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Patriotismus - ist eine neue Debatte notwendig?

Das Thema Patriotismus beschäftigt Deutschland seit Jahren. Nach den Politikern haben nun die Kulturschaffenden den Begriff entdeckt. Ist eine neue Patriotismus-Diskussion überhaupt notwendig?

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Koepe 01.06.2006, 13:09
1.

Zitat von sysop
Das Thema Patriotismus beschäftigt Deutschland seit Jahren. Nach den Politikern haben nun die Kulturschaffenden den Begriff entdeckt. Ist eine neue Patriotismus-Diskussion überhaupt notwendig?
Wieso muss über etwas, das eigentlich in fast jedem anderen Land eine Selbstverständlichkeit ist diskutiert werden?
Eine gesunde Portion Patriotismus ist sicher nicht schlecht! Es sollte nur nicht in Nationalismus ausarten!
Aufgrund unserer Vergangenheit schämen sich wohl viele patriotisch zu sein.
Auf das was damals war bin ich ganz sicher nicht stolz. Sondern auf das was danach geschaffen wurde und deswegen bin ich patriotisch!

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Bloomberg76 01.06.2006, 13:12
2.

Zitat von sysop
Das Thema Patriotismus beschäftigt Deutschland seit Jahren. Nach den Politikern haben nun die Kulturschaffenden den Begriff entdeckt. Ist eine neue Patriotismus-Diskussion überhaupt notwendig?
Klar. Wie in vielen Politikfeldern heute fehlt der philosophische Unterbau auch bei diesem Thema und wir täten nicht schlecht daran statt populistischer Phrasendrescherei einmal ein paar kritische Diskurse zum Thema was unsere Staatlichkeit und Nationalität definiert zu führen.
Wer sind wir? Was verbindet uns? Was wollen wir?
Das sind grundsätzlicher Fragen, denen kaum eine Politiker oder Journalist unserer Zeit wirklich gewachsen zu sein scheint. Eine ernste Wiederbelebung einer solchen "leeren" Debatte gibt Gelegenheit unsere Politiker einmal aus dem ständigen Pragmatismus (auch bekannt als "Management by Crisis")mit dem sie handeln herauszuführen und zu erfahren, was sie wirklich denken. Vielleicht nehmen dann Leute auf beiden Seiten endlich mal eine fundierte Position ein. Das schärft die Meinungsbildung.

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dericon 01.06.2006, 13:58
3.

Zitat von Ulrich Ochmann
Hier sollten wir ganz klar unterscheiden zwischen "Nationalismus" und "Patriotismus". Stolz auf die Nation ist etwas ganz anderes als Stolz auf das eigene Land. In den USA zum Beispiel sind viele auf ihr Land stolz (und zeigen die US-Flagge), von einer "Nation" kann man bei den vielen Einwanderern aber gar nicht erst sprechen.
Es spricht ja nichts dagegen, sondern eher vieles dafür, daß wir uns erst mal über die Bedeutung der Begriffe einigen, bevor wir über Inhalt und Verwendung diskutieren.

Mir persönlich sind diese Begriffe zu schwammig, ich habe für ihre Bedeutung in Deutschland keine rechte Vorstellung. Wir können nicht einfach Patriotismus oder Nationalismus von anderen Kulturen übernehmen. Gerade weil jede Kultur ihren eigenen historischen Kontext hat ... daher sind auch Vergleiche vorsichtig zu verwenden.

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Koepe 01.06.2006, 14:48
4.

Zitat von dericon
Wir können nicht einfach Patriotismus oder Nationalismus von anderen Kulturen übernehmen. Gerade weil jede Kultur ihren eigenen historischen Kontext hat ... daher sind auch Vergleiche vorsichtig zu verwenden.
Andere Nationen haben auch keine "saubere" Historie (Kolonialismus etc.), zugegeben, Deutschland
"übertraf" das leider noch, trotzdem sind die Menschen stolz auf ihr Land!
In Deutschland wird man doch bestenfalls noch schräg angeschaut, wenn man sich als Patriot bezeichnet.
Viele fühlen sich emotional sogar noch eher zu anderen Ländern hingezogen als zu Deutschland, sie schämen sich fast dafür, deutsch zu sein!

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loeweneule 01.06.2006, 14:57
5.

Ich finde es bezeichnend, daß solche "Werte"-Diskussionen immer dann hoch kommen, wenn der allgemeine Lebensstandard sinkt. Glaube, Vaterland, Familie etc. Wenn das Volk durch Konsum nicht mehr ruhiggestellt werden kann, weil es nicht mehr genug Kohle hat, greift man in die Kiste der üblichen Popanze. Du hast keinen Job, kannst die Miete kaum bezahlen, aber du darfst mächtig stolz auf deine Nation sein. Und wenn ich oben von "hochkommen" schrieb, so empfinde ich das für mich persönlich wörtlich.

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vanton 01.06.2006, 15:08
6. Woher kommt das Wort Patriotismus?...

Zitat von sysop
Das Thema Patriotismus beschäftigt Deutschland seit Jahren. Nach den Politikern haben nun die Kulturschaffenden den Begriff entdeckt. Ist eine neue Patriotismus-Diskussion überhaupt notwendig?
Da steckt doch das lateinische Wort "patria" - die Heimat drin. Für mich ganz persönlich muß man diesen Begriff heute weiter fassen - z.B. geistige Heimat. Vielleicht hilft im Heine-Jahr ein Blick in die Werke von Heinrich Heine, der sich mit der Frage kritisch auseinander gesetzt hat.

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Sackaboner 01.06.2006, 15:18
7.

Das ist ein Wort, das Schröder/Fischer gemieden haben, wie der Teufel das Weihwasser. Ungemein wichtiger wäre es für unser Volk aber, den Schaden, den Schröder/Fischer durch ihre Haltung der absoluten Prinzipienlosigkeit unserem Lande zugefügt haben, zu analysieren. Das heißt nicht nur absolute Beliebigkeit, und damit absolute Bedeutungslosigkeit, sondern das Auflösen aller Verbindlichkeiten, aller Konsense, allen gemeinsamen Wertebewusstseins: das ist die Auflösung des Kitts, des Mörtels, der das Haus zusammen hält, die Auflösung der Anziehungskräfte der Atome, die die Moleküle zusammenhalten. Das bedeutet Zerfall von allem. Schröder/Fischer haben uns dem totalen Zerfall näher gebracht durch ihre Prinzipienlosigkeit, ihre mangelnde Verankerung in einem verbindlichen Wertesystem, ihre Egomanie.

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KlausD 01.06.2006, 15:41
8.

Hallo,
für mich ist das alles von gestern egal ob Nationalismus oder Patriotismus.
Ich habe unser deutsches "problem" immer als vorteil verstanden und ich denke auch das wir deswegen weiter sind (sein können) als länder die an diesen dingen hängen. Gerade in dieser globalen welt bzw. jetzt wie die EU sieht man doch gut wo diese beiden dinge hinführen.

Beide dinge haben aus meienr sicht nur nachteile obwohl sie scheinbar dem entsprechenden land was bringen.
Nationalismus und Patriotismus waren in der vergangeheit sicherlich notwendig aber als heutiger GLOBALER-ERDEN-BÜRGER sind sie eher falsch/hinderlich.
Auch sollte nicht vergessen werden das es ja nicht nur um ein gefühl geht sondern auch um andere dinge wie zb. wir sind stolz auf unserer nationale armee usw.

Und wenn schon dann einen europäischen Nationalismus oder Patriotismus aber nicht wieder diese kleinstaatlerei die dann kommen wird weil es ein kampf der NATIONEN ist/wird.

Danke

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Tom_030 01.06.2006, 15:42
9. SPIEGEL gegen SPIEGEL

Genau die Tatsache, daß es eben KEINE rein parteipolitisch gesteuerte Debatte ist, läßt einen hoffen. Denn wenn der SPIEGEL Kulturresortchef Mattussek ein solches Buch verfasst, geht dieses neue Gefühl deutlich tiefer als nur an oberflächlichen Parteigrenzen entlang. Die Tatsache, daß wir die Deutsche Geschichte nicht nur durch die enge Auschwitzbrille sehen sollen ist zwar schon alt, aber gleichzeitig ist diese Diskussion auch nie wirklich zuende geführt worden. In der Regel wurde, frei nach Martin Walser, am Ende die große Faschismuskeule gezogen, die jeden der auf der falschen Seite stand zum Schweigen brachte. Das lag freilich nicht nur an "den Linken", sondern in hohem Maß auch an der erbärmlichen Feigheit der "Konservativen" (falls man diese Unterscheidung hier überhaupt vornehmen sollte).

Bezeichnend ist an der laufenden Diskusion, daß hier ein SPIEGEL Autor einen anderen SPIEGEL Autor mit nicht zu unterschätzender Polemik zerreisst. Dadurch sieht man, wie tief der Riss mittlerweile geht. Hoffen wir, daß sich diese neue Gegenbewegung dauerhaft gegen solche Angriffe behaupten kann.

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