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PID-Debatte bei "Hart aber fair": Tiefschläge im Namen des Lebens

Selten wurde bei "Hart aber fair" so hitzig debattiert: Theologe gegen Theologe, Politikerin gegen Mutter, und mitten drin Schlagerbarde Guildo Horn. Es ging um die umstrittene Präimplantationsdiagnostik, um Fehlgeburten und das Recht auf Leben. Talkshow und Moral - passt das überhaupt zusammen?

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Gottes-Gehörgang 30.06.2011, 10:40
10. Typisch Deutsch

Habe die Diskussion verfolgt - typisch deutsche Prinzipienreiterei von Seiten der Moralisten. In anderen Ländern um uns herum, gehört die PID ja längst zum Alltag. Deswegen werden unsere Mütter für PID ins Ausland gehen, wenn der Bundestag wider normaler Pragmatik den Ausstieg aus der PID beschliesst. Ähnlich ideologisch überfrachtete Glaubensdiskussionen gibt es in Deutschland aber immer wieder. Das gehört zum Deutschen, wie die Kehrwoche zu Schwaben: Prinzipiendemonstrationen wegen ein paar Jahren Atomkraftwerken länger, wo rings um uns die Dinger weiter gebaut werden - und eben genauso mit der PID.

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zickezackehoihoihoi 30.06.2011, 10:52
11. Ein...

Zitat von sysop
Selten wurde bei "Hart aber fair" so hitzig debattiert: Theologe gegen Theologe, Politikerin gegen Mutter, und mitten drin Schlagerbarde Guildo Horn. Es ging um die umstrittene Präimplantationsdiagnostik, um Fehlgeburten und das Recht auf Leben. Talkshow und Moral - passt das überhaupt zusammen?
...bisschen schade fand ich in der Sendung, dass sich die Frau, die durch PID letztlich ein gesundes Kind zur Welt gebracht hat, ziemlich um Kopf und Kragen geredet hat. Tendenziell befürworte ich die PID, denn auf der anderen Seite gibt es ja die vielzitierte Möglichkeit bis kurz vor der Entbindung abzutreiben, bis zur 12. Woche sogar im Wesentlichen ohne Begründung. Da liegt schon einiges im Argen. Nur leider hat die gute Frau im Wesentlichen so argumentiert, dass Sie am Ende wie eine egoistische, laute Nervensäge rüberkam, ich hoffe (und denke) dass Sie nicht repräsentativ für derartige Fälle ist. Weil zudem Herr Hintze nur rumgeschriehen und dieser Arzt ständig nur den Kopf geschüttelt hat, konnte man zum Ende hin richtig ins Grübeln kommen.

Wer so tut, als gäbe es bei dieser Frage ein Richtig oder Falsch, hat m.E. nicht verstanden, um was es geht. Denn moralisch gesehen ist das ganze Thema schon problematisch. Ich würde das ungern entscheiden wollen.

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tanni95 30.06.2011, 10:54
12. Sicherlich....

Zitat von leser_81
Mal ganz abgesehen von dem Thema der Sendung ! Was macht bitteschon "Schlagerbarde Guildo Horn" bei dieser Debatte? Viele kennen "Unseren Guildo" doch nur noch im Zusammenhang mit Nussecken oder mit dem schwachsinn Song "Pip Pip Pip Guildo hat euch lieb". Ich denke der Typ kann zu dem Thema ungefär soviel erzählen wie eine Kuh vom Eier legen. Ich denke mit solchen Kanidaten disqualifiziert sich die Talksendug bei vielen Zuschauern von selbst.
...Der breiten Masse ist Guildo Horn nur als schräger Klamauksänger bekannt. Aber er hat in seinem Leben schon viel mit Behinderten Menschen zusammengearbeitet, daher kann er zum Thema sicherlich etwas sagen. (Vorher informieren, bevor man schreibt).

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mbschmid 30.06.2011, 10:54
13. Nieder mit der Moral

Zitat von Organic
Wer irgendein Verbot einfordert, soll endlich einmal wissenschaftlich belegen, dass hierdurch massiv Leid verhindert wird. Würde diese Regel beherzigt, dann: 1: Würden sich viele Moraldiskussionen erübrigen. 2: Könnten viele Verbote aufgehoben werden.
Vor allem Moraldiskussionen versetzen mich immer wieder in Panik. Ich fühle mich gar nicht sicher, wenn mich jemand nur deshalb nicht umbringt, weil es ihm irgendein Gott verboten hat. Die Konsequenz ist dann, dass dieser Mensch sich auf den Standpunkt stellt: "Nein, ich helfe dir nicht beim sterben. Ich lass dich mit Schmerzen verrecken. Gott will es so." Ich gehe so weit und fordere von den Moralisten und Gottgläubigen, dass sie mir belegen sollen, dass ihre sogenannte Ethik nicht zu mehr Leiden führt, und wenn es das tut - weg damit! Das verbot der PID kann sicher nur Leiden schaffen, aber keins verhindern. Also - weg damit!

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Jausepriester 30.06.2011, 10:54
14. .

Zitat von leser_81
Mal ganz abgesehen von dem Thema der Sendung ! Was macht bitteschon "Schlagerbarde Guildo Horn" bei dieser Debatte? Viele kennen "Unseren Guildo" doch nur noch im Zusammenhang mit Nussecken oder mit dem .....
Naja, Guildo Horn hat meiner Meinung nach einen sehr entscheidenden Aspekt in die Diskussion eingebracht, dass behinderte Menschen in unserer Gesellschaft eine sehr wichtige Rolle spielen und es wünschenswert ist die Gesellschaft durch diese zu bereichern und nicht (weiter) zu selektieren.
Leider glänzte Herr Horn ansonsten nur mit sehr viel Nichtwissen und dem Thema unangemessenem Klamauk.

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coriolanus 30.06.2011, 10:54
15. Hintze in Hitze

Zitat von sysop
Selten wurde bei "Hart aber fair" so hitzig debattiert: Theologe gegen Theologe, Politikerin gegen Mutter, und mitten drin Schlagerbarde Guildo Horn. Es ging um die umstrittene Präimplantationsdiagnostik, um Fehlgeburten und das Recht auf Leben. Talkshow und Moral - passt das überhaupt zusammen?
Der Mann hat Recht. Man kann sich vom Staat nicht auch noch das Leben verordnen lassen. Daß die Exgesundheitsfrau aus Aachen vom vormundschaftlichen Staat träumt, hat sie wieder einmal unter Beweis gestellt.
Die Natur ist verschwenderisch. Die Zahl der männlichen Samen, die im Laufe eines zeugungsfähigen Lebens nicht zum Zuge kommen, wage ich gar nicht zu schätzen. Die Zahl der weiblichen Eizellen geht in die Hunderte. Kombinierte man die Zeugungsmöglichkeiten miteinander, käme eine ganze Menschheit von mehreren Milliarden heraus. Tatsächlich setzt die Durchschnittsfrau in Deutschland gerade einmal 1,3 Kinder in die Welt. Das ist Generalselektion.
Diskutiert wurde Spezialselektion. Die härteste Spezialselektion ist Abtreibung. 110.000 abgetriebene Föten auf rund 700.000 Geburten, das ist Faktor 7 zu 1. Ein Toter auf sieben, die lebend durchkommen.
Egal, wie man zur Abtreibung steht, die PID-Debatte scheint mir auf diesem Hintergrund an den Haaren herbei gezogen.
Ein Blick ins benachbarte Ausland zudem lehrt, daß wir das Ei des Columbus nicht neu erfinden müssen.

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steve3000 30.06.2011, 10:56
16. ...

Zitat von leser_81
Was macht bitteschon "Schlagerbarde Guildo Horn" bei dieser Debatte? Viele kennen "Unseren Guildo" doch nur noch im Zusammenhang mit Nussecken oder mit dem schwachsinn Song "Pip Pip Pip Guildo hat euch lieb". Ich denke der Typ kann zu dem Thema ungefär soviel erzählen wie eine Kuh vom Eier legen.
Dann hätten Sie ihm a) vielleicht einmal besser zugehört und sich b) darüber informiert, daß der Mann auch Musiktherapeut ist und in der TV-Sendung "Guildo und seine Gäste" mit Behinderten arbeitete - und um behinderte Kinder ging es bei diesem Thema ja auch in besonderem Maße.

http://de.wikipedia.org/wiki/Guildo_...A4ste.E2.80.9C

Eine bemerkenswerte Sendung, in der keine "Freaks" ausgestellt wurden, sondern Behinderte ganz normal zu Wort kamen. Aber wenn man sich freilich nur an Äußerlichkeiten von Herr Horn, irgendwelchen Nußecken oder albernen Songs hochzieht, dann sind solche Hintergrundinformationen offensichtlich unerreichbar, auch wenn sie nur ein paar Mausklicks entfernt liegen.

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bicyclerepairmen 30.06.2011, 11:00
17. ..

Zitat von Florian Geyer
Lieber Redakteur, liebe Spiegel-Online Redaktion, ihr Beitrag enthält einen sachlichen schweren Fehler, den Sie bitte korrigieren wollen. Die Mutter bekam auf ihre Frage was sie denn sonst nach 3 Fehlgeburten hätte machen sollen, als Antwort von Bischof Huber kein Achselzucken sondern eine klare Aussage: "Ein Kind adoptieren"
Ja, und jeder der nach 3 Fehlgeburten und evtl. "schon" Ende 30 ist weiß wie völlig Weltfremd (weil Aussichtslos) so eine Aussage ist....

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juemue 30.06.2011, 11:02
18. Gedankenexperiment nicht verstanden

Zitat von rewerb
aber von so einem blödsinnigen Vergleich kann sich auch nur wieder die Familienministerin überzeugen lassen. Ein Baby nimmt die Welt wahr, hat Schmerzen, ein paar befruchtete Eizellen nicht. Klar würde jeder das Baby mitnehmen, aber das heißt doch im Gegenschluß nicht, daß so ein Embryo nichts wert ist. Auch Rettungskräfte müssen bei schweren Katatsrophen eine Auswahl treffen, welchen Personen zunächst geholfen wird. Ja, da gibt es Kriterien nach denen dann entschieden wird. das heißt aber nicht, daß die anderen Opfer weniger Wert sind.
Mag ja sein, dass Sie die Familienministerin nicht mögen, aber das sollte in dieser Debatte nun wirklich keine Rolle spielen. Offensichtlich haben Sie das Gedankenexperiment nicht verstanden.

Niemand hat gesagt, dass die Embyonen nichts wert sind. Es geht darum, ob man einen ethnischen Unterschied macht zwischen einem bereits existierenden oder in sich in der Entwicklung befindendem Leben und Achtzellern (wir reden hier nicht von Embryonen mit Kopf, Hand, Fuß) in einer Petri-Schale. Achtzellern, die in dieser Petri-Schale auch nie zum Menschen werden würden, sondern erst durch die Nidation diese Entwicklung durchreiten können.

Wenn man diesen Unterschied nicht macht, müßte man im Übrigen auch unterschiedliche andere Nidationshemmer verbieten (bestimmte Formen der Spirale etc.) Das macht man nicht, darüber wird nicht einmal diskutiert. Warum nicht?

Das Absurde ist doch: Keiner Frau werden alle Achtzeller aus der Petri-Schale eingepflanzt. Jede Frau kann heute schon frei wählen, welche der Embryonen sie sich einpflanzen möchte. Sie kann dafür eine Wahrsagerin fragen, würfeln oder die Frage auspendeln. Sie kann aber nicht ihren Arzt fragen, ob einer der Embryonen das selbe tödliche Gen in sich trägt, welches schon zuvor dafür gesorft hat, dass sie zwei Todgeburten erleiden mußte.

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mundi 30.06.2011, 11:03
19. täglich werden 3 potentielle Schulklassen abgetrieben!

Zitat von Florian Geyer
.... Gleichwohl bin auch ich für eine begrenzte PID um vollkommen zurecht, wie Hintze das auch sagt, spätere Abtreibungen zu vermeiden. Natürlich ist ein Embryo kein "Zellklumpen" aber es ist ethisch eher zu vertreten, Embryonen "auszusortieren" wie spätere Abtreibungen am ungeborenen werdenden Menschen vorzunehmen.
Bei dieser Vorgeschichte würde ich akzeptieren, dass bei dieser Frau eine PID vorgenommen wird und ihr ein lebensfähige Embryo eingepflanzt wird.
PID, wie bereits schon Ultraschall als Routine, lehne ich strikt ab.
Konsequenterweise lehne ich genauso das Töten behinderte Kinder im Mutterleib ab!
Die PID-Diskussion lenkt nur vom eigentlichen Problem ab: Abtreibung als Geburtenkontrolle oder Konfliktlösung.

Heute höre ich, dass in Deutschland täglich 3 potentielle Schulklassen abgetrieben werden.
Dagegen ist EHEC nur eine Kleinigkeit.

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