Forum: Kultur
Politisches Engagement: Perfekt kann man immer noch werden
Jim Urquhart/ REUTERS

Einzelne wie Greta Thunberg verkörpern Bewegungen - doch die Konzentration auf ihre Eigenschaften lenkt von Inhalten ab und hemmt andere in ihrem Engagement. Dabei muss man nicht perfekt sein, um politisch zu handeln.

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Findail 09.10.2019, 08:36
70. Es geht hier um die Grundethik der gesellschaftlichen Diskussion!

Liebe Frau Stokowski, wie perfekt muss jemand sein, der sich in gesellschaftliche Diskussionen einbringt? Die Frage wäre einfach zu beantworten, wenn eine Grundethik in der gesellschaftlichen Diskussion beachtet würde. Denn der Angriff auf eine Person und ihre Fehler, um sich nicht inhaltlich mit ihren Thesen auseinandersetzen zu müssen, ist ja keineswegs neu. Als rhetorische Figur nennt man das ein "Argumentum ad hominem". Diese Vorgehensweise ist ja bereits hinreichend untersucht und galt völlig zu Recht lange Zeit als verpönt. Wenn das heute noch so wäre, müsste sich eigentlich niemand Sorgen, nicht perfekt genug zu sein, sich in gesellschaftliche Debatten einzubringen.
Leider findet derzeit wieder eine Verrohung statt, in der auch das Argumentum ad hominem wieder völlig normal zu sein scheint. Ein Musterbeispiel hierfür ist Greta Thunberg. Sie erzeugt ja inzwischen bei vielen Menschen hierzulande Anlehnung, in den selstensten Fällen geht es dann um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit ihren Thesen. Bestes Anschauungsmaterial: Die zu Recht kritisierte letzte Sendung von Dieter Nuhr. Der geht inhaltlich gar nicht auf Thunbergs Thesen ein. Er weist nur mit einer unerträglichen Arroganz darauf hin, dass sie ein pubertierender Teenager sei. Dass daher er Recht haben muss, versteht sich für ihn danach von selbst.
Eine andere unschöne rethorische Figur ist übrigens der "whataboutism", derzeit höchst aktuell durch Donald Trump ("What about the democrats? What about China?"). Wer sich die Nuhr-Sendung anschaut, findet auch das wieder: Der ganze Vortrag von Monika Gruber baut darauf auf (ja, ich fahre einen SUV, aber was ist mit meinem Nachbarn und seinen Kindern und den exotischen Früchten, die er isst...).
Da wird ein ganzer kabarettistischer Vortrag auf einer rethorischen Figur aufgebaut, die eigentlich als verpönt gilt und dann plötzlich lustig sein soll.
Wenn wir hier wieder an Grundprinzipien der gesellschaftlichen Auseinandersetzung festhalten würden, dann müsste sich die Frage erübrigen, ob man perfekt sein muss, um mitzureden. Das Ablenken von den Argumenten auf die Fehler der Person wäre verpönt und niemand müsste davor Angst haben. In Zeiten der AFD und von Donald Trump gibt es aber solche Tabus in der Debatte nicht mehr.
Schade. Insofern aber gut, dass diese Kolumne sich des Themas mal annimmt.

PS: So unterträglich die Vortrag von Frau Gruber auch war, er bringt doch einen Beitrag zur Gleichberechtigung. Jetzt wird das Feld nicht mehr den alten weißen Männern überlassen. Es ist klar, dass eine rückgewandte und rhetorisch fiese Argumentation auch sehr gut von alten weißen Frauen kommen kann.

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Margaretefan 09.10.2019, 09:00
71. @ #22 von mark.muc

Soll das Satire sein, oder meinen Sie das wirklich? Wenn Sie das wirklich meinen, darf ich darauf hinweisen, dass sie die Kolumne entweder gar nicht richtig gelesen, oder nicht verstanden haben. Unabhängig von Ihnen, ist es hier wie fast jede Woche. Die Margarete Stokowski Hater versuchen schlau zu wirken, schreiben aber nur krudes Zeug. Gähn...

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mark.muc 09.10.2019, 09:08
72. @52 iris.b

Zitat von iris b.
Sie werden es nicht glauben, aber ich habe mich selbst bisher nicht als "Feministin" bezeichnet, war auch nicht aktiv in der Frauenbewegung. Was nicht heißt, das ich deren Ziele nicht unterstütze. Und wenn ich Beiträge wie den Ihren bzw. den auf den ich geantwortet habe, lese, wird mir klar, dass die Ziele der Frauenbewegung noch lange nicht erreicht sind. Beiträge wie Ihrer und der Ihres Kameraden im Geiste sind definitiv geeignet, um darauf ganz ungeniert zu antworten: Ja, bin ich!
Es wäre der Diskussion sehr förderlich, wenn Sie sich bemüßigt fühlen würden einmal kurz zu erklären, was genau die Anmerkungen von Ingo und mir zu „frauenfeindlichen“ Anmerkungen gemacht haben soll. Solange dies unterbleibt nähren Sie den Verdacht, daß Sie ihrerseits männerfeindlich sind oder aber einfach nicht verstanden haben, was wir geschrieben haben. Meine Partnerin, die neben mir sitzt, geht übrigens mit Ihnen und Ihren Kameradinnen im „Geiste“ sehr viel härter ins Gericht als ich das tue.

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eichenbrett 09.10.2019, 09:14
73. Ich hab‘s verstanden

Ich hab den Artikel sofort mehrfach geteilt, weil wir in letzter Zeit immer häufiger diskutieren, ob man Forderungen stellen darf und Missstände anprangern, obwohl man selbst nicht perfekt ist. Dass es lohnendere Ziele zum Hassen gibt als sich selbst, ist es wert, in die Tischdecke gestickt zu werden. Ich hab sofort verstanden, worum es in dem Artikel ging: Es geht um Toleranz, Rücksicht und Anstand. Wie so oft bei Frau Stokowski. Beim Lesen der Kommentare hingegen kann der Eindruck entstehen, dass einige den Artikel gar nicht gelesen oder nur überflogen haben, um dann reflexhaft die üblichen Schmähkommentare abzusondern. Da Frau Stokowski so polarisiert, scheint sie einiges richtig zu machen. Es muss unbequem sein, damit sich was ändert. Bitte weiter so!

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im_ernst_56 09.10.2019, 09:15
74.

Zitat von tomlex27
Perfekt muss man nicht sein und wird man nie werden. Das Problem ist aber, wenn man selbstherrlich, humorlos und einfach nur grundweg unsympathisch rüberkommt. Thunberg ist so ein Fall und da kann auch das Alter in diesem Fall keinen Welpenschutz bieten. Wer dann noch behauptet, ihr sollt in Panik geraten, gehört dann eher in ein Abklingbecken. Gut, Thunberg hat eine Form von Autismus, da ist mit Empathie nicht viel los. Entschuldigt das alles? Schlimmer sind aber die deutschen Speerspitzen von FFF. Letztens gab dazu in Bento, dem Zentralorgan für jetzt schon gescheiterte Jungjournalisten, bzw. NEON- Resterampe, einen Bericht über Reemtsma. Die ständig schreiend und wild rumkrakelende Gewitterhexe mit Kreischstimme ist so unsympathisch, dass man sich bei Talkshow-Auftritten wünscht, dass ihr irgendwer was ins Getränk schüttet. Auch ganz clever die ähnlich unsympathische Neubauer. Das trojanische Pferd der Grünen-Partei wurde und wird clever als FFF Aktivistin in Talkshows eingeschleust. Macht dort offen Parteipolitik für die Grünen. Bin mal gespannt, wann das mal einer der total verblödeten Talkmaster schnallt. Ich bin immer für Haltung, dann sollte sie aber nicht so hasserfüllt sein.
Genau. Gestern war noch das Ideal, cool und abgeklärt die Welt zu betrachten. Da ist der von Ihnen beschriebene neue Panik-Modus natürlich eine Art von Kulturschock.

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mark.muc 09.10.2019, 09:29
75.

Zitat von Findail
PS: So unterträglich die Vortrag von Frau Gruber auch war, er bringt doch einen Beitrag zur Gleichberechtigung. Jetzt wird das Feld nicht mehr den alten weißen Männern überlassen. Es ist klar, dass eine rückgewandte und rhetorisch fiese Argumentation auch sehr gut von alten weißen Frauen kommen kann.
Zu ergänzen wäre noch: Diese Art der Argumentation kann auch von jungen weißen Frauen, jungen weißen Männern, nicht weißen Frauen , nicht weißen Männern sowie von Diversen stammen.

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mark.muc 09.10.2019, 09:46
76. @73

Zitat von eichenbrett
Ich hab den Artikel sofort mehrfach geteilt, weil wir in letzter Zeit immer häufiger diskutieren, ob man Forderungen stellen darf und Missstände anprangern, obwohl man selbst nicht perfekt ist. Dass es lohnendere Ziele zum Hassen gibt als sich selbst, ist es wert, in die Tischdecke gestickt zu werden. Ich hab sofort verstanden, worum es in dem Artikel ging: Es geht um Toleranz, Rücksicht und Anstand. Wie so oft bei Frau Stokowski. Beim Lesen der Kommentare hingegen kann der Eindruck entstehen, dass einige den Artikel gar nicht gelesen oder nur überflogen haben, um dann reflexhaft die üblichen Schmähkommentare abzusondern. Da Frau Stokowski so polarisiert, scheint sie einiges richtig zu machen. Es muss unbequem sein, damit sich was ändert. Bitte weiter so!
Ja es sollte um Toleranz, Rücksicht und Anstand gehen. Und es sollte um das gute Argument gehen. Das Argument zählt unabhängig von der Person, welche es äußert. Ich habe hier nicht alle Kommentar aber viele der Kommentare gelesen. Darunter fand sich für mich kein einziger Schmähkommentar. Die Formulierung "um dann reflexhaft die üblichen Schmähkommentare abzusondern" entspricht allerdings sicherlich nicht den Postulaten der Toleranz, der Rücksicht und des Anstandes. Verwenden Sie hier zweierlei Maßstäbe?

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Maria-Galeria 09.10.2019, 10:04
77. Es gibt Menschen die sind perfekter als perfekt

sie sind super in speziellen Fähigkeiten und dazu gehört Greta Thunberg. Wer sich mit dem Asbergersydrom ein bisschen beschäftigt hat weiß, dass mit diesem Syndrom Fähigkeiten einher gehen können, die für Otto-Normalo bedauerlicher Weise unerreichbar sind. Im Fall Greta ist es vermutlich die Übersicht über den Zustand in dem sich die Menschheit und der Globus befinden. Deshalb kann man das Gretabashing direkt als Neidausfluß und Unverständnis gegenüber dem Problem (Klimaerwärmung), das leider besteht, etlicher Leute betrachten, die nicht das große Ganze im Blick haben und eben auch nicht haben können. Übrigens sie ist damit nicht allein, ein ganzer Club (Club off Rom) beschäftigt sich damit schon seit Jahrzehnten und warnt, aber wird geflissentlich auch seit Jahrzehnten überhört, jedoch Greta hat die Fähigkeit es auf den Punkt zu bringen, trotz ihre Jugend und die Jugendlichen, die vom Kapitalismus noch nicht so verdorben sind, auf ihre Seite zu bringen. Was natürlich nicht heißt dass sie keine Kinder unserer Zeit sind und natürlich auch eingebunden sind in das System, aber verstehen können dass es nicht so weiter gehen kann wenn sie selbst noch eine Zukunft haben wollen und zwar Dank der neu entdeckten Persönlichkeitsrechte als Kinder und Bildung die sie durch die Schule erfahren haben. Im Prinzip geht es darum den Willen zu einer Verhaltensänderung in der Industrie zu aktivieren und persönlich bei sich zu schauen was sich dazu beitragen lässt. Definitiv schadet es nicht die Unperfektheit an sich zu akzeptieren und sich so selbst zu lieben und dies auch auf seine Mitmenschen zu übertragen, denn mit Selbsthass vermute ich, ist es keinem möglich andere zu lieben. Jedoch mit der Mittelmäßigkeit in der Denke, mit der, der überwiegende Anteil der Bevölkerung ausgestattet ist, kann ein derartig schwerwiegendes Problem wie der Klimawandel nicht bewältigt werden, dafür benötigen wir Menschen wie Greta, sozusagen als Halloaufwachpille um handlungsfähig zu werden.

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vickyp 09.10.2019, 10:18
78. Vorurteile

@Besa
Menschen mit psychischen und/oder körperlichen Problemen als ,ich übertreibe mal, dumm , nicht leistungsfähig und intellektuell minderwertig anzusehen ist schon eine gewagte Äußerung. Es gibt zB geniale Wissenschaftler die forschen und dozieren und gleichzeitig an Schizophrenie leiden. Gerade Menschen die Grossartiges in verschiedenen Bereichen leisten haben oft mit Depressionen zu kämpfen.
Darüberhinaus habe ich hier den Eindruck dass viele den Artikel nicht richtig gelesen
haben. Bzw nicht verstanden haben oder wollen ,da sie sich genauso mit Nebenschauplätzen beschäftigen. Und Vorurteile mit Halbwissen rechtfertigen.

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hartwig2 09.10.2019, 10:36
79.

Zitat von Actionscript
Ich glaube, da haben sie Vorurteile und den Artikel missverstanden. Die zentrale Frage des Artikels ist doch, wie perfekt muss jemand sein, um seine Message anderen glaubwürdig zu vermitteln bzw muss jemand, in den meisten Fällen Politiker, sich dauernd Gedanken machen, wie man sich der Öffentlichkeit zeigen muss, um glaubwürdig zu erscheinen. Greta ist das momentan aktuelle Beispiel, und sie hat nun mal das weibliche Geschlecht. Auch ist die Frage relevant, warum es gerade Greta ist, die diese Bewegung anführt. Das Beispiel, dass mich jedoch auch sehr interessieren würde, ist Trump und warum nach all den Skandalen, Lügen und autokratischem Gehabe immer noch 40% der Wähler oder mehr hinter ihm stehen. Die Frage, die man sich dann auch stellen kann, ist die nach der Anhängerschaft und deren Vorstellungen und Erwartungen. Frau Stokowski hat hier einen extrem wichtigen Konfliktpunkt aufgegriffen, der mit Feminismus nur sehr am Rande etwas zu tun hat.
An den Taten sollen sie gemessen werden, nicht der mediale Auftritt.
Ein Finanzminister der harte Strafen für Steuersünder propagiert, aber selbst schon mal Schwarzgeld über die Grenze bringt, hat seine Glaubwürdigkeit verwirkt. Wer der Menschheit mal zeigen will, wie man CO2 frei auch mit einem Segelschiff zu anderen Kontinenten kommt, aber die Crew dann hin und herfliegen lässt, ist dann nur noch albern.
Für Das, wofür man sich in die Öffentlichkeit stellt, das sollte man wenigsten für sich dann auch beherzigen, sonst ist es nur Wasser predigen und Wein saufen, mit der Ausrede, man sei nicht perfekt.
Lederschuhe tragen, aber wegen dem Tierwohl Veganer sein, das passt eben nicht, das ist einfach nur schlecht durchdacht.

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