Forum: Kultur
RAF-Drama "Schattenwelt": Die Stille nach dem Blitzlichtgewitter

Terrorist und Opfer auf Tuchfühlung: In dem so provokanten wie fulminanten RAF-Drama "Schattenwelt" jagt eine junge Rächerin den vermeintlichen Mörder ihres Vaters - und der Deutsche Herbst wuchert unheilvoll in die Gegenwart.

Ben-99 24.06.2009, 20:28
1. Klingt sehr vielversprechend

… nachdem Eichingers wochenlang mit viel Getöse zur Sensation aufgeblähte Popcorn-Version des „Baader-Meinhof-Komplex“ sowohl an den Kino-Kassen als auch bei den Oscar-Juroren nur leise „plop“ gemacht hat, ist es an der Zeit, mal wieder etwas mehr Qualität beim gefühlt hundertsten Aufarbeitungsversuch der RAF-Geschichte einfließen zu lassen. Das war vorher auch schon Volker Schlöndorff mit „Die Stille nach dem Schuߓ geglückt, auch wenn manche Kritiker Probleme mit der gewählten, fast schon komödiantischen Erzählform hatten. Übrigens ließ schon damals Nadja Uhl ahnen, daß sie mal zu einer der vielseitigsten und besten, wenn nicht gar DER besten deutschen Schauspielerinnen reifen wird.

Aber ich höre bereits den Chor der üblichen Verdächtigen: Nicht schon wieder dieses olle RAF-Thema! Und: Laßt uns auch endlich mit Hitler in Ruhe! Sie werden ihre Klagelieder wohl noch lange singen. Denn diese Themen sind zeitlos, und ich hoffe, daß sich auch noch in 20 Jahren gute Drehbuchautoren, Produzenten und Regisseure finden werden, die die nach wie vor wichtigsten Stoffe der jüngeren deutschen Geschichte in spannende Filme umsetzen können. Bernd Eichinger gehört nicht zu ihnen. Das hat er bereits mit seinem völlig mißratenen „Untergang“ bewiesen – für mich eines der übelsten Kino-Großproduktionen der letzten Jahre, weil einmal mehr auf gefährliche Weise so getan wurde, als wären die Deutschen damals allesamt nur „Opfer“ gewesen - was sogar für die letzten verbliebenen Bunker-Nazis galt. Das „Monster“ Hitler selbstverständlich ausgenommen. Und so wie ihn der früher mal gute Schauspieler Bruno Ganz peinlich grimassierend wie eine Provinztheater-Knallcharge darstellte, haben zumindest die Amis den Film erwartungsgemäß geliebt. Doch zum Glück hat es für einen Oscar nicht gereicht - wie auch später nicht für die von Eichinger verfilmten „Baader-Meinhof“-Komplexe des Stefan Aust.

Zu Recht Triumphe in Hollywood feiern konnte dagegen „Das Leben der Anderen“. Ein vorzüglicher Film und ein Lehrstück für Großmäuler wie Eichinger, der sich ja damals in Interviews sogar als Möchtegern-Historiker aufspielen wollte. Diese Kritik muß Connie Walther, die Regisseurin von „Schattenwelt“, nicht fürchten. Nachdem nicht nur mir ihre Stasi-Lovestory „12 heißt: Ich liebe dich“ im Fernsehen außerordentlich gut gefallen hat, kann man auf ihren Kinofilm, der sich mit einem anderen heiklen politischen Thema unserer jüngsten Vergangenheit befaßt, nur gespannt sein.

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autocrator 25.06.2009, 02:49
2. peinlich

wie peinlich, erbärmlich ist hier die resonanz auf SPON auf diesen artikel!
Da wurde, in durchaus hochkarätiger besetzung ein stück kultur geschaffen, gebannt auf zelluloid auch nachhaltig, und das ist im öffentlichen forum eines zentralorgas unseres 80-millionen-volkes der dichter und denker gerade mal einen einzigen kommentar wert?

themen dagegen, die wie säue durch's dorf von der journaille getrieben werden, erzielen teilweise hundert-, tausendfache anmerkungen, die genauso schnell vergessen sein werden wie die themen selbst, und dort wo kreativ etwas geschaffen wird und nicht nur irgendein x-beliebiges politisches oder finanzilles problem gelöst oder eben auch nicht gelöst wird, das bleibt unkommentiert?

armes, geistig verarmtes deutschland! Wir benötigen dringend eine wertedebatte!

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Maniac 25.06.2009, 07:35
3. Drehbuch von Boock?

Na da konnte der liebe Herr Boock sich mal wieder austoben. Bisher hat er nur dämliche Interviews mit abstrusen Andeutungen von sich gegeben - und nun auch noch als Co-Autor eines Drehbuchs zur RAF. Es wäre besser, wenn er mal was zur Aufklärung der Verbrechen beisteuern würde.

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rio_riester 25.06.2009, 09:42
4. Gewichtung

Zitat von Maniac
Na da konnte der liebe Herr Boock sich mal wieder austoben. Bisher hat er nur dämliche Interviews mit abstrusen Andeutungen von sich gegeben - und nun auch noch als Co-Autor eines Drehbuchs zur RAF. Es wäre besser, wenn er mal was zur Aufklärung der Verbrechen beisteuern würde.
Ist doch völlig egal, ob dieser Boock nun mit von der Partie war oder nicht. Das Ergebnis (der Film) ist offenbar vielversprechend (habe den Film noch nicht gesehen) - und wenn dafür die Mitarbeit von Boock hilfreich war - warum nicht?

Wenn der Film gut ist, kann von mir aus ein Kurras oder ein Barzel das Drehbuch verfassen, meinetwegen auch der Teufel höchstpersönlich. Das Ergebnis zählt.
Und in diesem Fall scheint das Ergebnis (der Film) offenbar gelungen zu sein.

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Ben-99 25.06.2009, 10:13
5. Peter-Jürgen Boock

@ Maniac

… Sie meinen, man hätte den „Boock zum Gärtner“ gemacht? Nun, mir ist er auch nicht sonderlich sympathisch. Aber wie sollten sich den Ex-Terroristen verhalten? Den anderen wird zum Vorwurf gemacht, daß sie seit ihrer Haftverbüßung eisern schweigen und dadurch viele Angehörige der Opfer bis heute im unklaren über die tatsächlichen Hintergründe der Anschläge lassen.

Außerdem ist Peter-Jürgen Boock auch nicht DER Drehbuchautor, sondern wird als einer von zwei „Co-Autoren“ genannt. Ich denke, daß er darauf bestanden hat, weil solche Filme ohne seine Insider-Kenntnisse in dieser Form gar nicht machbar wären, was auch schon für den „Baader-Meinhof-Komplex“ galt.

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