Forum: Kultur
Propagandaschrift zum El-Paso-Attentat: Kein Ruhm für Mörder
Mario Tama / AFP

Das "Manifest", in dem der Attentäter von El Paso seine politischen Absichten beschrieben haben soll, wird massenhaft verbreitet. Wie gefährlich das ist, konnte man schon vor 50 Jahren wissen: Twittern lernen von Adorno!

Seite 2 von 9
klichti 06.08.2019, 16:58
10.

Zitat von Grübelbär
Es geschehen noch Zeichen und Wunder – endlich ein Artikel von MS, dem ich weitgehend zustimmen kann. Die Einschränkung „weitgehend“ bezieht sich auf die Tatsache, dass die beschriebenen „rechtsextremistischen“ Muster eben nicht nur im rechten, sondern auch im linken Lager verortet werden können (auch wenn linker Terror, abgesehen von G7 Treffen, brennenden Autos, etc. im Moment eher eine untergeordnete Rolle spielt). Allerdings glaube ich nicht, dass der Apell der Autorin wirklich zu den Adressaten durchdringt. Die sozialen Medien haben inzwischen eine Dynamik entwickelt, auf die weder die Politik noch die klassischen (Online-)Medien bisher eine Antwort gefunden haben. Diese Problematik wird uns noch gehörige Schwierigkeiten bereiten...
Verweis auf Sascha Lobos Aufsatz https://www.spiegel.de/netzwelt/web/debatten-nach-rechts-verschieben-anleitung-in-20-schritten-kolumne-a-1274387.html, in diesem Fall Nr. 15: "Reden Sie niemals über Rechtsextreme, ohne auch Linksextremismus zu erwähnen." Ich wünschte wirklich, er hätte hier nicht so sehr recht.

Beitrag melden
bökelmann 06.08.2019, 17:02
11. Danke

Vielen Dank für den YouTube-Link zu dem Vortrag. Auch nach über 50 Jahren ist es faszinierend, Adorno zuzuhören. Er hat diese Vorträge und seine Vorlesungen übrigens nicht vorgelesen, sondern frei gesprochen.

Beitrag melden
Latenight 06.08.2019, 17:04
12.

Dann sollte konsequenterweise aber auch SPON nicht selektiv aus dem Manifest zitieren, um das Anti-Trump Narrativ weiter zu pushen. In dem Manifest geht der Attentäter auch darauf ein, dass die "Fake News" seine Tat auf Rassismus und Trump reduzieren werden. Und führt ausdrücklich aus, dass er seine Einstellung schon vor Trump hatte und Demokraten wie Republikaner verabscheut. Wenn man seine Punkte liest und unbedingt Schuldige in der Politik suchen will, dann spricht viel mehr dafür, dass die mittlerweile extrem linke Rhetorik der Demokraten z.B. im Rahmen der TV Debatten das Fass zum überlaufen gebracht hat.

Beitrag melden
Little_Nemo 06.08.2019, 17:05
13. Netter Versuch

Zitat von bumbewasserzong
...jedoch ist Wasser auf den Mühlen der Rechtsradikalen. Die beste Form, sich mit dem Pamphlet eines Rechtsterroristen auseinanderzusetzen, ist nicht, es zu kritisieren, ohne auf einen einzigen Punkt einzugehen, sondern im Gegenteil die rassistisch-nationalistische Aspekte zu zitieren und sie einzeln nacheinander zu zerlegen. Dies findet leider nicht statt. Und so wird sich nun jeder, der sich für die genauen Beweggründe des Rechtsrerroristen interessiert, erstrecht auf die Suche nach dessen "Manifest" (das diese Bezeichnung wirklich nicht verdient) begeben. Sehr schade, Aufklärung ist das Gegenteil von Totschweigen dieser Artikel ist leider Letzteres.
Naja, auf der anderen Seite: Wenn einer mit einem Schnellfeuergewehr durch ein Einkaufszentrum marodiert und unschuldige, arglose Menschen erschießt; welche Argumente könnte es geben das zu rechtfertigen oder auch nur zu rechtfertigen sich damit auseinanderzusetzen? Welche Thesen könnten hinter so einer Tat stehen, die es zu beachten lohnen könnte? So etwas kann nur einem ohne jeden Zweifel durch und durch kranken und feigen Weltbild entspringen, und jede Sekunde, die man mit der Lektüre der Rechtfertigungsversuche eines solchen Soziopathen vergeudet stellt auch schon fast ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, in jedem Fall aber eine unglaubliche und unentschuldbare Vergeudung von Zeit und Hirnleistung dar. Und man giibt ihnen obendrein was sie erreichen wollen.

Beitrag melden
burlei 06.08.2019, 17:17
14. "Das wird man doch wohl noch sagen können"

Anhänger rechter Ideologien informieren sich, sind wissbegierig, nehmen nicht alles kritiklos hin. Geschockt? Doch, es ist so.

Anhänger rechter Ideologien informieren sich aus Quellen, die ihrem Gedankengut entsprechen, sie forschen in ihnen genehmen Quellen nach, sehen Beiträge, die ihren Ansichten nicht entsprechen äußerst kritisch. Mit Grund. Der Staat, vertreten durch die "Altparteien", den (grundsätzlich) "korrupten Politikern", der "Systempresse" und anderen ist ihnen feindlich gesinnt, verbreitet "Lügen", um ihnen zu schaden. Sie springen sofort auf Geschehen an, die in ihrem eng begrenzten Weltbild gravierend sind. Als in Voerde (Niederrhein) ein weißer Europäer eine 34-jährige Frau vor einen Zug stieß, interessierte das niemanden aus der rechten Szene. Als in Frankfurt ein farbiger Afrikaner eine Frau und ihr Kind vor einen Zug stieß, kochte der "Volks"zorn. Tiefgreifende Gründe einer Tat interessieren Rechte nicht, sie könnten ihr Weltbild erschüttern. Nein, falsch. Das Weltbild der Rechten ist unerschütterlich. Sie haben längst die Grundwerte einer demokratischen Gesellschaft verlassen, leben in ihrem braunen Sumpf, zusammen mit Gleichgesinnten und fühlen sich allen anderen überlegen. Da kommt schon mal hier und da die "Herrenrasse" zum Vorschein, wenn sie stiernackig und/oder stumpfsinnig durch die Straßen der Städte latschen, entschlossen (also miesepetrig und verkniffen) eine strahlende Zukunft im Auge. Doch, sie sind - obwohl gerne und empört zurück gewiesen - Nazis, nichts anderes. Und wenn das jemanden nicht passt, als Nazi tituliert zu werden - Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!

Beitrag melden
Newspeak 06.08.2019, 17:39
15. ...

Es liegt in der Natur der Sache, dass ueber Taeter mehr berichtet, wird, als ueber Opfer. Opfer, das sind normale Menschen, das koennte jeder sein, das ist nicht aussergewoehnlich. Taeter, das sind abnormale Menschen, an denen ist irgendetwas speziell, auch wenn es im Schlechten ist, aber dennoch ist es ein Unterscheidungsmerkmal, das ihnen hoehere Aufmerksamkeit garantiert.

Die eigentliche Frage ist doch, woher kommt der Zwang ueberhaupt etwas weiterzuverbreiten? Woher der Mitteilungsdrang, alles ins Internet zu stellen? Ok, ich gebe zu, ich bin da nicht konsequent, sonst wuerde ich hier nicht kommentieren. Ich bin mir dieses Widerspruchs bewusst. Dennoch gibt es Abstufungen. Man stelle sich nur vor, die Menschen, die staendig irgendetwas teilen, wuerden diese Zeit nutzen, um sich selbst zu verbessern.

Beitrag melden
Schindelaar 06.08.2019, 18:07
16. Bravo.

Stokowski zeigt endlich, dass sie viel mehr drauf hat als immer nur blinden Hass auf Männer bzw. ungefragt für alle Frauen der Welt sprechen zu wollen. Guter Beitrag, der zum Nachdenken in mehrere Richtungen anregt. Danke, Liebe Margarete.

Beitrag melden
freidenker! 06.08.2019, 18:28
17. Gegenprogramm ...

Gibt es denn niemanden der ein automatisches Gegenprogramm zur Identifizierung und Auslöschung von menschenverachtenden und rassistischen Texten entwickeln, programmieren und in die Netze einschleusen kann? Wenn ein Text beispielsweise zu oft bestimmte Worte und Satzkonstellationen aufweist (z.B. "die weiße Rasse ist der farbigen Rasse überlegen", das Wort Rasse taucht bereits in diesem kurzen Satz 2x auf), dann müßte dieses Gegenprogramm den Text auslöschen können. Ich weiß das dies sehr sehr schwierig ist, und auch ein Gegenprogramm selber mißbraucht werden kann, von der rechtlichen Problematik einmal abgesehen. Aber es muß doch irgendetwas geben, was der massenhaften Produktion von Lügentexten Einhalt gebieten kann. Dann müßten die Lügentexte nicht nur identifiziert werden können, man müßte auch die Quelle aufdecken von woher sie kommen. Und diese Quelle müßte kriminalistisch ausgeschaltet werden, natürlich taucht dafür dann eine neue Quelle auf, was bedeutet das man schneller Quellen ausschalten muß als neue Lügenquellen entstehen können. Ein fast unmögliches Unterfangen, aber es muß doch eine Lösung geben.

Beitrag melden
snafuprinzip 06.08.2019, 18:33
18. Das sehe ich leider genau anders

Zitat von Little_Nemo
Naja, auf der anderen Seite: Wenn einer mit einem Schnellfeuergewehr durch ein Einkaufszentrum marodiert und unschuldige, arglose Menschen erschießt; welche Argumente könnte es geben das zu rechtfertigen oder auch nur zu rechtfertigen sich damit auseinanderzusetzen? Welche Thesen könnten hinter so einer Tat stehen, die es zu beachten lohnen könnte? So etwas kann nur einem ohne jeden Zweifel durch und durch kranken und feigen Weltbild entspringen, und jede Sekunde, die man mit der Lektüre der Rechtfertigungsversuche eines solchen Soziopathen vergeudet stellt auch schon fast ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, in jedem Fall aber eine unglaubliche und unentschuldbare Vergeudung von Zeit und Hirnleistung dar. Und man giibt ihnen obendrein was sie erreichen wollen.
Es geht ja auch gar nicht darum die Tat zu rechtfertigen, wie sollte das auch schon moeglich sein; vielmehr ist es wichtig die Hintergruende der Sozialisation zu erforschen die den Taeter erst dazu gefuehrt hat diese Tat zu begehen.
Woher kommt es, dass es von Tag zu Tag mehr ueberzeugte Rassisten und Rechtsradikale gibt in Deutschland? Wie und mit welchen Argumenten gehen diese vor und schaffen es Begeisterte um sich zu scharen?
Weder der Artikel von Frau Stokowski, noch der von mir durchaus geschaetzte Adorno hat irgendwas neues zu dem Thema beigetragen, was ich nicht schon vor dreissig Jahren wusste.
Dass man seinen Feind erst verstehen muss um ihn effektiv bekaempfen zu koennen wusste bereits Sun Tzu, und um ihn zu verstehen muss man sich meiner Meinung nach in ihn hineinversetzen, auch wenn das zumeist extrem unangenehm ist.

Beitrag melden
JohnDoe5533 06.08.2019, 18:48
19. Solche Geschichten mit Vorsicht genießen

Nach Aussage von Jim Watkins, dem Eigentümer von 8chan, der Seite, auf dem das Manifest gepostet wurde, kann der Upload nicht vom Attentäter stammen.
https://www.youtube.com/watch?v=yKPdbEAmWGE

Zusätzlich passen mehrere Dinge hier nicht zusammen. Einerseits hat wer-auch-immer das Dokument hochgeladen, als das Massaker bereits in vollem Gange war, es bleibt zu bezweifeln, dass der Attentäter kurz pausiert hat, nur um sein Manifest hochzuladen. Andererseits hat das Dokument den Namen des Attentäters im Dateinamen, was recht unglaubwürdig daherkommt. Zusätzlich haben die beiden Threads, in denen der Verfasser versucht hat, das Dokument zu verbreiten zusammen gerade einmal vier Antworten erhalten, was gemessen an der durchschnittlichen Nutzung von 8chan praktisch absolut keine Beachtung bedeutete. Kurz nach dem Upload wurden beide Threads von den Moderatoren gelöscht.

Meine Vermutung ist, dass man diesen Amoklauf nutzen wollte, um eine große Zielscheibe auf die Seite zu malen, weil sie den Sicherheitsorganen der Vereinigten Staaten spätestens seit dem Amoklauf von Christchurch ein Dorn im Auge ist. Deshalb wundert es auch nicht, dass die Seite inzwischen vom Netz genommen wurde und auf P2P-Hosting umsteigen musste.

Beitrag melden
Seite 2 von 9
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!