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Rätselhafter Gerhard Richter: Rakeln und Orakeln
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"Mit dem Rest sollen sich Analytiker beschäftigen": Gerhard Richter ist der teuerste deutsche Maler - und der, der am schwierigsten zu fassen ist. Eine Annäherung.

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frantonis 01.07.2018, 10:42
10. Hatte das Dom-Kapitgel veräpelt

Richter, ein bekennender Atheist, hatte den Auftrag für ein Fenster im Kölner Dom bekommen. Was machte er, er ließ durch einen Computer ein Feld mit zufällig ermittelten Farben ausdrucken. Dies war dann das Motiv des Fensters. Es soll Künstler gegeben haben, die einen Affen zu ERstellung moderner Gemälde herangezogen hatten.
Die Geschichte ging dann weiter wie bei des Kaisers neu Kleider. Das Domkapitel war begeistert von diesem Kunstwerk. Nur Kardinal Meißner (vergleichbar mit dem kleinen Kind im Märchen) hatte das Machwerk des Künstlers durchschaut,

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syracusa 01.07.2018, 13:08
11.

Zitat von fisschfreund
Warum genau geben Leute für so ein Geschmiere so viel Geld aus? Ich kleckse so ein Bild für günstige 100k in einer halben Stunde zusammen, leider möchte mir das wohl niemand zahlen.
Das wirklich Interessante an Ihrer Aussage ist, dass Sie noch nicht mal den leisesten Hauch einer Ahnung haben, warum man für Ihre Bilder nix bezahlt, für die von Richter aber Millionen. Ich verrate Ihnen die Lösung: die Käufer haben mehr Ahnung von Kunst als Sie. Aber ich bezweifle, dass Sie das je akzeptieren werden.

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thelix 01.07.2018, 14:08
12.

Zitat von charly05061945
Ist das Kunst oder kann das weg? Ist das die Leinwand an der Herr Richter seine Pinsel saubergewischt hat?
Wie lange haben Sie überlegt, bis Ihnen diese höchst originelle Spitze, die sicherlich noch von niemandem sonst geäußert wurde, eingefallen ist?

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ruzoe 01.07.2018, 14:13
13. Bei manchen Antworten

darf man ruhig annehmen, dass die Fragen teilweise der Altersschwerhörigkeit des Malers zum Opfer fielen.

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vera gehlkiel 01.07.2018, 15:08
14.

Ich hab mich mit Richter immer sehr schwer getan, über die schiere, wenn auch ob seiner malerischen Begabung und Technik enorme, Bewunderung hinweg löst er irgendwie schlicht und einfach gar nichts in mir aus. Eine Ausnahme bildet da sicher das Kölner Domfenster, das in seinem Umgebungsbezug einfach genial ist. Dort zu sitzen, und sich von dem sorgfältig vermittelten Aussenlicht erhellen zu lassen, ist ein sehr tiefgründiges Erlebnis. Wobei es natürlich komplett egal ist, ob der diesen Ort aus spektral gebrochenem Licht geschaffen habende Künstler religiös ist. Sein Werk dort ist es ganz bestimmt. Es ist eine Art von Lichtgebet, möchte man sagen. Hier kommt aber sogleich der Punkt zum tragen, dass Richter selbst darüber wahrscheinlich skeptisch lächeln würde, und man sich daraufhin etwas dumm vorkäme. Naja, so ist sein Werk insgesamt, es wirkt, als sei es vorwiegend ganz bewusst für die Sterilität des postmodernen Museums geschaffen. Einmal habe ich eine grosse EL- Greco- Retrospektive gesehen, die mich bis ins Mark erschütterte. Und zwar jedes einzelne Bild. Auch hier ging es fast nur um Licht, aber es waren gemalte Menschen, die fehlen mir bei Richter. Selbst die tote Ensslin ist nicht da, in dem Bild, und das will Richter erklärter Massen ja so haben. Nimmt man ihn so herum ernst, ist sein ganzes Werk ggf. ein furchtbarer Kommentar zur wimmelnden Leere der heutigen Zeit, indem es das Wimmeln einfach entfernt hat. Insgeheim, glaube ich, wäre Richter lieber ein Zeitgenosse El Grecos, und damit ein Kirchenmaler, gewesen.

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Tineup 01.07.2018, 23:55
15. Richter ist einfach genial

Wir haben jetzt seit kurzem Im Münster ein Richter-Kunstwerk. Das hat er uns geschenkt. Ein foucaultsches Pendel in einer vorher schon profanisierten Kirche mit zentraler Kuppel. Das Pendel ist natürlich pure Physik, seine dazu installierten Doppelspiegel sind sein eigentliches Kunstwerk. Aber es passt einfach alles dermaßen genial zusammen. Man hat das Gefühl, als sei die Dominikanerkirche nur gebaut worden, um dieses Pendel aufzunehmen. So wie die Fenster im Kölner Dom. Das richtige Kunstwerk am richtigen Ort.

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Knossos 02.07.2018, 13:46
16.

Bezeichnende Zitate: "Richter befreite die Farbe vom Gegenstand. ... Sein Werk kann als stetige Fortführung und Wandlung der Abstraktion begriffen werden ... - schon immer regierte bei Richter auch der Zufall.

Frage: Tritt das Figürliche bei Ihnen nun ganz in den Hintergrund und weicht dem Abstrakten -
Richter: Ich weiß nicht, warum das so ist. Irgendwann lässt das Interesse halt nach."
Im Bereich des Künstlerischen und was als solches gelten soll, gibt es zwei Instanzen. Einmal Kunst und einmal Beliebigkeits-Marketing.
Wer mit Weihen des Ersteren vertraut ist, also den Unterschied zwischen kinderleichtem Gimmick und künstlerischem Anspruch ausmacht, weiß auch, warum Richters "Interesse" an Figürlichem "nachläßt", von dem er arglos vorgibt, sich des Beweggrunds nicht bewußt zu sein.
Es erklärt sich auch bereits mit seinem Abmalen projektierter Photos.
Malen (nicht Durchpausen) will gekonnt sein. Die Fähigkeit / Unfähigkeit dazu macht von je her den Unterschied von Meistern zu Klecksern aus.
Daß Nichtkönnen im Kunstmarkt Vorrang vor Können eingeräumt wird, ist zynische Zersetzung des Nachvollziehbaren und Außergewöhnlichen.
Im Gegensatz zu propagandistischer Geburtsstunde der Anti-Kunst im Kalten Krieg, heute zwar lediglich darauf fußend, in der Interpretation der Nichtigkeit intellektuellen Anstrich zu verleihen, wo sich Wohlstand und Macht fehlendes Attribut zuzulegen gedenkt, doch im kulturell zerstörerischen Effekt geistiger Indifferenz nichtsdestoweniger fatal.
Zu Wischiwaschi abgestellte Advokaten der Scharlatanerie wie Westheider, Hortolani und wie sie nicht alle heißen, weisen unter seidenem und kaschmirischem Tuch vermeintlichen Kunstverstandes eben weder geistige Kapazität noch Ethos auf, um zu erfassen, wie bedeutend Kunst als traditioneller Vermittler von Inhalt, Fertigkeit und Differenzierungsfähigkeit für den Menschen ist.
Ihnen erschließt sich nicht, was es bedeutet, daß sich der Gemeingeist regressiv zum Informationszeitalter differenzierungsunfähig und unmündig entwickelt.
Warum auch sollte kulturelle Destruktion sie tangieren, während man selbst als Trittbrettfahrer des Verhohnepipelns in champagnergetränktem Müßiggang opulent gesicherter Apanage Kappes wie obigen verkappen darf, ohne daß einem wegen "abstrahierten" Salbaderns auf den Zahn gefühlt wird.
Hier hat auch die Interviewerin verpaßt, nachzuhaken, was affektierter Schwulst denn bedeuten soll. Eine Frage, die man natürlich nur einmal stellte. Hernach wäre am Hofe der Luftschlösser mit Aufwartung wohl kaum mehr zu rechnen.

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speedygonzalez 07.07.2018, 00:20
17. Ganz einfach

Ich beschäftige mich schon seit einiger Zeit mit Richters Werk. Es ist viel komplexer, als es hier dargestellt wird und viel umfangreicher als das, was die meisten Kommentatoren hier kennen. Und es ist ganz einfach, ihn zu verstehen: er beschäftigt sich mit der Frage, was Malerei und verwandte Medien (Computergrafik, Fotos, Glasfenster etc.) heute schaffen und bedeuten können. Und das viel grundsätzlicher und überzeugender als viele Andere, und zwar schon seit langem. Wer sich genauer mit Richter beschäftigt, der weiß, dass er sich auch mit politischen Themen auseinandergesetzt hat; manches könnte als Konzeptkunst bezeichnet werden (bitte googeln, vgl. Holzer, Nauman und andere). Also ganz einfach: Anschauen und nachdenken.

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