Forum: Kultur
Politische Kritik in Israel: Unabhängig um jeden Preis
AP

Weil das Museum on the Seam nicht vom israelischen Staat gefördert wird, kann es auch regierungskritisch sein. Doch die Unabhängigkeit steht auf dem Spiel - das Haus hat Probleme, Geldgeber zu finden.

0x8000 11.06.2017, 17:24
1. Lieber Spiegel,

ich zweifle zunehmend an der Qualität der Berichterstattung. So ist dieser Artikel mit folgenden Worten überschrieben: "Politische Kritik in Israel / Unabhängig um jeden Preis". Danach würde ich erwarten, es ginge ganz allgemein um politische Kritik. Die Überschrift ist allzu reissererisch.
Später schreiben Sie: "Es ist unabhängig vom Staat, weil es keine Gelder von ihm bekommt." Dieser Satz ist etwas merkwürdig, weil sie damit implizieren, hier ginge es um etwas Besonderes. Dabei ist die Feststellung eine Platitüde für demokratische Staaten.
Kommen wir hierzu: "Weil das Museum on the Seam unabhängig ist, kann es auch regierungskritisch sein. Dass es aber gerade solche Einrichtungen in Israel immer wieder schwer haben, zeigte zuletzt Außenminister Gabriels Besuch: Weil er sich mit den Menschenrechtsorganisationen Breaking the Silence und B'Tselem treffen wollte, hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sein Treffen mit Gabriel abgesagt."
Dass es ein privat finanziertes Museum leichter hat, regierungskritisch zu sein, ist erneut eine Selbstverständlicheit für demokratische Staaten. Warum wird es hier wiederholt? Ferner ist nicht ersichtlich, welche Beziehung zwischen dem Museum und den Organisationen Breaking the Silence und B'Tselem besteht. Der Außenminister wollte mit Vertretern der Organisationen sprechen, auch wenn dies insbesondere im Fall von Breaking the Silence ein direkter Affront nicht nur gegen die israelische Regierung, sondern auch die Stimmung in Israel war, angesichts der Einbettung seines Besuchs in zwei hohe Feiertage, an denen auch den Opfern in den Streikräften gedacht wird. Man kann es bedauern, dass es zu diesem Treffen nicht kam. Man kann aus der Absage des Gabriel-Besuchs aber nicht schließen, dass es solche Einrichtungen "schwer haben". Der argumentatorische Zusammenhang ist einfach nicht gegeben. Nebenbei darf ich anmerken, dass Herr Gabriel bei seinem Besuch im Iran offenkundig keine Vertreter der Opposition treffen wollte, aber kein Problem hatte, einem Holocaust-Leugner die Hand zu schütteln. Ich würde sagen, diese Tatsache hat ein größeres Skandal-Potential.
Weiter schreiben Sie:"Dabei ist das Museum gerade jetzt wichtig. Der Friedensprozess zwischen Palästinensern und Israelis ist zum Erliegen gekommen. Stattdessen werden die Perspektiven von vielen auf beiden Seiten immer extremer."

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0x8000 11.06.2017, 17:24
2. Forsetzung

Was die derzeitigen Vertreter von Hamas und Hisbollah angeht: Deren Perspektive hat sich nicht geändert: Sie möchten die Juden noch immer ins Meer treiben. Was die Fatah angeht: Sie zahlte aus Geldern der PA, also internationalen Zuwendungen, in 2016 160 Mio EUR an die Inhaftierte Palästinenser und die Familien von Selbstmordattentätern (siehe ARD), soweit diese sich nur am "palästinensischen Widerstand" gegen Israel beteiligt hätten. Mit anderen Worten: Ein Palästinenser, der einen Israeli niedersticht und dafür zu Recht ins Gefängnis kommt, erhält eine Prämie über viele Jahre. Dass Terrorismus in dieser Weise belohnt wird, dürfte auf der Welt einmalig sein. Dass der Friedensprozess um Erliegen gekommen ist, ist äußerst bedauerlich, hat aber seine Ursachen vor allem in den Forderungen der palästinensischen Seite, die mehrfach großzügige israelische Angebote ausgeschlagen hat. Für die Israelis ist die angestrebte Perspektive das Überleben. Von Anbeginn. Mit "extrem" hat das nichts zu tun.

Am Ende wird der Artikel endlich journalistisch:"Wir arbeiten daran, dass das Museum von der Jerusalemer Stadtverwaltung und vom Kulturministerium anerkannt wird." Das Museum on the Seam könnte dann auch finanzielle Unterstützung vom Staat bekommen. Allerdings könnte es mit seinen politischen Themen bei der nationalrechten Kulturministerin Miri Regev nicht gut ankommen. Und dadurch wäre genau das gefährdet, wofür das Museum steht: seine Unabhängigkeit."

Hier haben wir also die Selbstverständlichkeiten: Ein Geldgeber möchte ggfl. an der inhaltlichen Ausrichtung beteiligt sein. In Deutschland ist üblich, dass kulturelle Einrichtungen Fördermittelanträge bei öffentlichen Geldgebern einreichen, die abgelehnt oder bewilligt werden. Das ist die Normalität, und ein Geldgeber wird seine Mittel danach ausreichen, ob die Inhalte für ihn tragbar sind. Und ja: Das Museum könnte Unterstützung durch die öffentliche Hand erhalten. "Politische Kritik in Israel" - Ihre reisserische Aufmachung - ist womöglich gar nicht gefährdet.
Eine Frage beantwortet ihr Bericht nicht: Warum hat das Museum nicht versucht, wie es häufig in Deutschland der Fall ist, einen Förderverein zu gründen?
Ich denke, Sie sollten den Beitrag überarbeiten.

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Faktenanalyse 11.06.2017, 18:52
3.

Sie werfen dem Autoren einseitige Berichterstattung vor, und kommen dann ihrerseits mit Argumenten wie :"Dass der Friedensprozess um Erliegen gekommen ist, ... , hat seine Ursachen vor allem in den Forderungen der palästinensischen Seite, die mehrfach großzügige israelische Angebote ausgeschlagen hat". Das nenne ich Einseitigkeit. Was ist mit der israelischen Besatzung, den illegalen Siedlungen, etc
Der anderen Seite die Schuld zuweisen, ohne eigene Fehler einzusehen. Dieses Schwarz-Weiss Denken hat bis heute eine vernünftige Lösung des Konflikts in Israel verhindert. Von daher sind Einrichtungen wie dieses Museum umso wichtiger, um den Leuten auch andere und vielleicht kontroverse Standpunkte vor Augen zu halten.

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0x8000 11.06.2017, 20:00
4. Liebe Faktenanalyse,

ich argumentiere nicht gegen das Museum. Ich stelle nur fest, dass der Artikel an sich nicht schlüssig ist. Es geht, um mich zu wiederholen, um solche Formulierungen:

"Dass es aber gerade solche Einrichtungen in Israel immer wieder schwer haben, zeigte zuletzt Außenminister Gabriels Besuch: Weil er sich mit den Menschenrechtsorganisationen Breaking the Silence und B'Tselem treffen wollte, hat der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sein Treffen mit Gabriel abgesagt."

Der Außenminister wollte mit Breaking the Silence eine in Israel äußerst umstrittene Organisation besuchen und daraufhin hat Netanjahu Gespräche mit Gabriel abgesagt. Also kam Gabriel gar nicht mehr und besuchte auch nicht mehr die Organisation. Für Breaking the Silence ergab sich also die Absage eines Besuchs, der möglicherweise später nachgeholt werden kann. Warum dies aber bedeutet, dass es das Museum deshalb schwer hat, ist nicht aus dem Text zu erschließen. Es "schwer haben" bedeutet im Deutschen sinngemäß, dass einem beständig Steine in den Weg gelegt werden, dass es also eine dauerhafte Behinderung des eigenen Wirkens gibt. Ist die Organisation durch die Absage des Besuchs des Außenministers in irgendeiner Weise dauerhaft und schwer behindert worden? Nein. Auch das Museum ist nicht dadurch betroffen, dass Sigmar Gabriel nicht kam. Der behauptete Zusammenhang existiert also nicht. Darum geht es.

Sicher, die israelische Besatzung in einem Teil der nach Teilungsplan palästinensischen Gebiete ist Realität. Sie werden sicher wissen, wie diese entstanden ist.

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C. V. Neuves 11.06.2017, 20:28
5. Sinnig

Jede israel-kritische Institution hat Probleme - zumindest in der westlichen Welt. Ich belasse es dabei und verweise auf Vorposter. ich nehme nicht an, das irgendeine sinnvolle Diskussion hier angedacht ist.

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ugt 12.06.2017, 10:37
6. hmmm, was soll man sagen?

1. der Spiegel passt sich immer mehr dem Niveau der breiten Lesermasse an. Das ist eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.
2. Herr Gabriel wollte eine umstrittene Menschenrechtsorganisation besuchen, dass hat dem isr. Staatchef nicht gepasst und daher wollte er nicht mehr mit Gabriel reden. Nun ja, die Reaktion und die nachfolgenden erinnern mich von beiden Seite eher an einen Kindergarten.
3. Das ein Museum vom Staat gefördert auch nur das ausstellen darf was der aktuellen Regierung passt. Kann ich nicht beurteilen ob das so ist oder nicht. Nur im Falle das es so ist fehlt nur noch der Ausdruck "entartete Kunst" . Kenn wir doch.
4. Großzügige Angebote von Seiten des Besatzerstaates kannten die Indianer auch.
5. @0x8000:
Es finden sich immer Menschen, die eine Entschuldigung für Verbrechen finden. Seine es Psychologen die einen Kindermörder entschuldigen oder Freunde einer Regierung / Staates die Völkerrechtsbruch und Kriegsverbrechen entschuldigen.

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wolfgangwies 12.06.2017, 12:09
7. was mich

immer wieder nervt,sind diese klugsch....hier im forum.jeder weiß doch,daß netanjahu sein eigenes süppchen kocht und der rest der welt ihm den buckel runterrutschen kann. ich hoffe,ich bin jetzt kein
antisemit.

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