Forum: Kultur
Pressefreiheit in Österreich: Atmosphäre der Angst
Leonhard Foeger/ REUTERS

Nicht erst seit der Ibiza-Affäre ist bekannt, dass österreichische Politiker versuchen, die Berichterstattung zu beeinflussen. Auch SPIEGEL-Korrespondent Hasnain Kazim erlebt, wie Journalisten in Österreich unter Druck gesetzt werden.

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Beat Adler 23.05.2019, 11:42
20. Genau das Thema: Wer hat mehr Macht? Medien oder (a)soziale Medien?

Zitat von muellerthomas
Verfälschte oder komplett falsche Zitate gehören ohnehin zum Standardrepertoire in rechten Kreisen. Ganz absurd wird es - gestern erst bei Twitter gelesen - wenn sie darauf hingewiesen werden und dann behaupten: Mag sein, dass genau das Zitat nicht stimmt, aber es könnte so gut stimmen. Auch beliebt ist es, zu behaupten, die Seiten, die die Fälschung des Zitates nachweisen, seien falsch und nur linke Propaganda. Teils wird dann auch noch behauptet (und ich tippe, die Leute glauben das wirklich), sie hätten selbst gehört, wie Roth/Fischer/Künast dieses oder jenes gesagt hätten, obwohl es nachweislich frei erfunden ist.
Genau das Thema: Wer hat mehr Macht? Die klassischen Medien oder die (a)soziale Medien, um z.B. das Waehlerverhalten zu beinflussen?

Wer ist heute die 4. Gewalt im Rechtsstaat mit seinen Freiheiten und seiner Demokratie? Sind es die klassischen Medien NOCH oder nicht mehr?

Sind die (a)sozoaialen Medien nun sowas wie die 5. Gewalt?

Umfragen zeigen, dass sich die 18 bis 35 Jaehrigen, unsere Zukunft(!), von den klassischern Medien ABwenden, dafuer vermehrt ihre Infos und Nachrichten von den (a)sozialen Medien beziehen.

Fuer mich gibt es nur einen Ausweg: Die (a)sozialen Medien den Gesetzen der klassischen Medien unterstellen. Wer auf Facebook Morddrohungen erhaelt, verklagt Facebook vor Gericht.
mfG Beat

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osnase92 23.05.2019, 11:48
21.

Herr Kazim, ich lese ihre Artikel stets mit großem Interesse, mal bin ich ihrer Meinung, mal nicht. Ich finde es sehr gut, dass sie sich nicht beeinflussen lassen, weiter so!

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Andraax 23.05.2019, 12:11
22.

Zitat von Proggy
Ist die zunehmend selektive Berichterstattung (Themen extrem pushen oder nicht/kaum berichten) nicht auch eine Art von Beeinflussung? In den letzten Jahren versuchen die Medien verstärkt - wo immer es geht -, ihre Leser zu beeinflussen. Wirklich neutrale Nachrichten (rein die Fakten) gibt es längst nicht mehr, jeder Moderator fühlt sich berufen, seine eigenen Anschauungen (oder die der Redaktion) einfließen zu lassen. Notfalls wird weggelassen, verschwiegen, mit Tränen moderiert oder mit Bildern manipuliert. Wieviele geschriebene Worte über den bestechlichen (zurückgetretenen ehm. Innenminister) Strache, der vom Gegner professionell hereingelegt wurde, gibt es im deutschen Blätterwald? Im Gegensatz dazu : Wieviele geschriebene Worte über den(zurückgetretenen ehm. niederländische Minister für Einwanderung), Mark Harbers, der das Parlament und die Bevölkerung mit seinem geschönten und verfälschtem Bericht zur Flüchtlingskriminalität, täuschen wollte? Liegt die auffällig unterschiedliche Berichterstattung, an der nahen EU-Wahl, an der politischen Lager-Zugehörigkeit der ehemaligen Minister oder am Thema? Es gab sie mal.... "Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache - auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazu gehört." - Hans Joachim Friedrichs
Sie verstehen einen entscheidenden Punkt nicht: Das eine ist zentral beeinflusste Berichterstattung, wie sie sich die Rechten vorstellen. Das andere ist dezentral beeinflusste Berichterstattung, wie sie in vielen kleinen Redaktionen unabhängiger Medien besteht. Es gab immer schon Medien die in die eine oder andere Richtung tendieren. Der Leser konnte sich "sein bevorzugtes" Medium herauspicken oder alle Medien gleichzeitig konsumieren um sich selbst ein Bild zu machen.
Das eine ist Meinungspluralismus, das andere ist zentrale Meinungsmache. Sie wollen zweiteres!

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w.diverso 23.05.2019, 12:27
23. Wenn wer in Österreich,

und das gilt auch für andere Länder der westlichen Welt, versucht die Presse unter Druck zu setzten, dann sind es Rechte Parteien so wie die FPÖ eine ist. Wenn in Deutschland die AfD ein Drittel der Stimmen bekommen würde und dadurch mehr Macht hätte, würde es sie genauso machen. Herrn Kurz ist ganz klar wie welchen großen Einfluss die Medien haben und versucht sicher bei Meldungen die ihm nicht gefallen da gegenzusteuern, aber so einen Druck aufzubauen, mit offenen Drohungen wie Herr Vilimsky von der FPÖ das bei Herr Wolf gemacht hat, würde Kurz und Co (damit meine ich auch die anderen Parteien) sich nicht trauen. Man kann für Deutschland nur hoffen, dass sie weiterhin die AfD nicht zu groß werden lassen. Sonst wird es dort mit der Pressefreiheit auch abwärts gehen.

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Bondurant 23.05.2019, 12:38
24.

Zitat von Andraax
Sie verstehen einen entscheidenden Punkt nicht: Das eine ist zentral beeinflusste Berichterstattung, wie sie sich die Rechten vorstellen. Das andere ist dezentral beeinflusste Berichterstattung, wie sie in vielen kleinen Redaktionen unabhängiger Medien besteht. Es gab immer schon Medien die in die eine oder andere Richtung tendieren.
Bei den öffentlich-rechtlichen werden die entscheidenden Personen letztlich von den (regierenden) politischen Kräften bestimmt. Wer etwas anderes erzählt, bewegt sich in Fantasialand. Deshalb ist hier von einer "zentral beeinflussten Berichterstattung" durchaus auch auszugehen. Das ist ja gerade der Grund, warum die populistischen Parteien so gerne an die jeweiligen Staatsfunkanstalten heran wollen. Die sollen jetzt eben mal in Ihrem Sinne berichten. Dazu braucht es ja dann auch keine direkten Anweisungen mehr, wenn man die handelnden Personen einfach bestimmen kann. Wenn die Nachrichtensendungen in Zukunft dann eben statt von Herrn Kleber und seinesgleichen von Personen mit einer grundsätzlich anderen politischen Grundeinstellung moderiert werden, braucht es gar keine konkreten Anweisungen mehr, im Prinzip ändert sich dann also gar nichts, nur die Ausrichtung.

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großwolke 23.05.2019, 12:40
25. Zu empfindlich?

Okay, also das Angerufenwerden durch Leute, die sich durch Berichterstattung auf den Schlips getreten fühlen, ist Einschränkung der Pressefreiheit? Sorry, aber das sollte man als Journalist aushalten können. Und dass bestimmte Blätter einer bestimmten Klientel gegenüber freundlich berichten, ist auch nichts Neues. Wenn Ministerien randständige Blätter mit Steuermitteln per Anzeigenschaltung päppeln, gut, das hat ein Geschmäckle. Aber nicht unbedingt aus Gründen der Pressefreiheit. Selbst Propaganda durch Staatsmedien halte ich noch nicht unbedingt für kritisch, solange es eine freie private Medienlandschaft gibt, die dagegenhalten kann. Alles in allem könnte man es so zusammenfassen: wer es als seinen Job begreift, als moralisches Korrektiv zu wirken, der sollte davon ausgehen, dass das nicht jedem gefällt. Gegenwind ist in der Situation einfach Teil des Jobs.

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muellerthomas 23.05.2019, 12:46
26.

Zitat von Proggy
In der Biographie von Hans Joachim Friedrichs aus dem Jahr 1994 (zu seine Lebzeiten!) können Sie dieses Zitat finden - siehe dortigen Klappentext, da braucht man sich nicht auf einen "blog" verlassen.
Es geht nicht darum, dass das Zitat nicht sitmmt, sondern dass Sie und andere Rechte es komplett aus dem Zusammenhang reissen und damit anders deuten, als er es tatsächloch gesagt hat.

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rvankessel 23.05.2019, 12:55
27. Das war der Dolch...

...in den Rücken der noch verbleibenden Regierung. Mutig und vollkommen zu Recht. Wer Journalisten an ihrer Arbeit hindert und mit Rechten regiert, hat es nicht anders verdient. Hoffentlich spielen auch die Journalisten aus Österreich diesmal "über Bande" und erhöhen so den Druck, Kanzler Kurz am Montag zu stürzen.

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hman2 23.05.2019, 12:57
28.

Zitat von mirage122
Ich habe selbst lange Jahre bei dpa (Deutsche Presse Agentur) gearbeitet. Da wird ausschließlich das Roh-Material geliefert und an die Abonnenten weiter gegeben. Was die dann daraus machen, ist oftmals wenig objektiv und wird immer mit Meinungen und Tendenzen aufgearbeitet.
Auch das Rohmaterial ist IMMER subjektiv gefärbt. Das geht gar nicht anders. Perfekte Objektivität ist wie absolute Neutralität eine Illusion. Man kann sich bestenfalls asymptotisch annähern. Aber man kann sie NIEMALS erreichen.

Bestes Beispiel: Fotos und Videos. Selbst unbearbeitet sind sie subjektiv gefärbt auf keinen Fall "absolut neutral". Denn ein Fotograf hat zwangsläufig entscheiden müssen, WOHIN er die Kamera richtet...

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muellerthomas 23.05.2019, 13:00
29.

Zitat von großwolke
Okay, also das Angerufenwerden durch Leute, die sich durch Berichterstattung auf den Schlips getreten fühlen, ist Einschränkung der Pressefreiheit?
Sie sehen darin kein Problem?

Und lustigerweise mutmaßen rechte Kreise laufend, dass die deutsche Bundesregierung auf diese Art Einfluß auf die Medien nimmt und verurteilt das. Aber vermutlich wird es genau daher von Rechten auch als ganz normal angesehen, ebenso wie Korruption und wird daher nicht verurteilt, wenn das rechte Politiker machen.

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