Forum: Kultur
Philosophenduell Zizek vs. Peterson: Mit dem Taschenmesser ins Artilleriegefecht
Ulrich Baumgarten/ Getty Images; ZUMA Press/ imago images

Marxist trifft auf rechten Vordenker, 3000 Zuschauer füllen die Ränge. Und dann das: Slavoj Zizek hat im Duell mit Jordan Peterson lächerlich leichtes Spiel. Protokoll einer rhetorischen Meisterleistung.

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jerrinho 21.04.2019, 11:59
160. Gähn.

Zitat von Haarfoen
Zeit für etwas Neues - ohne Ökonomen, die die Ökonomie nicht gänzlich verstehen.
Ad hominem, ad hominem, ad hominem.

Mehr bieten Sie nicht, genau wie jeder andere Marxist, der keine Argumente mehr vorzutragen hat. Dann wird's halt persönlich. Verwunderlich, dass die Faschismus-Keule noch nicht geflogen ist.

"Zeit für was Neues". Na dann erzählen Sie doch mal Ihren großen Masterplan. Vielleicht sind Sie ja der erste Marxist, der tatsächlich auch mal Lösungen anbietet und nicht nur darüber jammert, wie schlecht alles ist.

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lemaone 21.04.2019, 11:59
161.

Ich habe zuerst diesen Artikel gelesen und dann die Debatte angehört. Ich muss sagen, ich war wirklich überrascht. Man muss schon sehr voreingenommen sein um nach diesem guten Gespräch zu einem solchen Schluss zu kommen. Das stimmt mich schon fast traurig. Gerade aus den Schlusswörtern der beiden hätte man soviel mehr positives nehmen können. Gerade nach der Sache mit Relotius sollte sich der Spiegel mehr um Objektivität bemühen.

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citizen01 21.04.2019, 12:12
162. @ancoats, Peterson ist Studenten zu blöd und deswegen

Zitat von ancoats
Vielleicht weil sie keine Angst haben, sondern es ihnen einfach zu blöd ist? Ich persönlich finde es schade, denn, wie man sieht, ist es offenbar recht einfach, ihn sauber vorzuführen.
darf er nicht auftreten? Seltsamer, besorgniserregender Grund für die Einschränkung der Diskussions- und Meinungsfreiheit im akademischen Bereich. Die Studenten könnten ja in der Zeit studieren, niemand ist zur Teilnahme gezwungen.

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Kurt-C. Hose 21.04.2019, 12:38
163.

Zitat von Haarfoen
Also jetzt argumentieren Sie nicht mehr sauber, mit Verlaub. Was der Ostblock aus dem Marxismus zusammengebastelt hat, hätte ganz sicher nicht die Zustimmung der Herren Marx und Engels gefunden. Von einer "Diktatur des Proletariats" hat Marx nicht gesprochen, ebenso wenig von einem Stalinismus oder "kommunistischer Heimerziehung". Schon am Begriff des Marxismus selbst hatte sich Marx gestört: ‚Alles, was ich weiß, ist, dass ich kein Marxist bin!‘ In Bezug auf Analyse der Gegenwart taugen allerdings die Ausführungen von Karl Marx sehr wohl, zum Beispiel zu den Themen Monopolisierung und Konzentration, Verelendung oder zur Definition eines Markenwertes. Was der Marxismus jetzt mit dem Zustand unserer Schulen in den letzten beiden Jahrzehnten zu tun haben soll, bleibt vermutlich ihr persönliches Geheimnis. Richtig ist, dass eine neoliberale Orientierung unsere Marktwirtschaft und politische Ausrichtung dominiert: Die Konsequenz sehen Sie in der Verwahrlosung des Bildungswesens. Schulen bringen keine Profite, Allgemeinbildung oder Geisteswissenschaften kann man nicht ökonomisch ausbeuten.
Sie sind ein so redegewandter wie ahnungsloser Salonmarxist: Selbstverständlich hat Marx von der Diktatur des Proletariats gesprochen: 1850 in „Klassenkämpfe“(MEW 7/89)

Immer wenn auf die menschenverachtenden Folgen dieser dumpfen Ideologie verwiesen wird, versuchen Leute wie Sie den Taschenspielertrick mit dem „missverstandenen“ und „“zusammengebastelt“... Mit den Schriften von Marx, Engels und Lenin ist es wie mit Hitlers „Mein Kampf“ - wer wollte , konnte die Absicht der totalitären Herrschaft erkennen, wenn er in der Lage war, zu lesen. Bevor Sie auch Lenin als missverstandenes Häschen hinstellen, lesen Sie mal Solschenizyns „Archipel Gulag“ - da können Sie nicht nur nachlesen, dass für Lenin „staatlicher Terror ein legitimes Mittel zur Überzeugung der Massen“ von der Idee des Kommunismus war, sondern auch, was die tatsächlichen abscheulichen Folgen in gezählten Menschenleben waren.

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vormaerz 21.04.2019, 12:44
164. @citizen01

Von Verboten war nur gar nicht die Rede, sondern von Unlust, mit ihm eine Diskussion zu führen.

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mmaltensen 21.04.2019, 12:55
165. Peterson scheint ja schon ziemlich oberflächlich zu sein

Wenn es stimmt, dass er Klasse mit Hierarchie identifiziert. Er selbst - lt Artikel - merkt ja an, dass es Hierarchien schon in der Steinzeit gegeben hat. Wenn er etwas von Marx wüsste, wüsste er auch, dass dahin Marx den Urkommunismus datiert hat, in der es lt. Marx keine Klassen gab. Tatsächlich ist Hierarchie ja nur ein Merkmal von Klasse. Wesentlich ist aus welchem Grund und Zweck es die Hierarchie gibt. Dass der Kapitalist das Kommando über die Arbeiter hat, hat als Grund und Zweck die Anwendung der Arbeiter so, dass daraus ein Gewinn entspringt. Und diese ökonomische Interesse im Gegensatz zu dem der Arbeiter schafft Klassen. Es gehört schon der Gegensatz der ökonomischen Interessen dazu. Und Engels schreibt irgendwo zu der Frage, dass es auch im Sozialismus auf einem Schiff einen Kapitän gibt. Nun ja vielleicht suchte Peterson auch, um etwas zu finden. Natürlich gibt es auch die Vorstellung, dass Sozialismus so was wie direkte Demokratie ist. Bloß da wo aus der Ökonomie ein Interessengegensatz entspringt, kann auch ein ständiges Abstimmen diesen nicht zum Verschwinden bringen.

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Koda 21.04.2019, 14:20
166. Einfache Antwort: wegen des möglichen Nachhackens

Zitat von citizen01
Wenn Peterson so leicht zu knacken ist, warum haben denn Studenten und Professoren diese Angst, mit ihm zu diskutieren?
Peterson betreibt wohl einen Youtube-Kanal o.s.ä. inkl. eigenem Merchandising .- mnit wohl einer Millionen Abonnenten.
Diese haben Studierende und Professoren nicht.

Mit anderen Worten: egal wie "leicht"§ er zu zerlegen ist, Peterson köännte und würde es sicher auf seinem Youtube-Kanal anders auslegen können.

Trump ist da ja ein gutes Beispiel dafür, wie schnell und wie einfach man Tatsachen verdrehen kann, wenn er über eigene Verdienste schreibt, egal, wie schnell und leicht man diese widerlegen kann.

Zurück zu Peterson und seinem Youtube-Kanal:
Während also Zizek sich wohl im Laufe der Jahrzehnte in Punkto Gesellschaft und Politik umfangreiches Wissen angeeignet und seine Argumente und Rhetorik eingeübt hat, war Peterson sicher im Bereich der Psychologie ein ähnlich fähiger Mann, aber eben nicht im Bereich Gesellschaft und Politik.
Das wird einen Peterson aber nicht hindern können, diese Diskussion hinterher in seinem Sinne zu kommentieren.
Und wieso auch nicht: er hat die techn. Möglichkeiten dazu und ähnlich gehen ja weltweit viele Redaktionen so vor.

Daraus folgt: aus der Kombination der redaktionellen Möglichkeiten UND der Zahl von 1 Millionen unterschiedlicher Abonnenten werden viele Studierende und viele Lehrende eher Abneigung davor verspüren sich mit 1 Milion potentieller Fans anzulegen - bei denen nur einige Wenige mit geringer Intelligenz genügen um Adressen raus zu suchen und bei den rhetorischen und argumentativen Gegnern vorstellig zu werden.

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Koda 21.04.2019, 14:23
167. Ein Liberaler ist Peterson wohl nur der Selbstbezeichnung nach

Zitat von ThomPhil
Hätte diese „Analyse“ der Debatte von Toronto nicht einen urkomischen Unterhaltungswert wäre sie den Strom nicht wert der mit dem Gerät verbraucht wurde mit dem sie geschrieben wurde. Ein Marxist und ein Liberaler streiten und der marxistische Spiegelredakteur erklärt den Marxisten zum Sieger.
Bernard Schiff, ein emeritierter Psychologie-Professor/-Kollege ebenfalls von der University of Toronto, schrieb für den Toronto Star einen langen Brief mit dem Titel: „Ich war Petersons grösster Unterstützer, jetzt halte ich ihn für gefährlich“.[39] Darin zeichnet Schiff das Bild eines Opportunisten, der einen mephistophelischen Bund mit der Masse geschlossen hat: „Jordan hat die autoritären Demagogen studiert und von ihnen gelernt, er weiss genau, wie er die Massen erreichen kann.“ Peterson habe Bill C-16 als „linksorientierte Verschwörung“ falsch charakterisiert, und nennt ähnliche Beispiele wie dessen Opposition zu Ontarios Gesetzesentwurf Bill 28, der die Begriffe Mutter und Vater in der Gesetzgebung zum gemeinsamen Sammelbegriff Eltern änderte, sowie seinen Vorschlag Professoren, die er „links“ einordnet, auf einer Liste zu dokumentieren, um so Studierende von ihren Kursen abzuhalten. Peterson mache dadurch das nach, was er selbst kritisiere und bekämpfen wolle: Andersdenkende markieren und verstummen sowie den Ideenaustausch hindern (ähnlich u. a. der Praktiken der Stasi sowie McCarthy-Ära). Sein alter Kollege Peterson stelle sich in der Öffentlichkeit oft als das Opfer dar: So wie als er durch Bill C-16 für Aufregung sorgte, behauptete er, er könne seinen Posten verlieren. Er war zu der Zeit jedoch auf Sabbatical (sprich: bereits nicht im Unterrichtsdienst) und ist von der Universität gebeten worden, mit dem, was er mache, aufzuhören, da sein Handeln ein unterrichtsstörendes Umfeld verursachte; der Brief der Universität, den Schiff auch sah, enthielt keine Entlassungsdrohung.

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erichansen 21.04.2019, 14:46
168. @blomma

ich sage doch, Peterson wird von ihresgleichen auf den Bestsellerlisten gehalten.

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haspelbein 21.04.2019, 15:25
169. Interessante Debatte

Ich habe mir die Debatte angesehen, nachdem ich auf diesen Artikel gestossen bin. Zizek und Peterson stimmen letztendlich in den meisten Punkten überein, obwohl Zizeks Bild des Kommunismus wesentlich komplexer ist, als das was Peterson als einfachen Gegenpol zum Kapitalismus gebraucht. Ebenso ist Petersons Sprache sehr bildlich, und auch das musste ich erst einmal verstehen. Danach ist die Debatte jedoch etwas, was man als ein Gespräch unter Freunden darstellen könnte, was man auch daran merkt, dass die Moderation kaum eingriff. Sie war interessant, und Peterson ist definitiv kein Philosoph, aber dennoch finde ich seine Extrapolationen der Psychologie sehr interessant.

Aber meine Frage ist eher: Warum gibt es nicht mehr solcher Debatten?

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