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Oscar für "Green Book": Der falsche Film
ddp/ Universal

Viel Raum für Frauen, Schwarze und Latinos: Die 91. Oscar-Verleihung lief besser als erwartet. Der Triumph von "Green Book" zeigt jedoch, wie viel Veränderung noch nötig ist.

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freudentanz 25.02.2019, 11:03
50. Unterhaltungswert

hat der Spiegel noch allemal. Das ist auch noch einzigste Grund warum ich hier bin. Ich habe den Film (noch) nicht gesehen und die Forderung von Hr.Bocholte hat mich wieder köstlich amüsiert. Alle Vorurteile werden bestätigt. Ausserdem dachte ich in der Kunst gäbe es kein Falsch&Richtig ? Aber was weiß ich schon?
Interessanterweise werden auf einer anderen Webplatform just in diesem Moment (!) genau das Gegenteil behauptet. Köstlich! Köstlich!

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Dreamer 22 25.02.2019, 11:04
51. Es geht mal wieder um Haltung

Wenn ich das richtig verstehe, geht es jetzt nicht mehr darum, ob ein Film gut oder schlecht ist, sondern ob er divers und schwarz und weiblich und progressiv genug ist. Hm. Da, wo ich herkomme (DDR), war der richtige Klassenstandpunkt auch immer die entscheidende Kategorie. Aber wahrscheinlich habe ich diese Erfahrung dem total progressiven Rezenten voraus. Ich fürchte allerdings, wenn das so weitergeht, gewinnt der unsägliche Mann im Weißen Haus auch die nächste Wahl, weil er einfach ein wenig besser versteht, was den Arbeiter in Detroit oder den Farmer im Mittleren Westen so umtreibt. Aber Hauptsache, wir können uns in unserer eigenen moralischen Überlegenheit sonnen. Very sad.

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Cogitatio33 25.02.2019, 11:08
52. Beim fast fünfzigsten...

Beim fast fünfzigsten Kommentar noch kein einziger, der dem Artikel zustimmt.
Laut Autor und SPON wahrscheinlich ein Zeichen dafür, wie weit wir noch weg sind in der Gesellschaft.
Für alle anderen - die ja wirklich die Gesellschaft darstellen - einfach nur zu weit weg von der Realität.
Durch Artikel wie diesen schaffen sich die Oscars leider ab....genau so wie SPON, die unbeirrt am Menschen vorbei predigen.

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lalito 25.02.2019, 11:09
53. Zweiter Versuch der Sponkritik

Hab den Gewinner in der Kategorie "Bester Film" noch nicht gesehen, kommt aber in der Woche.

Allerdings meine ich schon den zweiten Artikel hier auf Spon zu lesen, der über Kreuz mit dem Gewinner liegt. Beim ersten Mal wurde darauf abgestellt, die sexuelle Disposition des einen Hauptdarstellers sei nicht eindringlich genug herausgestellt worden, wie auch immer dies gemeint war. Und jetzt der Versuch dem Film, was das rassentrennende Dilemma anbelangt, in gewisser Weise Seichtheit bzw. eine Art von Betriebsblindheit der Macher unterzujubeln.

Grundsätzlich neige ich dazu, dem ersten Kommentar hier die korrekte Sichtweise zuzugestehen. Da jedoch Kunst, aber scheinbar auch die Kritik an dieser, frei sind - schaue ich mir den Film unter Berücksichtigung der auseinanderdriftenden Meinungen vor meinem selbst er- und durchlebten "Westafrikanischen Hintergrund" an, bin gespannt.

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hausfeen 25.02.2019, 11:11
54. Bohemian Rhapsody hätte der Autor für würdiger gehalten ...

... als Green Book. Sorry, da schon steige ich aus. In keiner Weise wird der Film Freddy Mercury gerecht. So schnell kann man sich als Kritiker selbst diskreditieren.

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minimalmaxi 25.02.2019, 11:11
55.

Zitat von fx33
The Green Book ist kein gesellschaftskritischer Film. Es ist ein Roadmovie mit einer Hauptperson, dem Chauffeur. Die Kritik, die ich jetzt schon mehrfach bei SPON lesen konnte, verlangt von dem Film nichts anderes, als ein anderer Film zu sein. Welche Anmaßung, zu verlangen, dass sich jeder Film mit gesellschaftlichen Hauptproblemen (oder dem, was der Kritiker als solche betrachtet) zu beschäftigen hätte. Hier spielt sich der Kritiker als "White Saviour" auf, der den Rassismus als so großes Problem betracht, dass sich seiner Meinung nach jeder Film um dieses Thema drehen muss. Rassismus IST ein großes Problem, da hat der Kritiker selbstverständlich recht, aber die Schlußfolgerung, dass dashalb jeder Film sich um dieses Thema drehen muss, ist grundfalsch. The Green Book ist kein Film über Rassismus, sondern das Portrait eines Italo-Amerikaners, das in dem Spannungsfeld zwischen den beiden grundverschiedenen Charaktere der Hauptfiguren gezeigt wird, und das den alltäglichen Rassismus lediglich als Hintergrund hat. Der Kririker erwartet jedoch eine betroffenheitstriefende Geschichte, in der der Weiße, obwohl selbst unter Rassismus und Ausgrenzung leidend, der obligatorische Böse zu sein hat. Diese Sichtweise zeigt auch einen gewissen Rassismus.
Sie mögen Recht haben. Ich bin ihrer Argumentation mit kofnickendem Interesse gefolgt. Aber die letzten beiden Sätze hätten Sie sich unbedingt sparen sollen. "Betroffenheitstriefende" Geschichte offenbart Ihre sehr persönliche Sichtweise und Einstellung. Und der Rassismusvorwurf ist schon arg daneben.

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Schartin Mulz 25.02.2019, 11:12
56. Film ist Film

Und ob ein Film so gut ist, dass er den Oscar bekomt, hängt nicht davon ab, ob er die politische Botschaft transportiert, die Herr Borcholte gerne hätte.
Und was heißt die heute so inflationäer genutzte Floskel "und das in politisch so heiklen und aufgeheizten Zeiten"? Wann hat es denn weniger "heikle Zeiten" gegeben? Zur Zeit des Vietnamkriegs? Zu Zeiten der Rassentrennung und der daraus resultierenden Unruhen? Zur Zeit, als die USA faschistische Terrorsiten in Nicaragua und islamistische Terroristen in Afghanistan unterstütze? Zur Zeit des Wettrüstens? Als die USA versuchte, die Welt mit gefälschten Beweisen in einen Krieg gegen den Irak hineinzuziehen?
Dieser Hang, die aktuellen Zeiten zu dramatisieren, würde bei gelegentlichem Blick in die Geschichtsbücher sicher deutlich nachlassen.

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Atheist_Crusader 25.02.2019, 11:20
57.

Zitat von spon-facebook-10000145733
Wer "L.A.Crash" als "seifigen Episodenfilm" sieht, hat einen anderen Film gesehen als ich (und ich war damals auch eher für "Brokeback Mountain"). Die arrogante Grundhaltung des Autors dieses Artikels ("ihr habt alles richtig gemacht, aber sobald eine Entscheidung nicht meine Prioritäten widerspiegelt, bin ich beleidigt") zeigt das Problem der meisten gegenwärtigen Debatten, in denen es zwanghaft politisch korrekt zugehen muss.
Ich glaube, das ist schon jenseits politischer Korrektheit. Das ist White Guilt jenseits der Grenze zur Selbstgeißelung.

Die Grundidee, dass Filme von und über Minderheiten als gleichwertig mit mehr mehrheitskompatiblen Filmen behandelt werden sollten, wurde so verdreht dass Minderheitsfilme nun automatisch besser sind bzw. sein müssen. Und ob sie es wollen oder nicht auch zu einer Aussage über den Stand dieser Minderheiten gemacht werden.
Was letztendlich für beide Seiten eine Beleidigung ist. Für die einen, weil sie plötzlich Nachteile erhalten für Jahrhunderte der Diskriminierung, nur weil sie die gleiche Hautfarbe haben wie diejenigen die sie begangen haben. Und für die anderen weil es sie in eine Rolle als Botschafter und Gesellschaftskritiker zwingt, auch wenn sie vielleicht einfach nur eine nette Geschichte erzählen wollen.

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cobaea 25.02.2019, 11:22
58.

Zitat von theo#
Kommentar 1 bringt es sehr gut auf den Punkt. Der Film ist als Film zu bewerten und nicht, welche Botschaften er für Kritiker transportiert.
Natürlich geht es um den Film als solchen, aber man kann doch nicht so tun, als ob die Qualität eines Filmes nicht auch etwas damit zu tun hätte, welche Botschaft er transportiert (und zwar nicht nur für den Kritiker). Wenn der Inhalt eines Film wie "Green Book" nur deshalb überhaupt interessant und verfilmenswert ist, weil es darin gleich mehrere soziale Rollenwechsel gibt, die wiederum nur vor "Kulisse" Rassentrennung notwendig/nachvollziehbar werden, dann kann man das eigentlich nicht, ohne das Thema Rassentrennung zu bearbeiten. Die Rassentrennung in den US-Südstaaten ging davon aus, dass a) Weisse gesellschaftlich und juristisch überall Vorrang haben und sich das b) auch in deren gesellschaftlicher bildungsmässiger Stellung zeigt. Der hoch gebildete, arrivierte, schwarze Musiker braucht ja einen weissen Chauffeur, weil er anders seine Tournee nicht absolvieren kann. Wenn dann so ein Film ausschliesslich auf die "Buddy-Perspektive" fokussiert, kann er das natürlich tun (und wird dann eben zum "Feel-good-movie" für Weisse), aber eine Kritik daran ist nachvollziehbar.

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Blank 25.02.2019, 11:24
59. Nein es geht nicht um Sitzfleisch und um Popcorn

Zitat von kurtbaer
ich dachte, bei den oscars ginge es um bestleistungen rund um filme. insofern gebührt m.e. "green book" zu recht die ehrung bester film. "green book" ist ein film, bei dem man trotz überlänge den sitzschmerz im kino nicht verspürt. übrigens ein sehr gutes mittel, um gute von weniger guten filmen zu interscheiden.
Der Film hat einzig ein "gute" Story aber sonst sehe ich keine Bestleistungen. Roma fehlte schlicht Hollywood, nicht die richtigen Stars für den gemeinen oberflächigen Pöbel. Aber nach La La Land im letzten Jahr braucht es einen nicht wundern. Um filmische Leistung geht es bei der Verleihung nicht. Es gibt ein Fachjury die solche Gewinner eigentlich verhindern sollte, also meiner Meinung nach hat diese versagt. Wird wohl immer mehr in die Richtung früher ESC Verleihungen gearbeitet.

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