Forum: Kultur
Popkomm-Absage: Angst vor der Flatrate

Die weltweit größte Musikmesse Popkomm wird dieses Jahr nicht stattfinden - die Branche leide zu sehr unter den illegalen Downloads. Ein fadenscheiniges Argument: Die Plattenfirmen sperren sich gegen innovative Ideen wie die Kultur-Flatrate und üben stattdessen Druck auf die Politik aus.

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cassandra6543 19.06.2009, 20:31
10. lasst mich doch in ruhe

Also mit einer sogenannten Kulturflatrate können die mir gestohlen bleiben. Ich zahle schon genug GEZ und GEMA und das Internet benutz ich nicht für das Downloaden von Musik. Ich finde das Downloaden von Gigabytes an Musik entwertet diese und man kann gar nicht mehr genießen und entdecken. Da kauf ich mir lieber nen physischen Datenträger, hab ich mehr von... Mit der Kulturflatrate würd ich die Majors mitfinanzieren, was ich nicht einseh, da ich jetzt schon zu fast 100% auf deren Angebot an billiger Retortenmusik verzichte. Von mir aus sollen die Leute ruhig den ganzen Katalog von den Majors (illegal) runterladen, um die und ihre "Stars" ist es eh meistens nicht schad (Was interessiert mich z.B. die degenerierte Britney Spears...). Schädlich find ich es nur bei Indielabels, die wirklich von jeder verkauften LP abhängig sind um über die Runden zu kommen.

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katermohr 19.06.2009, 20:34
11. cd`s ?

was soll ich mit cd`s , wenn alles auf ein speicherstick passt :-) ,habe dadurch auch mehr platz in meiner wohnung u. weniger zum reinigen, die stauben ja auch ein , also auch eine zeitersparniss , verschwenden auch mehr zeit bei der suche , kosten viel geld , die sogenannten künstler sind oft nur luschen und singen tralala , morgen schon wieder vergessen , gemacht von schlipsträgern und im übrigen : jede cd-fabrik weniger ist ein zugewinn für die umwelt

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Newspeak 19.06.2009, 20:35
12. ...

Zitat von Martin205
Vernünftige Preise + kein Kopierschutz + einfacher Zugang ist das Erfolgsrezept um in der heutigen Zeit mit Musik Geld zu machen. Jegliche Form der Gängelei verschreckt nur die Kunden.
Absolut richtig. Aber die Musikindustrie und in Teilen auch die Filmindustrie (und das wissenschaftliche Verlagswesen) sind in erster Linie gewinnorientiert und nicht kundenorientiert.

Mich ärgert es tierisch, wenn ich mir rechtmäßig eine DVD kaufe und mir dann irgendwelche nichtwegklickbaren "Raubkopierer sind schlimmer als Mörder" Spots, oder solche von der GEZ, anschauen muß. ALS KÄUFER wohlgemerkt, der gerade durch seinen Kauf nun mal definitionsgemäß nicht zu den Raubkopierern gehört. Dasselbe gilt für den Kopierschutz. Wenn z.B. Spielfilme schon Monate vor dem Kinostart im Netz runterzuladen sind, dann liegt das wohl nicht an den bösen DVD Käufern, die hemmungslos kopiert haben, sondern daran, daß man ganz offensichtlich seinen eigenen Laden nicht im Griff und bereits den Zugriff auf die originalen Datenträger verloren hat.

Ist schon irgendwo schizophren die Daten in einem Format vorzuhalten, das weltweit nachgefragt wird und vor allem den Vorteil hat, leicht verbreitet zu werden, um damit Riesengewinne zu scheffeln, nur um sich danach zu beschweren, daß es auch zu einer vermeintlich illegalen Verbreitung kommt. Genauso würde wohl die Mafia jammern, wenn angefixte Drogenkonsumenten plötzlich in der Lage wären, sich ihren Stoff selbst zu kochen. Und wie bei der Mafia geht es im Kern um organisiertes Verbrechen, nämlich die Ausbeutung der Kreativen und die Ausbeutung der Nutzer durch die Musikindustrie, die bei den heutigen technischen Gegebenheiten ihre Legitimation im Grunde vollständig verloren hat.

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medley63 19.06.2009, 20:48
13. Deutschland CD-Käufer bekommen graue Haare.

An der negativen Entwicklung der Musikbranche ist doch vorallem die demographische Entwicklung der westlichen Industrieländer schuld. Das das keiner sehen oder wahrhaben will, dass ist mir total unverständlich. Kinder, Jugendliche und adolezente Erwachsene sind doch maßgeblich DIE primären Zielgruppen der Musikindustrie, weil vorallem sie die Musik, -neben der Kleidermode und sonstigen Dingen- für ihre Identitäts- und Selbstfindung ja fast schon "existenziell" benötigen. Tja, und eben diese für die Musikindustrie so wichtigen Alterskohorten, die werden immer ausgedünnter und magerer, während die Menschen im mittleren und im hohen Alter immer zahlreicher werden. Nur diese Konsumenten über 30zig und erst Recht die über 60zig, die kaufen vielleicht die Apotheken sicher aber nicht die CD-Abteilungen in den Kaufhäusern und Mediamärkten leer, da sie ihre Identitätsfindung meist abgeschlossen haben und zudem auch konservativer geworden und daher für neue Musik und neue Stilrichtungen nicht mehr so aufgeschlossen sind. Als einzigste Lösung würde sich daher für Musikindustrie anbieten, gerade vermehrt älteren Leuten, -durch eine stärke Anpassung an dieses reifere Klientel- den Erwerb eines Tonträgers schmackhaft zu machen, oder, nunja......oder halt junge Leute mittes kostenlos verteilter schwülstiger Musik a'la "Je'taime" zur Zeugung neuer Plattenkäufer zu animieren. ;o)))))

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der_durden 19.06.2009, 20:50
14. So nicht...

Zitat von mister_L
Es ist jedenfalls nicht leicht heutzutage Urheber zu sein, oder mit geistigen Schöpfungen sein Geld zu verdienen.
Ich darf darauf hinweisen, dass der Print-Journalismus durchaus Kämpfe zu bestreiten hat.

Wer hat es heute eigentlich leicht, sein Geld zu verdienen? Sie?

Wenn eine ganze Industrie einen Trend verschläft, wenn MI Bosse mehr aus Prinzip denn aus Vernunft neue Modelle ablehnen, wenn diese Herren auch noch die eigenen Kunden, oder werdenden Kunde kriminalisieren, dann darf ich doch davon ausgehen, dass hier eine Industrie und nicht die Gesellschaft einen Fehler begeht.

Der ehemalige Chef von Universal bringt es auf den Punkt:

Zitat von Tim Renner
"Wenn Sie in der Marktwirtschaft erfolgreich sein wollen, müssen Sie mindestens so gut sein wie ihr Konkurrent. Und dabei ist es egal, ob ihr Konkurrent illegal ist."

Hier mal Bohlens Meinung dazu:
http://www.youtube.com/watch?v=qpUESyh1L9I

Und jetzt? Jetzt verlangt diese Industrie auch noch, dass für Ihre Versäumnisse die Verfassung gebeugt und gebrochen werden soll? Sorry, so nicht.

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grafkoks2002 19.06.2009, 20:56
15. Flatrate nee

Zitat von BabelHuber
Andere setzen auf freiwilliges Bezahlen (und ja, das kann funktioneren - es kommt auf die Zielgruppe an).
Nee, das klappt nicht. Es funktioniert teils bei Sparten, weil in Sparten sich Leute mit ihrer Musik ganz anders auseinandersetzen als in der großen Masse. Aber das ist eine andere Geschichte.

Es war mal der kleine Dirk Bach, der nach einer der x deutschen Musikpreisverleihung vor der versammelten deutschen Produzentenriege stand und fragte, warum diese sich über die fallenden Absätze aufregten, denn (sinngemäß): "Habt ihr eigentlich mal gehört, was ihr hier produziert?"

Da ist was dran. Durch Formate wie DSDS ist noch mehr Gleichklang in den Mainstream gelangt als vorher schon da gewesen ist. Und das riesige Mainstream-Publikum will alles für lau. Ist so, ich sagte ja schon, Ehrlichkeit gibt es nur in Sparten.

Die Industrie hat zu lange geblockt, das Publikum ist gierig, Spiegel-Redakteure Utopisten. Auf der Strecke bleibt der musikalische Mittelbau, Leute, die von der Musik nur leben wollen, deren Sachen nicht 100 Mal am Tag im Radio gedudelt werden. Warum? Weil die Industrie nicht in die Pötte kommt und gierig ist und die Kundschaft geizig und nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Da beißt sich der Hund in den Schwanz.

Und nicht vergessen: Wer mit einem Finger auf die anderen zeigt, zeigt gleichzeitig mit dreien auf sich selbst.

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smsag 19.06.2009, 20:57
16. Zwickmühle

Es lässt sich doch festhalten, dass die grundsätzliche Aufgabe der Musikindustrie die Filterung von Inhalten für den Massenmarkt war. Diese Aufgabe ist nun obsolet, denn zum Einen können dies Algorithmen um einiges besser / individueller und zum Zweiten schrumpft im Internet die Größe des Marktes, es gibt mehrere Nischenmärkte (einfach mal last.fm beobachten), so dass es im Rahmen klassischer Geschäftsmodelle nicht möglich ist rentabel zu arbeiten.

Es lässt sich weiter festhalten, dass durch die Digitalisierung die Grenzkosten auf null gesunken sind, so dass beim Verkauf eines weiteren Musiktitels der Reinerlös der Unternehmen nahezu bei 100 % liegt. Ich bin nicht willens, dass zu finanzieren. Man muss sich das einmal vorstellen, der Gesamterlös eines Titels liegt somit vereinfacht bei 250Tsd Euro. In meinen Augen entspricht das nicht dem Wert eines einzelnen Titels. Und ich als Kunde entscheide, was der Wert eines Produktes ist.

Jahrelang habe ich mich daher geweigert, Musik zu kaufen. Durch das Angebot der mp3 Downloads von amazon habe ich mich größtenteils wieder umstimmen lassen, auch wenn ich schweren Herzens weiss, dass immer noch nur ein minimaler Anteil an den Ersteller der Musik geht und der großteil der Erlöse an eine Branche die eigentlich nicht mehr existieren dürfte.

Andererseits muss man zugestehen, dass eine Lösung gefunden werden muss. Die Flatrate halte ich jedoch für nicht relevant.

Zwangslösungen sind falsch, denn nicht jeder hört Musik bzw. hört Musik auf anderen Wegen, bspw. Radio. Zum anderen wird es in Zukunft schwieriger werden eine Abgrenzung zwischen Urheber und Nutzer zu finden. Jeder kann Urheber werden, so dass eigentlich in Zukunft mit Geburt eine Mitgliedschaft in dieser Behörde fällig wäre.

Das Gejammere geht mir auf jeden Fall tierisch auf den Geist. Von den Betroffenen müssen Lösungsvorschläge kommen, und keine Besitzstandswahrung.

Ich finde es unfassbar, dass man Herrn Gorny sinngemäß zitieren kann: "Die Provider und die Musikindustrie müssen sich zusammensetzen und unter Moderation der Politik ein Geschäftsmodell entwickeln." Der Zeitpunkt dieser Erkenntnis ist unfassbar. Das ist Unternehmensführung #fail
Wann entstand Napster? Vor 10 Jahren?

Ich kann einfach nicht verstehen, warum es nicht möglich ist über eine Plattform wie bspw. last.fm Musik - ohne Plattenlabels - zu verkaufen, zu weitaus niedrigeren Preisen bei gleichzeitig höheren Einnahmen für den Künstler. In meinen Augen müssten die Künstler in einer gewissen Form den Arsch hochkriegen, denn Sie sind im Gegensatz zur Musikindustrie weiter relevant.

Musiker könnten mp3 Downloads auch locker als Anreiz zum Kauf weiterer Produkte eines Künstlers nutzen. Kreativität ist gefragt, Einnahmequellen würde es auch bei null Einnahmen aus dem Verkauf von Musiktiteln en masse geben.

Es gibt ein schönes Zitat: "Free is a better price than cheap!"
Und die Zeit der Megastars läuft in meinen Augen eh ab!

In diesem Sinne

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AliciaD 19.06.2009, 21:01
17. Es war schon immer etwas teurer ...

Im Zusammenhang gerade mit der Popkomm sollte man nicht verkennen, dass der finanzielle Aufwand für die Aussteller schon durchaus überzogen opulent sein musste, um überhaupt Präsenz zeigen zu können - verglichen zu anderen Messen. Und selbst von Besuchern noch satte Eintrittsgebühren verlangt wurden. Natürlich Bedingungen, die in diesen schwierigen Zeiten nicht gerade zur Teilnahme anregen.
Das vergisst der mittlerweile wohl altersrenitente Dieter G. natürlich auch zu erwähnen, aber wahrscheinlich lebt er auch einfach in einer anderen Welt und merkt nur, dass sein Machteinfluss zunehmend schwindet. Ich denke mal, darum geht es ihm primär: Macht und Einfluss.
Nur der Markt hat sich mittlerweile derart gewandelt, dass diese alten Herrschaften immer weniger Einfluss auf die Künstler nehmen können, weil die sich zunehmend, und das erfolgreich selbst vermarkten. Und an diesen Künstlern können Leute wie Dieter G. natürlich nichts mehr verdienen.
Da bleiben ihm wohl nur zwei Möglichkeiten: mit neue Ideen sich der veränderten Situation anzupassen oder endlich ins Altenteil abzudanken.

Alicia

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TOPCTEH 19.06.2009, 21:03
18. Jamendo?

Zitat von richard 111
mich würde mal interessieren ob hier wirklich jemand eine idee hat wie man als produzent, musiker, komponist oder arrangeur noch einen euro verdienen soll
Wie wäre es mit Jamendo (http://www.jamendo.com/de/faq)?

Zitat: >>Jamendo bietet verschiedene Arten der Entlohnung für Künstler an: Spenden : Jedes Mitglied hat die Möglichkeit Künstlern Spenden zukommen zu lassen. Das Minimum liegt bei € 5. Hierfür müsst ihr einen PayPal-Account anlegen und den Empfang von Spenden in eurem Administrationsbereich aktivieren. "Revenue Share" : Jamendo ist die einzige Plattform, die 50% aller Werbeeinnahmen mit den Künstlern teilt. kommerzielle Programme : wenn du den Programmen beitrittst, kannst du mehr Aufmerksamkeit erhalten und gleichzeitig Geld verdienen.<<

Torsten

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Martin205 19.06.2009, 21:07
19. Zitat:

Zitat von Newspeak
Absolut richtig. Aber die Musikindustrie und in Teilen auch die Filmindustrie (und das wissenschaftliche Verlagswesen) sind in erster Linie gewinnorientiert und nicht kundenorientiert.
... aber die Gewinnorientierung beinhaltet ja die Kundenorientierung, denn nur ein zufriedener Kunde kauft wieder.
Mein einschneidendes Erlebnis hatte ich mit einer Nena-CD. Die CD war kopiergeschützt, daher war es nicht möglich, die Titel als MP3 zu nutzen. Das macht ja auch Sinn in Zeiten des iPod´s ... Ich will meine Musik unterwegs hören und nicht nur daheim. Da hat die liebe Musikindustrie wohl verschlafen, dass die Zeiten des Disc-Man´s schon lange vorbei sind! Nunja, das war auch meine letzte CD gewesen, denn ver*****en lasse ich mich halt nur maximal einmal.

Sollen die doch weiterhin in Selbstmitleid baden und zusehen, wie das 21. Jahrhundert an ihnen vorbei zieht. Alternative & neue Vertriebsmöglichkeiten werden ihren Weg finden, es liegt nur an den Künstlern selbst, diesen auch zu gehen.

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