Forum: Kultur
Popkomm-Absage: Angst vor der Flatrate

Die weltweit größte Musikmesse Popkomm wird dieses Jahr nicht stattfinden - die Branche leide zu sehr unter den illegalen Downloads. Ein fadenscheiniges Argument: Die Plattenfirmen sperren sich gegen innovative Ideen wie die Kultur-Flatrate und üben stattdessen Druck auf die Politik aus.

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Martin205 19.06.2009, 19:12
1. Selber Schuld

Haben sich die Plattenfirmen denn nicht selbst in Abseits geschossen mit den immer komplizierteren Kopierschutzmechanismen ihrer CD´s, die selbst viele CD-Player in die Knie zwangen? Wer kauft sich noch eine CD, wenn er a)nicht sicher sein kann, diese auch abspielen zu können und b)gar nicht oder nur mit Mühe auf den MP3-Player kopieren kann. Mir scheint, da haben einige, viel zu hoch bezahlte, Herren den Trend der Zeit verschlafen.

Die pauschale Abgabe pro Internetzugang ist auch Blödsinn, da nicht jeder, der ins Internet will, auch Musik herunter lädt. Da hätten wir ja eine zweite GEZ. Vernünftige Preise + kein Kopierschutz + einfacher Zugang ist das Erfolgsrezept um in der heutigen Zeit mit Musik Geld zu machen. Jegliche Form der Gängelei verschreckt nur die Kunden.

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dokken 19.06.2009, 19:35
2. Wenn die Ente....

...nicht schwimmen kann, ist das Wasser dran Schuld!

Herr Gorny und die Major-Labels verkennen, wie schon seit Jahren, die Realität und ihre Möglichkeiten. Es geht nur ums Prinzip und nichts anderes. Flexibel, wie ´ne Bahnschranke halt.

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mister_L 19.06.2009, 19:46
3. Schlechter Artikel!

Wurde da in letzter Minute noch der Artikel umgeschrieben um die "Kulturflatrate" nicht als DIE neue Idee zu benennen? Da hat sich der Autor offenbar noch nicht eingehend mit der Problematik der Vergütungsmöglichkeiten für geistiges Eigentum auseinandergesetzt.

Die Kulturflatrate ist kein neuer und schon gar kein geeigneter Lösungsweg. Allenfalls das Unwort des Jahres und ein, in Raubkopiererkreisen und bei Uninformierten oft missverstandener Ansatz. Das gerade einflussreiche Lobbygruppen ein Interesse daran haben diese Form der Vergütung durchzusetzen soll hier ersteinmal gar keine Rolle spielen. Einmal den Ansatz durchdenken und dann wieder verwerfen...

Andererseits: Jetzt wo von den Internetprovidern schon Sperrfilter eingerichtet worden sind könnte man den Datenfluss eigentlich gleich komplett kontrollieren lassen. Oder wie wollen SIE einmal für Ihre Tätigkeit entlohnt werden? Jedes Mal wenn hier jemand auf Ihren Artikel klickt, oder doch lieber jedes mal, wenn jemand auf einer von Millionen Homepages die Kopie Ihres Artikels lesen möchte? Oder gar nicht mehr? Weil Ihre geistige Schöpfung vom Auswertungssystem für die "Kulturflatrate" nicht erfasst wird? Oder nur unzureichend erfasst wird? Weil Sie dafür nicht die Definitionsmacht besitzen? Und schon gar nicht die Ressourcen um eine Kontrolle zu gewährleisten? Oder wollen Sie vielleicht doch gar keine "totale Kontrolle"?

Anstatt sich in den Chor der "Wir wollen alles umsonst oder zumindest nicht mehr als 5 Euro pro Monat bezahlen"-Schreihälse einzureihen hätte ich an dieser Stelle eine differenziertere Betrachtung des Problems erwartet. Einen konstruktiven Lösungsvorschlag dagegen nicht, denn den hat bisher kaum jemand vorgelegt. Dafür reicht es auch nicht aus, einmal oberflächlich auf der Welle der Masse mitzureiten.

Spätestens wenn sich Journalisten um Ihr Lohn und Brot sorgen müssen, weil niemand mehr bereit ist für etwas zu bezahlen, das es überall (und sei es auch "nicht ganz legal") umsonst gibt wird hoffentlich zumindest die Berichterstattung anders werden.

Es ist jedenfalls nicht leicht heutzutage Urheber zu sein, oder mit geistigen Schöpfungen sein Geld zu verdienen.

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Newspeak 19.06.2009, 19:52
4. ...

Gorny soll sterben gehen, wenn er mit nichts zufriedenzustellen ist! Echt schade, was aus diesem Mann, der in jungen Jahren selbst mal einen gewissen Anarchotouch gehabt hat, geworden ist. Ein reaktionärer Geldsack. Solange mir youtube ungefragt ein Musikvideo nach dem anderen in den Cache lädt und die Musikindustrie nichts besseres zu tun hat als alten Pfründen nachzujammern kann die Popkomm meinetwegen ausfallen. Am besten schafft man gleich die Musikindustrie mit ab, die sowieso nur Künstler verwaltet und ausbeutet, aber sonst keinen Anteil an der kreativen Idee hat.

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fear_my 19.06.2009, 20:02
5. Kulturflatrate

Es gibt sie doch schon, die Kulturflatrate. Neben der GEZ eben GEMA Gebühren, fallen beim Kauf aller Güter an, die sich zum Kopieren eignen (Rohlinge, CD/DVD Brenner, Scanner...).
Ob man sie letztendlich dafür einsetzt illegal was zu kopieren, interessiert die Musikindustrie auch nicht.....es ist doch jetzt schon, als ob man beim Kauf eines Küchenmessers eine pauschale an seine Krankenversicherung zahlen müsste (ob der Gefahr des Schneidens).

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richard 111 19.06.2009, 20:04
6. nur mal so aus der sicht eines produzenten

ich habe mich nun schweren herzens heute dazu entschlossen
mein tonstudio endgültig zu verkaufen. es ist in deutschland
kaum mehr möglich ein tonstudio als produzent und komponist zu halten. ich habe 5 jahre in london gearbeitet und muss sagen
verglichen mit england ist das bild von musikschaffenden hierzulande wirklich erschreckend. was dem deutschen sein mercedes ist, sind dem engländer eben die emi oder die beatles.
mich würde mal interessieren ob hier wirklich jemand eine idee
hat wie man als produzent, musiker, komponist oder arrangeur
noch einen euro verdienen soll wenn alles ohne jegliches risiko zu klauen ist. die argumentation des spiegels ist eben
sehr scheinheilig, da es den leuten nur darum geht dass sie ja keinen euro für musik ausgeben. plattenfirmen haben sich längst
zusammengeschrumpft oder einfach dumme shows a la dsds ins leben gerufen.
nochmals mit england verglichen muss ich aber sagen das die deutschen auch nichts besseres verdient haben als bohlen & co.
ich hau wieder ab nach england-tschüss

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Hovac 19.06.2009, 20:07
7. Stimmt

Der Artikel hat insofern Recht das ich in den letzten 5 Jahren keinen einzigen Fehlkauf was CDs angeht mehr hatte. Ich kann mir nun beuem alles länger anhören und kaufe tatsächlich nur noch die CDs von Bands die mir wirklich gefallen, daher kaufe ich zwar nur noch 2-3 im Jahr und nicht mehr jeden Monat eine, habe aber auch nicht mehr so viele Leichen im CD Regal. Finde ich wesentlich schöner als früher, zumal mein Geschmack nicht in jedem Saturn zum Probehören vorhanden war.

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Newspeak 19.06.2009, 20:23
8. ...

Zitat von richard 111
mich würde mal interessieren ob hier wirklich jemand eine idee hat wie man als produzent, musiker, komponist oder arrangeur noch einen euro verdienen soll wenn alles ohne jegliches risiko zu klauen ist.
Bleib halt bei einem analogen Medium. Schallplatten kann man schlecht kopieren und so schlecht war die Wiedergabe auch nicht. Immer dieses Gejammer. Selbst von der Technik profitieren wollen, aber nicht bereit, Risiken, die offensichtlich damit einhergehen, tragen zu wollen. Wenn ich meinen Porsche in Kreuzberg stehenlasse, dann trage ich auch eine Mitschuld daran, wenn er geklaut wird, unabhängig davon, wie das juristisch interpretiert wird. Wenn ich Musik digital produziere und weltweit verbreiten will und die Musik so den Weg ins Internet findet und ihre Verbeitung dann meinem Zugriff entzogen ist, dann ist man daran selbst Schuld!

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BabelHuber 19.06.2009, 20:31
9. Ja wie nur?

Zitat von richard 111
mich würde mal interessieren ob hier wirklich jemand eine idee hat wie man als produzent, musiker, komponist oder arrangeur noch einen euro verdienen soll wenn alles ohne jegliches risiko zu klauen ist.
Nun, diese Frage müssen die in dieser Branche tätigen Personen schon selbst beantworten.

Das eigentliche Problem für die Industrie ist nicht das Internet, sondern die totale Entkopplung der Inhalte von den Tonträgern.

Früher konnte man ein Album erst als Schallplatte und dann als CD, dann auf etlichen Samplern, Sonderpressungen und was weissichnichtalles veröffentlichen.

Das ist vorbei. Aus. Das kommt nie wieder. So wie die Schallplatte die Musikindustrie einst groß gemacht hat, macht sie die digitale Revolution wieder klein.
Heute ist die Musik auf einer Festplatte, von wo man sie bei Bedarf jederzeit woanders hinkopieren kann.

Alternative Modelle beinhalten z.B. das Nutzen des Contents (also der Musik) als Werbung für Live-Auftritte.

Andere setzen auf freiwilliges Bezahlen (und ja, das kann funktioneren - es kommt auf die Zielgruppe an).

Man kann auf iTunes etc. übrigens auch immer noch regulär Musik verkaufen - wenn auch nicht mehr mit so viel Umsatz und Gewinn wie früher.

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