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Philosophenduell Zizek vs. Peterson: Mit dem Taschenmesser ins Artilleriegefecht
Ulrich Baumgarten/ Getty Images; ZUMA Press/ imago images

Marxist trifft auf rechten Vordenker, 3000 Zuschauer füllen die Ränge. Und dann das: Slavoj Zizek hat im Duell mit Jordan Peterson lächerlich leichtes Spiel. Protokoll einer rhetorischen Meisterleistung.

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kaiser.friedrich 20.04.2019, 17:26
110. @bjmolitor, Nr. 74

Kompliment, im Gegensatz zu Herrn Frank ist Ihnen eine sehr sachliche und vor allem erkenntnisreiche Analyse der Debatte gelungen. Bei Herrn Frank lese ich nur seine persönliche Abneigung gegen Herrn Petersson heraus, sogar so weit gehend, dass Petersson Merchandise für 14,95 Dollar verkauft. Als ob das irgendeine Relevanz für die Diskussion hätte. Lächerlich.

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godfader 20.04.2019, 17:26
111. Warum werde ich das Gefühl nicht los..

dass Linke immer als "liebe nette Onkels von nebenan" beschrieben werden, so wie der zottelbärtige Zizek. Und Rechte halt als gefühlskalte, erbarmungslose Konservative, die im Herzen keinerlei Empathie verspüren können. Diese Schwarz-Weiss Malerei finde ich sehr unpassend vor dem Hintergrund, dass im namen des Marxismus-Leninismus Millionen von Menschen gefoltert, ermordet oder in Gulags "umerzogen" wurden und immer noch werden.

Der Hass auf die eigene Spezies - sofern sie anders denkend ist - wohnt sowohl Nazis also auch Kommunisten inne.

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ancoats 20.04.2019, 17:30
112.

Hier ist übrigens ein Zitat aus einem entsprechenden Guardian-Article.
"Remove him (= Peterson) from his enemies and he is a very poor example of a very old thing – the type of writer whom, from Samuel Smiles’ Self-Help to Eckhart Tolle’s The Power of Now, have promised simple answers to complex problems."
Insgesamt nimmt dieser englische Kommentar übrigens in bezug auf BEIDE eine eher kritische Position ein.

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bjmolitor 20.04.2019, 17:34
113. @Haarfoen

Wenn sie den Marxismus nur als theoretisches Analysewerkzeug sehen, sollten Sie aber wenigstens eingestehen, dass Sie damit weit hinter Marxens ursprünglichem Anspruch zurückbleiben und sich ahistorisch einen "Marxismus light" zurechtzimmern, denn es nie gegeben hat. Aber selbst als theoretisches Analysewerkzeug hat der Marxismus abgewirtschaftet. Man hat ja im Ostblock alles marxistisch interpretiert, von der Evolutionsbiologie über die Entwicklungspsychologie bis hin zur schöngeistigen Literatur, und diese Interpretation hat uns solche geistigen Erungenschaften beschert wie den Lyssenkoismus und die kommunistische Heimerziehung, deren Konsequenzen Zdenek Matejcek einst aufgearbeitet hat. Heutzutage verbreitet Zizek Spinnereien über Quantenmechanik. Ich scheue mich nicht, diese Übergriffe als Scharlatanerie zu brandmarken, die allein schon Zweifel am Nutzen des Marxismus als theoretisches Analysewerkzeug wecken sollten. Wer darüberhinaus noch "Die Offene Gesellschaft und ihre Feinde" gelesen hat, kann im Marxismus als eine Pseudowissenschaft sehen. Dass Mangelwirtschaft, fehlender Partizipation und desorientierte Planwirtschaft nicht im Raum stehen, möchte ich außerdem bestreiten: Schauen sie nur, was in den letzten beiden Jahrzehnten aus unseren Schulen geworden ist.

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ancoats 20.04.2019, 17:39
114.

Zitat von kaiser.friedrich
Aus Wikipedia: “Peterson has bachelor's degrees in political science and psychology from the University of Alberta and a Ph.D. in clinical psychology from McGill University. He was a post-doctoral fellow at McGill from 1991 to 1993 before moving to Harvard University, where he was an assistant and then an associate professor in the psychology department.[4][5] In 1998, he moved back to Canada as a faculty member in the psychology department at the University of Toronto, where, as of 2019, he is a full professor.” Warum verbreiten Sie Lügen?
Wieso ist meine Aussage bitte eine Lüge? Er HAT doch einen Bachelor of Arts in Psychologie der Uni Alberta, und er IST kein Psychoanalytiker, oder etwa nicht? Gute Güte.

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jerrinho 20.04.2019, 17:53
115. Fehlende Grundlagen

Zitat von ancoats
"Lösungen" bietet Herr Peterson allerdings auch nicht...
Warum reden Sie über Peterson, wenn Sie sich kein Material von ihm anschauen? Selbstverständlich bietet er Lösungen. Er ist Psychologe, das ist sein Job. Peterson bricht den Menschen auf einfache Bedürfnisse herunter, weil der Mensch nicht so kompliziert ist, wie er gerne wäre. So tut er es in jedem Themengebiet, weil es im Leben nur um die einfachsten Bedürfnisse geht. Auch Zizek hat dies anerkannt, und sagt in der Diskussion, dass Glücklichsein nur ein Nebenprodukt aus einem bedeutungsvollen Leben ist. Genau das ist die Kernaussage aus jeder Peterson-Vorlesung. Verantwortung und Bedeutung schaffen Glück, sobald die primitiven Bedürfnisse gestillt sind.

Das ist ein Lösungsansatz gegen Unglücklichsein, Gier, Neid, Hass von Andersartigen und eine Reihe anderer zerstörerischer menschlicher Eigenschaften, die Zizek benannt hat.

Dass Peterson von Ökonomie nicht ganz so viel versteht, stört mich selbst nicht besonders. Als Ökonom kann ich Ihnen sagen, dass niemand die Ökonomie gänzlich verstanden hat.

Deshalb funktioniert Zizek auch so wunderbar. Bei dem rudimentären Verständnis für Ökonomie in der Gesamtbevölkerung ist es nicht schwierig nur mit dem benennen einfachster toxischer Zusammenhänge die Menschen zu beeindrucken. Und diese Menschen haben danach die Dreistigkeit sich selbst als Experten darzustellen. Jämmerlich.

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hm..also.. 20.04.2019, 17:57
116. ganz anders

Ich habe mir eben die Debatte in voller Länge auf YouTube angeschaut und sie ganz anders erlebt, als Herr Frank sie beschreibt. Nein, ich bin kein Peterson-Fan. Ja, ich finde Zizek inspirierend. Und genauso inspirierend finde ich Peterson. Inspirierend im Sinne von: beide regen zum Denken an. Zum Selbstdenken.
Es war faszinierend den beiden Männern beim Denken und Formulieren zuzuschauen. Sie waren in jedem Moment aufeinander bezogen. Kritisch. Respektvoll. Leidenschaftlich. Viel zu intelligent, um so zu sein, wie Herr Frank sie in seinem Artikel beschreibt. Ich finde, der Artikel von Herrn Frank macht beide platt und wird weder Zizek noch Peterson gerecht. Ich weiß nicht was schlimmer ist, von Herrn Frank kleingeschrieben oder großgeschrieben zu werden.

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pric 20.04.2019, 18:04
117. Abwärtsspirale des Anspruchs

Es ist schon traurig, dass neben Leuten wie Peterson die Schriftstellerin Ayn Rand als Philosophin erscheint. Wie soll man dann entsprechend erst Leute wie z.B. auch Zizek bezeichnen, die sich tatsächlich in der Materie auskennen...

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suckylucky 20.04.2019, 18:13
118.

sag mal ancoats, bist du überzeugungstäter oder wirst du bezahlt für dein geshille?

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medium07 20.04.2019, 18:27
119. Aha!

Zitat von thapa3
... und zwar spätestens seit er diese völlig idiotische und unbewiesene Fleischdiät propagiert, anscheinend vor allem um eine Firma seiner Tochter zu promoten: https://www.theatlantic.com/health/archive/2018/08/the-peterson-family-meat-cleanse/567613/
Ein Gedankengebäude kann also durch das Propagieren einer Diät diskreditiert werden. Ein vollkommen neuer philosophischer Ansatz. Peterson leidet, ebenso wie seine Tochter an einer genetisch bedingten Autoimmunkrankheit. Die Fleischdiät hat sich für beide als positives Mittel herausgestellt, die Symptome in Grenzen zu halten. Sie sollten in jeglicher Hinsicht etwas zurückhaltender mit Ihren Urteilen sein.

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