatliche Opernhäuser und kommunale Bühnen. Ob das allerdings wirklich gut ist, ist eine andere Frage: Während die öffenltichen Einrichtungen ihre Mitarbeiter nach gültigen Tarifverträgen bezahlen, arbeiten die kommerziellen Konzertveranstalter sehr gerne mit Mini Jobbern, Zeitverträgen u. ä. Auch wenn sie sich die sehr interessante Kleinkunstszene, oder auch die Rock-Festivals abseits des Mainstreams ansehen werden sie feststellen, dass deren Überleben ausschließlich von direkten oder indirekten Subventionen abhängt (so. z. B. das Reeperbahn-Festival, wie auch viele andere). Die in dieser Diskussion immer gerne bemühte Musical-Szene, haben sich die Kommunen ebenfalls (speziell in Hamburg und Köln) in der Hoffnung erkauft (bevorzugte Flächenausweisung, verbilligter kommunaler Grund), die Städte für den Fremdenverkehr interessanter zu machen. Kultur (und nicht nur die sogenannte Hochkultur) musste schon immer und wird auch immer gefördert werden müssen. In historischer Zeit durch die Kirche, die regierenden Herrschaftshäuser, das gehobene Bürgertum und heute durch die Kommunen und den Staat.
Wie sie das auch drehen und wenden - wer sich selbst tragende, subventionslose Kultur fordert, wird am Ende mit Karl Moik vorlieb nehmen müssen (und selbst da bin ich mir nicht ganz sicher).

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tkedm 12.06.2014, 12:09
273.

Zitat von Elfsilbler
Haben Sie sich schon mal in einem Theater umgesehen? Wieviele Leute da herumwuseln, damit der Lappen hochgeht? Da braucht es von der Garderobenfrau über den Bühnentechniker bis zum Schreiner eine Hundertschaft. Und die würden ja auch gerne Wasser und Brot für ihre nach Nahrung schreiende Brut heranschaffen...
Braucht es die wirklich, oder meint das Theater, soviele zu brauchen? Bei Subventionierung muss man ja nicht so sehr auf Bedarf und Notwendigkeit zu achten, das sieht man ja in allen Bereichen, wo solche Finanzierungsmodelle bestehen.

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sfb 12.06.2014, 12:16
274.

Zitat von ogonoi
Mir wäre es lieb, wenn kulturferne Menschen statt so dämliche Kommentare zu posten, einfach mal in Ruhe drüber nachdenken, warum sie in Deutschland und nicht in Timbuktu leben wollen....
Das allermeiste, was sich heute "Kultur" nennt, ist in keiner Weise geeignet, sich positiv von Timbuktu abzuheben; Im Gegenteil!

Und uns wäre es lieb, wenn wir uns endlich von den staatlich bestellten Predigern, Gouvernanten, Kultur-Diktatoren befreien und die Herrschaft der Kultur- und Medienmafia beenden könnten.

Zitat von ogonoi
Im Ernst: was macht unser Land so einzigartig in der ganzen Welt? Nein, nicht Fußball, RTL2 sondern eine Theaterlandschaft, die weltweit ohnegleichen ist.
Da haben Sie allerdings recht:

"In der ganzen Welt wird das deutsche Regietheater inzwischen verlacht."

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Elfsilbler 12.06.2014, 12:19
275.

Zitat von tkedm
Braucht es die wirklich, oder meint das Theater, soviele zu brauchen? Bei Subventionierung muss man ja nicht so sehr auf Bedarf und Notwendigkeit zu achten, das sieht man ja in allen Bereichen, wo solche Finanzierungsmodelle bestehen.
Natürlich kann man sich auf Grotowski berufen und für das "arme Theater" plädieren. Damit Theater stattfindet, braucht es lediglich einen, der etwas vorspielt, und einen anderen, der es wahrnimmt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Jerzy_G...otowskis_Ziele
Aber genauso kann man es ja auch mit Kaiserin Maria Theresia halten: "Spectacle müssen sein, ohnedem kann man nicht hier in einer solchen grossen residenz bleiben"

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tkedm 12.06.2014, 12:31
276.

Zitat von Elfsilbler
Natürlich kann man sich auf Grotowski berufen und für das "arme Theater" plädieren. Damit Theater stattfindet, braucht es lediglich einen, der etwas vorspielt, und einen anderen, der es wahrnimmt. Aber genauso kann man es ja auch mit Kaiserin Maria Theresia halten: "Spectacle müssen sein, ohnedem kann man nicht hier in einer solchen grossen residenz bleiben"
Es gibt aber auch etwas dazwischen. Theaterinszenierungen sind doch oft auch Gesellschaftskritik. Wie wäre es da mal mit einem Stück voller Selbstkritik: ein Stück das zur Bescheidenheit mahnt und dran denken lässt, wer dieses Stück Kultur ermöglicht. Dann gehe sogar ich dorthin.

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Elfsilbler 12.06.2014, 12:46
277.

Zitat von tkedm
Es gibt aber auch etwas dazwischen. Theaterinszenierungen sind doch oft auch Gesellschaftskritik. Wie wäre es da mal mit einem Stück voller Selbstkritik: ein Stück das zur Bescheidenheit mahnt und dran denken lässt, wer dieses Stück Kultur ermöglicht. Dann gehe sogar ich dorthin.
Schauen sie sich doch mal Bernhards "Theatermacher" an... "Nächste Woche Augsburg!" (in unnachahmlich angewidertem Tonfall...)

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PerciGang 12.06.2014, 12:49
278. Blasphemie

Zitat von sfb
Da haben Sie allerdings recht: "In der ganzen Welt wird das inzwischen verlacht."
Nun ausgerechnet Peter Stein zum Kronzeugen Ihrer geforderten Subventionsverweigerung zu machen, grenzt ja wohl an Blasphemie. Den gäb es gar nicht ohne Theatersubventionen.

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tschinakl 12.06.2014, 12:52
279. Viele hier,

die banausenhaft über die angeblich ach so elitäre Oper lästern, reden wie der Blinde von der Farbe, sonst wüssten sie, dass man für die billigsten Plätze genauso viel oder sogar weniger bezahlt als für eine Kinokarte. Jedenfalls in Darmstadt. Apropos elitär: auch Arbeiter und Bauern haben Augen und Ohren - und dazwischen ein Hirn zum Einschalten.

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