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Oscar für "Green Book": Der falsche Film
ddp/ Universal

Viel Raum für Frauen, Schwarze und Latinos: Die 91. Oscar-Verleihung lief besser als erwartet. Der Triumph von "Green Book" zeigt jedoch, wie viel Veränderung noch nötig ist.

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eulenspiegel1979 25.02.2019, 16:24
150.

Zitat von Tom77
Bei den Oscars geht es nicht mehr um gute Filme und gute Schauspieler sondern alleine darum, jede Minderheit zufrieden zu stellen und aktuellen gesellschaftlichen Debatten (me2 und dergleichen) Rechnung zu tragen. Der Oscar ist mittlerweile ein Witz.
Da stimme ich Ihnen voll und ganz zu.Ich kann mich noch an das Jahr 2002 erinnern, als Denzel Washington den Oscar als bester Hauptdarsteller für Training Day bekommen hat. 2002 bekam auch Halle Berry den Oscar für Monsters Ball. Beide hatten den Oscar nicht verdient. Ich habe damals absolut nicht verstanden, wieso Russell Crowe den Oscar für A Beautiful Mind nicht bekommen hat. Seine Darstellung des schizophrenen John Nash war deutlich eindrucksvoller, als Washingtons (mittlerweile) Standarddarstellung eines korrupten Cops. Ebenso wurde das Schauspiel von Halle Berry in Monsters Ball meiner Meinung völlig überbewertet und auch von vielen Kritikern gemischt beurteilt. Die Darstellung war gut, keine Frage, aber überhaupt nicht zu vergleichen mit einer brillanten Judi Dench in Iris oder gar einer überragenden Nicole Kidman in Moulin Rouge. Halle Berrys Entgegennahme des Oscars und der damit einhergehende Gefühlsausbruch war deutlich Oscar-verdächtiger.
Der Ehrenoskar an Sidney Poitier war zwar längst überfällig, aber diesen ebenfalls in 2002 zu vergeben, veranlasste damals die Medien zur Einschätzung, dass man wohl gewollt mehr Afroamerikaner in den Fokus der Oscars rücken wollte.

Zudem stört mich, dass man mittlerweile in nahezu jeder TV-Serie versucht allen gesellschaftlichen Klischees gerecht zu werden. Da darf wirklich keine Minderheit vergessen werden und natürlich ist die starke Rolle idealer Weise mit einer Frau zu besetzen. Die männliche Hauptrolle hingegen hat schwach und voller Fehler zu sein. Guckt Euch mal die neue Serie Star Trek Discovery an. Hauptfiguren allesamt starke Frauen (sogar bei den Klingonen) oder homosexuelle Männer (Ingenieur und Schiffsarzt). Der Captain hingegen ein Psychopath und Chauvinist. Der Sicherheitschef ein Weichei. Der erste Offizier ein Alien, zählt also nicht. Ich bin weder homophob noch hab ich ein Problem mit starken weiblichen Hauptrollen, aber man muss es doch bitte nicht erzwingen.

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The Independent 25.02.2019, 16:36
151.

Zitat von funkstörung
das ganze läuft doch darauf hinaus : da wollte ein weißer regisseur einen schwarzen film drehen und weil er nicht so ganz platt einen schwarzen film mit einer schwarzen hauptfigur drehen wollte verfiel er auf den auch nicht ganz originellen trick einen weißen in einem schwarzen film die hauptrolle spielen zu lassen. keine ahnung ob dies die jury als besonders gelungen honorieren wollte, aber eines hätte klar sein müssen, die hardcore anti-rassisten würden den film zerreissen, ein anhänger der linken findet auch nie etwas gut was die SPD propagiert. schon die tatsache, dass ein weißer regisseur sich traut einen schwarzen film drehen zu wollen ist schon nicht mehr auf der höhe der zeit.
Der Film ist ja nicht einmal ein "schwarzer" Film. Die Rolle des Schwarzen ist zwar - im Gegensatz zu so manch anderem Hollywood-Film - mehr als nur schmückendes Beiwerk, aber der Protagonist ist weiß. Und mit dieser Sichtweise und mit dem Hintergrund des (weißen) Regisseurs, kann der der Film kein schwarzer Film sein. Der Regisseur kann hier weder aus einem Fundus eigener Erfahrungen schöpfen, noch hat er Expertise bewiesen schwarze Erfahrungen glaubhaft zu schildern.

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cremuel 25.02.2019, 16:52
152.

Zitat von The Independent
Der Film ist ja nicht einmal ein "schwarzer" Film. Die Rolle des Schwarzen ist zwar - im Gegensatz zu so manch anderem Hollywood-Film - mehr als nur schmückendes Beiwerk, aber der Protagonist ist weiß. Und mit dieser Sichtweise und mit dem Hintergrund des (weißen) Regisseurs, kann der der Film kein schwarzer Film sein. Der Regisseur kann hier weder aus einem Fundus eigener Erfahrungen schöpfen, noch hat er Expertise bewiesen schwarze Erfahrungen glaubhaft zu schildern.
Na, das geht ja alles ganz einfach....

Probieren Sie bitte mal testweise mit ein paar anderen Gruppenzugehörigkeiten an den Stellen herum, wo bei Ihnen jetzt "weiß" und "schwarz" stehen. Das ist eine ziemliche Rutschbahn, finde ich.

Die Ideologie der Stunde ist klar: Es muss um "Identität" gehen und nach zig Jahren Essentialismus-Debatte muss mann/frau auf einmal wieder die richtige Hautfarbe haben weil sonst nix authentisch und "kulturelle Aneignung" (der falschen Art). Dazu dann auf Bento was über die typischen Frisuren Schwarzer.
Wenn es nicht so übel und herablassend wäre und politisch so dermaßen nach hinten losginge, wäre das für ein paar müde Lacher gut.

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jeby 25.02.2019, 16:53
153.

Ich würde ja einfach denjenigen Film den Oscar für den Besten Film geben, der am meisten weltweit einspielt. Das wäre am objektivsten. Es ist wirklich lächerlich, dass der letzte Avengers Film noch niemals nominiert war. Da spielt ein Film über 2 Milliarden Dollar ein, wird weltweit geliebt und dann komplett ignoriert. Stattdessen gewinnt dann ein Film, dessen Titel ich noch niemals vorher gehört habe. Bester Film sollte derjenige sein, der von den meisten im Kino gesehen wurde. Man kann ja dann gerne noch eine weitere Kategorie einführen für Filme mit irgendeiner "Message", die so häufig gewinnen.

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spon_4_me 25.02.2019, 17:22
154. Spon

wird erst der Wahl des Oskar-Kommittees zustimmen, wenn ein homosexueller schwarzer Jude, der zum Islam übergetreten ist, die Wahl zur besten Hauptdarstellerin gewinnt für einen Film darüber, wie Farbe in geschlossenen Räumen trocknet. Das Drehbuch ein transgenderaner Them geschrieben, beruhrnd auf einem von Partisanen aus Ausschwitz geretteten Tagebuch eines Kommunisten.

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im_ernst_56 25.02.2019, 17:27
155.

Zitat von jeby
Ich würde ja einfach denjenigen Film den Oscar für den Besten Film geben, der am meisten weltweit einspielt. Das wäre am objektivsten. Es ist wirklich lächerlich, dass der letzte Avengers Film noch niemals nominiert war. Da spielt ein Film über 2 Milliarden Dollar ein, wird weltweit geliebt und dann komplett ignoriert. Stattdessen gewinnt dann ein Film, dessen Titel ich noch niemals vorher gehört habe. Bester Film sollte derjenige sein, der von den meisten im Kino gesehen wurde. Man kann ja dann gerne noch eine weitere Kategorie einführen für Filme mit irgendeiner "Message", die so häufig gewinnen.
Beim Oscar geht es ja irgendwie auch um Filmkunst. Und was der breiten Masse gefällt, kann niemals Kunst sein. Je kleiner und elitärer der Kreis derjenigen ist, die etwas gut finden, desto künstlerisch wertvoller ist es. Das gilt nicht nur für Filme, sondern auf für Bücher und Musik. Was sich gut verkauft, ist eben Kommerz-Schei......
Deswegen tun sich Filmkritiker immer extrem schwer damit, kommerziell erfolgreiche Filme nicht negativ zu besprechen.

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Daniel_Sonntag 25.02.2019, 17:30
156. Ganz anderer Meinung

Zitat: Der Triumph von "Green Book" zeigt jedoch, wie viel Veränderung noch nötig ist. - Bei allem Respekt, aber dieser Satz ist doch sehr überheblich und leider so typisch für SPON. :(
Ich finde Green Book ist ein großartiger Film mit zwei herausragenden Schauspielern und wenn der Autor andere Filme besser findet, kann ich das verstehen - ging mir selbst schon so oft bei den Oscars, aber andere Favoriten bzw. andere Filmvorlieben sollten respektiert werden. Gerade dieses Jahr hat man einen guten Ausgleich zwischen gesellschaftskritischen und unterhaltsamen Filmen gefunden. Die Oscars sind zwar politisch, aber eben keine politische Veranstaltung und auch die Preise sollten entsprechend frei vergeben werden. In dem Artikel steckt mir zu viel Wertung und zu viel persönliche Meinung. Etwas mehr Sachlichkeit wäre schön. Zeigt vielleicht, wie viel Veränderung beim Verfasser noch nötig ist... ;-)

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Das Grauen 25.02.2019, 17:47
157. Hahaha, im_Ernst_56!

Zitat von im_ernst_56
Falsch. Der Oscar ist zu wichtig, um ihn der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, einer Gründung der US-Amerikanischen Filmindustrie zu überlassen. Da werden nur Filme prämiert, die auch an der Kinokasse gut laufen. Das kann nicht sein. Die Entscheidung über den Oscar sollte einer Jury überlassen werden, die sich aus Filmkritikern internationaler linksliberaler Zeitungen zusammensetzt. Natürlich müssen auch die Filmkritiker*innen von Spiegel, Zeit, Taz und Süddeutsche dabei sein. Dann werden endlich die richtigen Filme prämiert.
Sehr schön satirisch formuliert! Natürlich, was habe ich mir dabei gedacht, gutzuheißen, das die Oscars von einer Jury aus tatsächlich im Filmgeschäft beschäftigten vergeben wird? Natürlich wäre es viel besser, wenn Möchtegernfilmmacher, bei denen es nur zu einem Job als professioneller Kritiker gereicht hat, die Aufgabe übernehmen würden!
Zumindest für die Akzeptanz der Ergebnisse in den Medien. Selbstkritik ist schließlich im Feuilleton eher unüblich.
/Ironie

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Yueliang 25.02.2019, 17:47
158. Falsche Gründe

Ich hätte als Gewinner ebenfalls Roma präferiert, aber so ist es nun mal.
Den eigentlichen Zusammenhang hat der Autor allerdings übersehen, denn Roma wurde vor allem deswegen nicht bedacht, weil er von Netflix unterstützt wurde.
Ein Politikum, aber anders als der Autor vermutet. Es muss nicht immer und überall Rassismus dahinterstecken, oder der Unwille sich zu bewegen. Und woher weiß der Autor denn, wie schwarze Lebenswirklichkeiten aussehen? Da ich selbst zu den people of colour gehöre, kann ich darüber noch schmunzeln. Die Polemik gegen LA Crash, den ich sehr gut fand, hätte man sich schenken können.
Und was white knighting angeht, sollte der Autor auch mal bei sich selbst schauen. Ich bin selbst homosexuell und möchte nicht ständig von anderen instrumentalisiert werden. Bei so manchem hat man nämlich das Gefühl, es geht vor allem darum, sich selbst zu präsentieren.
Am wohlsten fühle ich mich immer mit Menschen, die daraus einfach keine große Sache machen und mich behandeln wie jeden anderen auch. So trete ich auch auf und habe das als die beste Methode erlebt.

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Mondlandungsskeptiker 25.02.2019, 18:03
159. Wollen wir Quotenfilme?

Ist das ihr Ernst, uns mit dem Geschlecht und der Hautfarbe der Filmausstatterin zu langweilen? Ist das ein Qualitätsmerkmal? Geht es hier eigentlich noch um Filme als Kunstform? Oder nur noch um Quoten für Latinos, Schwarze und Frauen? Werden dann schwarze Ausstatterinnen doppelt gezählt oder einfach? Wie ist es mit politisch unkorrekten Quoten? Für Heterosexuelle, für Trump-Wähler oder für Faschisten? Soll es die auch geben oder lieber nicht? Und wer ist dann der Quotenbeauftragte?

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