Forum: Kultur
Politisches Engagement: Perfekt kann man immer noch werden
Jim Urquhart/ REUTERS

Einzelne wie Greta Thunberg verkörpern Bewegungen - doch die Konzentration auf ihre Eigenschaften lenkt von Inhalten ab und hemmt andere in ihrem Engagement. Dabei muss man nicht perfekt sein, um politisch zu handeln.

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Papazaca 08.10.2019, 16:02
1. Greta als Aufreißer für "das nicht perfekt sein müssen?"

Auf diese Logik muß man erst mal kommen: Da schafft ein sechszehnjähriges Mädchen, Millionen weltweit zu mobilisieren. Und da erzählt uns unsere werte Frau Stokowski, das ja niemand perfekt ist. Wie wahr. Und was für eine Argumentation für eine Journalistin, die wie viele Leser erreicht? Und wie viele überzeugt Sie?

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der_Pixelschubser 08.10.2019, 16:07
2. Früher hat sich niemand aufgeregt,...

...dass Altbundeskanzler Helmut Schmidt Angehöriger der Wehrmacht war und von einem Vorgesetzten so beurteilt wurde: „Steht auf dem Boden der nat. soz. Weltanschauung und versteht es, dieses Gedankengut weiterzugeben.“ Das hat Schmidt nie gehindert, sozialdemokratischer Bundeskanzler zu werden und von politischen Freunden wie Gegnern mit großem Respekt behandelt worden zu sein.

Heute versuchen wir auf Teufel-komm-raus einem 16-jährigen Mädchen, das sich mit all seiner Energie für die Rettung unserer Welt einsetzt, den eigenen CO2-Fußabdruck um Ohren zu schlagen, weil sie mal Brötchen aus einer Plastiktüte gegessen hat und mit einem Segelboot (sic!) in die USA reist, anstatt einen Billigflieger zu nutzen.

Weiter so. Ist bestimmt zielführend.

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Actionscript 08.10.2019, 16:13
3. Zwei Dinge wurden vergessen, zu erwähnen,...

...die offensichtlich auch eine grosse Rolle in der Überzeugung spielen und was die Person, die im Mittelpunkt steht wie Greta zB, nicht ändern kann. Das sind das Alter "Och die ist ja so jung, was weiss die schon vom Leben" und das, was einige eine Behinderung nennen. Im Falle von Greta ist das das Asperger Syndrom, mit dem sie besonders von rechts als "krank" bezeichnet wird, um sie nieder zu machen. Hasser finden immer etwas, was sie als "Schwäche" ankreiden, um eine Person runter zu machen. Das Beste ist es, so etwas einfach zu ignorieren oder mit Sarkasmus zu antworten.

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bernhard.geisser 08.10.2019, 16:21
4.

Politischer Misserfolg entsteht nicht, weil man zu wenig perfekt ist oder als nicht perfekt diffamiert wird. Politischer Misserfolg entsteht, wenn man unbequeme Lösungen propagiert. Treibstoff verteuern, Fleisch vom Teller, etc, mit solchen Lösungen kommt man in der Demokratie nicht weit. In der Demokratie bringt das Volk diejenigen Politiker an die Macht, welche das Volk mit bequemen Lösungen versorgen.

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matteo51 08.10.2019, 16:33
5. Perfekt?

Wer stellt den Anspruch, perfekt zu sein, um etwas bewegen zu können? Diese Denke irritiert mich, und gleichzeitig bestätigt sie, was ich so im Umfeld wahrnehme: alles perfekt hinzukriegen, perfektes Leben, perfektes Äusseres, perfekter Job, perfektes Alles.
Das ist aber nicht menschenmässig. Wenn die Mehrheit der Menschen so ist und so bleibt, wird die ERde irgendwann ein perfekt zerstörter Planet sein. Aber er wird perfekt aussehen dabei.

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Igelnatz 08.10.2019, 16:39
6. Kritik annehmen ist Reife

Ich jedenfalls kann Menschen nicht ernst nehmen, die dazu nicht fähig sind. Reine Überzeugung ohne Verstand und Kritikfähigkeit ist irgendwann auch zu wenig, um zu überzeugen. Andere zu überzeugen...

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Freier.Buerger 08.10.2019, 16:43
7. Früher war vieles anders

Zitat von der_Pixelschubser
...dass Altbundeskanzler Helmut Schmidt Angehöriger der Wehrmacht war und von einem Vorgesetzten so beurteilt wurde: „Steht auf dem Boden der nat. soz. Weltanschauung und versteht es, dieses Gedankengut weiterzugeben.“ Das hat Schmidt nie gehindert, sozialdemokratischer Bundeskanzler zu werden und von politischen Freunden wie Gegnern mit großem Respekt behandelt worden zu sein. Heute versuchen wir auf Teufel-komm-raus einem 16-jährigen Mädchen, das sich mit all seiner Energie für die Rettung unserer Welt einsetzt, den eigenen CO2-Fußabdruck um Ohren zu schlagen, weil sie mal Brötchen aus einer Plastiktüte gegessen hat und mit einem Segelboot (sic!) in die USA reist, anstatt einen Billigflieger zu nutzen. Weiter so. Ist bestimmt zielführend.
Sie beziehen sich also auf früher.
Früher bezogen die Eliten ihren Respekt daraus, dass sie sich dafür engagierten, dass möglichst viele Menschen - im Idealfall alle - für die sie Verantwortung übernehmen konnten, baldmöglichst ähnlich gut und luxuriös leben können, wie sie als Elite selbst.
Heute engagieren sich die Eliten dafür, dass baldmöglichst so wenig Menschen wie möglich so leben und vielfältig reisen können, wie sie selbst. Respekt?

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mirage122 08.10.2019, 16:46
8. Muss ich das verstehen?

Ich gebe zu, dass die Beiträge von Frau Stokowski nicht gerade zu meiner Lieblings-Lektüre gehören und ich zu ihrer Fan-Gruppe zähle. Aber hier am Beispiel von unserer guten Greta eine nicht vorhandene Perfektion zu erklären und stattdessen die kleinen Unterlassungen und Sünden solcher Menschen hervor zu heben, sind für mich schwer zu vollziehende, journalistische Gedankengänge. Isst Greta tatsächlich ein Brötchen aus einer Plastiktüte, das weder aus der Region noch aus ökologisch wertvollem Bio-Anbau stammt? Das ist ja geradezu erschreckend. "Nobody is perfect" - und das ist gut so. Fazit zu Frau Stokowski: Sie hasst sich nicht selbst, dafür andere. Ihrer Leser vielleicht?

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alias-alias 08.10.2019, 16:48
9. "Perfekt",...

was immer das in Bezug auf Menschen sein könnte, ist hienieden ohnehin niemand.
Es wäre gut, wenn wir die Sprache (wieder?) etwas sorgfältiger verwendeten. Der Ausdruck "perfekt" scheint jedenfalls in vielen Kontexten nur ein schlecht übersetzter Anglizismus zu sein, der wohl besser gemieden würde.

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