Forum: Kultur
Oscar-Fehlurteile 2013: Triumpf der Feigheit
20th Century Fox

Konsens statt Kontroverse: 2012 war ein herausragendes Jahr für US-amerikanische Filme, bei der Oscar Verleihung aber zeichneten die Juroren die falschen aus. Das messianische "Lincoln" statt des kompromisslosen "The Master", der Retro-Thriller "Argo" statt des brisanten "Zero Dark Thirty".

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curiouscat 25.02.2013, 18:37
60. Politisch korrekt ist langweilig

Zitat von Donald45
Die Tötung Osama Bin Ladens war sicher eine der spektakulärsten politischen Handlungen der letzten Jahrzehnte. Wie kann frau eine solche Geschichte unspektakulär erzählen? Bigelows kann es, fast emotionslos und kühl wie ein Dokumentarfilm zeichnet der Film die Jagd nach dem Terrorfürsten nach. Das ist für die Akteure mühselig gewesen und für den Zuschauer nicht immer leicht zu verstehen. Aber genau jene Präzision macht den Film einzigartig und glaubwürdig: So wird es gewesen sein.
Sehe ich auch so. Es gibt einige logische Schwächen in dem Film aber insgesamt liefert er zumindest einen absolut überzeugenden Anschein von Realität. Was ihn aber für mich stärker macht als Filme wie "Lincoln" (obwohl Spielberg ein toller Regisseur ist): er liefert mit der Folterthematik Stoff für eine wichtige Diskussion, ist kontrovers und polarisiert. Die Hauptdarsteller von ZDT, inkl. der "Heldin", sind allesamt gefühlskalte, skrupellose Motherfucker, die einfach ihren Job tun und nur an Ergebnissen interessiert sind. Das ist umso beklemmender, wenn man mit dem härtesten Motherfucker Maya (Chastain) auch noch sympathisiert und irgendwie hofft daß sie Erfolg hat.
Solche Filme bleiben bei mir hängen - Filme die eine eindeutige moralische Position beziehen jedoch in den meisten Fällen nicht.

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filmforist 25.02.2013, 18:38
61. Oskars nicht mehr so bedeutsam

Die Oskarvergabe war ein Triumpf der Feigheit und die Auszeichnung verliert an Bedeutung. Argo war ganz OK, aber der beste Film war Django. Vielleicht sollte lieber Kritikertipp die Preise vergeben :)

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hedalino 25.02.2013, 18:42
62. Die besten Filme...

...bekommen nie einen Oscar. Weil diese Filme meist von "independent"-Labels (oder Gruppen) gedreht werden und keine Lobby haben. Und die Schauspieler in diesen Filmen auch keine 8-stelligen Gagen bekommen.
Der Oscar ist eine reine Marketing-Show von Hollywood und wer was anderes glaubt hat die Sache nicht verstanden.

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hinzkunz001 25.02.2013, 18:55
63. also das war immerhin noch Django

Zitat von pauschaltourist
Meiner Meinung nach erhielt Waltz diesen Oscar unverdient. Abgesehen davon, dass ich Django wie alle Filme Tarentinos nach Pulp Fiction für maßlos überschätzt halte, hätte auch ein Roboter die Rolle des Herrn Dr. Schultz spielen können. Waltz bzw. das Drehbuch ging nicht wirklich in die Charakter-Tiefe, ja ich kann mich nicht einmal an eine Nahaufnahme seines Gesichts erinnern, geschweige denn, dass er überhaupt verschiedene emotionale Regungen darstellen musste. Die beste und interessanteste Nebenrolle in Django füllte definitiv Samuel L. Jackson aus. Leider wurde er bei den Nominierungen bereits übergangen. Auch DiCaprio wirkte überzeugend. Jamie Foxx war ebenfalls grandios - doch leider nur in den ersten Minuten, als er den gefangenen Sklaven darstellte. Später, in der selbstbewussten, autoritären Rolle wirkte auch er überfordert. Django selbst ist objektiv ein schlechter Film. Typisch sinnlose Tarentino-Monologe, nur des Labern willens, langatmig, einzelne brutale Szenen - ansonsten schleppte sich die Handlung uninspiriert dahin. Der Mann ist überschätzt und handwerklich meiner Ansicht nach unfähig. Er sollte als Ideengeber der Drehbuchschreiber fungieren, damit Geld verdienen und das Drehbuchschreiben und die Regie an kompetentere Kollegen abgeben. Das Sklaverei-Szenario hätte Potential zu einer filmischen Anklage gehabt, die das freiheitliche, christliche Selbstverständnis US-Amerikas aufwühlend und drastisch in Frage stellt. Leider glitt Django in eine Art Judge Dredd des 19. Jahrhunderts ab, streifte diese Thematik nur und bediente sich ihrer zum Ausfüllen diverser Exekutionsszenen. Ein Film hat verloren, wenn Kinobesucher beim Anblick von Exekutionen anfangen zu lachen.
und nicht irgendein problem bewaeltigender Film. Ich fand den klasse und das er die Sklaverei in einen Western eingebunden hat ist schon sehr extrem, denn es gibt glaube ich nur 2 andere Filme die dies gemacht haben.

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berndzocher 25.02.2013, 18:55
64. Künstlerische Tapferkeit ist nicht gefragt.

Ich weiss nicht, ob Sie, Frau Pilarczyk, sich einmal mit dem Procedere der Academy beschäftigt haben: Man stimmt da ab - mehrere tausend Filmleute, vorzugsweise amerikanische, und vorzugsweise Menschen, die sich vorwiegend mit den Zuständen in den USA beschäftigen. Es ist nämlich eine amerikanische Akademie für amerikanische Bedürfnisse. Deshalb ist es etwas albern, unter diesen Auspizien - recht demokratische notabene und geprägt von Filmleuten, keine Kunstfuzzis - ästhetischen Foror einzufordern. Für ein Land, in dem die "Southerners" der Tea Party am liebsten weitermachen würden, wo die Konföderierten 1865 aufgehört haben, ist das kein schlechtes Tableau, was geboten wird. Es ist das Elend des modernen Kulturjournalismus, dass man kulturelle Ereignisse nur noch jahrgangsweise wahrnimmt, so wie man den einen vom anderen Jahrgangswein wahrnimmt und nicht mehr die Indiviualität des Wahrgenommenen. Es ist in diesem Zusammenhang nichthilfreich, dass ich Ihnen erläutere, warum Sie mit "Lincoln" falsch liegen.

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Vex 25.02.2013, 19:00
65. Fehlentscheidungen gabs aber andere

Zitat von sysop
Konsens statt Kontroverse: 2012 war ein herausragendes Jahr für US-amerikanische Filme, bei der Oscar Verleihung aber zeichneten die Juroren die falschen aus. Das messianische "Lincoln" statt des kompromisslosen "The Master", der Retro-Thriller "Argo" statt des brisanten "Zero Dark Thirty".
Also ich fand auch viele Entscheidungen fragwürdig. Drehbuch für Tarantino ist mir unbegreiflich genau wie die Nominierung als besten Film das war doch sein mit Abstand schlechtester Film ... wenn ich Django mit Jackie Brown, Pulp Fiction oder Inglorious Bastards vergleiche dann liegen da Welten dazwischen.
Adapted Screenplay für Argo fand ich auch daneben da hätte Cloud Atlas der nicht mal nominiert war alleine schon aufgrund des Mutes belohnt werden müssen. Überhaupt sticht Cloud Atlas viele der premierten Filme aus in einigen Kategorien.

Unter den nominierten Filmen fand ich persönlich Silver Linings noch am besten wobei ich Amour und Beast of the Southern Wild noch nicht gesehen habe.
Argo und ZDT fand ich als politische Filme kaum tragbar. Waren zwar beide gut gemacht und als Unterhaltung OK aber wenn man sie aus einem politischen Aspekt betrachtet war es furchtbar. Für mich gibt es bei solchen Filmen keinen grad zwischen Unterhaltung und Wahrheit ... da muss die Unterhaltung mit all ihrer Heldenverehrung, Propaganda, Pathos, Dämonisierung etc... weichen sonst ist der Film Müll.
Pi was visuell wunderbar die Message war allerdings unterirdisch "Lügt euch die Welt schön" soll man das irgendwie gut finden ?
Lincoln was schlicht langweilig und Les Miserables hat mich ziemlich genervt.
Einzig Silver Linings fand ich gelungen auch wenn es aus meiner Sicht nicht unbedingt ein Oscarkandidat sein sollte aber bei dieser Auswahl hätte ich dafür gestimmt.

Bei den Schauspielern kann ich alle Entscheidungen nachvollziehen freue mich aber besonders für Jennifer Lawrence die zweimal bei den Oscars übergangen wurde denn sie hätte sowohl für Winters Bone als auch für Hunger Games den Oscar in den entsprechenden Jahren verdient. Dieses Jahr hätte ich ihn Jessica Chestain gegeben aber naja ....

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saba1 25.02.2013, 19:12
66. sehr korrekte Vergabe

Danke, Frau Pilarczyk, sie haben in ihrem Artikel sämtliche Gründe genannt, weshalb diese Oscars tatsächlich an die richtigen Kandidaten ging: Denn das, was sie als so besonders mutig und kontrovers bezeichnen, ist eben alles andere als mutig. Sehr deutsch sogar, leider. Und eine politische Debatte hat Dhanjo Unchained übrigens mindestens genauso entfacht ...

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miel36 25.02.2013, 19:14
67. optional

Ich fand es schade, dass Beasts of the southern wild keinen Oscar erhielt. Dieser Film war einfach nur phantastisch.

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Common Sense! 25.02.2013, 19:36
68. Thema verfehlt!

Die Autorin scheint die "Oscar"-Verleihung mit der Berlinale zu verwechseln. Man kann hier nicht von "Drückebergerei" und Risikoscheu schreiben, weil es keine Jury gibt, die eine bewusste Entscheidung trifft. Die AMPAS-Mitglieder entscheiden ganz subjektiv nach ihrem individuellen Geschmack. Daher bewegen sich die Academy Awards nicht nur im Mainstream, sie SIND der Mainstream. Da in den meisten Kategorien Kollegen von Kollegen beurteilt werden, wird hier die Preisverleihung in der Regel von fachspezifischen und/oder von rein menschlichen Überlegungen bestimmt, z.B. wenn jemand schon sehr oft erfolglos nominiert worden war. In der Hauptsache ist es aber einfach die größte Show der Welt, was einem immer dann peinlich bewusst wird, wenn wieder die "Goldene Kamera" verliehen wird.

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lukaslauboeck 25.02.2013, 19:36
69.

Es geht um Geld, diese Filme sind ein Produkt um Geld zu erwirtschaften. Die Oscarverleihung ist eine Veranstaltung um diese Filme zu vermarkten. Mich nervt, das ich in allen Medien mit diesen Produkten konfrontiert werde und es nicht als Werbung zählt. Wenn ein guter Film gedreht wird, wird er dem Publikum gefallen, was soll dieser ganze künstliche Rummel.? Wenn es etwas gibt, das ich wirklich hasse, ist es Werbung.

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