Forum: Kultur
Okkulter Krimi aus Stuttgart: Weiche von unserem "Tatort", Satan!
Benoit Lindner/ SWR

Der eine entdeckt das Böse in sich, der andere flirtet mit einer Teufelsanbeterin: Die "Tatort"-Ermittler Lannert und Bootz zeigen sich erstaunlich leicht entzündbar für satanistischen Budenzauber.

Seite 1 von 3
sanibel123 27.09.2019, 16:03
1. Der klasssiche Tatort..

ist leider Vergangenheit. Zuviel Zeitgeist ist keine Garantie für gute Unterhaltung. Im Gegenteil ! Bleibt zu hoffen, dass wenigstens die Münchner und Kölner Kommissare ihr Handwerk in gewohnter Weise ausüben dürfen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
CKadri 27.09.2019, 16:38
2. Ist das ein Zeichen, dass ich alt werde?

Ich vermisse die Kommissare, die ohne schwerwiegende psychische Maken auskommen, Buddys, die nicht gleichzeitig das Personal für‘s Cabaret stellen könnten und Drehbücher, die nicht verkrampft experimentell sein wollen. Übrig geblieben sind in der Tat nur noch die Münchener und Kölner (Münster läuft außer Konkurrenz).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
neue Legislaturperiode 28.09.2019, 13:39
3. Interessant.

Wahrscheinlich mindestens unterhaltsam. Vielleicht sogar fesselnd. Die Vorausschau des Herrn Buß macht neugierig.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Dramaturgen-Frau 28.09.2019, 13:55
4. Die "Übriggebliebenen"

#1 und #2 sprechen von den übriggebliebenen Tatorten und führen Köln und München ins Feld. Ja, bei Dick & Doof aus Köln würde auch ich von "Übriggebliebenen" reden, von den letzten Dinosauriern, sozusagen: ohne größere Schauspielkunst bieten sie uns das sonntägliche Sedativum, um in den dringend benötigten Schlaf zu finden, da der Montag wieder unsere volle Arbeitsleistung fordert. München hingegen ist immer noch amüsant. Ich würde aber eher Zuschauer wie die eingangs Erwähnten als Übriggebliebene bezeichnen: die Welt ändert sich, viele 70+ Zuschauer bleiben allein zurück. Anders ist es nicht zu erklären, dass hier im Forum jeden zweiten Sonntag der Name Haferkamp auftaucht - eine Tatsache, die an sentimentaler Rückwärtsgewandtheit kaum zu übertreffen ist. Der Stuttgarter Tatort gehört zu den besseren im Reigen. Daher muss nach der Aversion gefragt werden, die dem Kritiker Buß hier aus jeder Zeile quillt. Es hat wohl mit seinem Ekel vor dem Heterosexuellen zu tun, das wir in diesem Tatort zelebriert finde. Ich persönlich mag Tatorte und P110, in denen sich der Kommissar in irgendjemanden verguckt. Beste Erinnerungen habe ich da an Hanns von Meuffels, der sich in die Gefängnisdirektiorin verliebt, oder an Franz Leitmayr, der sich in die Kunstfälscherin verliebt. Auch Lannert, der Gefühle für seine studentische Nachbarin hegte, war schön anzusehen. Insofern wage ich diesmal, trotz des ARD-obligatorischen Hokuspokus und den schon wieder immergleichen Tatortgesichtern (hier z.B. wieder André M. Hennicke, Victoria Trauttmansdorff et al.) die Prognose, dass wir ganz gut unterhalten werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Neustädter_02 29.09.2019, 19:24
5. Schauspielkunst...

Zitat von Dramaturgen-Frau
#1 und #2 sprechen von den übriggebliebenen Tatorten und führen Köln und München ins Feld. Ja, bei Dick & Doof aus Köln würde auch ich von "Übriggebliebenen" reden, von den letzten Dinosauriern, sozusagen: ohne größere Schauspielkunst bieten sie uns das sonntägliche Sedativum, um in den dringend benötigten Schlaf zu finden, da der Montag wieder unsere volle Arbeitsleistung fordert. München hingegen ist immer noch amüsant. Ich würde aber eher Zuschauer wie die eingangs Erwähnten als Übriggebliebene bezeichnen: die Welt ändert sich, viele 70+ Zuschauer bleiben allein zurück. Anders ist es nicht zu erklären, dass hier im Forum jeden zweiten Sonntag der Name Haferkamp auftaucht - eine Tatsache, die an sentimentaler Rückwärtsgewandtheit kaum zu übertreffen ist. Der Stuttgarter Tatort gehört zu den besseren im Reigen. Daher muss nach der Aversion gefragt werden, die dem Kritiker Buß hier aus jeder Zeile quillt. Es hat wohl mit seinem Ekel vor dem Heterosexuellen zu tun, das wir in diesem Tatort zelebriert finde. Ich persönlich mag Tatorte und P110, in denen sich der Kommissar in irgendjemanden verguckt. Beste Erinnerungen habe ich da an Hanns von Meuffels, der sich in die Gefängnisdirektiorin verliebt, oder an Franz Leitmayr, der sich in die Kunstfälscherin verliebt. Auch Lannert, der Gefühle für seine studentische Nachbarin hegte, war schön anzusehen. Insofern wage ich diesmal, trotz des ARD-obligatorischen Hokuspokus und den schon wieder immergleichen Tatortgesichtern (hier z.B. wieder André M. Hennicke, Victoria Trauttmansdorff et al.) die Prognose, dass wir ganz gut unterhalten werden.
Ich habe ein Hörbuch, auf dem "der Dicke" aus Köln den Leopold Bloom aus dem Ulysses spricht. Das macht er ganz famos, sodass ich Ihre Behauptungen über seine schauspielerische Minderbegabung nicht so ganz nachvollziehen kann. Zumindest die Sprechkultur im Kölner Tatort ist hervorragend. Ich kann mich nicht erinnern, da mal rein akustisch etwas nicht verstanden zu haben. In anderen Tatorten ist das nicht immer so.

Im übrigen machen Ballauf und Schenk oft "klassische" Ermittlungsarbeit, d.h. sie lesen Akten, befragen Zeugen, lassen sich Laborergebnisse erklären, werten Spuren aus u.u.u. Ich fand die Kölner eigentlich meistens recht gut erträglich.

Die Krimis aus den Siebzigern sind heute nur noch langweilig. Selbst der berühmte Tatort mit Nastassja Kinski entwickelt sich so langsam für heutige Sehverhältnisse, dass der geneigte Zuschauer entweder einschläft oder sich beim Nebenbei-Surfen verliert. Nicht alles, was die Erinnerung als großartig darstellt, hält auch Jahrzehnte später noch, was es verspricht. Bei Haferkamp würden die Leute heute in Scharen den Sender wechseln...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
loboloco 29.09.2019, 21:05
6. Wirklich...?

Besonders „satanisch“, der Augenblick, in dem der Kommissar mit seiner blutigen Nase aussieht wie ein Clown ... [ nur ein Traum ]

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Ekkehard Grube 29.09.2019, 22:01
7. Böser Ausrutscher eines Spitzen-Teams

Die Stuttgarter waren immer eines der besten Tatort-Teams. Sie sind schon seit 2008 im Dienst, und über diesen langen Zeitraum waren erstaunlich wenig Qualitätsschwankungen zu beobachten, ihre Fälle waren fast immer von viel Realitätsbezug und Tiefgang geprägt.

Das heute war ein böser Ausrutscher.

Einerseits soll die Bedrohlichkeit des Satanismus dargestellt werden, der letzten Endes sogar die Mutter eines seiner Opfer in ihrer Verzweiflung zur Täterin werden lässt. Andererseits wirken selbst die bedrohlich sein sollenden Szenen und Aussagen oft unfreiwillig komisch, und am Schluss entsteht beim Dialog von Bootz mit dem Mädchen, das sich als Hexe bezeichnet, gar der Eindruck, das Ganze sei gar nicht so ernst gemeint.

Dazu kommt noch haarsträubende Agieren der Kommissare, die zu gefährlichen Einsätzen wie einer nächtlichen Satanisten-Messe alleine, ohne SEK auftauchen, und ja auch prompt wenig ausrichten.

Was sollten Bootz' merkwürdige Hustenanfälle am Anfang, und was die Szene, wo er fast die Kontrolle über sein Fahrzeug verliert?

Und am Schluss quatscht dann auch noch der Gerichtsmediziner blödes Zeug von Toten mit und ohne Seele.

In einem Punkt allerdings muss ich Christian Buß widersprechen:

Lannert und Bootz ließen sich zu keinem Zeitpunkt in den Okkultimus-Humbug hineinziehen, sondern wahrten immer professionelle Distanz.

Es bleibt zu hoffen, dass die Stuttgarter bei ihrem nächsten Einsatz wieder auf ihrem alten Niveau sind.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Aquariumtaucher 29.09.2019, 23:04
8. Parallelen

Bzlg. der Tatort Kritik "Hüter der Schwelle" muss eines angemerkt werden. Der Fall Sandro Beyer aus den 90er Jahren, zeigt dass die Thematik nicht allzu weit hergeholt ist.
Jedenfalls war es das erste woran ich dachte, als ich diese Folge angeschaut habe. Auch wenn die Parallelen nicht zwangsweise auf eine Anlehnung an diesen Fall erinnern, so beschleicht einen doch das Gefühl, dass dieser o.ä. Fälle hier Vorlage gewesen sind.

Mit besten Grüßen

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Senf-o-Mat 29.09.2019, 23:24
9. Verunglimpfung von Okkultisten

Ich wundere mich zwar nicht wirklich, aber dennoch: "Satanismus", "Sadismus", "Teufelsanbeter" - was soll das? Nichts davon kommt in diesem Tatort vor.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 3