Forum: Kultur
"Polizeiruf" über Sexualmorde: Rostock, Heimat der Triebväter
Christine Schroeder/ NDR

"Wie? Er packt sich so eine Gebärmutter auf den Tisch und holt sich einen runter?" Der "Polizeiruf" erzählt im rustikalen Rostocker Fischkopp-Schnack von der Jagd auf einen Sexualmörder - büschen simpel.

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ayee 04.10.2019, 17:22
1. Alles schon tausendmal gesehen

Krimis sind schon ein komisches Genre. Es ist immer, als würde man eine Wiederholung sehen, denn wirklich neu ist in den Filmen nichts. Die Kreativität liegt größtenteils bei der Auswahl der Stadt und des Dialekts. Wie schön, dass es so viele davon gibt, finanziert von Zwangsgebühren.

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Dramaturgen-Frau 04.10.2019, 19:33
2. Falsche Prämissen führen zu falschen Konklusionen

Zitat von ayee
Krimis sind schon ein komisches Genre. Es ist immer, als würde man eine Wiederholung sehen, denn wirklich neu ist in den Filmen nichts. Die Kreativität liegt größtenteils bei der Auswahl der Stadt und des Dialekts. Wie schön, dass es so viele davon gibt, finanziert von Zwangsgebühren.
Seit Homer ist alles erzählt. Das ist Faktum. Hören die Menschen deshalb auf, zu erzählen? - Rhetorische Frage. Jede neue Generation von Pubertieren verliebt sich und findet das und den Sex und den Alkohol sensationell. Obwohl doch alles dazu bekannt ist. Das Wie ist das Credo der Kunst, nicht das Was. Wenn man sagt, man habe das Gefühl, man sehe nur Wiederholungen, ist man entweder besonders alt oder kulturell unbeleckt (siehe ersten Satz). Mehr als die Variation des Wie gibt es nicht. Wer das nicht erkennt, hat das Leben nicht verstanden. In diesem Sinne hebe ich mein Glas Grüner Veltiner im Wiener Caféhaus und grüße, Ihre Clara Bosworth aus dem Frankfurter Speckgürtel.

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berndjag 04.10.2019, 21:07
3. Es geht fast nur um Mord

Es scheint das fast jede andere Art der Kriminalität ihren Reiz verloren hat...unter Mord geht garnix...ich vermisse sowas wie SchwarzRotGold damals....ach.,.mal nen Anreiz..wenn man alle deutschen Krimitoten zusammenzählt wieviel Menschen sind dann so im Jahr ermordet worden? Und dann das selbe mal für die USA..alle Serieentoten zusammengezählt..da kommt was zusammen....und fast immer wird der Fall gelöst...

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Ekkehard Grube 06.10.2019, 22:05
4. Wie Drehbuchautoren ein gutes Team kaputtkriegen

Pluspunkt des heutigen Films:

Buckows Ehe-Aus wurde nicht wieder aufgegriffen.

Ansonsten nur Wirrnis:

Die Tochter beschuldigt erst ihren Vater online anonym, verteidigt ihn dann, als sie offline persönlich vernommen wird. Schließlich findet sie im Keller die Beweise für die Schuld ihres Vaters. Der lässt sie trotz ihrer Drohung zur Polizei zu gehen, ziehen. (Eine Attacke des Vaters gegen seine Tochter wäre zwar klischeehaft gewesen, aber glaubwürdiger als die Reaktion, die im Film gezeigt wurde.) Und die Tochter, anstatt zur Polizei zu gehen, unternimmt einen Selbstmordversuch, den sie überlebt.

Weil das noch nicht genug der Wirrnis ist, wird noch ein Ehepaar in die Handlung eingebaut (die Jansens), bei dem die Frau ihren Mann und sich selbst (!) beschuldigt. Gipfel des Irrsinns ist eine Aussage der Frau, die diesem irren Film den Titel gegeben hat: Ihr Mann habe ihr erzählt, dass er schon bei der Geburt seine Zwillingsschwester mit der Nabelschnur erdrosselt habe, er sei also schon als Mörder zur Welt gekommen.

Dieses irre Paar hat mit den Morden nichts zu tun, war nur als Ablenkung eingebaut.

Buckow und König waren in den ersten Folgen ein sehr gutes Team: Er ein von der Kritik nicht zu Unrecht als "Ost-Schimmi" apostrophierter Raubauz, sie eine gute, gelegentlich kesse Ergänzung für ihn. Hätte man es dabei belassen und die beiden mit realistischen, aus dem Leben gegriffenen Fällen einfach ermitteln lassen, dann hätten sie ein Dream-Team werden können.

Leider haben die gnadenlosen Drehbuchschreiber Buckow erst eine alte Disziplinargeschichte, dann sein Ehe-Aus ans Bein gebunden. Vor allem unter Letzterem hat die Qualität der Drehbücher stark gelitten. Und auch sonst fiel den Autoren aller möglicher Quatsch ein, z.B. dass Buckow und König munter die Gesetze brechen.

Hoffentlich schickt das Christkind dieses Jahr zu Weihnachten den Rostockern einen vernünftigen Drehbuchautor, damit dieses Team zeigen kann, was in ihm steckt. Wobei allerdings in der in dieser Folge angedeuteten norddeutsch rauen Liebesgeschichte zwischen Buckow und König neues Mistpotential steckt.

Ohne Privatkram ermittelt sich's einfach besser.

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awhb 07.10.2019, 07:48
5.

Zitat von Ekkehard Grube
Pluspunkt des heutigen Films: Buckows Ehe-Aus wurde nicht wieder aufgegriffen. Ansonsten nur Wirrnis: Die Tochter beschuldigt erst ihren Vater online anonym, verteidigt ihn dann, als sie offline persönlich vernommen wird. Schließlich findet sie im Keller die Beweise für die Schuld ihres Vaters. Der lässt sie trotz ihrer Drohung zur Polizei zu gehen, ziehen. (Eine Attacke des Vaters gegen seine Tochter wäre zwar klischeehaft gewesen, aber glaubwürdiger als die Reaktion, die im Film gezeigt wurde.) Und die Tochter, anstatt zur Polizei zu gehen, unternimmt einen Selbstmordversuch, den sie überlebt. Weil das noch nicht genug der Wirrnis ist, wird noch ein Ehepaar in die Handlung eingebaut (die Jansens), bei dem die Frau ihren Mann und sich selbst (!) beschuldigt. Gipfel des Irrsinns ist eine Aussage der Frau, die diesem irren Film den Titel gegeben hat: Ihr Mann habe ihr erzählt, dass er schon bei der Geburt seine Zwillingsschwester mit der Nabelschnur erdrosselt habe, er sei also schon als Mörder zur Welt gekommen. ...
Da haben Sie ein bisschen was durcheinanderbekommen. Die Geschichte mit der erdrosselten Zwillingsschwester erzählt der tatsächliche Täter seiner Tochter. Diese Geschichte wurde ihm wiederum von seiner Mutter, also der Großmutter des Mädchens erzählt.

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Galgenstein 07.10.2019, 08:03
6. Zum ungeschriebenen Gesetz dieser Serie

scheint es zu gehören, dass die Ermittler möglichst schmuddelig und ungepflegt aufzutreten haben. Die beiden Kommissare riechen schon beim bloßen Hinsehen ranzig. Das Bedürfnis nach einer Dusche scheint ihnen unbekannt, der Rasierapparat noch nicht erfunden und einen Friseur besucht man wohl auch nur an Ostern. Oder soll dem Zuschauer vermittelt werden: kaputte Typen, die gegen noch kaputtere Typen in einer total kaputten Gesellschaft ermitteln?
Da freuen wir uns doch über unser elektronisches Lagerfeuer um das wir uns versammeln, um uns vor dieser bösen Welt da draussen zurückzuziehen.

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keiler70 07.10.2019, 09:22
7. @ Galgenstein #6

Das ist aber so! Ich hatte mal das zweifelhafte Vergnügen, nachdem mir etwas gestohlen wurde, auf dem Gang der Polizeiwache auf meine Zeugenaussage zu warten: Da fiel es schwer, Polizei und "Kundschaft" auseinanderzuhalten. Im Anzug - wie z.B. die Herren Leitmeier (BR) oder Eisner (ORF), um nur einige zu nennen - lief da keiner rum.

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ancoats 07.10.2019, 10:42
8.

Ach, mal nicht so streng: das war schon ein sehr solide erzählter und durchaus bis zum Ende unterhaltsamer Rostocker Krimi, obendrein gut besetzt und gespielt. Ja, es war praktisch von vorneherein klar, wer der Übeltäter ist, aber so what? Ich jedenfalls habe mich durchaus daran erfreut und fühlte mich auch keineswegs "unterfordert". Aber vielleicht bin ich ja auch ein arg schlichtes Gemüt, das am Sonttagabend einfach nur eine nette Geschichte erzählt bekommen will.

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chris26wi 07.10.2019, 11:14
9. Kurzweilig

Also ich fand den Polizeiruf spannend (trotz der frühen Täteridentifikation für den Zuschauer) und unterhaltsam - was u.a. auch an den guten Schauspielern lag (u.a. Simon Schwarz). Dass der Täter aber da seinen "Obduktionsraum" im Keller nicht mal abgeschlosssen hatte, und nicht schon dann geräumt hatte, als klar war, dass er unter Verdacht stand, schien mir aber nicht sehr nachvollziehbar.

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