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PID-Debatte bei "Hart aber fair": Tiefschläge im Namen des Lebens

Selten wurde bei "Hart aber fair" so hitzig debattiert: Theologe gegen Theologe, Politikerin gegen Mutter, und mitten drin Schlagerbarde Guildo Horn. Es ging um die umstrittene Präimplantationsdiagnostik, um Fehlgeburten und das Recht auf Leben. Talkshow und Moral - passt das überhaupt zusammen?

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Meckermann 30.06.2011, 11:19
30. Selektion

Zitat von kaiserjohannes
Worüber keiner spricht ist die Möglichkeit dass der Staat in Zukunft die PID als Pflichtveranstaltung einführt um gewisse genetische Merkmale innerhalb der Gesellschaft zu züchten oder zu löschen (zB. zur Vermeidung von Krankheiten die das Gesundheitssystem belasten könnten). Hier wird eine Tür geöffnet die durchaus in die Hölle führen kann.
Oder in den Himmel: eine Welt wo alle gesund und die Krankenversicherung billig ist. Ist halt wie mit jeder Technologie - es kommt ganz drauf an, wie man sie nutzt.

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poeticjustice 30.06.2011, 11:20
31. umgekehrt richtig

Zitat von Michael Giertz
Diese Möglichkeiten werden zum einen nur den Reichsten zur Verfügung stehen, d.h. 99% der Menschheit werden nicht die notwendigen Therapien bezahlen können. Die Menschheit würde geteilt in "Optimierte" und "Normalos", und natürlich würde dies zu einer neuen Form der "Rassenlehre" inkl. aller negativen Auswirkungen führen.
Das Gegenteil ist der Fall! Eine einmalige PID wird für Geringverdiener eine finanziell weniger belastende punktuelle Maßnahme sein als eine im späteren Leben zu bezahlende Therapie für nicht verhinderte Krankheiten. Die Welt würde gerechter.

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Tschoeni 30.06.2011, 11:26
32. Pid

Zitat von sysop
Selten wurde bei "Hart aber fair" so hitzig debattiert: Theologe gegen Theologe, Politikerin gegen Mutter, und mitten drin Schlagerbarde Guildo Horn. Es ging um die umstrittene Präimplantationsdiagnostik, um Fehlgeburten und das Recht auf Leben. Talkshow und Moral - passt das überhaupt zusammen?
Bei der Diskussion über solche Themen, haben wir Männer eigentlich wenig zu suchen. Moralisierend stellen wir uns hin und urteilen über Frauen, die z. T. schon mehrere Fehlgeburten hinter sich haben. Oder Frauen sollen dazu gewzungen werden, eine Abtreibung vorzunehmen, obwohl eine schwere Krankheit vorab festgestellt werden könnte.
Und irgendwie ging die Diskussion am Thema vorbei. Ich denke, dass ein Arzt bei der PID lediglich den Ist-Zustand eines Embryos feststellt und die (zukünftige) Mutter über die Risiken informiert. Die weitere Entscheidung trifft dann die Frau selbst. Und ohne ihr diesbezügliches "Ja" endet die Geschichte.

Vielleicht sollte man einmal festhalten, dass sich das Rad des medizinischen Fortschritts nicht zurück drehen lässt. Man kann genetische Präpositionen feststellen und wir sollten uns nicht aus der Verantwortung stehlen. Die Möglichkeiten und Gefahren der PID und fortgeschrittener Schwangerschaftsuntersuchungen sollten in ihrer Bewertung nicht anderen überlassen werden. Vielmehr sollten sie, begleitet von einer kritischen und wachen Gesellschaft, in der Praxis untersucht werden. Eine Gesellschaft muss sich weiter entwickeln dürfen und der medizinische Fortschritt gehört ebenso dazu wie die Wandlung der vorherrschenden Moralvorstellungen.

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augu 30.06.2011, 11:28
33. Sind die PID-Gegner dazu bereit und fähig ?

PID soll verhindern, dass schwerstbehinderte Kinder (nach künstlicher Befruchtung) geboren werden, die von ihren Eltern ein Leben lang intensiv betreut werden müssen (mit allen Folgen für die eigene Lebensführung). Ich habe starke Zweifel, ob viele PID-Gegner diese schwere Aufgabe meistern können und wollen. Über eine Entscheidung, von deren Folge man persönlich nicht betroffen werden kann, lässt sich trefflich moralisch diskutieren.

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Asirdahan 30.06.2011, 11:29
34. ohne

Die Medizin ist nicht nur aufgerufen, Krankheiten zu heilen, sondern sie auch, wenn möglich, zu verhindern. Gottseidank gelingt das dank unseres medizinischen Fortschritts immer besser. Offensichtlich werden die überzähligen Embryonen ohnehin verworfen, weshalb sollte man dann nicht die gesunden wählen? Alles andere wäre doch völlig weltfremd. Ein behindertes Kind darf in unserer Gesellschaft nicht als unwert angesehen werden, das ist doch völlig klar. Wer ein behindertes Kind auf die Welt bringt, wird es lieben oder nicht lieben, das hängt von den Eltern ab. Aber wer wird schon sagen, ich möchte lieber ein behindertes Kind als ein gesundes? Es wäre doch weltfremd, eine Methode abzulehnen, die verhindert, dass ein krankes Kind auf die Welt kommt. Das sehe ich nicht nur für behinderte Kinder so, sondern auch, falls das möglich ist, für andere Krankheiten. Die Menschheit wird ohnehin von tausend Übeln heimgesucht, da ist es doch ein Lichtblick, dass man hier ein wenig eingreifen kann.
Es gibt tausend Gründe, weshalb das eine oder andere Kind nie auf die Welt kommen wird, solche Begründungen sind lächerlich.
Ich wundere mich immer wieder, wie die moralische Debatte ausgerechnet dann hochkocht, wenn es um Linderung von Schmerzen und Vermeiden von Krankheiten geht, also um etwas Gutes, und wie den Tausenden von Kollateralschäden in Kriegen mit einem Achselzucken begegnet wird.

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mbschmid 30.06.2011, 11:29
35. Ja, die Probleme bestehen.

Zitat von Michael Giertz
....Nur: kann das die Menschheit wollen? Diese Möglichkeiten werden zum einen nur den Reichsten zur Verfügung stehen, d.h. 99% der Menschheit werden nicht die notwendigen Therapien bezahlen können. Die Menschheit würde geteilt in "Optimierte" und "Normalos", und natürlich würde dies zu einer neuen Form der "Rassenlehre" inkl. aller negativen Auswirkungen führen. Oder um es kurz zu machen: ohne eine starke ethische Veränderung im Kopf der Menschheit sollte es die genannte DNS-Optimierung nicht geben.
Die Gefahr besteht, dass dann irgendwann, wenn ein Teil der Menschheit sich Optimierung leisten kann und der grössere Teil nicht, wirklich zwei Rassen entstehen, bei der die eine überlegen ist. Das sind Dinge, die gar nicht lustig wäre. Aber davon sind wir wenn es darum geht, ein Kind mit blonden Haaren zu bekommen, weit entfernt und ich kann jetzt an einem Kind mit blonden Haaren nicht verwerfliches finden, auch wenn dadurch eins weniger mit braunen Harren geboren wurde. Es geht darum die wirklich schrecklichen Sachen frühzeitig zu verhundern und das sollte doch möglich sein.

Zitat von Michael Giertz
... ABER: bevor die Menschheit sich ethisch nicht weiterentwickelt, Reichtums- und Machtstreben abgelegt hat - NEIN. Keine DNS-Optimierung. Das letzte, was die Menschheit braucht sind neue "Übermenschen" mit einer den Nazis ähnlichen "Ethik" ...
Ja, auf die ethische Entwicklung können wir wohl lange warten. Aber genau bei diesem Beispiel sehen wir doch, dass es darum geht, sich zu fragen, was tut wer zu welchem Zweck. Niemand wird die Herstellung von Messern verbieten wollen, weil man mit Messern morden kann. Wenn natürlich ein Staat hin ginge und quasi sein Klon-Armee à la Star Wars aufstellen will, dann macht dieser Staat ähnliches, wie wenn er Atimwaffen produziert. Das muss natürlich verhindert werden. Doch würde das nicht grundsätzlich gegen jeden Eingriff in den genetischen Code sprechen.

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Shayanya 30.06.2011, 11:30
36. Titellos glücklich

Zitat von taubenvergifter
Wer glaubt, dass er, wenn diese Tür einen Spalt weit geöffnet wird, die Entwicklung hin zum wunschgemäß designten Baby noch stoppen kann, dem ist nicht mehr zu helfen. Wenn auf dem natürlichen Wege der Kinderwunsch nicht zu erfüllen ist, bzw. nicht mit der vermeintlichen Garantie, dass dies gesund zur Welt kommt, bleibt beispielsweise noch die Adoption. Da diese Eltern, die potentielle Babies aussortieren, weil sie ggf. krank oder nicht im gewünschten Zustand zur Welt kommen, ein klares Statement abgeben, wäre es interessant zu wissen, wie sie mit dem Kind umgehen, wenn es dann doch nicht völlig gesund ist oder ggf. Behinderungen erst später offenbar werden. Allein schon Prozeduren wie die Fruchtwasseruntersuchung zur Feststellung eventueller Behinderungen sind ein groteskes Schauspiel, weil sie das Baby gefährdet und nur einen Bruchteil der möglichen Behinderungen aufzeigt. Aber nicht wenige Mediziner machen ja heute alles, was Geld bringt. Eben auch bald die Bausatz-Babies.
Dem kann ich nur zustimmen. Meine Frauenärztin hat mir zur Vorsorge ebenso Fruchtwasseruntersuchungen nahegelegt. Ich habe abgelehnt, weil erstens die Ergebnisse einer solchen Untersuchung nur auf Wahrscheinlichkeiten basieren (20% Wahrscheinlichkeit, ein Kind mit Down-Syndrom zur Welt zu bringen....) und zweitens: Was soll ich mit einer derartigen Information, wenn ich das Kind sowieso nicht abtreiben würde? Soll ich mich für die restlichen x Monate verrückt machen, ob mein Kind behindert ist? Nur um dann festzustellen, dass es gesund ist? Nein. Und selbst wenn es behindert wäre: Klar wäre das ein Einschnitt, aber, hey, auch das ist Leben, das schützenswert ist. Ultraschall, um den allgemeinen Gesundheitszustand des Kindes festzustellen, ist ja noch in Ordnung, nicht aber, um Nackenfalten zu vermessen oder Augenabstände oder weiss ich was da noch alles getrieben wird.

Es ist schlimm für Frauen, die immer wieder Fehlgeburten erleiden oder aufgrund von schweren genetischen Defekten keine gesunden Kinder bekommen können, gar keine Frage. Man muss sich jedoch die Frage stellen, ob gerade Frauen mit genetischen Defekten sich überhaupt einen Gedanken darüber gemacht haben, was wohl mit ihrer Existenz wäre, wenn zum Zeitpunkt ihrer Empfängnis schon eine PID möglich gewesen wäre. Dann wären sie vielleicht selbst aussortiert worden...

Ich bin nicht grundsätzlich gegen eine künstliche Befruchtung. Nur dagegen, Frauen, die sich für eine solche Behandlung entscheiden, andere Rechte einzuräumen als jenen, die die Kinder auf natürlichem Wege empfangen und sich im Vorfeld auch nicht aussuchen können, welches Spermium nun die Eizelle befruchten soll.

Grüße,
Shayanya

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mars444 30.06.2011, 11:31
37. Was, wenn Versicherungen PID verlangen

Die Frage, ob 10 Embryonen oder 1 Baby gerettet werden sollen, erinnert mich doch sehr an die Fragen an Wehrdienstverweigerer. Wenn es nicht 10 Embryonen wären, sondern 1 Baby, 1 30jähriger und 1 80jährige. Wie würden sie denn dann die Frage beantworten, wer zu retten sei. Solche Fragen können nach belieben konstruiert werden und helfen in meinen Augen nur sehr bedingt weiter.

Es wird außerdem gerne unterstellt, alle Diskutanten würden moralisch geleitet sein. Das ist sicher mitnichten so.

Was in dieser Debatte kaum berücksichtigt wird, ist das wirtschaftliche Interesse von Teilen der Ärzteschaft und möglicherweise zukünftig von Versicherungsgesellschaften.

Schon heute tun sich Menschen mit BEKANNTEN Vorerkrankungen schwer eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Lebensversicherung abzuschließen. Wer schützt uns denn vor dem "berechtigten" Interesse von großen Versicherungskonzernen, wenn sie zukünftig bestimmte Erberkrankungen vom Versicherungsschutz ausschließen, weil man dies ja vorher hätte feststellen bzw. verhindern können.

Es mag doch kaum einer glauben, dass sich multinationale Konzerne da wahrhaft bremsen lassen.

Im Übrigen ist Evolution nicht immer ein Fortschritt im positiven Sinne, sondern kann auch Degeneration bedeuten.

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Gottes-Gehörgang 30.06.2011, 11:31
38. Unsozial

Zitat von Michael Giertz
ABER: bevor die Menschheit sich ethisch nicht weiterentwickelt, Reichtums- und Machtstreben abgelegt hat - NEIN. Keine DNS-Optimierung. Das letzte, was die Menschheit braucht sind neue "Übermenschen" mit einer den Nazis ähnlichen "Ethik" ...
Klingt wohltönend. Aber in der Welt um uns herum gehört das schon zum Alltag - und alles ohne deutsche Nazis. England Brustkrebsausschluss, Spanien:Rettungsgeschwister ,USA: Geschlechtswahl.
Und das Kuriose ist, mit einem PID-Verbot in Deutschland würde die scheinheilige Unsozialität zementiert.
Denn vorrangig nur Wohlhabende könnten sich dann im Ausland eine PID leisten - die Scheinheiligkeit deutscher Ethik-Prinzipienreiter wäre damit ins Unsoziale ausgehebelt.

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tutzt 30.06.2011, 11:32
39. ...

Zitat von mundi
Bei dieser Vorgeschichte würde ich akzeptieren, dass bei dieser Frau eine PID vorgenommen wird und ihr ein lebensfähige Embryo eingepflanzt wird. PID, wie bereits schon Ultraschall als Routine, lehne ich strikt ab. Konsequenterweise lehne ich genauso das Töten behinderte Kinder im Mutterleib ab! Die PID-Diskussion lenkt nur vom eigentlichen Problem ab: Abtreibung als Geburtenkontrolle oder Konfliktlösung. Heute höre ich, dass in Deutschland 3 potentielle Schulklassen abgetrieben werden. Dagegen ist EHEC nur eine Kleinigkeit.
Leicht lässt es sich moralisieren und mit dem Finger wedeln, wenn man selbst kein Betroffener der Thematik ist - wie eben die katholische Kirche. Müssen die halt sehen, wie sie mit einem (schwerst)behindertem Kind klarkommen, wen interessiert schon das Leben von Eltern und Geschwistern, es geht immerhin um, ja um was eigentlich? Achja: Ums Prinzip, so!

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