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Putin-Talk bei "Maybrit Illner" : "Dann ist doch Trump och 'n Oligarch!"
DPA

Syrien und der Fall Sergej Skripal dominieren derzeit die Schlagzeilen. Maybrit Illner nahm das zum Anlass, um zu fragen: "Steht Putin unter Generalverdacht?" Ihre Gäste fanden erstaunlich ausgewogene Antworten.

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good_wife 13.04.2018, 10:16
30. Motivlage

Skripal ist Russe und hat Informationen an einen westliche Geheimdienst gegeben. Jetzt macht er es sich in Großbritannien gemütlich. Das Motiv Nachahmer abzuschrecken angereichert mit einer gewissen Portion Rachsucht finde ich schon ein mögliches Motiv. Es stimmt natürlich, das nicht jede Kalaschnikow von einem Russen bedient wird, aber Nervengas ist etwas völlig anderes. Bei der Toxizität des Stoffes braucht man schon ein professionell ausgestattetes Labor. Viele Verdächtige, auf die Motiv und Möglich zutreffen gibt es nicht. Die britische Regierung kann es sich aber nicht leisten, auf den Nachweis von Nervengas nicht zu reagieren.

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werder11 13.04.2018, 10:17
31. 1000% indizien

Zitat von vulcan
1000% ? Reichen 100% Ihnen nicht vielleicht auch? Und nebenbei - es gibt auch Gerichtsurteile, die sich auf Indizien stützen, ohne 100%ige Beweise vorliegen zu haben -nämlich dann, wenn die Indizien einem Beweis gleich oder nahezu gleich kommen.
entsprechen nicht 1% beweis, weil sie die letzte absolute gewissenheit eben nicht bringen und solange das nicht der fall ist, darf man niemanden verurteilen und falschurteile gibts ja nachgewiesen genug!

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Emderfriese 13.04.2018, 10:19
32. Gleiche unter Gleichen

Zitat von karl-wanninger
Na, dann schaun wir mal: Russland ist keine Demokratie, politische Gegner Putins werden auf offener Straße niedergeschossen, unliebsame Journalisten werden ermordet, Nachbarländer überfallen und teilweise besetzt, usw.. Nun eine Regierung die solches veranlasst kann ......
Eigenartig ist schon, dass heute, nachdem die kommunistische Sowjetunion zerbrochen ist und in Russland ein knallharter Kapitalismus US-amerikanischer Vorstellung mit Oligarchen, Konzernen und wirtschaftlichen Machtzentren eingeführt wurde, dass also Russland mittlerweile so ist, wie sich die "westliche" Welt die Sowjetunion wünschte - dass da immer noch von Diktatur gesprochen wird. Das kann man machen. Aber gleichzeitig sind die Verhältnisse im Lande der großen US-Konkurrenten doch in Wahrheit nicht anders. (Okay, Whataboutismus, aber ein Vergleich muss doch zulässig sein)
Bis auf das Parlament. In Russland gibt 5 Parteien, die in der Duma sitzen, in den USA nur zwei. Zwei, die sich sehr ähnlich sehen. In Russland reicht die Spannbreite von ganz links bis ganz rechts.
Was wollen die Russland-Kritiker eigentlich für eine Demokratie dort?
Jelzin ist Geschichte, und das russische Volk ist sehr froh darüber.

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Zaunsfeld 13.04.2018, 10:22
33.

Zitat von denkende
und kann sich in die Gegenseite versetzen. Nur dann können wir unser Gegenüber verstehen. Mein Vorschlag für den Frieden: Mache deinen Feind zu deinem Freund… Russland ist ein großes Land, der hungrig ist ......
Das alles hatte Russland doch schon. Aber Putin wollte es nicht mehr. Er braucht außenpolitische Feinde, um von seinem innenpolitischen grandiosen Problemen abzulenken. Vor allem die Tatsache, dass Russland bis auf ein paar wenige Bereiche wie Luftfahrt oder Militärgüter eine Wirtschaft auf Dritte-Welt-Niveau besitzt, ist ein gewaltiges Problem für Putin. Wenn Frieden wäre und außenpolitisch alles ruhig, würden sich die Russen nämlich auf diese innenpolitischen Themen konzentrieren. Und da stünde Putin seeehr, sehr schlecht da und er hätte ja auch gar kein Argument mehr, wie er dieses Versagen erklären oder entschuldigen könnte.

Putin ist KGB-Mann und praktisch sein gesamtes Umfeld, die gesamte russische Regierung und fast die gesamte Führung der russischen Wirtschaft (Etwa 70% des russischen BIP wird von aus dem Kreml geführten Staatskonzernen erwirtschaftet.) wird von Ex-KGB-Leuten geführt.
Diese Leute haben allesamt quasi keine Ahnung von Wirtschaft. Auch Putin hat davon keine Ahnung.

Putin tut einfach nur das, was er kann. Er ist Geheimdienstmann und sieht deswegen jedes Problem und auch dessen Lösung immer durch die Augen eines Geheimdienstmannes. Putin weiß nicht, wie er die russische Wirtschaft modernisieren soll. Deswegen verlegt er sich auf das was er kann, nämlich mit Geheimdienstmitteln (Desinformation, Propaganda, Manipulation, Strippenziehen etc.) von diesem Problem abzulenken. Somit ist dieses Problem zwar im Grunde nicht für Russland, aber für ihn selbst gelöst.

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dancar 13.04.2018, 10:26
34. sehe ich auch so

die Tradition des "Tschekisten" hat auch ein Herr Putin noch im Blut. Wer was anderes hofft, ist ein Träumer.

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burgundy 13.04.2018, 10:28
35.

Vieles sind einfach Gerüchte, und mit Ihrer Frage nach der Wertigkeit irgendwelcher Geheimnisse, die Skripal nach seinem Gefängnisaufenthalt von 2004 bis 2010 noch hätte an den MI6 verraten können, erscheint vollauf berechtigt. Das fand ich übrigens auch den einzigen Schwachpunkt im ansonsten sehr instruktiven Diskurs von Nehring, der zusammen mit Gysi das Highlight der Runde bildete (wobei letzterer wie immer ein wenig Agitator war, wenngleich auch mit fundiertem Hintergrund, ganz im Gegensatz zu seiner Nachbarin, Frau Navidi).

Leider scheint Desinformation offensichtlich zum Standard in dieser Affäre geworden zu sein. Von Anfang an, noch ohne weitere Untersuchungen, gaben sich die Briten felsenfest überzeugt, sprachen von eindeutigen Beweisen. Bislang wurden diese Beweise, glaubt man den Medien, nicht vorgelegt. Auch gestern schrieb zum Beispiel der SPON (ich hoffe, er hat richtig zitiert), dass die OPCW zwar die Ergebnisse von vier Laboren bestätigt habe, wonach es sich um eine potenziell tödliche Chemikalie russischer Herkunft gehandelt habe, zu einem möglichen Urheber des Anschlags und zum Namen des Nervengifts wurden keine Angaben gemacht. Nur das allein lässt einen schon stutzen: Sollte es sich um Nowitschok gehandelt haben, dann wäre das Gift nicht russischer, sondern sowjetischer Herkunft gewesen. Laut Literatur wurde es in Usbekistan hergestellt. Die Usbeken haben angeblich allerdings erst nach dem Abzug der Russen 1991 hiervon erfahren und die USA (in Kontakt diesbezüglich mit Usbekistan seit 1991)mit der Reinigung der Labore (ab 1999) beauftragt. Somit hätten schon damals Lücken entstehen können, die den Verbleib des Giftes unsicher machen, und folgerichtig wurde ja in der gestrigen Runde auch der Verdacht geäussert, dass Nowitschok überall auf der Welt zirkulieren könnte. Die mit der Entwicklung des Giftes befassten Wissenschaftler leben jetzt in den USA. Das macht den Sachverhalt auch nicht durchsichtiger. Aber war es überhaupt Nowitschok? Herr Maas geht davon offiziell aus, spricht von Beweisen. Medizinisch ist das nur schwer glaubhaft. Nowitschok ist ein AChE-Hemmer, höchst toxisch (also eben nicht nur potenziell tödlich), mit schwersten, ganz charakteristischen Symptomen und einem wirklich grausamen Tod. Schwer vorstellbar, dass Vater und Tochter es aus dem Restaurant oder von zu Hause, oder wo immer man das Gift gefunden haben will, auf die Parkbank geschafft haben, um dort fast symptomlos das Bewusstsein zu verlieren. Das passt nicht zu einem solchen Gift, was keinesfalls die Mordhypothese der Briten ausschliesst, nur eben nicht so. Und auch die Labore waren sich in ihren Bewertungen offensichtlich nicht einig.

Was also nun? Als Aussenstehender, mit Desinformation bestens versorgt, kann man sich keinen Reim darauf machen und nur hoffen, dass die Regierungen bessere Informationen haben und ihre Reaktionen daher angemessen sind.

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andreas_stöber 13.04.2018, 10:33
36.

Zitat von maynard_k.
nicht Sanktionen bei Völkerrechtsverletzungen sind das Problem sondern die Ungleichbehandlung bei Völkerechtsverletzungen! Diese macht die moralische Argumentation zunichte. Darauf hat Gysi hingewiesen und das ist das was so viele nicht verstehen um dann whataboutism oder Putinversteher zu plärren!
Whataboutism und Relativierung lösen aber keine Ungleichbehandlung. Sie dienen nur als plumpes und einfaches - weil universal einsetzbares - Mittel eine Diskussion zu vermeiden, zu verzögern oder den Gegner mundtot zu machen.
Das ist ja nicht nur in der Russlanddiskussion so, sondern auch bei der Sexismus oder Islamdebatte.
Meiner Meinung nach einfach nur noch unendlich öde.

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Emderfriese 13.04.2018, 10:36
37. Agitprop

Zitat von Zaunsfeld
Das alles hatte Russland doch schon. Aber Putin wollte es nicht mehr. Er braucht außenpolitische Feinde, um von seinem innenpolitischen grandiosen Problemen abzulenken. Vor allem die Tatsache, dass Russland bis auf ein paar wenige Bereiche wie Luftfahrt oder Militärgüter eine Wirtschaft auf Dritte-Welt-Niveau besitzt, ist ein gewaltiges Problem für Putin. Wenn......
Tut mir außerordentlich leid, es so krass sagen zu müssen - aber Ihre Vorstellungen sind reine Propaganda.
Lesen Sie einfach einmal nach, was Putin auf der Sicherheitskonferenz 2007 in München sagte. Empfehlenswert für jeden, der die heutige Zeit verstehen will. Im Internet leicht zu finden.

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helmud 13.04.2018, 10:36
38. Das Dazwischengerede von der Moderatin nervt.

Bitte das nächste mal ohne den gescheiterten Umweltminister, der sollte endlich nach Amerika auswandern.
Er hat als Umweltminister schon bewiesen, dass er als Politiker nur 3. Wahl ist, seine Analysen sind oberflächlich und einseitig.

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Barath 13.04.2018, 10:40
39. ...

Zitat von Palmstroem
Die Putinversteher sollten einmal erklären, warum es in Russland keine Talkrunden wie diese gibt, keine Untersuchungsausschüsse einer kritischen Opposition, keine öffentlichen Anhörungen wie in den USA und keinen investigativen Journalismus. Dann noch zu erklären, der "Westen" lüge und Putin müsse man glauben ist pur Verdummung.
Vielleicht teilt ja nicht jeder "Putinversteher", so wie sie, die Welt strikt in gut und böse. "Wenn es hier keine komplett unterdrückte Meinungsfreiheit gibt, dann müssen wir die Guten sein, und die anderen die Bösen" oder "Wenn der Putin nicht gut ist, dann muss es sein Gegner sein, also die USA." werfen als Argumente ein trauriges Licht auf sie.
Vielleicht ist Putin ja ein skrupelloser Autokrat, und im Westen wird trotzdem skrupellos gelogen und manipuliert. Vielleicht sind Assad, Saddam und Gaddafi ja wirklich Schlächter und die USA interessieren sich in ihren Aktionen trotzdem nicht mal im Ansatz für die Menschen dort sondern morden diese aus reiner Profitgier und Machtinteressen.
Ist ihnen diese Möglichkeit nie in den Sinn gekommen?

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