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Propagandaschrift zum El-Paso-Attentat: Kein Ruhm für Mörder
Mario Tama / AFP

Das "Manifest", in dem der Attentäter von El Paso seine politischen Absichten beschrieben haben soll, wird massenhaft verbreitet. Wie gefährlich das ist, konnte man schon vor 50 Jahren wissen: Twittern lernen von Adorno!

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bumbewasserzong 06.08.2019, 15:50
1. Totschweigen...

...jedoch ist Wasser auf den Mühlen der Rechtsradikalen. Die beste Form, sich mit dem Pamphlet eines Rechtsterroristen auseinanderzusetzen, ist nicht, es zu kritisieren, ohne auf einen einzigen Punkt einzugehen, sondern im Gegenteil die rassistisch-nationalistische Aspekte zu zitieren und sie einzeln nacheinander zu zerlegen. Dies findet leider nicht statt.

Und so wird sich nun jeder, der sich für die genauen Beweggründe des Rechtsrerroristen interessiert, erstrecht auf die Suche nach dessen "Manifest" (das diese Bezeichnung wirklich nicht verdient) begeben. Sehr schade, Aufklärung ist das Gegenteil von Totschweigen
dieser Artikel ist leider Letzteres.

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pulverkurt 06.08.2019, 15:51
2. Sehr kluge und fundierte...

... Analyse. Bitte mehr davon, von dieser Autorin!

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Grübelbär 06.08.2019, 15:57
3.

Es geschehen noch Zeichen und Wunder – endlich ein Artikel von MS, dem ich weitgehend zustimmen kann.
Die Einschränkung „weitgehend“ bezieht sich auf die Tatsache, dass die beschriebenen „rechtsextremistischen“ Muster eben nicht nur im rechten, sondern auch im linken Lager verortet werden können (auch wenn linker Terror, abgesehen von G7 Treffen, brennenden Autos, etc. im Moment eher eine untergeordnete Rolle spielt).
Allerdings glaube ich nicht, dass der Apell der Autorin wirklich zu den Adressaten durchdringt. Die sozialen Medien haben inzwischen eine Dynamik entwickelt, auf die weder die Politik noch die klassischen (Online-)Medien bisher eine Antwort gefunden haben.
Diese Problematik wird uns noch gehörige Schwierigkeiten bereiten...

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jacktrades 06.08.2019, 16:02
4. Wer verbreitet es wirklich?!

Die Intention dieses Artikels mag positiv sein, aber leider bewirkt er (wie so oft) das Gegenteil.

Wer sich für solche Attentate und die Gedankenwelt der Täter interessiert bzw. von all dem fasziniert ist, der kommt an seine Dokumente, Videos und co. Normalerweise wäre das im Internet auf einschlägige Bereiche und den entsprechenden Personenkreis beschränkt. Die Verteilung (des Interesses) im Mainstream übernimmt dabei nicht irgendwelche Foren oder auch Facebook, sondern ihr lieber Spiegel Online!

Dem gedruckten Spiegel war früher (lese ihn heute leider selten) bei solchen Thematiken immer zu Gute zu halten, das es eine gewisse Zeit der Recherche gab, statt schneller Produktion von ‚populären’ Artikeln.

Wenn es Euch wirklich eher um die Opfer, statt des Täters geht, wäre folgendes Vorgehen angebrachter:
Berichtet initial über den Vorfall, dann einen Artikel nur über die Opfer (was hier zumindest teilweise passiert ist) ... und erst nach einer gewissen Zeit mit gesicherten Erkenntnissen kann man dann einen Artikel zum Täter und dessen Motivation folgen lassen.

Die Fülle an Artikel zum El Paso-Fall, wo gefühlt jedes neue Detail und jede Reaktion kommentiert werden muss, bei gleichzeitiger fast völliger Stille zum Fall in Dayton, wirkt leider auch zusätzlich wie Framing bzgl. rechte Taten sind schlimmer als linke. In beiden Fällen hat eine Einzelperson viel Leid verursacht. Der (wahre!) Hintergrund und die Umstände spielen dabei in meinen Augen nur in soweit eine Rolle bei der Analyse, ob und wenn ja wie man solche Fälle in Zukunft vermeiden kann.

Und da kommt Ihr von Spiegel Online wieder ins Spiel. Ich habe kein Problem damit, dass ein privatwirtschaftliches Unternehmen wie der Spiegel immer eine gewisse politische Ausrichtung haben wird. Aber bitte macht es nicht so überdeutlich, dass man Eure Artikel gar nicht mehr für voll nehmen kann.

Auch wenn im hiesigen Artikel auf ein bestimmtes Buch mit einem bestimmten Thema von Herrn Adorno eingegangen wurde, hätte man auch ergänzen können, dass gerade seine Ausführungen zur Propaganda eigentlich jede radikale Spektrum in Politik und Religion betrifft.

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Bondurant 06.08.2019, 16:07
5. Genau!

Sonst wird es weiterhin so sein, dass Menschen die Namen von Attentätern kennen, die zu Helden werden wollten, aber nicht die Namen ihrer Opfer. Wenn die Opfer in Vergessenheit geraten, haben die Täter gewonnen.

Deshalb ist ja auch geplant, eine Straße in der Nähe des Frankfurter Hbf nach dem kleinen Jungen zu benennen, der unlängst dort ermordet wurde. Oder habe ich da was falsch verstanden?

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nordschaf 06.08.2019, 16:25
6.

Zitat von Grübelbär
[...] Die Einschränkung „weitgehend“ bezieht sich auf die Tatsache, dass die beschriebenen „rechtsextremistischen“ Muster eben nicht nur im rechten, sondern auch im linken Lager verortet werden können (auch wenn linker Terror, abgesehen von G7 Treffen, brennenden Autos, etc. im Moment eher eine untergeordnete Rolle spielt). [...]
Also dafür hätte ich gern mal ein paar belastbare Beispiele. Die extremen Linken bemühen doch sonst eher andere rhetorische Geister.. Da ist doch von "das wird man doch wohl noch sagen dürfen", so genannten "Denkverboten" oder einem Ende der Schuldfrage eher wenig die Rede..

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Der Kopfschüttler 06.08.2019, 16:30
7. Chapeau

Das ist tatsächlich der erste Artikel von Frau Stokowski an dem ich nichts, aber auch gar nichts auszusetzen habe. Herzlichen Dank dafür.

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spon_4_me 06.08.2019, 16:37
8. Natürlich

hat Frau Stokowski Recht mit ihrer Analyse. Ob professionelle Medien angesichts der oft knappen Zeit und engen Deadlines immer so genau recherchieren, wie sie das beschreibt, ob derartige Propaganda ein Vorrecht der Rechten ist, sei dahingestellt. Aber das alles ist doch der Versuch, die Stalltür zu schließen, nachdem das Pferd längst ausgebüxt ist. Es stimmt ja, dass die Verbreitung solcher Pamphlete durch x-beliebige Netzspacken ein Problem ist; es stimmt auch, dass die Algorithmen der großen Plattformen solchen Mist wegen der Clickzahlen, die das generiert, und der Verweildauer, die das rechnerisch erzielt, auch noch fördern; es : Diese Plattformen sind nicht den Gesetzen normaler Medien im Hinblick auf Qualität und Nachfragefestigkeit ihrer Berichterstattung unterworfen. Sie führen den Anspruch auf Meinungsfreiheit ein Stück weit für sich an, ohne damit einhergehenden Pflichten auf professionelle Redlichkeit nachzukommen. Man kann das alles wieder und wieder bedauern - bei diesem Massaker wie beim nächsten, übernächsten und dann so weiter ad nauseam infinitam. Aber was kann man, was kann und will z.B. SPON tun, um die Unterhaltung, die hier stattfinden zu zivilisieren? Und in einem stimme ich Frau Stokowski nicht zu: Derartige Verbreitung in den sozialen Medien dient nicht dem "Ruhm der Mörder". Was da passiert, ist psychologisch fast identisch zur Pornographie, es spricht fast genau die gleichen Empfänger in unseren Hirnen an und wird meines Erachtens mit der gleichen Mischung aus Geilheit und schamhafter Minderwertigkeit konsumiert. Leider scheint dies auch unwiederbringlich: Dass wir zwischen Schund und Literatur, zwischen Lärm und Klang, zwischen dem forkenschwingenden Johlen des Mobs, dessen Teil wir manchmal sind, und der engagierten Debatte intelligenter Menschen, die wir meistens sein wollen, unterscheiden können.

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dasfred 06.08.2019, 16:52
9. Zu Nr.5 Bondurant

Ich empfinde Ihren Post zu dem Tötungsdelikt in Frankfurt geschmacklos. Hier wollte niemand morden, um seine politische Überzeugung zur Schau zu stellen, sondern er hat unter dem Zwang einer psychischen Erkrankung gehandelt. Kind und Täter sind hier nicht gleichsetzen mit Menschen, die andere aufgrund von Religion, Hautfarbe oder Herkunft umbringen. Ansonsten freut es mich, dass Frau Stokowski heute mal nicht von zornigen weißen alten Männern angegriffen wird, sondern auf sehr viel Zustimmung stößt.

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