Forum: Kultur
Rassismus: Das Ende des German Dream
Valerie-Siba Rousparast

Immer nur deutsche Berufstätige leiden an Burn-out - warum? Vielleicht ist der Erschöpfungszustand für viele Migranten so sehr Normalität, dass kaum Diagnosen erfolgen. Ein Auszug aus dem Sammelband "Eure Heimat ist unser Alptraum".

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whitewisent 17.02.2019, 22:16
1.

"Migration ist immer ein Versprechen auf ein besseres Leben, einen German Dream."

" In meiner eigenen Familie, die über das Anwerbeabkommen zwischen der BRD und der Türkei in den frühen Siebzigerjahren eingewandert ist ... Der German Dream meiner Großeltern war, etwas Geld zur Seite zu legen und damit in der Türkei ein Stück Land zu kaufen."

Es gibt wohl wenig Sätze, welche das grundlegende Mißverständnis der gegenwärtigen Gesellschaft so gut nachvollziehbar machen. Wer sowas schreibt, will nicht verstehen, daß es dieses Versprechen nie gab. Einwanderung ist eine Hoffnung, ein Traum auf ein besseres Leben, aber kein Versprechen, dessen Erfüllung man einfordern kann. "Framing" - wir nennen es nicht mehr Einwanderung und Ausländer, sondern Migration und Refugees, weil das ja so schön modern klingt. Nur sind die wenigsten Gesellschaften modern.

Wer einwandern will, kauft sich kann Land in der Heimat, sondern hat vor, dorthin zurückzukehren. Es ist also nicht nur ein Mißverständnis der Deutschen gewesen, die Arbeitnehmer als solche anzusehen, verklärt "Gastarbeiter" genannt, da diese eben gerade nicht hierbleiben wollten und sollten.

Solange jeden Tag Flugzeuge mit Zinksärgen in die Türkei fliegen, weil auch die dritte und vierte Generation nicht ihre Toten in Deutschland bestattet, sollte man mit den Vorurteilen zurückhaltend sein, denn dieses Leben zwischen den Welten führt zum Stress, nie fertig zu sein, immer noch mehr haben zu müssen, weil es vieleicht für eine Heimat reicht, aber nicht für zwei!

Burn-Out ist kein Luxus, sondern eine Krankheit, an der auch türkische Arbeitnehmer leiden. Nur aus Scham gegenüber ihrer Familie und Umfeld nicht zugeben. Eine Haltung, die in Deutschland auch noch teilweise besteht, weil man als Eltern/Großeltern ja immer der Fels sein will, auf dem Alles aufbaut. Und teilweise ist es so, wenn man an die unselbstständigen Vertreter der 3. und 4. Generation denkt, die wie selbstverständlich mit 30 immer noch das Kinderzimmer bei den Eltern in Beschlag nehmen, wenn ihre erste Ehe gescheitert ist, oder sie gar nicht für sowas vor die Tür gegangen sind.

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Marino123 17.02.2019, 22:23
2. Neuer Versuch

Hier wird wieder versucht, bei den autochthonen Deutschen ein schlechtes Gewissen zu erzeugen.
Es gibt so etwas wie einen kulturellen Egoismus, ähnlich dem individuellen Egoismus. Den gibt es auf der ganzen Welt bei allen Kulturen. Das ist bei der türkischen Kultur nicht anders.

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japhet 17.02.2019, 22:25
3. Bitte bei der Wahrheit bleiben

Der Großvater habe jahrelang Siebentagewochen gearbeitet, in der Fabrik - in Deutschland. Geht es noch drastischer?

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Outdated 17.02.2019, 22:35
4. Ich gehöre auch zur angeblich benachteiligten Gruppe

daher kann ich mal eines ganz klar sagen:
Der Satz "du musst doppelt so hart arbeiten" ist genau der Fehler in den ich früher auch getappt bin.
Bei der vielen Arbeit verpasst man nämlich das entscheidende, das sich einfügen in die Gesellschaft, den feinen Tanz, des sozialen lernen der eben jede Gesellschaft aus macht und den man als Migranten Kind nicht von Haus aus mitbekommt.
Das Problem also ist hausgemacht und nicht einer Mythischen Verschwörung angelastet, wer dem entgehen will befolge folgende Regeln:
1: gebe allen deinen Kindern deutsche Namen und stelle von anfang an klar das sie Deutsch sind.
Keine verwirrende Doppelidentitäten erlaubt.
2: sei freundlich und entgegenkommend.
3: schau alte deutsche filme, ja ist etwas altbacken aber da bekommt man eher zu sehen wie es "richtig" geht.
4: lass dich, und das ist besonders wichtig, nicht von sonderrollen verführen. gerade in einem gewissen politischen spektrum werden die einem gerne angeboten. Vorsicht falle! Bist du einmal in der Sonderecke steckst du fest.

garantiert das erfolg? nein, es gibt kein Anrecht auf erfolg.

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spon_7972154 17.02.2019, 22:43
5. Aber Menschen sind gekommen....

Der passende Song zum Artikel: https://youtu.be/o2QITWrBkFE ("Arbeitskräfte wurden gerufen .... aber Menschen sind gekommen..."). Auch wenn ich nicht alles exakt so nachvollziehen bzw. aus eigener Erfahrung bestätigen kann (nein, ich heisse im realen Leben nicht P. M.); aber allein für den letzten Absatz hat sich das Lesen gelohnt: Ja, ich will die gleichen Jobs wie meine Kommillition_innen! :-)

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MiCo 17.02.2019, 22:43
6. Reichlich übertrieben und ebenso einseitig

Es gibt Ausländerfeindlichkeit in Deutschland, sicherlich jedoch nicht mehr als in jedem anderen Land dieser Erde. Es nervt ständig, auf Grund der verabscheuungswürdigen Zeit der ersten Hälfte des letzen Jahrhunderst Deutschen bei jeder Gelgenheit Rassismus vorzuwerfen. Migranten kommen ungefragt nach Deutschland um dort ihren Traum nach Wohlstand und Sicherheit zu verwirklichen. Gut so! Das ist offensichtlich ihren Eltern und Ihnen selbst gelungen. Sehr schön! Sie könnten also genauso gut dankbar sein, für die Möglichkeiten, die Ihnen Deutschland gegeben hat.
Wenn ich mich derzeit in der Welt so umschaue gibt es weltweit wenig Länder, die gegenüber Migration offener sind als Deutschland, einschliesslich typischer Einwanderungsländer wir die USA. Die Geringschätzung, die sie Ihren Deutschen Landsleuten vorwerfen ist die gleiche Geringschätzung die Sie den Deutschen vorwerfen. Schade!

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zeichenkette 17.02.2019, 22:44
7. Wow

Danke. Und gut geschrieben auch noch. Und dann mal bedenken, dass unser derzeitiger Innen- und Heimatminister mal gesagt hat: "Wir werden uns gegen Einwanderung in unserer Sozialsystem wehren - bis zur letzten Patrone". Wie soll man damit umgehen?

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drhibbert 17.02.2019, 22:45
8. Lesenswert, wenn auch etwas deprimierend

Lesenswerter Beitrag, trotz (oder gerade wegen?) der enthaltenen Wut und Schärfe.

Unabhängig davon, ob man die Position der Autorin teilt, sollte es den Leser beunruhigen, dass diese junge Frau sich eindeutig nicht als Deutsche sieht. Wahrscheinlich wird sie auch von anderen mehrheitlich nicht als Deutsche angesehen. Schade. Eine sachliche Analyse der Gründe und das Entwickeln von Strategien für die Zukunft ist notwendig. Ein blame game oder verallgemeinernde Vorwürfe helfen eher nicht.

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jack.jm 17.02.2019, 22:45
9. hervorragende Kolumne

Als Migrant finde ich den Beitrag fantastisch. Mein großer Vorteil ist im Alltag nicht aufzufallen mit dem Aussehen oder der Sprache. Nur mein Name ist nicht deutsch... danke an die Autorin für ihren Mut die Wahrheit zu schreiben.
Und danke an die anderen Foristen die Wahrheit zu bestätigen mit dem ehrabschneidenden Aussagen.

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