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Psychoanalytiker über linke Krise: Die Depression der Liberalen
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Der Psychoanalytiker Carlo Strenger zeigt, wie liberale Eliten funktionieren - und weshalb sie Trump und Co. so wenig zu entgegnen haben. Ein alarmierender Befund.

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hansa_vor 20.05.2019, 21:50
1. Das Problem

der Linken ist, dass ihnen die früher vorzeigbare Intelligenz abhanden gekommen ist.

Es ist nur noch unbelehrbarer, unsozialer Bodensatz übrig welchen kaum einer mehr ernst nimmt.

Wo sind die Vordenker, die Mutigen geblieben?

Heute besteht Links nur noch aus zerstören, enteignen, kollektivieren aber Ideen wie es danach weiter gehen soll sind mangels kognitiven Fähigkeiten nicht mehr am "Radar".

So ähnlich wären die Saurier auch ausgestorben wenn nicht ein Asteroid die Geschichte "verfälscht" hätte.

Und ja, ich kann mit dem Verschwinden der Linken, welche eben nicht LIBERAL sind gut leben.

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pecos 20.05.2019, 21:53
2. Ich verstehe die Basis, auf der dieser ...

... Artikel aufbaut, überhaupt nicht, weil gar keine Befunde geliefert werden. Ja, das Argument hört sich erst einmal plausibel an - allein: eine solide Grundlage, um das zu beurteilen, finden wir nicht in diesem Artikel. "Jeff" ist jemand, den Strenger zusammengepuzzled hat. Warum? Hat er doch niemanden unter seinen Patienten, bei dem die Sachlage so ist, wie der erfundene Jeff sie hat? Wenn das so ist: werden hier Indizien zusammenkomponiert, um eine Sachlage herzustellen, die es gar nicht gibt? Ein weiterer Punkt lässt dies vermuten: der Autor des Artikels weist auf den von Strenger behaupteten "Run" der Kosmopoliten zur Couch der Therapeuten. Welche Basis hat dieses Argument? Warum werden keine Zahlen gegeben? Ist das ein Befund, der vielleicht in einer Stadt (Tel Aviv) eine Grundlage hat, aber hat er die auch in Barcelona? In Düsseldorf? In Rio? In Houston? Also Fragen über Fragen, die der Artikel nicht beantwortet und - ich vermute - das Buch eben auch nicht. Seltsam seltsam...

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großwolke 20.05.2019, 22:01
3. Wollen? Können!

Ich will mal gar nicht darauf eingehen, dass in dem Artikel vieles durcheinanderging, viele Begrifflichkeiten unscharf verwendet und durcheinandergeworfen wurden. Aber ein Punkt ist da, den sollten die "verdammten liberalen Eliten" vielleicht ein bisschen wohlwollender beurteilen: Es ist nicht unbedingt so, dass die "Somewheres" nicht weg wollen, sie können es schlicht nicht. Ich bin als Studienabbrecher mit Ausbildungsberuf ein ziemlich gutes Beispiel dafür: ich habe einige meine Altersgenossen während des Studiums im Ausland besucht, ich spreche und schreibe ein ziemlich gutes Englisch, ich habe hier in Deutschland bereits in international besetzten Teams gearbeitet. Nur eben als Facharbeiter. Meine Art von Qualifikation gibt es außerhalb des deutschen Sprachraums nicht, dort ist der Arbeitsmarkt anders strukturiert. Und so geht es vielen Leuten, die kein Handwerk erlernt haben, wobei Handwerker Deutschland in der Regel nicht verlassen MÜSSEN, die haben ja hierzulande ein relativ gutes Auskommen und ein erstklassiges soziales Netz. Viele Handwerker aus Osteuropa hingegen haben den Schritt gemacht. Dazu kommt noch, dass bei weitem nicht jeder Mensch dazu gemacht ist, seine Heimat aufzugeben und anderswo glücklich zu werden. Ich habe mit einigen meiner ausländischen Kollegen diesbezüglich aufschlussreiche Gespräche geführt. Auf Dauer keinen zu haben, mit dem man in seiner Muttersprache reden kann, kann massiv aufs Gemüt schlagen. Und es ist ja auch nicht so, dass diese neuen welt- oder zumindest europareisenden Geistarbeiter eine große Mehrheit ausmachen. Sie täten also gut daran, anzuerkennen, dass die Mehrheit der Menschen nicht ohne Not zu Weltenbummlern wird.

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Waldwärts 20.05.2019, 22:04
4. Der Anywhere ist auch immer Somewhere

Genau betrachtet ist der Typus des anywhere am kürzeren Hebel, existiert fast parasitisch.
Denn wo immer der Anywhere sein wird, ist Somewhere. Und dieses Somewhere will geschaffen und gepflegt sein. Der Rasen gemäht, die Straße gefegt, das Zusammenleben organisiert. Und all dies sind Arbeiten die Menschen verrichten die generell nicht die Möglichkeiten haben sich in einem fort neue Existenzen an neuen Orten aufzubauen und demnach zwangsläufig Somewheres sein müssen, oder eben jenen die das entsprechende Somewhere genau genug kennen müssen um adequate organisationsarbeit leisten zu können.

Orte werden schlicht von Menschen geschaffen die an und in ihnen leben.

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wahnbert 20.05.2019, 22:28
5. Leben in einer Scheinwelt

Das ist doch nachvollziehbar. Menschen die meinen, überall ohne Probleme leben zu können, ohne Bindungen, leben doch oftmals in einer Scheinwelt. Viele Freunde, überall auf der Welt, das Markenzeichen dieser Menschen. Weltoffen und Multikulturell, nur dann führt man ein erfülltes Leben. Nur, die Wirklichkeit ist gnadenlos anders. Die überwiegende Mehrheit der Menschen möchte so ein Leben dauerhaft nicht. Egal, in welchem Erdteil lebend, am liebsten wären die Menschen in einem lebenswerten Zuhause die Rasenmähermenschen. Die sogenannten Aufgeklärten können darum die Tendenz zu konservativem Wahlverhalten überhaupt nicht nachvollziehen. Sie leben in einer Scheinwelt und verzweifeln, wenn sie das bemerken. Dann hilft auch hohe Bildung nicht weiter.

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Bananenschale 20.05.2019, 22:34
6. Das Problem

Zitat von hansa_vor
der Linken ist, dass ihnen die früher vorzeigbare Intelligenz abhanden gekommen ist. Es ist nur noch unbelehrbarer, unsozialer Bodensatz übrig welchen kaum einer mehr ernst nimmt. Wo sind die Vordenker, die Mutigen geblieben? Heute besteht Links nur noch aus zerstören, enteignen, kollektivieren aber Ideen wie es danach weiter gehen soll sind mangels kognitiven Fähigkeiten nicht mehr am "Radar". So ähnlich wären die Saurier auch ausgestorben wenn nicht ein Asteroid die Geschichte "verfälscht" hätte. Und ja, ich kann mit dem Verschwinden der Linken, welche eben nicht LIBERAL sind gut leben.
Definieren Sie bitte 'links'!

Ich habe die Abhandlung von Carlo Strenger nicht glesen. Spricht er wirklich von links? Inwieweit grenzt er das ein?

Ein Versuch 'links' und 'liberal' gegeneinander abzugrenzen: Links ist, wer die Marx'sche Kritik am Mehrwert teilt. Die Schlußfolgerungen daraus muß er noch lange nicht teilen. 'liberal' ist in Abgrenzung zu 'links', wer die Gewißheit dieser These als Frage aufzufassen versteht.

Die Frage ist doch nicht, ob Linke liberal sind. Die Frage ist, ob die Liberale links sind / sein können. Typischerweise haben die, die als links gelten, mit links nichts aber auch rein gar nichts zu tun! Und ebenso ist typischerweise 'liberal' nichts anderes, als der Versuch einer Verobjektivierung der eigenen Egozentrizität. Woran erkennt man solche mißgestalteten Liberale? An Moral. Was ist Moral? Moral ist der Versuch eine Ethik unter der Nebenbedinung des Eigennutzes. Siehe FDP.

Also, wie ist es?

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Bananenschale 20.05.2019, 22:39
7. Der kursive Verdacht

Zitat von hansa_vor
der Linken ist, dass ihnen die früher vorzeigbare Intelligenz abhanden gekommen ist. Es ist nur noch unbelehrbarer, unsozialer Bodensatz übrig welchen kaum einer mehr ernst nimmt. Wo sind die Vordenker, die Mutigen geblieben? Heute besteht Links nur noch aus zerstören, enteignen, kollektivieren aber Ideen wie es danach weiter gehen soll sind mangels kognitiven Fähigkeiten nicht mehr am "Radar". So ähnlich wären die Saurier auch ausgestorben wenn nicht ein Asteroid die Geschichte "verfälscht" hätte. Und ja, ich kann mit dem Verschwinden der Linken, welche eben nicht LIBERAL sind gut leben.
Es kursiv könnte sein, daß der Autor des Artikel das Buch nur angelesen hat, aber nicht zur gänzle gelesen. Mit Google hat er abgerundet.

Rein kursiv gedacht könnte es kursiv so ein. Muß es aber natürlich nicht.

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Michiko 20.05.2019, 22:45
8. Es grenzt an Selbstbetrug wenn die Anywheres...

...glauben, überall leben zu können.
Solche Aussagen dienen letztlich nur der Selbsterhöhung.
Sicherlich, Tokio, Sydney, Paris, Rom, London, New York oder Buenos Aires sind nicht abwegig, aber Riad, Bagdad, Kairo oder Beirut sind dann doch eher weniger bevorzugte Orte.
Und schon gar nicht mit Familie und schulpflichtigen Kindern.

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mmaltensen 20.05.2019, 22:56
9. merkwürdig

in der Überschrift wird links und liberal komischerweise als Synonym verwendet. Daran mag vielleicht stimmen, dass ehemalige Linke zu liberalen Themen gewechselt sind und diese als links ausgeben. Gleichberechtigung,Identitätspolitik etc.. Und nein, nicht einmal Gerechtigkeit ist per se ein linkes Thema. Marxisten, so sie sich nicht nur so nennen, können Marx entnehmen, dass es ein "bürgerliches" Ideal ist. Und was an diesen durchindividualisierten, sich selbstoptimierenden Chai-Latte-Trinkern links sein soll, erschliesst sich mir auch nicht so recht. Links - da war doch noch was: Arbeiterklasse, Veränderung der Produktionsverhältnisse, Kampf gegen das kapitalistische System. Selbst die SPD war früher mal so drauf. Da lasst uns doch lieber aussterben.

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