Forum: Kultur
Propagandaschrift zum El-Paso-Attentat: Kein Ruhm für Mörder
Mario Tama / AFP

Das "Manifest", in dem der Attentäter von El Paso seine politischen Absichten beschrieben haben soll, wird massenhaft verbreitet. Wie gefährlich das ist, konnte man schon vor 50 Jahren wissen: Twittern lernen von Adorno!

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pck2 07.08.2019, 00:18
40. @34 Little_Nemo

"Es ist aber weder ratsam, noch hilfreich, noch vertretbar sein sogenanntes "Manifest" zur allgemeinen Pflichtlektüre zu erklären und damit zu einem Text von Bedeutung zu verklären."

Hat das jemand getan?

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anduls 07.08.2019, 00:50
41. Der Attentäter von Dayton war wahrscheinlich ein Linker,

und Anhänger von Bernie Sanders. Bernie Sanders ist mit verantwortlich, durch seine Hassreden gegen Menschen anderer Meinung, konservativer Meinung.

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willem_vonwegen 07.08.2019, 05:57
42. Bravo, ein schritt zurück in die richtige Richtung!

Ich bin ein sogenannter digital native. Um das Jahr 2000 war ich 12 und wir schaften uns als Familie unseren ersten PC an, mit Internetz!
Es war dermassen spannend und revolutionär: man konnte auf einmal informationen von zu hause aus einholen, ohne Zeitschriften zu kaufen, Bücher auszuleihen usw. Und man konnte mit anderne Menschen, die man eigentlich nicht kannte, auf onlineplattformen wie chatrooms oder den ersten social media seiten (z.b. uboot.de) Kontakt aufnehmen und spontan dialoge beginnen, verrückt! Aber meine Freunde und ich wussten allezeit: pass auf was du im Netz sagst. Jeder kann es lesen und mam weiss nie wer es liest. Folglich: jeder kann irgendwas ins Internet stellen, also glaube nicht alles was du da liest. Und vor allem: wenn etwas verstörend oder extrwm ist (in Bild und Sprache) dann war das für uns ein Beispiel für einen "Kranken" der im Inet einen weg gefunden hat seine Gedankenwelt öffentlich zu machen, und wir 12jährigen Hosensch...er wussten schon damals dass man sowas ignorieren sollte. Dieses Wissen und Netiquette ist mit der Zeit irgendwie verloren gegangen, ich freue mich dass solche Gedanken wieder in sind

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spon_4_me 07.08.2019, 06:21
43. @ vera gehlkiel (# 31):

Da haben Sie meine Anmerkung, liebe Co-Foristin, auf ein intellektuelkes Niveau gehoben, auf das sie von alleine nicht gekommen wäre. Mein Punkt war (wie so oft) banaler: Frau Stokowski bringt zu Beginn ihrer Kolumne derartige „Manifeste“ ja in Kontakt mit seriöser Pressearbeit und unterscheidet den professionellen vom laienhaften Umgang mit Nachrichten. In meinen Augen begeht sie da sozusagen einen Kategorienfehler, weil die Wirkungsweise dieser Propaganda nicht die Ratio oder das reflektierende Urteilsvermögen anspricht, sondern viel ältere, im Kleinhirn verortete Triebmuster, auf die die Vernunft im Prinzip keinen Zugriff hat. Es ist also daher so (bildlich gesprochen), als empfehle man dem Konsument eines Sexfilms, stattdessen doch lieber mal Shakespeares Sonette zu lesen.

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snafuprinzip 07.08.2019, 06:46
44.

Zitat von Little_Nemo
Die Sozialisation dieses Soziopathen, seinen bisherigen Lebensweg, seine Kontakte und Vernetzung, mag man ja gern erforschen. Es ist aber weder ratsam, noch hilfreich, noch vertretbar sein sogenanntes "Manifest" zur allgemeinen Pflichtlektüre zu erklären und damit zu einem Text von Bedeutung zu verklären. So nach dem alten, billigen Sarrazin-Motto: "Wer es nicht gelesen hat, darf sich auch kein Urteil erlauben". Ich wage zu behaupten, dass man in diesem Schriftstück keine bedeutsamen Inhalte finden wird aus denen irgendwelche weiter reichenden Erkenntnisse zu gewinnen wären. Schon gar nicht für die Allgemeinheit. Psychologen und Ermittler werden sich ohnehin damit befassen. Normalbürger sollte man mit diesem geistigen Auswurf, der nur zur weiteren Verhöhnung der Opfer und ihrer Angehörigen beitragen kann, nicht belästigen. Der von Ihnen so geschätzte Adorno ist übrigens schon vor fünfzig Jahren gestorben.
Hallo Little_Nemo,

hatte ich irgendwo geschrieben, dass es eine Pflichtlektuere sein muss und dass man in den Schulen dieses Schriftstueck lesen sollte?

Aber in einem Punkt haben sie Recht, wer die Schrift nicht gelesen hat darf sich ueber das Schriftstueck auch kein Urteil erlauben; ueber die Tat aber sehr wohl. Interessant auch, dass sie ohne es gelesen zu haben Behauptungen aufstellen und danach genau ein solches Urteil ueber den Text faellen. Ich erwarte tatsaechlich ebenfalls keinen grossen Wissensgewinn, der ueber ein Psychogramm des vermeintlichen Verfassers hinausginge, aber das muss ebenso wie die Tatsache ob man es liest oder nicht, jeder fuer sich entscheiden.
Ihre Behauptung entspringt jedenfalls mehr ihrem Weltbild als den Fakten.

Bei dem Satz "und schon gar nicht fuer die Allgemeinheit" straeubt sich in mir alles. Natuerlich und vor allen Dingen muessen alle Informationen jeglicher Art immer der gesamten Allgemeinheit zur Verfuegung gestellt werden, muss man sowas ueberhaupt diskutieren? Der Normalbuerger sollte mit sowas nicht "belaestigt" werden? Und deswegen darf ich als "Normalbuerger" auch erst gar keinen Zugang dazu bekommen, sondern nur selbst ernannte Experten in Lindnerscher Manier? Und das entscheidet jetzt wer fuer wen genau? Und wieso verhoehne ich die Opfer indem ich einen Text lese? Verhoehne ich die Opfer des Nationalsozialismus wenn ich mit kritischem Blick "Mein Kampf" lese?

Ebensowenig erschliesst sich mir ihr Hinweis auf Adornos Tod. Wollen sie damit sagen, dass er zu der Debatte nichts beitragen kann was ich nicht schon vor dreissig Jahren gewusst haette, weil er bereits davor verstarb und daher in den letzten dreissig Jahren nichts neues mehr veroeffentlichen konnte, oder was moechten sie damit zum Ausdruck bringen?

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Little_Nemo 07.08.2019, 08:13
45. @pk2

Zitat von pck2
"Es ist aber weder ratsam, noch hilfreich, noch vertretbar sein sogenanntes "Manifest" zur allgemeinen Pflichtlektüre zu erklären und damit zu einem Text von Bedeutung zu verklären." Hat das jemand getan?
Haben Sie die Diskussion verfolgt? Offenbar war doch hier jemand der Meinung, wir sollten alle das krude Pamphlet des Massenmörders und vermutlich auch anderer Massenmörder studieren. Wie sollten wir das wohl, wenn es nicht verbreitet würde? Und vor allem wozu?

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OhMyGosh 07.08.2019, 08:16
46.

"Es gibt ein "Manifest", das der Tatverdächtige von El Paso ins Internet gestellt haben soll, in dem er seine politischen Absichten beschrieben haben soll."
Das Geschreibsel eines amoralischen Massenmörders und seine vermeintlichen Beweggründe interessieren mich nicht. Statt über diese Bestie auch nur ein Wort in der medialen Öffentlichkeit zu verlieren, sollten stattdessen Fotos, Videos, Texte der sinnlos Ermordeten veröffentlicht und mit aller gebotenen Diskretion ihre Familien, Freunde und Kollegen, welche ohne die Ermordeten weiterleben müssen, zu Worte kommen. Wir brauchen eine mediale Kultur der Empathie und der kollektiven ubiquitären Trauer um sinnlos zerstörtes Leben, die Gesichter und Geschichten der Getöteten, aber keine Berichte über die Motive des Massenmörders und schon gar nicht über seine Lebensgeschichte. Wer sich derart brutal außerhalb der menschlichen Ordnung stellt, hat nur noch ein einziges Recht: nicht beachtet zu werden, namenlos und quasi identitätslos zu bleiben.
Und in diesem Zusammenhang hat die internationale wie auch nationale Presse eine ebenso hohe moralische Verpflichtung wie Politik und Gesellschaft.

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GinaBe 07.08.2019, 08:17
47. Die Kunst des Zuhörens

Vor fünfzig Jahren starb der Philosoph Theodor W. Adorno in den Bergen von Zermatt Und gestern schlug ich ein bestelltes und abgeholtes Buch aus der Bibliothek auf von Hans Mayer, einem großen Kultur- und Literaturwissenschaftler, der in einem der beiden Werke (Zeitgenossen) über Adorno begann. Wie habe ich mich, anlässlich seiner Aktualität zum 50. Todestag, geradezu kindlich gefreut!
Das Manko unserer Gegenwart, täglich politisch oder/und wirtschaftlich animierten Marktschreiern zu begegnen aber kaum auf klare, feste erwachsene Menschen mit Vorbildcharakter zu stoßen, die sich für ihre Werte und Überzeugungen einsetzen, verhindert nahezu Orientierung in dieser unserer unübersichtlich erscheinenden Welt. Wichtig, wichtig, wichtig, bellen sie. wir, sorry für die Einvernahme, bellen fleißig mit, posten was das Zeug hält, teilen alles mögliche, ob "gut", ob "schlecht", weil uns schon das Beurteilungsvermögen abhanden gekommen ist.
Ich danke Maragarete Stokowski für ihren Appell!

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werner.wagner 07.08.2019, 08:40
48. Herostratos - die Masche ist schon etwas älter

siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Herostratos

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Little_Nemo 07.08.2019, 08:49
49. Kausalitäten aus dem Suppentopf

Zitat von anduls
Der Attentäter von Dayton war wahrscheinlich ein Linker,...und Anhänger von Bernie Sanders. Bernie Sanders ist mit verantwortlich, durch seine Hassreden gegen Menschen anderer Meinung, konservativer Meinung.
Hat Bernie Sanders zu Gewalt gegen die Presse und seine politischen Gegner aufgerufen? Können Sie Beispiele nennen? Hat er gesagt, dass er mitten in New York jemanden erschießen könnte und trotzdem gewählt würde? Hat der Dayton-Attentäter aufgrund seiner linken Überzeugungen gemordet? Woran machen Sie das fest? Einfach daran, dass er ein Linker war? War der Fußball dann auch mit Schuld an Fritz Honkas Frauenmorden, weil er Fußball mochte?

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