Forum: Kultur
Philosophenduell Zizek vs. Peterson: Mit dem Taschenmesser ins Artilleriegefecht
Ulrich Baumgarten/ Getty Images; ZUMA Press/ imago images

Marxist trifft auf rechten Vordenker, 3000 Zuschauer füllen die Ränge. Und dann das: Slavoj Zizek hat im Duell mit Jordan Peterson lächerlich leichtes Spiel. Protokoll einer rhetorischen Meisterleistung.

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flo_bargfeld 20.04.2019, 15:16
80. Zur Versachlichung der Debatte

Das Philosophenduell Zizek vs. Peterson ist seit einigen Stunden in Gesamtlänge auf Youtube abrufbar.

https://www.youtube.com/watch?v=WGRC5AA1wF0

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Menschundrecht 20.04.2019, 15:18
81. Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgesch*ssen

Die zwei Stunden und siebenunddreissig Minuten dauernde Diskussion habe ich mir angehört und dabei den Eindruck gewonnen, dass es mehr Punkte gibt, in denen Zizek und Peterson übereinstimmen.

Bemerkenswert finde ich, dass Zizek verhältnismäßig viel über Deutschland und Deutsche sprach, zurückzuführen vielleicht auch auf die örtlich und zeitlich größere Nähe seines Herkunftslands zu dem Land, das die Welt schon vor achtzig Jahren mit seinem Größenwahn und seiner Todessehnsucht terrorisiert hat, 'Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgesch*ssen.'

Was Zizek in diesem Zusammenhang über die Vorliebe der Deutschen gesagt hat, mit stinkender Scheiße um sich zu werfen und in der Scheiße herumzuwühlen (Zizek: 'Flachspülung'), das muss ich leider bestätigen, und das habe ich in früheren Beiträgen schon als die kollektive deutsche Regression in die anale Phase beschrieben. Die wollen die Scheiße eben gar nicht wirklich loswerden, Magen - Darm auf der 'Queen Angela'.

Zizeks Hinweis auf Heinrich Himmler mit Bhagavad Gita im Tornister und auf die japanische 'Achsenmacht' (der Zen - Buddhismus und das Messer, das eine höhere Macht geführt hat, als ich es meinem chinesischen Nachbarn in den Hals gesteckt habe) in Zusammenhang mit der deutschen geistig - seelischen Verfasstheit der kollektiven Schizophrenie und der Spaltung der Persönlichkeit in einen moralisch - sittlich verpflichteten Teil und einen transzendent - esoterisch - verbrecherischen Teil trifft wohl auch zu, immer wieder übrigens Gegenstand auch meiner Beiträge.

Bekanntes Zitat ohne Anführungszeichen, da Beitragstitel

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cleanerz 20.04.2019, 15:22
82. enttäuschend, trauriger "Journalismus"

Es ist so deutlich wie sehr sich beide von Anfang an fundamental einig sind und das beide nur noch Details finden können in denen sie nicht übereinstimmen, bzw sogar Missverständnisse ausräumen, das es mir vollkommen lächerlich erscheint hier einen als Gewinner darzustellen und den anderen zu diffamieren.
Am Ende unterstützt Zizek sogar gezielt Petersons Kritik an Political Correctness.
Beide sind sich durch die "Diskussion" hinweg einig, wo die schwächen der jeweiligen Systeme (Kapitalismus/Kommunismuss) liegen und beide sind sich einig das man diese nicht mit extremen Auswucherungen dieser Systeme (totalitär) in Schach halten kann. Auch Zizek sieht den gefährlichen linken Radikalismus und prangert diesen an. Beide sind sich über die Gefahren von "Identity Politics" einig.
Ich sehe fast nur Gemeinsamkeiten und jede Menge gegenseitigen Respekt. Eine Schande! das ein Spiegel Redakteur das so verzerrt!

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jerrinho 20.04.2019, 15:23
83. Ad hominem Esel-Logik

Zitat von eenberlina
Jemand, der der Popularität wegen über Themen spricht, die ausserhalb seiner Expertise liegen. Mag den Laien überzeugen, jedoch nicht Fachleute.
Witzig, dass sie von Laien und Fachleuten sprechen und sich gleichzeitig zu Aussagen zu Petersons Intentionen herablassen, die ganz offensichtlich die Aussagen fremder Menschen sind. Sie haben keine 2 Minuten mit der Recherche von Petersons professionellem Werdegang verschwendet und plappern die plumpe Meinungsmache von ZON und SPON nach. Peterson spricht nicht der Popularität wegen über Themen, die außerhalb seiner Expertise liegen. Peterson lehrt seit 25 Jahren an verschiedenen Universitäten und hat sich vor 6 Jahren entschieden - so wie tausende andere Professoren auf der ganzen Welt - seine Vorlesungen auf YouTube hochzuladen. Seine Popularität entstammt ganz explizit aus einem Thema, welches außerhalb seiner Expertise liegt, weil es ihm seine Expertise erlaubt den menschlichen Kern hinter einer sehr diversen Reichweite an Themen zu erkennen und zu beschreiben. Seitdem wird er zu allen möglichen Themen befragt und wendet jedes Mal die gleiche Logik an. Er ist ein Psychologe, der den Kern von Ängsten, Sorgen und Meinungen erforscht und erklärt. Warum sollte er dann nicht auch an dieser Veranstaltung teilnehmen?

Wenn Sie tatsächlich die Diskussion gesehen haben, dann werden Sie auch wissen, dass Peterson seine unzureichende Bildung auf dem Gebiet des Marxismus bereits in den ersten 3 Sätzen offen zugibt. Natürlich kann er Zizek auf der theoretischen Ebene des Marxismus nicht das Wasser reichen, natürlich kann er nicht 35 Jahre philosophische Arbeit eines Osteuropäers in wenigen Wochen nachholen, aber gibt es auf der Welt jemanden, der Zizek auf diesem Gebiet überhaupt das Wasser reichen kann?

Zizek benennt Probleme und sagt, dass er sie nicht lösen kann. Das hat für mich keinen nachhaltigen Wert. Alles was er sagt ist richtig, kaum eine Schlussfolgerung widerspricht meiner Meinung, aber eine Lösung bietet er für diese Probleme nicht, obwohl er das als Ziel selbst festlegt.

Diese Art der Argumentation mag pessimistische Nörgler überzeugen, jedoch nicht progressive Weiterentwickler.

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Haarfoen 20.04.2019, 15:25
84.

Zitat von bjmolitor
Als positives Ergebnis aus der Debatte bleibt immerhin festzuhalten: Obwohl der Nebel der Dialektik nicht leicht zu durchdringen war, brachten die beiden doch eine zivilisierte Konversation unter denkenden Menschen zustande. Man konnte einen Grundkonsens über die conditio humana und wichtige Probleme in unserer heutigen Gesellschaft erkennen. Weniger Einigkeit erzielten die beiden darüber, wie diesen Problemen zu begegnen sei. Das lag in meinen Augen aber vor allem daran, das Zizek wenig Interesse an konkreten Lösungsansätzen hat, sondern lieber mäandernd von einer Beobachtung und Reflexion zur nächsten driftet.
... womit wieder bewiesen wäre, dass linke Ideologie nett klingt, aber es an konkreten Umsetzungsmodellen mangele. Warum jetzt ein Philosoph Handlungsanweisungen oder Konzepte für eine Neustrukturierung wirtschaftlichen Handelns ausarbeiten soll, verstehe ich nicht ganz. Zunächst geht es doch darum, die systematisch verbreiteten Behauptungen der neoliberalen Fraktion als substanzlos zu qualifizieren. Ist man zu dieser Einsicht gelangt, stellt sich die Frage der politischen Umsetzung. Insoweit wird in den Wirtschaftswissenschaften durchaus untersucht, was die Limitierung persönlichen Eigentums volkswirtschaftlich bedeutet und wie genau eine Vergesellschaftung von Konzernen aussehen kann.

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jerrinho 20.04.2019, 15:33
85. Ergebnis

Zitat von ancoats
dann steht es klar 100:1 für Zizek.
Wenn Sie dieses "Duell" - welches keines war - in benannten aber nicht gelösten Problemen werten, dann halte ich diese Einschätzung für absolut zutreffend.

100:1 könnte aber auch das Ergebnis des Spiels "Übereinstimmungen vs. Meinungsunterschiede in dieser Debatte" sein.

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holyraider 20.04.2019, 15:37
86. Spiegel Journalist found faking Articles

Nach der Balamge vor ein paar monaten sehe ich nun wieder andauernd absolut lächerliche Überschriften, Fehleinschätzungen und Diffamierungen vom Spiegel. Ist einfach nur noch zum kotzen, was man hier teilweise Lesen muss. Wenn ihr nicht in der Lage seid neutral über Menschen und Dinge zu berichten, wo ist dann euer wert? Genau, es gibt keinen mehr. Spiegel app ist gelöscht, der Spiegel wird weder gekauft noch online weiter gelesen. Eine Schande seid ihr.

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medium07 20.04.2019, 15:37
87. Peinlich

Herr Frank ist, ohne dies offensichtlich bemerkt zu haben, genau in jene Falle gelaufen, vor der Zizek am Schluss der Debatte eindringlich gewarnt hat: Er ordnet Peterson umstandslos dem üblichen Muster folgend als "rechten Vordenker" ein, um sich der Mühe des Nachdenkens zu entziehen. Und ebenso offensichtlich hat er Petersons Eingangsbemerkung nicht verstanden, die dessen Selbstverständnis als Kapitalist in einem ironischen Apercu voranstellen sollte. Gegängelt durch seine eigenen Ressentiments hat Herr Frank leider die Kernpunkte der Debatte und die teilweise delikaten, ineinander verschachtelten Diskurse übersehen. Ein peinlicher Kommentar.

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Dr. Kilad 20.04.2019, 15:41
88. Was geschieht mit der ganzen Kohle für den Eintritt?

Ich wüsste etwas Besseres mit dem Geld anzufangen. Nicht weil ich Zizek nicht gerne höre, sondern weil Peterson eher einem was zahlen sollte, damit man ihm zuhört.

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bjmolitor 20.04.2019, 15:48
89. @Haarfoen

"Warum jetzt ein Philosoph Handlungsanweisungen oder Konzepte für eine Neustrukturierung wirtschaftlichen Handelns ausarbeiten soll, verstehe ich nicht ganz."

Selbstverständlich kann jeder Philosoph sich anderen, theoretischeren Problem widmen. Aber wenn er eine Verteidigung des Marxismus unternimmt, dann muss er sich schon an dem Maßstab der Praxis messen lassen. Ich darf Sie daran erinnern, dass Marx in der 11. These über Feuerbach konstatiert: "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt drauf an sie zu verändern.“ Und über 170 Jahre später wollen wir es wieder beim theoretischen Lamentieren belassen? Dass sich Ökonomen über eine Limitierung persönlichen Eigentums Gedanken machen, ist ja schön und gut, aber man kann Zizeks Auftritt schlecht daran messen, was andere erarbeiten, aber was er nicht selbst dargestellt hat.

Im Übrigen hat man im Westen durchaus Erfahrung in der Vergesellschaftung von Unternehmen. Man kann auch heute darüber diskutieren, wann und wo solche Maßnahmen gerechtfertigt sein könnten. Aber zu glauben, man könne irgendwelche Phantastereien wiederbeleben, die sich im 20. Jahrhundert mehr als einmal als solche entpuppt haben, ist grober Unfug. Als ob es keine Alternative gäbe zwischen Marktradikalismus und Marximus...

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