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Pianist Krystian Zimerman: Wegen Handyfilmer Konzert unterbrochen
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Wegen YouTube-Filmen habe er schon Plattenprojekte verloren, klagte der Pianist Krystian Zimerman am Montag bei einem Konzertabend in der Essener Philharmonie. Dort filmte ein Zuschauer mit seinem Smartphone. Der polnische Klaviervirtuose unterbrach verärgert seinen Auftritt.

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kaynchill 04.06.2013, 10:13
30. Modernisierung

Ein Großteil der vor allem jungen Musiker stellen ihre Songs auf YouTube zusammen mit einem ITunes-Link. Trotzdem werden sie immer erfolgreicher.
Man muss mit der Zeit gehen, versuchen das System social-network zu verstehen.

YouTube verhindert auf jeden Fall Plattenverkäufe. Allerdings steigert YouTube die eigene Popularität ungemein.
Jedes Video kann geteilt werden, erreicht so viel mehr Menschen von denen einige dazu bereit sind Geld für den Künstler auszugeben. Kauft man sich eine CD im Geschäft erreicht sie nur mich alleine und vll mal jemanden der zu Besuch kommt und die CD hört.

Durch YT und FB habe ich eine unglaubliche Vielzahl an tollen Künstlern kennen gelernt von denen ich sonst nie etwas gehört hätte. Einige finde ich sogar so gut dass ich mir bereits Alben und Konzerttickets gekauft habe.

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^°^nagumo^°^ 04.06.2013, 10:13
31. mimimi

Zum Glueck liegen auf Brahms, Rachmaninow und Liszt keine Urheberrechte mehr, denn dann wuerde der Arme ja gar kein Geld mehr verdienen.... Was fuer ein bullshit und welch hochgradige Doppelmoral

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HerrStahl 04.06.2013, 10:13
32. optional

Der gute Mann will uns also erzählen das Liebhbaber klassischer Musik ihm absagen weil es auf Youtube verwackelte Handyvideos samt schlechtem Sound von ihm gibt?
Ich bin wahrlich kein Fan von dem was Menschen heute alles mit ihren Handys machen aber das klingt doch sehr nach Diva.

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founder 04.06.2013, 10:17
33. Verfall der Kultur

1974 kaufte ich meine erste HIFI Anlage.

Wochenlang war ich mit dem Fahrrad in Wien unterwegs von Geschäft zu Geschäft. Es sollte mit meinen begrenzten Budget als Schüler die bestmögliche HIFI Anlage werden.

Ich lernte alle Fachbegriffe in deutsch und englich.

Signal to Noise, Rumpen A und B, Wow and Flutter, Frequenzgang, Klirrfaktor und zahlreiche andere Begriffe die mit Abweichungen der Musikwiedergabe vom Orginal zu tun haben.

Und heute soll ein Handymitschnitt aus dem Publikum ein Ersatz für hochwertige Aufnahmetechnik sein?

Für jemand der das HIFI Zeitalter der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts miterlebt hat kann dies nur als der totale Kulturverfall bezeichnet werden.

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Mart-73 04.06.2013, 10:19
34.

Sehr richtig! Wie bitte kann ich ein Konzert genießen wenn ich mich durch mein Handy ablenken lasse? Ein typisches Phänomen der heutigen Zeit wo es immer mehr Menschen schwer fällt sich einer Sache voll und ganz zu widmen. Lehrling in allem, Meister in nichts.

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smithyk 04.06.2013, 10:21
35. Der Filmer hat ja eigene Zeit und eigenen Strom verwendet ...

ich bin selbst Musikerin im Nebenberuf. Gerade dem Internet und Videoportalen wie Vimeo, Youtube oder Portalen wie Bandcamp und dergleichen habe ich überhaupt zu verdanken, dass ich bekannt wurde und überhaupt etwas mit meiner Musik einnehme. Meine Einnahmen stammen übrigens zum größten Teil nicht aus Verkäufen von Musikdateien (kein Wunder, denn das alleinige Anhören von Musik bringt ja niemanden einen Mehrwert). Das meiste Geld nehme ich ein, weil mich Leute fragen: Wie hast Du das gemacht? Daher gebe ich Unterricht im Sounddesign, Mischen, Mastern, Arrangieren, Softwareeinsatz und Gesangsunterricht. Das sind die Dinge, die anderen Menschen einen Mehrwert bringen und wofür andere bereit sind zu zahlen. Zum Vergleich: Für den Verkauf einer Audiodatei bekomme ich ein paar Cent, für eine Gesangsstunde dagegen bekomme ich 30 Euro.

Die Musikindustrie steht vor einer ähnlichen Umwälzung wie die Droschkenkutscherei bei der Erfindung des Automobils oder der Beruf der technischen Zeichner bei der Einführung von CAD-Systemen. Es ist an der Musikindustrie und auch an den Musikern, sich anzupassen. In Zukunft werden vielleicht nicht mehr so viele Musiker gebraucht werden, die müssen sich eben wie überflüssige technische Zeichner weiterbilden oder sich einen anderen Job suchen.

Ich jedenfalls verdiene als Musikerin dank dem Internet sehr gut, sogar mehr als in meinem Hauptberuf.

Das Internet sorgt eher dafür, dass der überlaufene Musikmarkt bereinigt wird. Es sind die inkompetenten Leute, die Angst haben müssen. Kompetente Musiker dagegen werden das Internet für sich nutzen und ihr Geschäftsmodell ändern. Inkompetente Musiker sind auf den reinen Verkauf von Audiodateien angewiesen. Denen schwimmen jetzt die Felle davon. Kompetente Musiker, die wirklich Ahnung von Musik haben verlagern ihren Tätigkeitsschwerpunkt auf das Teilen ihrer Fähigkeiten in der Form von bezahltem Unterricht.

In der digitalen Zeit verdient man mit Teilen - nicht mit Einschränken. Die Verbreitung im Internet bestimmt den Marktwert eines Musiker, bringt aber kein oder nur wenig Einkommen. Das Einkommen entsteht da, wo etwas nicht elektronisch substituiert werden kann: Unterricht, sei es in Musikinstrumenten, Gesang, Arrangieren, Softwareeinsatz usw. Je prominenter ein Musiker im Internet ist, desto eher wird er nachgefragt, desto mehr Geld kann er für Unterricht verlangen.

Im Übrigen habe ich vor einem halben Jahr eine Sammlung mit Presets veröffentlicht. Das sind Einstellungen für einen Softwaresynthesizer. Das kann man derzeit schlecht kopieren, weil es über die Hauptanwendung registriert wird .Und den Leuten bringen meine Presets einen echten Mehrwert, dafür zahlen sie gerne 98 Euro pro Nutzungslizenz. Andernfalls müssten sie selbst stunden- und tagelang experimentieren oder sie wären mangels wenig ausgebildetem Gehör garnicht in der Lage bestimmte Sounds einzustellen.

Musiker, die sich nicht auf die neue Technik einstellen sind wie technische Zeichner in den 1980ger Jahren, die auch im CAD-Zeitalter darauf beharren auf Papier zu zeichnen. Das Internet trennt hier nur die Spreu vom Weizen. Mehr nicht!

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Peter Werner 04.06.2013, 10:22
36.

Ich stimme Hr. Zimerman zu. Es ist eine Respektlosigkeit gegenüber dem Publikum sowie dem Künstler, während der Vorstellung mit dem Mobiltelefon rumzufummeln. Sogar nach ausdrücklicher Aufforderung des Künstlers wurde nicht damit aufgehört.
Wenn ein Süchtiger (anders kann ich dies schon fast nicht bezeichnen) unbedingt dauerhaft an seinem Telefon rumspielen muss, so soll er dies bitte nicht in einem klassischen Konzert tun.
Kinderstube = 0.

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ucnet 04.06.2013, 10:23
37. ein Handy?

Ich besuchte vor kurzem ein Pink Konzert in Dortmund. Ungefähr 15000 Zuschauern haben mit geschätzt 14500 Handys/Fotoapparate und Filmkameras jede noch so kleine Bewegung Ihres Stars digital festgehalten. Und wofür? Für miese Filmaufnahmen mit noch schlechterem Ton. Ich persönlich bin der Meinung das die Veranstalter das stärker kontrollieren sollten. Es ist ja eine Sache mit der Verletzung des Urheberrechtes aber viel schlimmer ist, dass es total die Atmosphäre eines Konzertes zerstört.

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Eva K. 04.06.2013, 10:24
38. Kunst ist Ware

Zitat von cthullhu
Frage an den Pianisten: Machen Sie Kunst - oder machen Sie Geld? Machen Sie Musik oder machen Sie Konsumgut?
Beides! Er macht Geld mit Kunst, er serviert Musik als Konsumgut. Von Idealen, Luft und Liebe lebt es sich nun mal schlecht, auch wenn sich das kleine Fritzchen in einem Anfall von Romantik das Künstlerdasein so vorstellt - vieleicht noch mit etwas Husten und Blut im weißen Taschentuch.

Die Konzertbesucher zahlen Eintritt und konsumieren. Musik dient nicht nur dem Kunstgenuß abgehobener Zeitgenossen aus dem ästherischen Wolkenkuckucksheim, sondern war immer schon profanes Konsumgut. Oder dachten Sie, Mozart, Händel und Co. hätten für künstlerische Ehren und einen warmen Händedruck komponiert und musiziert?

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Incubus6 04.06.2013, 10:25
39.

Wichtigtuer

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